Rainer Mausfeld: „Die physische Machtausübung folgt einer recht einfachen Logik: „Tue der Starke, was er könne, und erleide der Schwache, was er müsse.“ Das ist ein berühmtes Zitat aus dem Melierdialog aus dem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ des griechischen Historikers Thukydides, in dem Thukydides die Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Athen und Sparta beschreibt. Athen stand damals auf der Höhe seiner Macht und auch auf der Höhe seiner kulturellen Entwicklung. Innenpolitisch hatte Athen eine Form der partizipatorischen Demokratie erfunden und verwirklicht. Außenpolitisch betrieb es eine aggressive Hegemonialpolitik gegenüber den umgebenden Stadtstaaten und zwang sie in eine Organisationsform, die für Athen eine ähnliche Rolle spielte wie die NATO für die USA. Athen duldete - vergleichbar mit der Truman-Doktrin der USA - keine neutralen Staaten in seiner Umgebung und stellte die umgebenden Stadtstaaten vor die Wahl: Unterwerfung oder Vernichtung. Melos, eine kleine Insel in der Agäis, die seit 700 Jahren neutral war, bestand jedoch darauf, auch im Konflikt zwischen Athen und Sparta neutral zu bleiben. Die Melier konnten gute Gründe anführen, dass ihre Neutralität für Athen nicht von Nachteil sein würde. Sie hofften, diese Gründe auch den Athenern einsichtig machen zu können. Athen erklärte jede Form von Argumenten jedoch für belanglos und antwortete, dass Recht nur zwischen gleich starken Parteien gelten könne; ansonsten tue der Starke, was er könne, und erleide der Schwache, was er müsse. Danach belagerte Athen den Hauptort der Insel so lange, bis der Stadt die Vorräte ausgingen und sie sich unterwerfen mußte; anschließend wurden alle männlichen Einwohner getötet und Frauen und Kinder versklavt. Der Melierdialog legt beispielhaft die Grundmuster von Realpolitik offen: dass nämlich für Hegemonialmächte nur das Recht des Stärkeren gelten könne und somit moralische und rechtliche Fragen irrelevant sind.“
Im Video ab der 16. Minute:
Warum Krieg? | Rainer Mausfeld
https://www.youtube.com/watch?v=iVXOZ7PI52c
Mit dem Überfall der USA auf Venezuela und der Entführung dessen Präsidenten machen die USA klar, dass für sie nur das Recht des Stärkeren gilt.
Das war schon immer so, wurde aber immer gerechtfertigt mit hehren Worten. Mensch müsste Donald Trump beinahe dankbar dafür sein, dass er das Faust-Recht öffentlich zugibt.