Elende Sklaven hacken auf dem glücklichen Vasallen herum

„Die Bilder aus Ceuta gingen um die Welt. Binnen weniger Tage gelangten Ende Juli rund 72.000 Migranten in die spanische Exklave an Marokkos Grenze. „Wiederholt sich 2015?“ fragte so manches Medium und viele Politiker schlugen Alarm. Fakt ist: Kein Migrant, der in Ceuta die Grenzzäune überrannte, schaffte es auf europäisches Festland.

Was also steckt hinter dem Ansturm?

Michael Lüders, stellvertretender BSW-Parteivorsitzender und Spitzenkandidat für das Berliner Abgeordnetenhaus, blickt in diesem Video hinter die oberflächlichen Medienberichte: Lösten israelische Dienste durch Fake-Nachrichten in den sozialen Medien den Ansturm aus? Versucht Donald Trump die spanische Regierung zu schwächen, nachdem Ministerpräsident Pedro Sanchez es gewagt hatte, den USA die Nutzung ihrer Militärbasen für die völkerrechtswidrigen Angriffe auf den Iran zu verbieten und sich gegen den Völkermord in Gaza auszusprechen?

In diesem Video geht es um die militärische Zusammenarbeit zwischen den USA, Israel und Marokko, die Beeinflussung europäischer Wahlen und geopolitische Interessen an der Straße von Gibraltar.“

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=2uK-QYsfqAc

 

„Die Invasion aus Afrika hat begonnen und der Russe steht vor der Tür – NICHT. Aber die Sache Ceuta zeigt: Es tut sich was auf dem geopolitischen Schachbrett, was Europa bislang kaum auf dem Schirm hatte …“

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=2vwBQ3d-viE

 

Thomas Röper: „… Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Madrid bei einer Reihe wichtiger internationaler Fragen außerhalb der Mehrheit steht. Spanien hat sich beispielsweise gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen und die US-amerikanische Militäroperation im Iran ausgesprochen und auch die Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des BIP innerhalb der NATO abgelehnt. Dieser unabhängige und isolierte Kurs des Königreichs hat bereits einige Mitglieder der NATO und der EU verärgert.“

https://apolut.net/ceuta-krise-wer-steckt-dahinter-und-die-bedeutung-fur-eu-solidaritat-von-thomas-roper/

 

Unabhängig von den tatsächlichen Gründen für die Krise um Ceuta, ist das Verhalten der meisten EU-Länder widerlich und hat den Wurm dazu bewogen, den Spruch des kanadischen Premierministers Mark Carney „Es ist eine Sache, ein glücklicher Vasall zu sein, und eine andere, ein elender Sklave“ (siehe https://www.ansichten-eines-regenwurms.de/index.php/1462-es-ist-eine-sache-ein-gluecklicher-vasall-zu-sein-und-eine-andere-ein-elender-sklave ) als Vorbild für den aktuellen Titel zu nehmen.

 

Da gibt es mal ein Land, das international nach den Maßstäben der Menschlichkeit und des Völkerrechts handelt und seine eigenen Interessen vertritt – und wird bei der erstbesten Gelegenheit von den elenden Sklaven schärfstens kritisiert, die jeglichen Blödsinn und alle Kriminalitäten auf Weisung von oben mitmachen und es nicht verkraften können, dass es ein Land gibt, das sich die Freiheit nimmt, seine eigene Meinung kund zu tun.

 

 

Pascal Lottaz: „Die Eliten, die Ihnen einen Krieg mit Russland und einen Völkermord in Westasien beschert haben, arbeiten an ihrem nächsten Projekt: der Zerschlagung Europas. Und sie beginnen mit einem indirekten Angriff auf eine weitere maritime Lebensader, die Straße von Gibraltar.

Fethi von Jazair Hope spricht mit mir über die Migrationskrise in Ceuta und argumentiert, dass Marokkos Rolle im Kontext der Spannungen Spaniens mit Israel, den USA, Algerien und der Westsahara gesehen werden sollte. Er erörtert Migration, die Kontrolle über die Straße von Gibraltar, Energierouten, Marokkos Beziehungen zu Israel, öffentlichen Druck im Inland und einen möglichen Machtkampf vor den marokkanischen Wahlen.“

Zeitstempel: 00:00:00 Einführung und die Überquerung nach Ceuta 00:04:30 Ceuta, Melilla und Migrationsgerüchte 00:08:01 War der Schritt an der Grenze organisiert? 00:10:06 Israel, die USA und Druck auf Spanien 00:18:52 Gibraltar und das Risiko eines geteilten Europas 00:24:04 Spanien, Algerien und Gasrouten 00:31:28 Warum Marokko Israel nahesteht 00:41:36 Das riskante Spiel des marokkanischen Regimes 00:46:27 Fethi und Jazair Hope folgen

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=VwF5PVMZhOY

 

Lage in Spanien

 

Rechtlicher Status von Ceuta

 

Freddie Ponton: „Der Status von Ceuta ist eindeutig. Portugal eroberte die Stadt 1415, und Spanien erlangte die Souveränität im Rahmen des Vertrags von Lissabon im Jahr 1668. Im Jahr 1860 unterzeichnete das marokkanische Sultanat den Vertrag von Wad-Ras, der die heutigen Grenzen von Ceuta festlegte und die spanische Souveränität über das Gebiet formell anerkannte. Das unabhängige Königreich Marokko entstand erst 1956, fast ein Jahrhundert, nachdem das Sultanat diese Anerkennung unterzeichnet hatte, und mehr als 500 Jahre, nachdem Ceuta erstmals in europäische Hände übergegangen war.

Der heutige marokkanische Anspruch ergibt sich daher nicht aus einem ungelösten Akt der Entkolonialisierung. Er verlangt, dass eine von Marokkos eigenem Vorgängerstaat anerkannte Souveränität so behandelt wird, als hätte diese Anerkennung nie stattgefunden. Ceuta als „koloniale Enklave“ zu bezeichnen, löst diesen Widerspruch daher nicht. Tatsächlich verschleiert es ihn.“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=154670

 

Bewusst missverstandenes Urteil

 

Anna Terrón: „Der unmittelbare Auslöser scheint vergleichsweise klar. Ein jüngstes Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs stellte fest, dass das für die Exklaven Ceuta und Melilla vorgesehene Ausnahmeverfahren der sofortigen Zurückweisung an der Grenze nicht auf Personen angewendet werden darf, die beim Versuch, schwimmend einzureisen, auf See abgefangen werden. Das Urteil ist zwar umstritten, seine Tragweite jedoch eindeutig: Es öffnete weder die Grenze noch verhinderte es die Rückführung irregulär Eingereister. Es verpflichtete die Behörden lediglich dazu, das reguläre Rückführungsverfahren mit den gesetzlich vorgesehenen Garantien anzuwenden, anstatt der bislang praktizierten unmittelbaren Zurückweisung von Personen, die versuchen, die Grenzanlagen zu überwinden.

In den sozialen Medien wurde aus dieser Gerichtsentscheidung jedoch etwas völlig anderes. Dort verbreitete sich die Botschaft, die Grenze sei offen und jeder, der über das Meer nach Ceuta gelange, könne nicht mehr zurückgeschickt werden. Diese irreführende Information verbreitete sich mit enormer Geschwindigkeit und weckte die Erwartung einer einmaligen Gelegenheit, nach Europa zu gelangen. Doch auch das erklärt nicht, wie sich eine digital verbreitete Hoffnung in eine Bewegung solchen Ausmaßes verwandeln konnte. Ebenso wenig ist klar, welchen Nutzen kriminelle Schleusernetzwerke – denen vielfach eine zentrale Rolle zugeschrieben wurde – aus den Grenzübertritten gezogen haben, die größtenteils eigenständig, zu Fuß oder schwimmend und ohne Bezahlung für einen illegalen Transport erfolgten …

Mit Blick auf die Migration nimmt Spanien in Europa derzeit eine besondere Stellung ein. Die Regierung vertritt eine andere Erzählung über Migration als viele andere Mitgliedstaaten. Sie betont ihren wirtschaftlichen und demografischen Nutzen und hat zugleich eine außerordentliche Regelung für Menschen beschlossen, die bereits im Land leben und arbeiten. Gleichzeitig gehört Spanien – unabhängig von der jeweiligen Regierung – zu den Staaten mit den strengsten Kontrollen an der europäischen Südgrenze. Die spanische Regierung investierte erhebliches politisches Kapital in die Verabschiedung des Europäischen Pakts zu Migration und Asyl. Ihre innenpolitische Erzählung bedeutet daher keineswegs offene Grenzen, sondern verbindet konsequenten Außengrenzschutz mit einem pragmatischen Umgang mit jenen Migrantinnen und Migranten, die bereits Teil von Wirtschaft und Gesellschaft geworden sind.“ 

https://www.ipg-journal.de/regionen/europa/artikel/ceuta-9226/

 

Ralf Streck: „In dem offenen Brief wird auch ausdrücklich auf die „Legalisierung einer sehr großen Zahl irregulärer Migranten“ in Spanien verwiesen. Die ist inzwischen beendet. Derzeit läuft das Prüfverfahren, um zu schauen, wer von ihnen eine begrenzte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhält. Es gingen mit etwa einer Million etwa doppelt so viele Anträge ein, wie von der Regierung erwartet worden war. Darüber werden aber viele Menschen aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit und zahlen endlich in die Sozial- und Steuerkassen ein. Das scheint Merz, Meloni und Co. zu stören …

Anders als das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist in Marokko sehr wohl und gut bekannt, dass es in Spanien erneut eine Regulierung von Einwanderern ohne gültige Papiere gab, die auch viele Marokkaner nutzen. Darüber wurde natürlich die Hoffnung genährt, dass man gültige Papiere erhalten kann, wenn man es schafft, sich etwas länger in Spanien aufzuhalten. Bei der noch laufenden Regulierung waren sogar nur sechs Monate Aufenthaltsnachweis nötig. Zudem war das die siebte Regulierung. Drei davon hatte allerdings auch die rechte Volkspartei (PP) durchgeführt. Da überhaupt keinen Zusammenhang zu sehen, ist entweder pure Unkenntnis oder Verblendung.“

https://overton-magazin.de/top-story/absurde-debatte-um-ceuta-invasion-durch-marokko-vertieft-eu-spaltung/

 

Urs P. Gasche: „Um Druck auf die spanische Regierung zu machen, hat Marokko den Zeitpunkt in Ceuta gut gewählt. Denn die Regierung Sanchez steht zurzeit schon unter Druck sowohl der EU als auch der USA. Die Trump-Regierung hadert mit Spaniens Ministerpräsident, weil dieser den spanischen Luftraum für US-Überflüge gesperrt und den US-Stützpunkten in Spanien verboten hat, sich am Krieg gegen Iran zu beteiligen. Der EU wiederum ist es ein Dorn im Auge, dass Spanien den Aufenthalt von rund einer halben Million «Sans papiers» regularisiert – ein grosser Teil von ihnen stammt aus Lateinamerika."

https://www.infosperber.ch/politik/welt/was-medien-beim-massenschwimmen-in-ceuta-uebersahen/

 

Marokko: Erprobtes Muster der Erpressung

 

„Nach spanischen Medienberichten waren unter den marokkanischen Migranten auch Mitglieder des Geheimdienstes. Sie sollten offenbar nicht nur ihre Landsleute nach Ceuta führen, sondern auch die Reaktion der Spanier ausspähen. Wenn das stimmt, dann war es eine gezielte Aktion zur Destabilisierung, die die EU anderswo gern als “hybriden Krieg” bezeichnet.“

https://lostineu.eu/ceuta-ein-klarer-fall-von-geopolitik-mit-einer-unklaren-deutschen-rolle/

 

„Soziale Medien waren ein zentraler Faktor bei der Vorbereitung des Ansturms Ende Juli. Analysen spanischer Sicherheitsstellen deuten darauf hin, dass die Bewegung nicht spontan entstand, sondern durch eine länger laufende digitale Vernetzung unterstützt wurde. Während TikTok Aufmerksamkeit erzeugte, dienten Facebook-Gruppen der Information und WhatsApp der praktischen Abstimmung.

Auf TikTok verbreiteten sich Videos, die erfolgreiche Grenzübertritte, Küstenabschnitte und Botschaften über eine angeblich einfache Einreise nach Ceuta zeigten. Einige Beiträge erreichten Millionen von Aufrufen. Die kurzen Videos wirkten als emotionale Werbung und erreichten vor allem junge Nutzer.

Facebook-Gruppen dienten als Informationsplattformen. Dort wurden Erfahrungsberichte, Karten der Schwimmstrecken, Hinweise zu Ausrüstung sowie praktische Informationen ausgetauscht. 

WhatsApp übernahm die operative Koordination. In verschiedenen Gruppen wurden Treffpunkte im marokkanischen Grenzort Fnideq, Zeitpunkte und Hinweise zur Sicherheitslage geteilt. Die Kommunikation erfolgte teilweise über geschlossene Gruppen, wodurch die Behörden nur begrenzten Einblick in die Planung erhielten.

Eine wichtige Rolle spielte eine fehlerhafte Interpretation eines Urteils des spanischen Obersten Gerichtshofs. In sozialen Netzwerken verbreitete sich die Behauptung, die Grenze nach Ceuta sei faktisch geöffnet und Personen, die schwimmend spanisches Gebiet erreichten, könnten nicht mehr zurückgeführt werden.

Die in den Netzwerken verbreitete Aussage spiegelte die rechtliche Situation nicht wider, erreichte aber dennoch Tausende Menschen. In der Folge reisten viele junge Marokkaner nach Fnideq, verbunden mit der Erwartung, über Ceuta Zugang zum spanischen Festland zu erhalten.“ 

https://freedert.online/europa/287908-sehen-uns-am-15-august/

 

Ralf Streck am 31.07.2026: „Alle Jahre wieder. Erneut kommt es zum Massenansturm an der Grenze auf die in Afrika liegenden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Dass man dabei auch Tote provoziert, ist einkalkuliert. Bisher wurden 19 Leichen geborgen. Die marokkanische Gendarmerie und die Polizei prügeln und schießen nun aber nicht auf eigene Leute. Sie ist gar nicht vor Ort, wie es zum Beispiel beim Massaker in Melilla gewesen ist. Hier hatten Schwarzafrikaner, meist Flüchtlinge und keine Einwanderer, versucht, die hohen Grenzzäune zu überwinden.

Es ist offensichtlich, dass im Königspalast erneut entschieden wurde, die Grenze zu öffnen, um wieder etwas über die Erpressung mit der Migration bei Spanien und der EU durchsetzen zu können. In sozialen Medien wurde dafür geworben, zur Grenze zu ziehen, da die angeblich geöffnet sei. Die Nachrichtenagentur Europa Press zitiert marokkanische Zeitungen. „Ajbarona“ verweist auf eine „organisierte digitale Mobilisierungskampagne“ unter anderem über WhatsApp-Gruppen, die dem Exodus „vorausging“. Es seien „verdächtige Aktivitäten in sozialen Netzwerken beobachtet“ worden, um die „Bevölkerung für einen Versuch der Massenmigration zu mobilisieren“. Auch Alyaoum24 stellt die Frage, ob es sich nur um „eine einfache neue Welle irregulärer Migration handelt“ und zweifelt, ob sich plötzlich eine Gruppe junger Menschen gleichzeitig entschlossen hat, die Grenze zu überwinden.

Neu ist das alles nicht. Einige erinnern sich vielleicht noch an Vorgänge vor fünf Jahren, als Marokko plötzlich die zuvor hermetisch abgeriegelte Grenze zu Ceuta öffnete, worüber wir hier berichtet haben. Allerdings kamen damals „nur“ etwa 10.000 vor allem junge Marokkaner auf spanisches Hoheitsgebiet. Nun sind die Bilder verstörender. Schon gestern waren auf veröffentlichten Videos von der Regionalzeitung „El Faro de Ceuta“ regelrechte Demonstrationszüge in Richtung der Grenzzäune am Strand von El Tarajal zu sehen. Die Menschen haben zum Teil dann auch Grenzzäune niedergerissen und die Tore geöffnet …

Es ist die übliche Erpressungsstrategie von König Mohammed VI. Wie der türkische Autokrat Erdogan benutzt auch Marokko gerne die Einwanderung und Fluchtbewegungen als Mittel, um Druck auf Europa zu machen und Interessen durchzusetzen. Und da das stets erfolgreich ist, gibt es auch für den marokkanischen Autokraten, der sich meist in Paris aufhält, keinen Grund, damit aufzuhören.

Schauen wir zurück. Was war das Ziel und das Ergebnis des organisierten Ansturms vor fünf Jahren, als man vor allem Minderjährige mobilisiert hat, deren Abschiebung besonders schwierig ist? Es ging vor allem darum, Spanien, die EU und vor allem Deutschland zu erpressen, die Souveränität Marokkos über die Westsahara anzuerkennen. Trump hatte das Ende 2020 getan und damit viel Öl in den schwelenden Kolonialkonflikt geschüttet. Da aber unter anderem Deutschland damals noch auf eine Lösung für die letzte Kolonie Afrikas im Rahmen der UNO-Resolutionen gedrängt hatte, hatte Marokko die diplomatischen Beziehungen zu Berlin abgebrochen.

Die Grenzöffnung war ein Nachsetzen, um nach der Trump-Entscheidung den Spielraum auszuweiten, und zudem eine Retourkutsche dafür, dass der Chef der Westsahara-Befreiungsfront (Polisario) in Spanien medizinisch behandelt wurde. Plötzlich, fast zum Jahrestag des Ansturms, knickten die spanischen Sozialdemokraten (PSOE) ein. Ausgerechnet unter dem angeblich so „progressiven“ spanischen Regierungschef Pedro Sanchez, der angeblich eine Front gegen Trump anführen will, erkannte gegen alle UN-Resolutionen zur Entkolonisierung auch Spanien die Souveränität Marokkos über die Westsahara an. Kurz danach zog das von der grünen Annalena Baerbock geführte Außenministerium im Rahmen ihrer „werteorientierten“ und „feministischen“ Politik nach und trat auch das Völkerrecht mit Füßen.

Das war vor allem aus Spanien ein historischer Verrat, denn eigentlich sollte die ehemalige Kolonialmacht für die Entkolonisierung sorgen. Ausgerechnet die selbsternannte „fortschrittlichste Regierung“ in der spanischen Geschichte schwenkte auf Trump-Kurs ein, sogar gegen Mehrheitsentscheidungen im Parlament. Damals ging es Marokko auch darum, die Beziehungen zum regionalen Gegenspieler Algerien zu torpedieren, von dem Spanien sehr viel Gas importierte. Auf den Sánchez-Schwenk in der Westsahara-Frage reagierte man in Algier. Die Schutzmacht der Westsahara drehte Spanien den Gashahn ab, zumal auch der Widersacher Marokko mit Gas beliefert wurde.

Ist es also Zufall, dass zehntausende Menschen nun versuchen, das autokratische und korrupte Königreich Marokko zu verlassen, in dem sie keinerlei Zukunft haben? Nein! Allerdings werden sie für dessen Interessen instrumentalisiert. Spanien wird die allergrößte Zahl als Gegenleistung für neue Milliarden und Zugeständnisse, wie vor fünf Jahren, über zweifelhafte Sonderabkommen ohnehin wieder abschieben. Auch der Zeitpunkt des orchestrierten Grenzansturms ist kein Zufall. Vor 10 Tagen hatte sich das Tauwetter zwischen Algerien und Spanien in einem Gas-Abkommen mit Algerien manifestiert, um die Importe wieder auszuweiten. Schon jetzt ist Algerien wieder der größte Gas-Lieferant Spaniens.

Es soll zu einer vollständigen Wiederaufnahme des bilateralen Dialogs kommen. Das passt weder Marokko noch dessen Schutzmacht USA. Die Vereinbarung wurde im Rahmen des Sánchez-Besuchs gerade in Algier geschlossen. Der hatte sich dort mit Präsident Abdelmayid Tebún getroffen. Im Herbst soll das Abkommen vertieft werden und genau das will Rabat torpedieren. Einige Beobachter sehen auch eine Art neuen „Grünen Marsch“, mit dem Marokko 1975 die Westsahara nach dem plötzlichen Abzug der spanischen Kolonialmacht völkerrechtswidrig weitgehen annektiert hat.

Marokko macht ohnehin immer wieder auch seine Ansprüche auf die Exklaven Melilla und Ceuta deutlich. Das streicht zum Beispiel der linke Journalist und TV-Kommentator Antonio Mestre heraus. Egal was in Spanien zu Ceuta und Melilla gedacht werde, sind die Exklaven „für Marokko eine Priorität im Rahmen des `Großmarokkos`, und das Land bereitet sich seit Jahrzehnten darauf vor, die Souveränität Spaniens über die autonomen Städte in Frage zu stellen.“ Auch er weist auf die Algerien-Frage hin.“ 

https://overton-magazin.de/top-story/erneut-setzt-marokko-seine-bevoelkerung-in-ceuta-zur-erpressung-ein/

 

Ralf Streck am 04.08.2026: „Dass hinter der Aktion Menschenhändler oder Mafias gestanden haben sollen, wie auch der spanische Regierungschef Pedro Sánchez behauptet hat, ist schlicht Unsinn. Das macht sogar die Tagesschau deutlich. Die zitiert unter anderem marokkanische Journalisten. Die Kenner der Lage sehen keinerlei Verbindungen zur lokalen Mafia und Schmuggelnetzwerken. Das hat einen ganz einfachen Grund, den auch Sánchez kennt. Den macht der Journalist Ahmed Biyouzan deutlich. Es gibt bei einer solchen Aktion nämlich für Menschenhändler kein Geld zu verdienen …

Es gibt Zeugenaussagen, wie in diesem Video von einem Mann aus Tanger. Der bestätigt, mit dem Bus vom Militär herangeschafft worden zu sein. Man kann das auch in Medien nachlesen, die noch Journalismus betreiben. „Die marokkanische Polizei schrie uns an: ‚Los, los, los! Lauft jetzt, lauft nach Spanien‘“, erklärte Youssef El Abbas der britischen Zeitung Guardian. Schon die Tatsache, dass die „Andränger“ überhaupt zur Grenze kamen, macht deutlich, dass das eine geplante Aktion war. Tatsächlich haben marokkanische „Sicherheitskräfte“ sogar ausgesiebt, wie El Abbas bestätigt, denn die ließen nur Marokkaner über die Grenze. „Alle Migranten aus Ländern südlich der Sahara wurden gewaltsam zurückgedrängt“, fügt er an.

Diese inszenierte „Invasion“, von der auch der US-Präsident Donald Trump und sein Vize Vance sprechen und warnen, falls die Demokraten in den USA an die Macht kommen, ging sogar so weit, dass die Marokkaner von den eigenen „Sicherheitskräften“ ins Wasser getrieben wurden, um nach Ceuta zu schwimmen, wie Videos auch zeigen. Das, so ist nun geklärt, hat mindestens 88 Menschen das Leben gekostet. Das sind aber nur die Toten, die Spanien geborgen hat. Wie viele Tote auf der marokkanischen Seite verzeichnet wurde, ist unklar. Die reale Zahl derer, die das eigene Regime in den Tod getrieben hat, werden wir vermutlich nie erfahren. Eine marokkanische Menschenrechtsorganisation spricht von 130 Toten.

Dass Marokko nicht wollte, dass die eigenen Staatsbürger zurückkehren, zeigt auch die Behandlung von Rückkehrern. Man darf von Mordversuchen sprechen, wie einer hier im Video zu sehen ist. Ein Militär wirft mit großer Wucht große Steine auf einen jungen Mann, der einen Abhang hochklettert. Eine andere Perspektive zeigt, dass er danach auch noch zusammengeprügelt wird. Prügelorgien gegen Rückkehrer gab es auch an anderen Stellen …

Es ist aber ohnehin falsch. Viele Befragte Marokkaner in Ceuta wussten nichts von dem Urteil. Die große Zahl der fast 100.000 Menschen, die über die Grenze strömten, kamen auch nicht über das Meer, wie Overton schon am Tag des Ansturms deutlich gemacht hatte, sondern durch geöffnete Tore oder waren über Zäune geklettert. 100.000 ist ohnehin realistischer. Die spanische Regierung spricht schon von 73.500 Rückkehrern. Dazu fordert sie, 7.000 Minderjährige im Land umzuverteilen. Lokale Quellen berichten zudem, dass sich noch viele Marokkaner in Ceuta aufhalten.“

https://overton-magazin.de/top-story/absurde-debatte-um-ceuta-invasion-durch-marokko-vertieft-eu-spaltung/

 

Axel Fersen: „Am Donnerstag, dem 30. Juli, sprach König Mohammed VI. in seiner Rede zum Thronfest über Sicherheit und Stabilität seines Landes. Ceuta erwähnte er nicht. Zur selben Zeit zogen an der Küste bei Fnideq Tausende Menschen Richtung Grenze, wateten ins Wasser und schwammen um den Wellenbrecher von El Tarajal herum. Eine Erklärung der Regierung von Ministerpräsident Aziz Akhannouch gab es dazu bis zum Freitagabend nicht.

Bis Freitagmorgen hatten nach Angaben des spanischen Innenministeriums rund 50.000 Menschen die Grenze überwunden. Juan Jesús Vivas, Präsident der Autonomen Stadt Ceuta, nannte 60.000 und damit „etwa 70 Prozent“ der Bevölkerung; die Stadt zählt gut 83.500 Einwohner. Die Regierung bestätigte am Samstag mindestens 67 Tote, Ertrunkene und Menschen, die am Wellenbrecher zu Tode gedrückt wurden; die Behörden Ceutas nannten gegenüber Sky News 86. Die italienische Zeitung „La Repubblica“ zählte für das ganze Jahr 2025 sechs Menschen, denen der irreguläre Weg nach Ceuta gelang, und zwischen Januar und dem 15. Juli 2026 keinen einzigen.

Juan Carlos Sanz, Marokko-Korrespondent der Zeitung „El País“, beschrieb Grenzpolizisten und Gendarmen in Kampfausrüstung: „Sie hielten standhaft ihre Position, während Tausende Menschen schweigend am Strand entlangzogen und in der Flut schwammen.“ Ruth Ferrero-Turrión, Professorin für Politik und Europastudien an der Universidad Complutense in Madrid, sagte dem „Tagesspiegel“: „Ohne jeden Zweifel hätte all dies nicht ohne die Untätigkeit der Behörden geschehen können.“ Ein Befehl aus Rabat ist damit nicht belegt, und die Zeitung „Público“ hält das ausdrücklich fest.

Das Muster ist älter. Im Mai 2021 ließ Spanien Brahim Ghali behandeln, den Generalsekretär der Frente Polisario, die für die Westsahara einen eigenen Staat beansprucht. Kurz darauf zogen sich marokkanische Grenzkräfte von der Wassergrenze zurück, rund 8.000 bis 10.000 Menschen erreichten Ceuta binnen weniger Tage, und Madrid sprach von Erpressung. Rabat muss keine Grenze offiziell öffnen. Es genügt, für einige Stunden wegzusehen …

In Madrid wird der Vorwurf offen ausgesprochen. Gabriel Rufián, Sprecher der katalanischen Esquerra Republicana im Abgeordnetenhaus, warf der „marokkanischen Diktatur“ vor, Spanien und Europa einen Sommer länger zu erpressen. Irene Montero, Europaabgeordnete von Podemos, benannte den Mechanismus: Wer eine Diktatur für die Drecksarbeit bezahle, werde erpressbar, sobald diese mehr wolle. Pedro Sánchez sprach von einem „Angriff“ auf die territoriale Integrität Spaniens.

Der Schutz dieser Grenze liegt seit Jahren auf der marokkanischen Seite, bezahlt und politisch abgesichert von der Europäischen Union.“

https://erhardepplerkreis.substack.com/p/mindestens-67-tote-vor-ceuta

 

Westsahara

 

Urs P. Gasche: „… Doch Marokko eilt es nicht. Die drei Länder USA (2020 unter Donald Trump im Zuge der Normalisierung der marokkanisch-israelischen Beziehungen), Israel (2023) und Paraguay (2025) haben Marokkos einseitige Annexion der Westsahara offiziell anerkannt – ohne Autonomie für die Westsahara.

Andererseits haben gut dreissig Staaten, vor allem afrikanische, die Westsahara bereits als unabhängiges Land anerkannt. 

Die restlichen Staaten, darunter die meisten europäischen, warten ab und verlangen, dass Marokko der Westsahara eine starke Autonomie gewährt. 

Spanien hatte bis 2022 gefordert, dass die Westsahara nicht nur über eine Autonomie, sondern auch über eine Unabhängigkeit von Marokko entscheiden könne. Doch 2025 begrüsste Spanien ausdrücklich die Resolution des UN-Sicherheitsrats vom 31. Oktober 2025, die festhält, dass «echte Autonomie unter marokkanischer Souveränität die tragfähigste Lösung» sein könnte. 

Dieser Positionswechsel löste eine schwere Krise mit Algerien aus, das seinen Botschafter aus Madrid abzog und die Zusammenarbeit mit Spanien teilweise aussetzte. Die Polisario Front bezeichnete den Schritt als «schwerwiegenden Fehler».“

https://www.infosperber.ch/politik/welt/was-medien-beim-massenschwimmen-in-ceuta-uebersahen/

 

Koordinierte Aktion USA/Israel gegen Spanien

 

„Max Blumenthal von The Grayzone spricht mit Kei Pritsker über die staatlich koordinierte Einschleusung von Migranten in das von Spanien kontrollierte Ceuta in Nordafrika und geht auf die Debatte über die israelische und US-amerikanische Verantwortung für einen eindeutigen Versuch ein, die Regierung des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez zu destabilisieren …“

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=Pd4-NvyD9Qk

 

Freddie Ponton: „Es sah nach Chaos aus, kam jedoch nicht ohne Vorwarnung. Seit Jahren hatten israelische und amerikanische Politiker Spanien wegen des Gazastreifens bedroht, seine Souveränität in Nordafrika in Frage gestellt und Ceuta als Druckmittel dargestellt. Monate vor der Grenzüberquerung veröffentlichte ein ehemaliger Pentagon-Berater die Vorgehensweise fast genau so, wie sie sich später abspielte, und forderte Marokko auf, einen unbewaffneten Massenmarsch in die Stadt zu schicken, während die NATO tatenlos zusah.

Diese Untersuchung folgt den Spuren, die der Menschenmenge vorausgingen – durch israelische Drohungen, Druck aus Washington, marokkanische Lobbyarbeit, militärische Abkommen und eine digitale Mobilisierung, die Zehntausende Menschen an eine der am stärksten exponierten Grenzen Spaniens brachte. Der Zaun gab erst nach, nachdem mächtige Interessengruppen jahrelang genau dargelegt hatten, was Spaniens Kontrollverlust über Ceuta bewirken könnte …

Washington richtete seine Kritik nicht gegen Rabat. Erklärungen von US-Beamten und verbündeten Kommentatoren in den folgenden Tagen konzentrierten sich stattdessen auf Madrid, insbesondere auf die Haltung des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez zu Gaza, Spaniens Weigerung, den Vereinigten Staaten während des Iran-Einsatzes die Nutzung seiner Luftwaffenstützpunkte zu gestatten, sowie auf die allgemeine Haltung der Regierung gegenüber Israel. Das US-Außenministerium verschärfte seine Reisewarnung für Ceuta, während amerikanische Kommentatoren die Krise als Folge des Versagens Spaniens darstellten, seine Grenzen zu sichern.

Marokko, dessen Regierung die Grenze kontrollierte, über die die Menschenmassen strömten, sah sich keiner vergleichbaren öffentlichen Kritik aus Washington ausgesetzt. Auch aus Jerusalem kam keine Kritik. Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Danon, nutzte die Krise, um Ceuta und Melilla als „koloniale Enklaven“ [Anm. d. Red.: Es handelt sich um spanische Exklaven] zu bezeichnen, zu denen Spanien Rechenschaft ablegen müsse, bevor es anderen Vorträge halte. Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente entgegnete: „Nun, die Dinge werden langsam ziemlich klar.“

Diese Reaktion bewahrte Marokko nicht nur vor genauerer Prüfung. Sie lenkte die Verantwortung auf Spanien um und ordnete die Krise in die Argumente ein, die Washington und Jerusalem bereits seit Monaten gegen Sánchez vorgebracht hatten. Der Grenzübertritt hatte weniger als 48 Stunden gedauert, doch die politischen Argumente, mit denen er erklärt wurde, waren schon lange vor dem Eintreffen der ersten Menschenmassen in Ceuta zusammengetragen worden …

Als die marokkanischen Kontrollen auf dem Weg nach Ceuta am 29. Juli nachließen, waren die militärischen und nachrichtendienstlichen Kanäle, die Rabat mit Tel Aviv und Washington verbinden, bereits aktiv. Der nächste Teil der Untersuchung befasst sich mit der Frage, ob über diese Kanäle in den Tagen vor der Überquerung mehr als nur routinemäßige Verteidigungszusammenarbeit stattfand …

Bis zum 30. Juli waren die Voraussetzungen, um Spanien in Bezug auf Gaza und den Iran unter Druck zu setzen, bereits seit Jahren öffentlich und namentlich geschaffen worden. Yair Netanjahu schlug den Tausch bereits 2019 vor. Ben Gvir probte 2025 den Einsatz von Migration als Strafmaßnahme und wiederholte dies während der Überquerung selbst. Rubin beschrieb daraufhin die Methode, die vor Ort zum Tragen kam, und forderte eine unbewaffnete Massenbewegung nach Ceuta unter dem Schutz der territorialen Unklarheit der NATO. Sechs Wochen später verankerte Díaz-Balart Marokkos Anspruch in einem offiziellen Kongressbericht, während Lindsey Graham, Robert Greenway und ein durchgesickertes Planungsdokument des Pentagons die Kampagne aus den Thinktanks in die Maschinerie der amerikanischen Macht trugen. Netanjahus Regierung warnte, Spanien werde einen „unmittelbaren Preis“ zahlen, als Israel und Marokko mit einem unterzeichneten militärischen Arbeitsplan und einer in Sidi Yahya, etwa 200 Kilometer südwestlich von Ceuta, stationierten israelischen Barak-MX-Luftabwehrbatterie ins Jahr 2026 starteten.

Dann öffnete sich die Grenze und Marokko kontrollierte das Tor, während Washington und Jerusalem über die Überwachungskapazitäten verfügten, um die sich versammelnde Menschenmenge zu beobachten, über die strategischen Beziehungen, um zu verstehen, was Rabat tat, und über allen Grund, den Druck zu erkennen, den es auf Madrid ausübte.

Dennoch verurteilte keiner von beiden Marokko. Ihr Zorn richtete sich weiterhin gegen Spanien, während israelische Beamte den Grenzübertritt nutzten, um dieselben Argumente zu Migration, Gaza und der marokkanischen Souveränität zu wiederholen, die bereits zuvor vorgebracht worden waren. Das Ereignis folgte dem Drehbuch zu genau, um als isoliertes Grenzversagen abgetan zu werden. Spanien war bedroht worden, die Vorgehensweise war bekannt, und Marokko verfügte bereits über den Hebel und die Sicherheitsarchitektur, als der versprochene Druck genau an dem Punkt eintraf, an dem das spanische Territorium am stärksten gefährdet war.

Koordination hinterlässt nicht immer einen unterzeichneten Befehl; tatsächlich benötigen Staaten, die aufgrund konvergenter Interessen zusammenarbeiten, selten einen solchen. Was sie brauchen, ist ein gemeinsames Ziel, kompatible Motive, ein verfügbares Instrument und das Vertrauen, dass die anderen sich nicht einmischen werden. Im Juli 2026 verfügten Washington, Jerusalem und Rabat über alle vier.

Die Menschenmenge, die nach Ceuta eindrang, trug mehr als nur die Dynamik der Überquerung in sich. Sie war der konkrete Ausdruck einer Druckkampagne, die bereits ausgearbeitet, vorangetrieben und in die offizielle Politik umgesetzt worden war, noch bevor die erste Person den Zaun erreichte.“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=154670

 

USA gegen Spanien

 

„Ganz im Gegensatz zu Marokko machte sich Spanien unter der Regierung von Pedro Sanchez bei der Trump-Regierung auf vielerlei Weise unbeliebt: Spanien erkannte 2024 offiziell Palästina als Staat an, gewährte den USA während des Iran-Kriegs keinen Zugang zu ihren Militärstützpunkten und verweigerte die Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Pedro Sanchez war auch der einzige europäische Staatschef, der den israelischen Vernichtungskrieg in Gaza früh und massiv kritisierte. Außerdem pflegt Spanien mittlerweile gute Kontakte zu Algerien, das wegen der völkerrechtswidrigen Annektierung der Westsahara, die zwischenzeitlich von Trump anerkannt wurde, im Dauerstreit mit Marokko liegt. Darüber hinaus unterzeichnete Sanchez am 20. Juli 2026 ein Abkommen über algerische Erdgaslieferungen, womit Algerien die USA als Madrids Hauptlieferant ersetzt.

Spanien könnte durch Sanchez‘ außenpolitische Positionen prädestiniert sein, eine eigene, spezielle Partnerschaft mit Afrika aufzubauen, die auf geografischer Nähe, historischen Verbindungen und der Achtung der afrikanischen Souveränität basiert.“

https://gela-news.de/das-mittelmeer-und-seine-zugaenge-wer-kontrolliert-die-strasse-von-gibraltar

 

Ralf Streck: „Man hat es aber allseits auch mit Verblendung zu tun, wenn man nicht sehen will, dass die Trump-Administration seit langem ein fatales Spiel betreibt. Das begann damit, dass Trump zum Ende seiner ersten Amtszeit plötzlich gegen alle UN-Resolutionen zur Entkolonisierung der von Marokko besetzten Westsahara dem Autokraten in Rabat die Souveränität über die ehemalige spanische Kolonie zuerkannt hat. Als Gegenleistung wurde die Anerkennung Israels verlangt.

Es hat sich aber auch für Spanien und die Sánchez-Regierung alles andere als gelohnt, nach dem ersten hybriden Angriff 2021 auf Ceuta kurz darauf auf Trump-Kurs einzuschwenken und die marokkanische Souveränität über die Westsahara ebenfalls anzuerkennen. Damit handelte man sich auch noch einen Konflikt mit dem größten Gaslieferanten ein. Denn die Schutzmacht der Saharauis, von denen viele in Flüchtlingslagern in Algerien leben, drehte Spanien als Reaktion den Gashahn ab. Dass nun wieder Tauwetter zwischen Madrid und Algier herrscht und Algerien wieder viel Gas über die Pipelines nach Spanien liefert, gefällt auch dem weltgrößten Gasproduzenten USA nicht, da Algerien ein großer Konkurrent ist.

Es war klar, dass das Einlenken in der Westsahara-Frage den Autokraten in Rabat nur darin bestärken würde, auch die Ansprüche auf die von Marokko umschlossenen Exklaven Melilla und Ceuta zu verstärken. Und genau das wird auch aus Washington angefacht. Wie schon im letzten Artikel ausgeführt, forderte der Ex-Berater des Pentagons und Geheimdienstler Michael Rubin offen die Besetzung der Exklaven.

Er steht damit wahrlich nicht allein. Offiziell hat sich kürzlich sogar der US-Kongress entsprechend bekannt. Ende April wurde eine neue Richtung in seiner Nordafrika-Politik eingeschlagen und Ceuta und Melilla als marokkanisches Gebiet praktisch anerkannt. Im Haushaltsbericht zum Finanzgesetz 2027 verabschiedete der Haushaltsausschuss unter Vorsitz von Mario Diaz-Balart ein Dokument, in dem US-Neutralität im Streit um die Enklaven Ceuta und Melilla aufgegeben wird und man sich auf die Seite Marokkos stellt.

Es wurde auch eine Unterstützung im Umfang von 40 Millionen US-Dollar für Marokko freigegeben. 20 Millionen für Programme zur wirtschaftlichen Stabilisierung und die zweite Hälfte für Militärprogramme und die Modernisierung der marokkanischen Streitkräfte. Marokko wird an der wichtigen Meerenge von Gibraltar explizit als „Hauptpfeiler der Stabilität in Nordafrika“ gewürdigt. War man in Washington früher darauf bedacht, den Status quo zwischen Madrid und Rabat nicht zu kommentieren, wird nun ganz unmissverständlich formuliert. Wörtlich heißt es in dem Dokument des Haushaltsausschusses, dass sich die Gebiete von „Ceuta und Melilla auf marokkanischem Territorium befinden und weiterhin Gegenstand der ausstehenden Forderung Marokkos sind“.

Wie auch der britische Telegraph feststellt, führt den Ausschuss der republikanische Abgeordnete Díaz-Balart. Und der steht Außenminister Marco Rubio sehr nahe. Díaz-Balart wird sogar noch deutlich klarer und erklärt wie der Geheimdienstler Rubin. „Ceuta und Melilla gehören nicht zum geografischen Hoheitsgebiet Spaniens“, sondern „zum Hoheitsgebiet Marokkos“. Das wird natürlich genau zu dem Zeitpunkt erklärt, als Sánchez sein „Nein“ zum Iran-Krieg erklärte und den USA die Nutzung von US-Basen in Spanien dafür untersagte. Und mit dem Blick auf die Straße von Hormus sei angemerkt, dass Ceuta strategisch besonders bedeutsam für die Meerenge von Gibraltar ist. Die andere Seite befindet sich weiter in britischer Hand."

https://overton-magazin.de/top-story/absurde-debatte-um-ceuta-invasion-durch-marokko-vertieft-eu-spaltung/

 

Freddie Ponton: „Am 12. März 2026 veröffentlichte Michael Rubin, Senior Fellow am American Enterprise Institute (AEI) und am Middle East Forum, einen Kommentar, in dem er argumentierte, dass Ceuta und Melilla besetztes marokkanisches Gebiet seien und dass Spanien als Kolonialmacht kein Recht habe, Israel zu kritisieren. Vier Tage später, am 16. März, veröffentlichte Rubin einen zweiten Beitrag, in dem er vorschlug, Marokko solle einen neuen „Grünen Marsch“ organisieren – in Anlehnung an den Namen der zivilen Massenüberquerung in die Westsahara im Jahr 1975. Diesmal war der Vorschlag konkret: Unbewaffnete marokkanische Zivilisten sollten mit Bulldozern auf Ceuta und Melilla vorrücken, die Grenzzäune durchbrechen und die marokkanische Flagge hissen. Rubin argumentierte, dass die Beistandsklausel der NATO nicht greife, da die Exklaven außerhalb Europas und Nordamerikas lägen.

Neun Tage nach Rubins zweitem Gastbeitrag argumentierte der marokkanische Journalist Amine Ayoub in dem israelischen Medium Ynet, dass Israel Marokko für die Abraham-Abkommen belohnen und Spanien für seine Haltung zu Palästina bestrafen sollte, wobei Ceuta und Melilla als Mittel dienen sollten. Der Artikel stützte sich direkt auf Rubins Argumentation.

Innerhalb von vier Tagen hatte sich die Argumentation von dem Versuch, Spanien die Legitimität abzusprechen, hin zur Darlegung einer Methode zur Durchbrechung seiner Grenze verschoben. Das vorgeschlagene Mittel war nicht das marokkanische Militär, sondern eine zivile Massenbewegung, die auf die Zäune abzielte – unter der Annahme, dass Spanien bei dieser Konfrontation allein gelassen würde. Vier Monate später zogen Zehntausende Zivilisten in Richtung Ceuta, die marokkanischen Sicherheitskontrollen brachen zusammen, und Spanien sah sich genau dem Dilemma gegenüber, das Rubins Vorschlag vorausgesehen hatte.

Spanische Zeitungen griffen die Artikel innerhalb weniger Tage auf und ordneten sie in einen breiteren, marokkofreundlichen Trend in Washington ein, wobei sie das Middle East Forum, das American Enterprise Institute, das Hudson Institute und das Moroccan American Center for Policy nannten. Letzteres wird vom Königreich Marokko finanziert, und spanische Berichte beschrieben, dass es Berichte, Veranstaltungen und Meinungsbeiträge finanziere, die Rabats Argumente gegen Spanien untermauerten.

Am 3. April, drei Wochen nach Rubins zweitem Artikel, erklärte der Abgeordnete Mario Díaz-Balart, damals Vorsitzender des Unterausschusses für Haushaltsfragen des Repräsentantenhauses, der die Mittelzuweisungen für das Außenministerium überwacht, gegenüber El Español, dass Ceuta und Melilla „nicht zum geografischen Hoheitsgebiet Spaniens“, sondern „zum Hoheitsgebiet Marokkos“ gehörten und dass ihr Status zwischen den Verbündeten ausgehandelt werden sollte. Am 30. April legte sein Unterausschuss seinen offiziellen Bericht zum Haushaltsgesetz 2027 für das Außenministerium vor. Unter der Überschrift „Marokko“ heißt es darin, dass „die von Spanien verwalteten Städte Ceuta und Melilla auf marokkanischem Territorium liegen“, und der Außenminister wird aufgefordert, den diplomatischen Dialog zwischen Marokko und Spanien über deren künftigen Status zu fördern. Diese Formulierung kommt in H.R. 8595, dem vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gesetzentwurf, nicht vor, und der Ausschussbericht hat keine Rechtskraft. Seine Bedeutung liegt woanders.

Innerhalb von sieben Wochen, nachdem Rubin Ceuta und Melilla als besetztes marokkanisches Hoheitsgebiet bezeichnet hatte, hatte sich dieselbe territoriale Prämisse aus den Kommentaren in Washington in ein offizielles Dokument des Kongresses eingeschlichen. Marokkos Anspruch war zwar nicht zu US-Recht geworden, hatte aber innerhalb des Apparats, der die US-Außenpolitik prägt, Fuß gefasst.

Díaz-Balarts Verbindung zu diesem Apparat erstreckt sich bis in seine eigene Familie. Sein Bruder, der ehemalige Kongressabgeordnete Lincoln Díaz-Balart, leitete die Firma „Western Hemisphere Strategies“ (WHS), die zwischen 2012 und 2017 rund 1,2 Millionen Dollar vom „Moroccan American Centre for Policy“ (MACP) erhielt, um „die Beziehungen zwischen Marokko und den Vereinigten Staaten positiv zu beeinflussen“.

Das Unternehmen wurde für 20.000 US-Dollar pro Monat beauftragt, den Kongress und die Exekutive zu beraten und sich für engere Beziehungen zwischen den USA und Marokko einzusetzen. Der Vertrag verbot WHS ausdrücklich, Lobbyarbeit bei dem Abgeordneten Mario Díaz-Balart oder dessen Mitarbeitern zu betreiben, und erkannte damit schriftlich den Interessenkonflikt an, den diese Einschränkung eindämmen sollte.

Das Büro von Mario Díaz-Balart hat bestritten, dass es irgendwelche Lobbykontakte mit seinem Bruder gegeben habe, und seine Unterstützung für Marokkos territoriale Positionen reicht mindestens bis ins Jahr 2011 zurück, also vor den Vertragsabschluss. Aus der Einreichung geht hervor, dass eine von Marokko finanzierte Interessenvertretung die Kanzlei seines Bruders bezahlte, um Einfluss auf die US-Politik zu nehmen, während Díaz-Balarts Kongressbüro formal hinter einer vertraglichen Schutzmauer abgeschirmt wurde. Jahre später war es Díaz-Balarts Unterausschuss, der Marokkos Anspruch auf Ceuta und Melilla in einen offiziellen Kongressbericht aufnahm.

Das Repräsentantenhaus verabschiedete den umfassenderen Haushaltsentwurf am 15. Juli, elf Wochen, nachdem der Bericht mit diesem Wortlaut eingereicht worden war. Der Masseneinzug nach Ceuta begann 15 Tage später. Am 31. Juli stellte die Meinungsredaktion von Al Jazeera die Frage, ob Spanien bestraft werde, und wies darauf hin, dass pro-israelische Stimmen in den Monaten vor dem Einzug „das Thema der Enklave auffällig zur Sprache gebracht“ hätten, wobei direkt auf Rubins Artikel verwiesen wurde. Spanische, englische und arabischsprachige Medien rekonstruierten in der Folge denselben zeitlichen Ablauf – von Yair Netanjahus Karte aus dem Jahr 2019 und Ben Gvirs Migrationsrhetorik über Rubins Artikel vom März 2026 und den Wortlaut des Berichts von Díaz-Balart bis hin zu den bereits bestehenden Verteidigungsbeziehungen zwischen Israel und Marokko.

Nichts davon kam erst nach der Grenzüberquerung ans Licht. Bevor die ersten Menschenmassen Ceuta erreichten, war die Souveränität Spaniens bereits in Frage gestellt worden, ein ziviler Marsch gegen seine Grenze war vorgeschlagen worden und Marokkos Territorialanspruch war in einen offiziellen Kongressbericht aufgenommen worden. Als es zur Grenzüberquerung kam, richteten Washington und Jerusalem ihre Kritik gegen Madrid, während Rabat weitgehend unberührt blieb. Der Druck war bereits vorhanden. Die Grenzüberquerung verlieh ihm Nachdruck.

Der Vorschlag, Spanien als Washingtons militärischen Partner durch Marokko zu ersetzen, war bereits im Umlauf. Im Juni 2025 schrieb der pensionierte General Robert Greenway, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater unter Trump und Leiter des Allison Center der Heritage Foundation, auf X, es sei „an der Zeit, die NAS Rota und den Luftwaffenstützpunkt Morón … nach Marokko zu verlegen“. Bis April 2026 hatte sich dieses Argument näher an die Regierung herangeschoben. Nachdem Spanien sich geweigert hatte, die Iran-Kampagne zu unterstützen, forderte der kürzlich verstorbene Senator Lindsey Graham die Verlegung amerikanischer Stützpunkte aus Spanien in ein Land, das deren Nutzung zulassen würde. José Lev Álvarez, Autor beim Middle East Forum und ehemaliger Offizier der israelischen Armee, argumentierte, dass die Sicherheitsbeziehungen zwischen Israel und Marokko „eine neue Realität“ geschaffen hätten, die das Weiße Haus als Druckmittel gegen Madrid nutzen könne. Am 24. April berichtete Reuters, dass in einer internen E-Mail des Pentagons mögliche Maßnahmen gegen Verbündete aufgeführt worden seien, die sich der Iran-Kampagne widersetzten, darunter der Ausschluss Spaniens aus der NATO.

Dies war nicht mehr nur Druck auf Sánchez allein. Spanien wurde zu verstehen gegeben, dass seine Stützpunkte verlegt, seine Stellung in der NATO neu überdacht und seine strategische Rolle an Marokko übertragen werden könnten. Während Vertreter aus Washington den Ansprüchen Rabats auf Ceuta im Kongress Gehör verschafften, legten sie gleichzeitig dar, wie Spanien selbst auf der anderen Seite der Meerenge verdrängt werden könnte.

In den für diese Untersuchung geprüften öffentlichen Unterlagen taucht keine direkte Zahlung Marokkos an Rubin, das Middle East Forum oder das American Enterprise Institute auf. In den verfügbaren Steuererklärungen werden weder die marokkanische Regierung noch das Moroccan American Center for Policy als Finanzierungsquellen genannt. Rubins Artikel lassen sich daher nicht auf einen Auftrag aus Rabat zurückführen. Sie entsprangen einer pro-israelischen politischen Plattform, die bereits eigene Gründe gefunden hatte, Marokkos Anspruch gegenüber Spanien voranzutreiben.

Marokko bezahlte jedoch für seine Vertretung an anderer Stelle in Washington. Seine frühere Vereinbarung mit Brownstein Hyatt war im Oktober 2025 ausgelaufen, und ein neuer Vertrag über 780.000 Dollar trat am 13. März 2026 in Kraft – nur wenige Tage nach Rubins Artikeln. Brownstein wurde für 65.000 Dollar pro Monat beauftragt, Dienstleistungen in den Bereichen Regierungsbeziehungen und öffentliche Angelegenheiten zu erbringen, um die marokkanische Botschaft mit der US-Regierung zu vernetzen. Der nächste Bericht über die Arbeit des Unternehmens in den Monaten vor der Grenzüberquerung war zum Zeitpunkt des Abschlusses dieser Untersuchung noch nicht veröffentlicht worden. Rubin schrieb unterdessen auch nach der Grenzüberquerung weiter und forderte Washington erneut auf, die marokkanische Souveränität über Ceuta und Melilla anzuerkennen und Spanien für seine Haltung zu Gaza und zum Iran zu bestrafen. …

Ceuta liegt an der Straße von Gibraltar, einem Korridor, den Washington seit Jahrzehnten als strategische Lebensader betrachtet. Ein freigegebener Bericht des Außenministeriums bezeichnete Gibraltar als „die wichtigste Meerenge der Welt“ und warnte, dass der spanische Widerstand gegen den freien Transit die strategische Mobilität bedrohe, auf der die westliche Verteidigung beruhe. Ein vom Justizministerium vorgelegter Bericht über die Beziehungen zwischen den USA und Gibraltar dokumentiert die Nutzung Gibraltars durch amerikanische Schiffe während der Operationen „Desert Shield“ und „Desert Storm“ durch Reserveschiffe, die auf dem Weg in den Nahen Osten auftankten, sowie durch US-Angriffs-U-Boote während der Intervention in Libyen im Jahr 2011.

In amerikanischen strategischen Abhandlungen wurde Gibraltar ebenfalls als lebenswichtiger Mittelmeerhafen für US-Atom-U-Boote identifiziert, wobei argumentiert wurde, dass die britische Kontrolle Washingtons Zugang vor den politischen Einschränkungen schützt, die die spanische Souveränität auferlegen könnte. Ceuta liegt am gegenüberliegenden Ufer derselben Meerenge.

Seine Souveränität ist daher kein Randstreit am südlichen Rand Europas, sondern Teil der politischen Geografie rund um einen Korridor, der für die amerikanischen Militärbewegungen zwischen dem Atlantik, dem Mittelmeer und dem Nahen Osten von zentraler Bedeutung ist. Der Druck auf Ceuta lässt sich nicht von der strategischen Wasserstraße daneben trennen – oder von den Interessen der Mächte, die darauf angewiesen sind, dass sie offen bleibt.

Diese Gefahr wurde im März 2026 Realität, als Spanien Washington die Nutzung von Rota und Morón für Operationen gegen den Iran verweigerte und später seinen Luftraum für die beteiligten US-Flugzeuge sperrte, wodurch diese gezwungen waren, spanisches Hoheitsgebiet zu umfliegen. Am 16. April, mehr als drei Monate vor der Überquerung von Ceuta, erklärte US-Botschafter Mike Waltz vor den Vereinten Nationen, dass Gibraltar, Hormus, die Beringstraße und Malakka internationale Seewege seien, die „zu wichtig sind, um blockiert, vermint, als Waffen eingesetzt oder als Geiseln genommen zu werden“. Bis Mitte Juli hatte der Iran die Huthi aufgefordert, sich auf die Sperrung von Bab el-Mandeb vorzubereiten, wo bereits Raketen und Drohnen stationiert worden waren, während der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiterhin stark eingeschränkt blieb. Gibraltar hatte somit genau in dem Moment an Bedeutung gewonnen, als Madrid deutlich machte, dass der Zugang der USA über Spanien nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden könne.“ 

https://www.nachdenkseiten.de/?p=154670

 

Israel gegen Spanien

 

Freddie Ponton: „Am 25. Mai 2019 veröffentlichte Yair Netanjahu, der Sohn des israelischen Ministerpräsidenten, eine Karte der spanischen Besitzungen in Nordafrika – Ceuta, Melilla und die Inseln im Alborán-Meer – mit folgender Bildunterschrift: „Liebe Araber und Muslime. Wollt ihr besetzte arabisch-islamische Gebiete befreien? Hier ist ein guter Anfang.“

Als spanische Nutzer darauf reagierten, formulierte er den Tauschvorschlag ausdrücklich und schlug vor, dass Israel die Finanzierung von NGOs einstellen würde, die Spanien zur Abgabe von Ceuta und Melilla auffordern, wenn Spanien im Gegenzug die Finanzierung von NGOs einstellen würde, die Israel zur Abgabe von Judäa und Samaria auffordern. Die Times of Israel beschrieb diesen Austausch später als direkte Verknüpfung zwischen palästinensischer Interessenvertretung, NGO-Finanzierung und der Übergabe von Ceuta und Melilla an Marokko. Dieser Austausch fand sieben Jahre, bevor Zehntausende Marokkaner nach Ceuta einmarschierten, statt.

Das gleiche Argument kam später von jemandem, der tatsächlich ein Amt bekleidete. Im September 2025, nachdem Spanien Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich wegen ihrer Haltung zu Gaza die Einreise verweigert hatte, forderte Ben Gvir Spanien öffentlich auf, „den Menschen aus Gaza freien Einlass zu gewähren“. Zehn Monate später, als Zehntausende nach Ceuta strömten, veröffentlichte er einen Beitrag auf Spanisch, um Sánchez zu seinem „tiefen Engagement für die Aufnahme von Einwanderern und die menschliche Vielfalt“ zu gratulieren. Dann formulierte er die Forderung ausdrücklich: „Als jemand, der große Sorge um die Hamas und die Bewohner von Gaza zeigt, fordere ich Sie auf, Worte in Taten umzusetzen: Öffnen Sie die Türen Spaniens und gewähren Sie den Bewohnern von Gaza Zuflucht.“

Zu diesem Zeitpunkt wurde Migration nicht mehr als hypothetische Antwort auf die spanische Politik herangezogen. Ben Gvir nutzte einen tatsächlichen Massenüberlauf auf spanisches Territorium, um eine Maßnahme zu wiederholen, die er zehn Monate zuvor vorgeschrieben hatte. Ceuta war zum Schauplatz geworden, an dem jahrelange israelische Rhetorik, die Spaniens territoriale Integrität, seine Unterstützung für Palästina und die Fluchtbewegungen von Vertriebenen miteinander verknüpfte, in einer einzigen politischen Botschaft zusammengeführt wurde …

Die politische Instrumentalisierung des marokkanischen Anspruchs wurde in den israelischen Medien bereits offen vorgeschlagen. Unter Berufung auf eine von Ynet veröffentlichte Analyse berichtete Diario Socialista Ende April, dass Israel seinen Einfluss in Washington nutzen könnte, um Marokko dabei zu unterstützen, seine Ansprüche auf Ceuta und Melilla durchzusetzen. Die vorgeschlagene Gegenleistung war eindeutig. Marokko würde für seine Annäherung an Israel belohnt, während Spanien für seine Haltung zu Iran, Palästina und der NATO bestraft würde. Das Argument stützte sich zum Teil auf Artikel 6 des Nordatlantikvertrags, dessen geografische Formulierung Ceuta und Melilla nicht ausdrücklich unter die kollektive Verteidigungsgarantie des Bündnisses stellt.

Dies war derselbe Deal, der auch anderswo Gestalt annahm. Díaz-Balart brachte Marokkos territoriale Prämisse im Kongress ein, Israel und Marokko hatten einen gemeinsamen militärischen Arbeitsplan unterzeichnet, und Kommentatoren in Washington stellten Rabat als den Partner dar, über den Spanien unter Druck gesetzt oder ersetzt werden könnte. In jedem Fall bot Ceuta dasselbe – eine Möglichkeit, Druck auf Spanien auszuüben, ohne es direkt zu konfrontieren.

Neun Tage nach Díaz-Balarts Interview mit El Español am 3. April, am 9. April, entzog Netanjahus Regierung Spanien den Zugang zur Einrichtung in Kiryat Gat im Rahmen des von den USA geführten Zivil-Militärischen Koordinationszentrums (CMCC) und erklärte, Spanien werde für seine Haltung zum Gazastreifen „sofort einen Preis zahlen“. Doch Sánchez wich keinen Zentimeter zurück und forderte im Mai die Europäische Union auf, ihr Assoziierungsabkommen mit Israel vollständig zu kündigen.

Marokko ging mit einer etablierten militärischen Beziehung zu Israel ins Jahr 2026. Im Jahr 2021 unterzeichneten der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz und sein marokkanischer Amtskollege Abdellatif Loudiyi eine Absichtserklärung, die die Zusammenarbeit im Bereich der Nachrichtendienste, militärische Beschaffungen, Ausbildung und gemeinsame Übungen umfasste. Im Januar 2026 hielten die beiden Länder in Tel Aviv die dritte Sitzung ihres Gemeinsamen Militärausschusses ab und unterzeichneten einen jährlichen Arbeitsplan.

Anfang 2026 hatte diese Zusammenarbeit zur Errichtung einer einsatzfähigen militärischen Infrastruktur auf marokkanischem Boden geführt. Das Luftabwehrsystem „Barak MX“ von Israel Aerospace Industries, das im Rahmen eines Vertrags im Wert von rund 500 Millionen US-Dollar erworben worden war, war in Dienst gestellt worden.

Medien aus dem Militärsektor, die sich auf Satellitenbilder stützten, darunter Raksha Anirveda und Infodefensa, lokalisierten das System auf einem neu errichteten Stützpunkt in der Nähe von Sidi Yahya el Gharb im Nordwesten Marokkos. Die Auslieferungen hatten 2023 begonnen, und bis 2026 war das System Teil eines mehrschichtigen marokkanischen Luftabwehrnetzes …

Israel distanzierte sich öffentlich von den territorialen Ansprüchen Marokkos. Ende April erklärte Dana Erlich, die israelische Botschafterin in Madrid, ihre Regierung „denke nicht daran“, Rabats Ansprüche auf Ceuta und Melilla zu unterstützen, und bezeichnete das Thema als irrelevant für Israels unmittelbare Prioritäten. Diese Zurückweisung bezog sich eng auf die damalige Position der Regierung und ging nicht auf die umfassendere politische und militärische Annäherung zwischen Israel und Marokko ein. Als Danny Danon die Städte anschließend als „koloniale Enklaven“ bezeichnete, konnte Israel seine Äußerung als persönliche Position eines Politikers darstellen, der schon seit Langem dafür bekannt ist, Netanjahu herauszufordern. Netanjahu entließ Danon 2014 als stellvertretenden Verteidigungsminister, nachdem dieser die Gaza-Strategie der Regierung öffentlich kritisiert hatte, und Danon trat 2007 und 2014 gegen Netanjahu um den Vorsitz des Likud an.

Doch die Distanzierung der Regierung von Danons Wortwahl beantwortet nicht die zentrale Frage, die diese Untersuchung aufwirft. Seine Äußerung verstärkte eine Kampagne, die bereits von Marokkos Befürwortern in Washington vorangetrieben wurde, und erfolgte parallel zu einer sich vertiefenden militärischen Zusammenarbeit zwischen Israel und Marokko, was es Israel ermöglichte, eine offizielle Politik zu leugnen, während einer seiner prominentesten Diplomaten denselben Druck auf Spanien verstärkte.“ 

https://www.nachdenkseiten.de/?p=154670

 

„Die israelische Rechte sieht in der Erstürmung von Ceuta die göttliche Strafe für Spanien. Spanien hat wiederholt innerhalb der EU Maßnahmen gegen Israel gefordert und im März dieses Jahres seine Botschafterin aus Tel Aviv abberufen.

Als beinahe 50.000 nordafrikanische Migranten über Nacht in die spanische Exklave Ceuta eindrangen, reagierte eine Gruppe mit Spott und Schadenfreude: israelische Politiker und ihre zionistischen Unterstützer, die den Schlag ins Gesicht von Spaniens Premierminister Pedro Sánchez feierten.

Geschätzte 49.000 Migranten, vor allem junge marokkanische Männer, stürmten zwischen Donnerstag und Freitag über Marokkos Grenze zur spanischen Exklave Ceuta, nachdem die Wachen auf der marokkanischen Seite entschieden zu haben schienen, die Stacheldrahttore zu öffnen, die errichtet wurden, um solch eine Flut zu verhindern.

Während sich die Videos von durch Ceuta marodierenden Migranten in den sozialen Medien verbreiteten, flehten die örtlichen Behörden der Stadt um ein militärisches Eingreifen Madrids. Der spanische Premierminister Sánchez weigerte sich, einen nationalen Notstand auszurufen, schickte jedoch eine symbolische Truppe von 60 Mann in die Exklave.

Rechte Politiker quer durch Europa verurteilten die halbherzige Antwort von Sánchez. Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, der finnische Innenminister Mari Rantanen und der österreichische Kanzler Christian Stocker forderten alle den Ausschluss Spaniens aus der Schengenzone.

In bestimmten israelischen Kreisen bestand die Reaktion jedoch in Jubel. Obwohl israelische Politiker und Influencer Jahrzehnte damit verbracht haben, die vermeintliche "Islamisierung" Europas zu beklagen, feierten sie am Freitag, als Zehntausende Moslems auf EU-Gebiet drängten. Nachdem Sánchez den israelischen Krieg in Gaza einen Genozid genannt hatte, den Transit militärischer Güter über spanisches Gebiet nach Israel untersagte und den USA die Nutzung ihrer Militärstützpunkte für Angriffe auf Iran verbot, sahen die zionistischen Kommentatoren in der Invasion von Ceuta eine gerechte Strafe für Spanien.

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon nutzte die Krise, um Spanien aufzufordern, seine zwei nordafrikanischen Enklaven Ceuta und Melilla aufzugeben.

"Spanien, das nie eine Gelegenheit verstreichen lässt, Israel zu belehren, hat in Ceuta nach der Krise wegen seiner Migrationspolitik den Notstand erklärt", schrieb er auf X unter Bezug auf den lokalen Notstand in Ceuta. "Vielleicht ist es an der Zeit, dass es der Welt erklärt, warum es noch koloniale Enklaven in Afrika hält, ehe es uns weiter belehrt."

Die israelische Besetzung palästinensischen Gebiets, der Golanhöhen und eines Teils von Südlibanon ist nach dem Völkerrecht und nach Auffassung der UN illegal. Auch wenn Israel den marokkanischen Anspruch auf Ceuta und Melilla nicht offiziell unterstützt, hat es seine Beziehungen zu Marokko seit der Unterzeichnung der Abraham-Accords 2020 verstärkt, und der Sohn des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, Jair, deutete 2019 bereits an, sein Vater könne "NGOs finanzieren, die von euch fordern, Ceuta und Mellila abzutreten".

Der israelische Journalist Edy Cohen war bei weitem nicht der einzige Reporter, der feierte, aber in einem langen Post auf X präsentierte er die Invasion als göttliche Bestrafung für die Entweihung der israelischen Fahne beim "Stierlauf" in Pamplona.

"Wenn ihr Israel zerstören wollt, bekommt ihr die jungen Marokkaner", schrieb er. "Sie haben ein Banner erhoben, auf dem 'Zerstört Israel!' steht. Das Schicksal hat, mit beinahe göttlichem Zynismus, für sie nun ein anderes erhoben: 'Bekommt Marokko!'"

Cohen schloss seine begeisterte Nachricht mit einer Drohung:

"Und seid nicht überrascht, wenn in ein paar Jahren dieselben jungen Leute, die Ceuta stürmten, in Madrid und Barcelona auf die Straße gehen und neue Parolen rufen … Der, der die Zerstörung des jüdischen Staates einlädt, entdeckt plötzlich, dass die Zerstörung auch in seinem eigenen Heim beginnen kann."

Der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, schloss sich dem Spott an und gratulierte Sánchez "zu seinem umfassenden Engagement, Immigration und 'menschliche Diversität' willkommen zu heißen".

Ben-Gvir, der die Zerstörung Libanons, die Hinrichtung palästinensischer Gefangener und den Einsatz des Hungers als Kriegswaffe gefordert hatte, rief Sánchez auf, noch weiter zu gehen und bei der Entvölkerung von Gaza zu helfen.

"Als jemanden, der große Besorgnis um Hamas und die Einwohner von Gaza zeigt", fuhr er fort, "rufe ich Sie auf, die Worte in Handlungen umzusetzen: Öffnen Sie die Tore Spaniens und gewähren Sie den Einwohnern Gazas Zuflucht, die emigrieren wollen. Das ist eine exzellente Gelegenheit, ein wenig mehr zu Spaniens 'menschlicher Diversität' beizutragen."

Der israelische Influencer Yoav Kaufman postete eine neuartige Lösung für die Krise auf X: die Hälfte des spanischen Gebiets an Marokko zu übergeben, in einer modernen Neuauflage der islamischen Eroberung Spaniens. "2 Staaten für 2 Nationen. Die Seite an Seite leben. In Frieden und Wohlstand", schrieb er und verspottete Spaniens Unterstützung für die Staatlichkeit Palästinas.

Ironischerweise schreibt Kaufman in seinem Profil, Israel "kämpft in den zukünftigen Kriegen des Westens".

Israels mächtige Lobby in den USA hat sich in der Debatte zu Ceuta ebenfalls gegen Spanien positioniert. Michael Rubin, Politikdirektor in dem proisraelischen Thinktank Middle East Forum, meinte: "Wenn Spanien die besetzten Ceuta und Melilla an ihre rechtmäßige marokkanische Herrschaft zurückgeben würde, wäre Madrid jetzt nicht in diesem Durcheinander." Um sicherzustellen, dass so viele Menschen wie möglich seine Meinung hören, veröffentlichte Rubin das auf Englisch, Spanisch, Arabisch und Berberisch …

In einem Artikel für die israelische Nachrichtenseite Ynet im April forderte der marokkanische Journalist und Mitarbeiter des Middle East Forum, Amine Ayoub, Israel auf, Marokko zu helfen, "Ceuta und Melilla zurückzuholen", so dass die USA und Israel ein "NATO-Mitglied bestrafen, das sich wiederholt für Obstruktion entschieden hat" und eine militärische Präsenz an der Straße von Gibraltar errichten könnten.“ 

https://freedert.online/international/287439-zionisten-feiern-migranteninvasion-in-spanien/

 

EU gegen Spanien

 

Axel Fersen: „Wer den Grenzschutz auslagert, hat den Schlüssel abgegeben. Rabat kann jederzeit vorführen, was geschieht, wenn es die Zusammenarbeit für einige Stunden zurückfährt; die Bilder, die Toten und die Schuldzuweisungen bleiben in Madrid. Rechenschaft verlangten Europas Regierungen in dieser Woche denn auch in Madrid. In Rabat verlangte sie niemand.

Am Donnerstagabend, als die Agenturen gut 1.500 Grenzübertritte und neun Ertrunkene meldeten, war Rom mit der Analyse fertig. Außenminister Antonio Tajani erklärte auf der Plattform X, er sei dafür, „den Schengen-Raum für Spanien zu schließen“. Giorgia Meloni nannte die Bilder „schockierend“ und stellte „außergewöhnliche Maßnahmen“ in Aussicht. Am Freitag verhängte das Innenministerium unter Matteo Piantedosi Kontrollen im Flug- und Schiffsverkehr mit Spanien, zunächst für einen Monat.

Italien hat keine Landgrenze zu Spanien, und zwischen Ceuta und italienischen Häfen verkehrt kein Schiff. Für Ceuta gilt die Freizügigkeit des Schengen-Raums ohnehin nicht: Wer dort ankommt, muss für die Reise auf das Festland eine Polizeikontrolle passieren. Magnus Brunner, EU-Migrationskommissar, versicherte, keine einzige Person habe die Grenze zum Festland der Union überschritten. Welche Gefahr also hat Rom abgewehrt? Tajani begründete seine Forderung damit, Madrid habe mehr als 500.000 irregulären Einwanderern die europäische Staatsbürgerschaft verliehen. Das spanische Verfahren verleiht keine Staatsbürgerschaft; es regularisiert Aufenthalte und verlangt einen Wohnsitz vor dem 1. Januar 2026. Niemand aus Ceuta erfüllt das. Außenminister José Manuel Albares bestellte den italienischen Botschafter ein und nannte Tajanis Botschaft unangemessen für einen Partner, von dem man Solidarität erwarte und „keine parteiische Demagogie“. Aus Berlin kam kein Widerspruch.

Was solche Auftritte anrichten, beschreibt Alberto del Rey, Soziologe an der Universidad de Salamanca: „Viele Menschen sind ob der Bilder aus Ceuta verunsichert, sie glauben die rechtsextreme Erzählung einer ‚Invasion‘.“ Dann folgt der Satz, der die europäische Empörungskonjunktur besser erklärt als jede Sicherheitslage: „Kommendes Jahr wird in Spanien gewählt.“

Friedrich Merz verhängte keine Grenzkontrollen. Er brauchte keine. Am Freitag erklärte der Bundeskanzler, Spanien wolle und müsse die Lage „schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen“, und begrüßte die spanische Absicht, die Migranten nicht auf den europäischen Kontinent gelangen zu lassen. Ein Land, das in diesem Moment eine Außengrenze der Union hielt und 67 Leichen barg, erhielt aus Berlin eine Ermahnung über seine Pflichten. Der Kanzler forderte, was Madrid längst tat. Ein Angebot deutscher Unterstützung, Personal oder Gerät, stand in der Erklärung nicht.

Am Samstag unterschrieb Merz einen offenen Brief, den Meloni und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen angestoßen hatten und den 22 Staats- und Regierungschefs nach Brüssel und Dublin richteten. Der Brief nennt als Anreiz für Migration ausdrücklich die „Legalisierung einer sehr großen Zahl irregulärer Migranten“, also das spanische Verfahren. Frankreich, Luxemburg und Portugal unterschrieben nicht; der deutsche Kanzler schon. Das Schreiben ging an dem Tag hinaus, an dem Madrid meldete, 48.300 von rund 50.000 Menschen seien zurück in Marokko. Ein Partner, der eine EU-Außengrenze in weniger als 48 Stunden zurückgewonnen hatte, bekam aus 22 Hauptstädten keine Zusage über Hilfe, sondern eine Belehrung über seine Innenpolitik.

Sánchez beschwerte sich schriftlich: Eine solche Haltung sei „motiviert durch Vorurteile, Falschinformationen, Unwissenheit oder politische Interessen“, die Union könne sich eine „egoistische, spaltende und rechtswidrige“ Reaktion nicht leisten. Dem italienischen Vorstoß hatten sich zuvor führende Politiker aus Dänemark, Schweden, Finnland, Tschechien und Österreich angeschlossen. Sollte der Verdacht gegen Rabat zutreffen, hätte Europa die Methode prämiert: Sanktioniert wurde das angegriffene Land, unbehelligt blieb der mutmaßliche Urheber. Am Samstagmorgen verlegte die Guardia Civil am Wellenbrecher von El Tarajal eine 500 Meter lange aufblasbare Sperre. Für die mindestens 67 Toten kommt sie zu spät.

Warum ein deutscher Kanzler dabei mitmacht, lässt sich in Berlin besichtigen. Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, erklärte, das Ziel dieser Migranten sei wahrscheinlich Deutschland, und verlangte sofortige Zurückweisungen. Merz trat dem nicht entgegen. Seine Erklärung ließ die Erzählung stehen, obwohl seit Freitagmittag bekannt war, dass niemand aus Ceuta den Kontinent erreicht hatte. In bundesweiten Umfragen liegt die AfD bei 25 bis 27 Prozent, in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September gewählt wird, und in Mecklenburg-Vorpommern bei rund 40. Michael Kretschmer, sächsischer Ministerpräsident der CDU, hat den passenden Satz beigesteuert: Wer noch über Brandmauern rede, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Merz hält dagegen, die Abgrenzung stehe, es gebe klare Parteitagsbeschlüsse.

Beschlüsse sind Papier, das Vokabular ist die Praxis. Wer die Bilder einer nordafrikanischen Exklave zur Bedrohung Deutschlands erklärt, obwohl kein Einziger den Kontinent erreicht hat, rückt die Position der AfD in die Mitte. Merz hat einen Partner öffentlich beschuldigt und dessen Migrationspolitik zum Grund einer Katastrophe erklärt, deren Ursachen an einer marokkanischen Grenze liegen. Bleibt die Frage, die er selbst aufwirft: Sind die Ausfälle gegen Madrid nicht bereits das Anzeichen dafür, dass die politische Annäherung an die AfD, deren Ausschluss er beteuert, längst im Gange ist?“ 

https://erhardepplerkreis.substack.com/p/mindestens-67-tote-vor-ceuta

 

„Nach dem Migrationschaos in der spanischen Exklave Ceuta sollen die EU-Innenminister über die Ursachen und mögliche Folgen beraten.

Ein fragwürdiges Unterfangen – denn damit wird unterstellt, die spanische Asyl- und Flüchtlingspolitik sei das eigentliche Problem.

So klingt es auch in einem Brief von 22 Staats- und Regierungschefs, den Kanzler Merz unterzeichnet hat (Präsident Macron hingegen nicht).

Doch je mehr über den Vorfall bekannt wird, desto klarer wird, daß es hier um Geopolitik geht, um Einflusszonen und um Sanktionen….

In geopolitischen Fragen sind aber die Außenminister gefordert, nicht die Innenminister. Sie sollten Spanien den Rücken stärken (auch gegen US-Präsident Trump, der mit einem Handelsboykott droht) und Gegendruck auf Marokko ausüben, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen.

Deutschland und die EU hätten dafür politische und wirtschaftliche Hebel, da sie die Zusammenarbeit mit Marokko zuletzt stark ausgeweitet haben. Deutschland will sogar Fachkräfte aus Marokko anwerben!

Doch statt Rabat mit Sanktionen zu drohen, schlägt sich Merz lieber auf die Seite der asylpolitischen Hardliner à la Meloni. Auch Außenminister Wadephul spielt eine undurchsichtige und ambivalente Rolle.

Während Marokko seinen “Angriff” auf Spanien startete, wollte Wadephul allen Ernstes zwischen Rabat und Madrid vermitteln. Für ihn ist Marokko neuerdings ein “Schlüsselstaat” – das EU-Mitglied Spanien scheinbar nicht.“

https://lostineu.eu/ceuta-ein-klarer-fall-von-geopolitik-mit-einer-unklaren-deutschen-rolle/

 

Ralf Streck: „Niemand will benennen, dass es sich um eine Erpressungs-Inszenierung des marokkanischen Regimes handelte, die aus den USA von der Trump-Administration gestützt wird. Das wird auch von der heutigen „Dringlichkeitssitzung“ der EU-Innenminister nicht erwartet. Man müsste sich nämlich mit Marokko und den USA anlegen. Die erklärten längst offiziell, dass die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu Marokko gehören. Statt das angegriffene Spanien zu unterstützen, fielen 22 EU-Regierungs- und Staatschefs dem angegriffenen Land in den Rücken und befeuern so neue Aggressionen.

Es ist bezeichnend, welche Sprach-Akrobatik in deutschen Medien zu den Vorgängen um die spanische Enklave Ceuta betrieben wird. Da wird in den ARD-Sendern von einem „Massenandrang“ gesprochen. Es wird die marokkanische Propaganda wie in der Tagesschau verbreitet, wonach „Falschinformationen in sozialen Medien“ für einen „Massenandrang“ verantwortlich gewesen sein soll. Man tut so, als hätten sich zehntausende meist junge Leute an der Grenze von Marokko und Ceuta gedrängelt …

Spanien ausgenommen hat die EU noch 26 Mitgliedsländer. Davon haben 22, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz, einen hochnotpeinlichen und für die EU fatalen offenen Brief unterzeichnet. Darin wurde der sozialdemokratischen spanischen Regierung sogar indirekt vorgeworfen, für die Vorgänge verantwortlich zu sein. Verwiesen wird absurderweise auch auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs in Madrid, wonach Menschen nicht sofort zurückgebracht werden können, die über das Meer ins Land kommen. Selbst wenn das stimmen würde, kann man in einem Rechtsstaat der Regierung nicht das Urteil eines Gerichts vorwerfen.

Initiiert hatten diesen Brief Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen. Das ist eine merkwürdige Allianz einer ultrarechten Italienerin und einer „Sozialdemokratin“ aus Dänemark, die nun sogar den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum fordern. Als Fun-Fakt sei angeführt, dass die Exklaven Ceuta und Melilla gar nicht zum Schengen-Raum gehören. Die Marokkaner, die die Exklaven erreichen, kommen ohne starke Grenzkontrollen gar nicht auf das Festland und den Schengen-Raum.

Man fragt sich auch, warum eine solche Maßnahme gegen Spanien bei einem hybriden Angriff gefordert wird und nicht zum Beispiel gegen Deutschland, wegen der Aufnahme von zahllosen Menschen, die aus Syrien oder aus der Ukraine ins Land und den Schengen-Raum geströmt sind. Interessant ist auch, wer den Brief nicht unterschrieben hat. Das waren nur Mitte-Rechts-Regierungen, wie in Irland, Portugal, Frankreich oder Luxemburg. Den Brief und die Haltung dahinter kritisierte der spanische Ministerpräsident Sánchez als „egoistisch und rechtswidrig“. Er drückte seine „große Besorgnis“ über die „Angriffe“ aus, denen Spanien ausgesetzt ist.

Dass auch die deutschen Sozialdemokraten in der großen Koalition diese tiefe europäische Spaltung mitmachen, hinter der auch die Trump-Administration steht, eine Schutzmacht Marokkos, ist fatal für eine Partei, die sozial und demokratisch sein will. Dass nur die SPD-Europaabgeordnete Birgit Sippel Einspruch erhebt, ist vielsagend. Die nennt es „tragisch und fatal“, dass auch Merz dieses „unsolidarische“ Machwerk unterschrieben und sich an Melonis Seite gestellt hat. Das ist Victim Blaming (Täter-Opfer-Umkehr). Sie sagte richtig auch, der Brief sei „zutiefst gefährlich“ und sie sieht ein „gefährliches Signal an Autokraten und politische Kräfte außerhalb der EU, die ein Interesse daran haben, Europa zu spalten und Europa zu schwächen“ und dabei spricht sie offen auch Trump an.

Die 22 Regierungs- und Staatschefs hatten in dem Brief eine sofortige und koordinierte europäische Reaktion gefordert. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unkontrollierte Massenübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, eine illegale Einreise in die Europäische Union sei möglich – und dass aus der illegalen Einreise eines Migranten ein legaler Aufenthalt werden könne“, wird darin in Bezug auf die spanische Regulierung ausgeführt.

So wurde nun für Dienstag eine dringliche Sondersitzung einberufen, um „massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte“ künftig zu verhindern. Die irische Ratspräsidentschaft hatte mitgeteilt, dass die EU-Innenminister zu einer Videokonferenz zusammengeschaltet würden. Wie solche Grenzübertritte verhindert werden könnten, wissen nämlich auch die Briefeschreiber nicht. Dass nun von den Innenministern Spanien für den Umgang mit der Krise gelobt und dem Land „Unterstützung“ zugesagt wurde, lässt Merz und Co nun wieder einmal als diplomatische Tölpel dastehen: „Wir würdigen Spaniens rasche Reaktion auf die Lage in Ceuta und sprechen unser tiefstes Beileid für den tragischen Verlust von Menschenleben aus.“

Man habe sich für die Weiterentwicklung von Frühwarnsystemen etwa an den Grenzen und Social Media-Überwachung ausgesprochen und eine bessere Kommunikation gefordert. Blumig blieb es auch, was eine „rechtzeitige Koordinierung” angeht, die „verstärkt und kohärenter“ gestaltet werden solle. Es werden auch die üblichen Phrasen gedroschen, wonach die Zusammenarbeit mit Drittländern gestärkt werden soll und Menschen in ihren Heimatländern Chancen eröffnet werden sollen.

Wenig Handfestes also, es ist nämlich allen unklar, wie eine solche Situation gemanagt werden kann. Will die EU etwa auf die Marokkaner schießen lassen, wie es Marokko mit Flüchtlingen etwa in Melilla im Falle von afrikanischen Flüchtlingen tut? Sinnvoll wäre, den marokkanischen Diktator in die Schranken zu weisen, der seine Bevölkerung, aber auch Flüchtlinge, ein ums andere Mal als Erpressungspotential einsetzt. Davon ist aber nichts zu hören, denn man braucht Marokko als Vorposten „zur Abwehr“ von Flüchtlingen. Die EU zahlt auch deshalb Milliarden an die autoritäre Monarchie.

Marokko erhält deshalb auch eine Sonderbehandlung auf dem Binnenmarkt über das Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen EU-Marokko. Weitgehend zollfrei kommen darüber auch Agrarprodukte auf den europäischen Markt, die mit Chemikalien behandelt wurden, die in der EU untersagt sind. Auch die extrem niedrigen Löhne führen zum Bauernsterben in Europa, wie es auch im Fall des Mercosur-Abkommen befürchtet wird, weil in Europa damit niemand konkurrieren kann. Hier könnte die EU gegen den Aggressor die Daumenschrauben anziehen, doch dafür müsste man erst einmal Täter und Opfer klar benennen.

Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt hat, allerdings mit Verspätung am Dienstag, auch den offenen Brief kritisiert. Für die Behauptungen gäbe es keine „Faktenbasis“. Es sei „schwer erträglich“, dass sich 22 Staats- und Regierungschefs einen „solchen Populismus“ an den Tag legten. Er meint, völlig an den Fakten vorbei, reine „Desinformation“ habe „leicht manipulierbare Jugendliche dazu gebracht, sich auf den Weg zu machen“.

https://overton-magazin.de/top-story/absurde-debatte-um-ceuta-invasion-durch-marokko-vertieft-eu-spaltung/

 

Thomas Röper: „Offenbar hat die EU sich hier auf die Seite der USA gestellt, wie die Kritik an der spanischen Regierung und die Forderungen, Spanien vorübergehend aus dem Schengen-Vertrag auszuschließen, zeigten. Die spanische Weigerung, 5 Prozent des BIP für Rüstung auszugeben und die spanische Kritik an Israel dürften für Brüssel den Ausschlag gegeben haben, sich gegen die spanische Regierung zu stellen, anstatt – wie sonst üblich – Spanien in der Krise, für die Spanien nichts konnte, Solidarität zu signalisieren.

Lediglich vier EU-Staaten haben sich geweigert, einen Brief der EU-Mitglieder mit Kritik an der spanischen Regierung zu unterschreiben, weil es ihnen darin an Solidarität mit Spanien mangelt. Diese vier Staaten sind Frankreich, Irland, Portugal und Luxemburg …

Kurz nach dem Grenzübertritt der illegalen Migranten schlugen mehrere europäische Regierungen, anstatt Madrid ihre Unterstützung zuzusichern, die Aussetzung der spanischen Schengen-Mitgliedschaft vor. Italien hat das bereits einseitig getan. Diese Reaktion blieb im iberischen Königreich nicht unbemerkt. Vor allem aber zeigt dies deutlich, dass die „europäische Solidarität“ heute nicht mehr durch gemeinsame Verpflichtungen der EU, sondern durch rein nationale politische Prioritäten und Interessen bestimmt wird. Das Motto „Einer für alle, alle für einen“ scheint in der EU endgültig an Bedeutung verloren zu haben …

Vor diesem Hintergrund hoffte die spanische Regierung auf die Solidarität ihrer europäischen Partner, doch die tatsächliche Unterstützung war ungleich verhaltener. Die italienische Regierung hat dabei anscheinend „vergessen“, dass sie selbst über Lampedusa regelmäßig mit ähnlichen Problemen mit Migranten konfrontiert ist, und hat gegenüber Madrid eine der härtesten Positionen eingenommen. Für die Mitte-Rechts-Regierung von Giorgio Meloni war der Kampf gegen illegale Migration stets ein zentrales Wahlkampfthema und Rom hat diese Gelegenheit offenbar genutzt, um politisch zu punkten.

Fakt ist, dass die Ausreise aus der afrikanischen Exklave Ceuta auf das spanische Festland nur auf dem See- oder Luftweg möglich ist, wo die Passkontrollen bereits streng sind. Die bloße illegale Einreise in die Exklave öffnet nicht den Weg ins übrige Europa. Mit seinen Äußerungen und der Aussetzung des Schengen-Abkommens hat Rom daher viel Aufsehen erregt und den rechten und rechtsextremen Kräften in der EU und möglicherweise sogar weltweit in die Hände gespielt.

Angesichts dieser unfreundlichen Rhetorik seiner Verbündeten sandte Sánchez einen recht scharfen Brief an die Präsidenten der europäischen Institutionen. Der spanische Ministerpräsident äußerte sich besorgt über die Reaktion einiger Länder auf die Krise in Ceuta. Sánchez meint, dass diese Länder aus „Vorurteilen, aufgrund von Falschinformationen, Wahnvorstellungen oder politischen Interessen“ handelten, ohne jedoch konkrete Hauptstädte zu nennen.

Diese Position fand umgehend Unterstützung von führenden spanischen Ministern. Innenminister Fernando Grande-Marlaska warf einigen europäischen Partnern in der Krise direkt Egoismus vor. Außenminister José Manuel Albarez erklärte seinerseits, Madrid fordere echte Solidarität von den EU-Mitgliedern und fügte hinzu, die Reaktion einiger Regierungen sei „unzureichend“ gewesen.

Vor diesem Hintergrund nutzte die spanische Opposition die Gelegenheit, die Regierung anzugreifen. Alberto Núñez Feijóo, Vorsitzender der größten Oppositionspartei, der Volkspartei, erklärte, der Ministerpräsident riskiere, sowohl in der EU als auch international zum „Paria“ zu werden. Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Madrid bei einer Reihe wichtiger internationaler Fragen außerhalb der Mehrheit steht. Spanien hat sich beispielsweise gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen und die US-amerikanische Militäroperation im Iran ausgesprochen und auch die Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des BIP innerhalb der NATO abgelehnt. Dieser unabhängige und isolierte Kurs des Königreichs hat bereits einige Mitglieder der NATO und der EU verärgert.“

https://apolut.net/ceuta-krise-wer-steckt-dahinter-und-die-bedeutung-fur-eu-solidaritat-von-thomas-roper/

 

Jens Berger: „Zwischen Ceuta und dem Schengenraum befindet sich immer noch das Mittelmeer – für die 60.000 Marokkaner ohne Visum für den Schengenraum ein unüberwindbares Hindernis.

Wie kommt es dann, dass nicht nur die AfD, sondern die Regierungen der EU-Staaten diesen simplen Fakt, der eigentlich bekannt sein sollte, ignorierten? Italien hatte nichts Besseres zu tun, als das Schengen-Abkommen mit Spanien erst einmal auszusetzen – was übrigens rechtlich eigentlich gar nicht möglich ist. Dänemark, Finnland und Schweden forderten die EU gar auf, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen – auch das ist rechtlich gar nicht möglich. Gleichzeitig beschwerten sich 21 EU-Regierungschefs, darunter natürlich auch mal wieder Friedrich Merz, in einem Brief über Spanien – es würde „Anreize“ für Migranten setzen, illegal in die EU einzufallen. Auch das ist Unsinn, ging die Zahl der illegalen Grenzübertritte im letzten Jahr nach Spanien doch um 43 Prozent zurück.

Auf den ersten Blick erstaunlich ist es, dass die Kritik der EU-Regierungschefs sich blitzschnell ausgerechnet auf Spanien und dessen Regierungschef Sanchez und nicht auf Marokko fokussierte. Dabei berichten selbst westliche „Qualitätsmedien“ wie der Guardian davon, dass die marokkanische Polizei die vermeintlichen Flüchtlinge aktiv zum Grenzübertritt nach Ceuta animiert hat. Nicht verifizierbare Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, zeigen sogar, dass die Männer, die später die Grenze überschritten, unter Aufsicht der marokkanischen Sicherheitsbehörden in ganzen LKW-Ladungen bis kurz vor die Grenze gebracht wurden. Das gesamte Wochenende über gab es jedoch kein kritisches Wort seitens der EU oder der EU-Regierungschefs an die marokkanische Regierung.

Das ist schon seltsam. Wir erinnern uns: Als Weißrussland 2021 aktiv Flüchtlingen dabei half, die Grenzen nach Polen zu überqueren, wurden zahlreiche weißrussische Offizielle und einige Unternehmen, die darin involviert waren, von der EU sanktioniert. Kein EU-Politiker wäre damals auf die Idee gekommen, Polen zu kritisieren oder gar aus dem Schengenraum auszuschließen. Warum also die Täter-Opfer-Umkehr im Falle Marokkos und Spanien?

Zum einen: Anders als Weißrussland ist Marokko vor allem für Frankreich und Deutschland mittlerweile ein ungemein wichtiger Wirtschaftspartner. Unsere Unternehmen profitieren von den billigen Löhnen im Land und sind damit für die Armut, die sicher Triebfeder für die am Wochenende instrumentalisierten Marokkaner ist, mitverantwortlich. Oder wussten Sie, dass das Auto, das in der EU in den letzten beiden Jahren am meisten verkauft wurde, der Dacia Sandero, nahezu ausschließlich in den Renault-Werken in Casablanca und Tanger mit Dumpinglöhnen gefertigt wird? Wussten Sie, dass beispielsweise die Elektroverkabelung für viele Marken aus dem VW-Konzern von Zulieferern aus Marokko stammt? Nun wissen Sie es.

Aber die Wirtschaftsbeziehungen sind nur ein Punkt, der wahrscheinlich noch nicht einmal der wichtigste Faktor für die mangelnde Solidarität Europas mit Spanien ist. Spanien hat sich mit seiner Außenpolitik vielmehr viele Feinde gemacht. Pedro Sanchez war es, der als einziger europäischer Staatschef den israelischen Vernichtungskrieg in Gaza früh und massiv kritisierte. Er war es auch, der den amerikanisch-israelischen Angriffskrieg gegen Iran als Völkerrechtsbruch bezeichnete und den USA untersagte, ihre Militärbasen auf spanischem Gebiet und den spanischen Luftraum für ihren Krieg zu benutzen. Spanien ist unter Sanchez bekanntlich auch das einzige NATO-Land, das sich der Forderung widersetzt hat, fünf Prozent der Wirtschaftskraft in die Rüstung zu stecken. Damit ist er zu Trumps neuem Lieblingsfeind geworden … und hat dabei von der EU und allen voran Friedrich Merz nullkommanull Solidarität bekommen.

Schaut man sich die regionale geostrategische Situation an, vertieft sich dieses Bild. Unter Pedro Sanchez hat Spanien seine Beziehungen zu Algerien verbessert. Algerien ist ein Unterstützer der Palästinenser. Marokko wiederum ist einer der engsten Verbündeten der USA und Israels – spätestens seit den 2020 von Donald Trump vermittelten „Abrahams Accords“. Seitdem unterstützen die USA Marokkos Anspruch auf die Westsahara – einem weiteren Konflikt um ehemalige koloniale Gebiete Spaniens, bei dem Marokko der „Frente Polisario“ gegenübersteht, einer Bewegung, die von Algerien militärisch unterstützt wird und mit der sich Spanien unter Sanchez angenähert hat.

Selbst die spanischen Exklaven auf dem nordafrikanischen Festland sind eine stetige geostrategische Spannungsquelle, die die USA im jüngsten Konflikt mit Spanien anheizen. Erst vor wenigen Wochen hat der US-Kongressausschuss auf Betreiben von Mario Diaz-Balart – einem guten politischen Freund des US-Außenministers Marco Rubio – den marokkanischen Anspruch auf die Exklaven Ceuta und Melilla verteidigt und Marokko mit einer Gesetzesvorlage die Unterstützung bei der Durchsetzung dieser Ansprüche versichert.

Wenn man nun eins und eins zusammenzählt, kann sich durchaus der Verdacht aufdrängen, dass der Ansturm auf Ceuta nicht nur mit der Rückendeckung Marokkos, sondern auch mit der Rückendeckung der USA und wohl auch Israels geschah. Es wirkt fast wie ein Exempel, das man an einem westlichen Regierungschef statuieren wollte, der sich offen gegen die Forderungen der USA und gegen die Kriege der USA und Israels stellt.

Wenn man nun sieht, wie sich die EU und die EU-Staaten in dieser Frage positionieren, wird klar, wo sie wirklich stehen, wenn es um den Konflikt eines EU-Staates mit den USA geht – auf Seiten der USA. Die ganzen Sonntagsreden über europäische Solidarität können damit wohl endgültig entsorgt werden.“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=154513

 

Medien gegen Spanien

 

Ralf Streck: „Doch sogar bis heute Mittag wurde zum Beispiel auch im Deutschlandfunk (DLF) noch der Unfug behauptet, die Menschen seien vor allem „schwimmend oder mit Booten“ in die Exklave gekommen. Das ist Realsatire. Zwar hat der DLF die Zahl derweil auf 49.000 deutlich nach oben korrigiert, doch weiter wurde behauptet: „Der Großteil schwamm von marokkanischem Gebiet aus“, berichteten die DLF-Nachrichten noch am Freitag um 11 Uhr.

Ernsthaft wird auch weiter behauptet, das stehe in Verbindung mit „einer Entscheidung des spanischen Obersten Gerichts in Verbindung“. Das hatte geurteilt, dass „über das Meer eintreffende Migranten nicht ohne ordnungsgemäßes Verfahren sofort zurückgeschickt werden“ könnten. Obwohl die große Zahl nicht schwimmend kommt, hält man in Köln an der absurden Urteilsthese fest, um eine falsche Behauptung zu unterlegen.“

https://overton-magazin.de/top-story/erneut-setzt-marokko-seine-bevoelkerung-in-ceuta-zur-erpressung-ein/

 

Urs P. Gasche: „Als mögliches Motiv der marokkanischen Behörden erwähnten unsere Medien den schwelenden Konflikt zwischen Spanien und Marokko wegen der Westsahara mit kaum einem Wort – anders als etwa die britische «BBC» oder «France24». In den Vordergrund stellten sie vielmehr die Frage, ob die spanische Regierung versagt habe.“

https://www.infosperber.ch/politik/welt/was-medien-beim-massenschwimmen-in-ceuta-uebersahen/

 

Wehe, wenn einer von der offiziellen Linie abweicht. Dies musste ausgerechnet der vorher als Mitte-Extremist bekannte Georg Restle erleben.

 

Sasan Abdi-Herrle: „Es kann bei der Bewertung der Welt hilfreich sein, die eigene Haltung ab und an probehalber umzudrehen. Wie würde man zu einer Debatte stehen, wenn man sich kurz mal eher rechts der Mitte verortete? Oder: Wie sähe man das, wenn man plötzlich eher links stünde?

Der Aufruhr, den Georg Restle in dieser Woche ausgelöst hat, ist dafür ein guter Moment. Auf X hat der ARD-Journalist und Ex-Monitor-Moderator ein Zitat aus einem Text verbreitet, in dem behauptet wird, dass die Ceuta-Krise kein Zufall sei. Sie sei »weder eine genuine humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des erstarkenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses (…), eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben«, heißt es in dem Ausschnitt aus einem Text der linksliberalen US-Wochenzeitschrift The Nation.

Für den Post wird Restle hart angegangen. Felix Schotland, Mitglied im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und im WDR-Rundfunkrat, hat Beschwerde bei dem Sender eingelegt. Die Jüdische Allgemeine dokumentiert den Fall unter der Überschrift »Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt«. Auf X wird der debattierfreudige Journalist derweil von rechts mit Antisemitismusvorwürfen attackiert. Von links wird dort dagegen etwa darauf verwiesen, dass es sich ja nur um ein externes Zitat und nicht um eine Äußerung Restles handle.

Kurzum: Alle üblichen Reflexe greifen. Wie heilsam wäre es, wenn es anders laufen würde? Rechte etwa könnten mit Blick auf ihr langes Beklagen von angeblicher Cancel Culture zu dem Schluss kommen: Ich teile die Behauptung nicht, gestehe aber sowohl The Nation als auch Georg Restle zu, sich im Rahmen der Meinungsfreiheit zu äußern. Linke wiederum könnten sich befragen: Was wäre eigentlich, wenn ein als rechts gelesener Journalist eine unbelegte Theorie aus dem eher rechten Spektrum teilen würde? Würde man ihm das Argument, dass es sich ja nur um ein Zitat handle, wirklich durchgehen lassen?

Das Ergebnis einer solchen Reflexion könnte im besten Fall eine Betrachtung sein, die relativ frei von Wertung, dafür aber relativ faktisch ist. Sie könnte in etwa so lauten: Die Behauptung, dass Spanien durch eine Untätigkeit der marokkanischen Grenztruppen bestraft werden soll – wahlweise für seine Haltung zu Gaza, zu Trump oder in der Algerien-Frage – wurde im Kontext von Ceuta zwar auf Social Media und in Teilen der internationalen Presse diskutiert. Sie ist theoretisch nicht völlig abwegig, praktisch aber einfach unbelegt. Einen solchen Beitrag zu verbreiten, ist nicht per se antisemitisch. Weise ist es aber auch nicht, nicht zuletzt weil Israel regelmäßig Gegenstand solcher Behauptungen ist und in drastischeren Fällen tatsächlich Antisemitismus dahintersteckt. Auch ist Restles Post leider schematisch: Es wird geteilt, was ins Weltbild passt, manchmal auch Stuss und Unbelegtes. Das sollten wir alle einfach weniger tun, zumal als Journalistinnen und Journalisten." 

https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-08/georg-restle-ard-ceuta-theorie-journalismus

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

Merkel und die Impfpflicht - Eine Chronologie

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=cADYM2y2U-s

 

Der Absturz der CSU

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=vj5eiGjY1qA

 

Der wahre Grund, warum Ilse Aigner (CSU) als Bundespräsidentin gehandelt wird

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=l4h7pBEcnyk

 

Simone Solga: Verschwörung der Schwätzer | Folge 227

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=-7LTUC01qKs

 

HallMack  Aktuelle Kamera 239 - Geheimwaffe gegen Invasoren

 

 

https://www.frei3.de/post/860589cf-53f9-4e24-9e07-7a58bda051c7

 

HallMack  Aktuelle Kamera 240 - AfD-Wähler an Haupt und Realschulen gezüchtet

https://www.frei3.de/post/d4f5500f-624f-4e1a-97b4-9f5174a1d33d

 

HallMack  Aktuelle Kamera 241 - Verrat des Doppelgängers Hallervorden

https://www.frei3.de/post/89bbabdf-447f-4dfb-99f1-7e28d0e3f708

 

Die politisch gewollte Invasionsbombe

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=2z5piRRpq-A

 

Die Empörung der Deutschen wundert mich

https://www.youtube.com/watch?v=eOEsnAcoSSI

 

Migrationskrise überwunden? "Das ist Kokolores!"

https://www.youtube.com/watch?v=yeZXz89TJWU