„Nach dem ukrainischen Angriff auf eine Berufsschule und ein Studentenwohnheim in Starobelsk, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen, hat Russland nach eigenen Angaben einen massiven Vergeltungsschlag gegen ukrainische Militärziele ausgeführt. Während westliche Politiker Moskau scharf verurteilen, bleibt der Angriff auf russische Zivilisten weitgehend unerwähnt. Über die Hintergründe, die Reaktionen des Westens und die politische Wirkung der Eskalation sprechen wir mit unserem Korrespondenten Roman Ziskin; zudem ordnet der frühere Pentagon-Analyst Michael Maloof den Einsatz der Oreschnik-Raketen als deutliche Botschaft an Kiew ein.“
Russland fühlt sich mehr und mehr durch die NATO provoziert, wozu verstärkte ukrainische Drohnen-Angriffe gehören. Da diese auch häufiger bewusst zivile Ziele treffen, ist Russland empört.
Es kam kurzfristig zur Eskalation auf russischer Seite und es ist zu erwarten, dass das Kriegs-Geschehen auf die eine oder andere Art und Weise ausartet.
„Stanislav Krapivnik ist ein ehemaliger Offizier der US-Armee aus dem Donbas, der inzwischen zurückgekehrt ist. Krapivnik spricht über die wachsende Wut in Moskau, da die NATO sich zunehmend in den Krieg einmischt, über die massiven Angriffe auf Kiew und über die Möglichkeit, dass Belarus in den Krieg eintreten könnte.“
https://www.youtube.com/watch?v=UKxDJegXXQQ
„Scott Ritter ist ehemaliger Major, Nachrichtendienstoffizier, US-Marine und UN-Waffeninspektor. Ritter erörtert, wie Europa nun die Grenze überschritten hat und eine russische Vergeltung unausweichlich gemacht wurde.“
https://www.youtube.com/watch?v=HzEcoloOr_s
NATO provoziert Russland immer mehr
Peter Hänseler und René Zittlau: „Die NATO eskaliert einen Krieg, an welchem sie nach eigenen Angaben offiziell nicht direkt beteiligt sei, aber die Wahrheit sieht anders aus. Ab 2022 wurde zuerst Artillerie geliefert, dann Kampfpanzer, dann Kampfflugzeuge, dann Raketen, dann Cruise-Missiles, allesamt im Paket mit Experten vor Ort, welche diese Waffen betreuen, programmieren und lenken.
Laut dem Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages verliess Deutschland bereits 2022 mit der Ausbildung von ukrainischen Soldaten an gelieferten Waffen den "gesicherten Bereich der Nichtkriegsführung". Diese offizielle Analyse und Bewertung liegt lediglich vier Jahre zurück und wirkt auf den Leser des Jahres 2026 wie ein Dokument aus Vorkriegszeiten.
Seither wurden zahllose rote Linien überschritten und wir haben uns bereits Anfang Februar 2023 in «Schlafwandler am Werk: Der 3. Weltkrieg hat wohl bereits begonnen» darüber Gedanken gemacht. Die Eskalation durch Europa hat in jüngster Zeit einen Punkt erreicht, an dem auch die nach einer diplomatischen Lösung strebende russische Führung die Realitäten nicht mehr ausblenden wird können. Europäische Länder bereiten die Stationierung von Atomwaffen in Polen vor und produzieren Tausende von Drohnen, welche Infrastrukturanlagen tief im Inneren Russlands erreichen und beschädigen, produziert ausserhalb der Ukraine. Am 22. Mai erreichte die Brutalität einen neuen Höhepunkt: In Lugansk wurde ein Studentenwohnheim, wohlgemerkt nachts, als alle Studenten schliefen, mit über ein Dutzend Drohnen angegriffen. Resultat: 21 tote Studenten und zahllose Verletzte. Die Ähnlichkeiten zur israelischen Kriegsführung sind augenfällig. Hinzu kommt, dass diese Angriffe offensichtlich nicht nur aus der Ukraine geführt werden, sondern auch aus den baltischen Staaten direkt. Zudem fabulierte der lettische Aussenminister in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) vom 18. Mai sogar davon, dass die NATO die Mittel hat, die russischen Militärinstallationen in Kaliningrad dem «Erdboden gleichzumachen».
Die gegenwärtigen Angriffe kann man nicht mehr als ukrainisch bezeichnen. Die Ukraine amtet nur noch als Feigenblatt eines offenen Krieges Europas gegen Russland.
Diese beschriebenen Eskalationen beruhen auf der irrigen Meinung Europas, die Zurückhaltung Russlands gegenüber der seit Jahren andauernden Provokationen durch den Westen sei ein Zeichen der Schwäche. Dass die Europäer die Geduld und das Streben nach Deeskalation dergestalt auslegen, erhöht das Risiko eines grossen Konflikts um so mehr. Die Russen haben gute, ja sehr gute Gründe, einen weiteren direkten Krieg mit Europa zu verhindern. Kein Land – ausser den Chinesen – litt im Zweiten Weltkrieg auf einem derart apokalyptischen Niveau wie die Sowjetunion. Dies ist auch heute noch omnipräsent in der russischen Gesellschaft. Präsident Putin weiss das und eine deeskalierende Haltung betreffend Krieg ist Programm eines Präsidenten, welcher die 27 Millionen Opfer respektiert und achtet.
Die Europäer hingegen, speziell die Deutschen, haben die Angst vor einem Krieg – auch vor einem Atomkrieg – komplett verloren. Das sind keine Vermutungen, sondern belegte Tatsachen. So hat Friedrich Merz bereits im Mai 2022, als die Waffenlieferungsbonanza in Deutschland richtig losging, verlautbart, er habe keine Angst vor einem Atomkrieg. War Merz 2022 noch in der Opposition, so ist dieser Dummkopf gegenwärtig Bundeskanzler. Wer keine Angst vor einem Atomkrieg hat, ist dumm. Diese Aussage wird von den deutschen Medien relativiert - weiter unten werden wir jedoch sehen, dass Herr Merz im Kern das gemeint hat, was er sagte.
Gemeinsam mit Starmer und Macron führt der ehemalige Fahnenjunker der Bundeswehr Europa Richtung Krieg, mit voller Unterstützung von den Damen von der Leyen und Kallas, die offensichtlich bereit sind, ihre Russophobie dergestalt auszuleben, dass sie den Untergang von Westeuropa in Kauf nehmen …
Europa unterstützt nicht erst seit 2022 die Ukraine in ihrem Tun. Inzwischen vertreten die europäischen Herren der Ukraine ganz offen ihre Strategie des «forever war» gegen Russland, eine Strategie, die nur verbal die Rolle Europas als Aggressor verbrämt. Einen solchen Aggressor kann man nicht mit Worten vom Unrecht seines Tuns überzeugen. Russland muss mehr als ein Signal senden; Waffengewalt gegen Europa selbst steht zur Debatte.
Die Informationen für die Ziele der Angriffe sowie die Zielkoordinaten stammen von Satelliten und Überwachungsdrohnen und –flugzeugen der NATO. Die Verhängung einer non-fly-Zone über dem Schwarzen Meer wäre ein erster Schritt. Die USA hat dieses Mittel in den letzten Jahrzehnten mehrmals eingesetzt; etwa im Irak (1991-2003), in Bosnien Herzegowina (1993-1995) und Libyen (2011).
Der Kollektive Westen würde über eine solche Massnahme heulen und internationales Recht anrufen. Ein schwaches Argument von Ländern, die das Problem Ukraine erst geschaffen haben, die Genozid im Nahen Osten, die Entführung von Maduro und den Angriff auf den Iran befürworten. Diese no-fly-Zone müsste mit radikaler Waffengewalt vom ersten Tag an durchgesetzt werden.“
Arnold Schölzel: „Nach 30 Jahren NATO-Ostexpansion, 25 Jahren fortlaufender Kündigung aller Verträge zur Rüstungskontrolle und Abrüstung zwischen den USA und der Sowjetunion beziehungsweise Russland sowie zwölf Jahren Stellvertreterkrieg gegen Russland – geplant war 2014 der rasche Durchmarsch durch die russischsprachige Ostukraine an die russische Grenze – sieht sich der Imperialismus nicht am Ziel. Russland liegt nicht am Boden, sondern hält unter anderem mit der Entwicklung von Waffen dagegen, die der Westen nicht hat. Dabei beteiligen sich die USA nach wie vor am Krieg gegen Russland mit Geheimdienstinformationen und Satellitenfunk, lassen sich die Waffen aber von den Westeuropäern bezahlen.
Das steigert offenbar die Risikobereitschaft von EU und den europäischen NATO-Mitgliedern, die Grenzen zum Atomkrieg zu testen. Ein Großmanöver, das sich „ohne jegliche Tarnung“ (Sergei Schoigu, Sekretär des russischen Sicherheitsrates) gegen Russland und Belarus richtet, folgt dem anderen. Von Januar bis März übten zum Beispiel rund 10.000 Soldaten aus elf Staaten im Rahmen von „Steadfast Dart 2026“ mit Deutschland als „Gastnation“, also Drehscheibe, die Verlegung von Truppen innerhalb Westeuropas. Das seit 2024 gültige neue Streitkräftemodell sieht vor, bis zu 800.000 Soldaten zum Einsatz zu bringen. Dem folgte unter anderem vom 27. April bis zum 13. Mai das schwedisch geführte Manöver „Aurora 26“ in der mittleren Ostsee mit rund 18.000 Soldaten aus zwölf Ländern. Am Dienstag zählte Schoigu „sieben Übungen gleichzeitig“.
Unterdessen heizen die NATO-Staaten ihren Krieg gegen Russland mit unbegrenzten Summen für die korrupte Regierungsclique in Kiew an und lassen ihre Medien deren angebliche Siege bejubeln.“
https://www.unsere-zeit.de/nehmt-moskau-ernst-4814736/
Reinhard Lauterbach: „Als Schwelle für einen möglichen russischen Erstschlag benennen russische Autoren und Politiker inzwischen das, was der vereinigte Westen gerade ausprobiert: eine Seeblockade der russischen Ostseehäfen sowie der arktischen Küste des Landes, vor allem in ihrem westlichen, eisfreien Teil von Murmansk bis Archangelsk. Auch wenn Donald Trump derzeit durch den Nahen Osten abgelenkt sein sollte, montieren Großbritannien und Norwegen maritime »Koalitionen der Willigen« für diese Zwecke, Frankreich bereitet gemeinsame Manöver seiner Atomstreitkräfte mit Polen vor, die Bundeswehr steht mit »nur« einer Panzerbrigade in Litauen zu Aktionen in alle Richtungen bereit – auch gegen das Kaliningrader Gebiet. Das alles im Zeichen der »Abschreckung« Russlands. Und wenn das genau umgekehrt als Provokation wirkt? Dann hat sie »leider nicht funktioniert«. Zu dumm für die Überlebenden.“
https://www.jungewelt.de/artikel/523081.html
Ukrainische Angriffe
Stefano di Lorenzo: „Die Bilder der ukrainischen Angriffe sind in der Tat dramatisch und beeindruckend. Ukrainische Langstrecken-Drohnen haben Raffinerien, Logistikzentren, Militärflugplätze, Radaranlagen und industrielle Ziele getroffen, die Hunderte — manchmal mehr als tausend — Kilometer von der Frontlinie entfernt liegen. Russlands riesiges Territorium, von dem einst angenommen wurde, es biete strategische Tiefe, erscheint zunehmend verwundbar gegenüber relativ kostengünstigen unbemannten Systemen, die im industriellen Maßstab hergestellt werden. Sogar russische strategische Luftwaffenstützpunkte wurden ins Visier genommen. Westliche Politiker und Kommentatoren haben diese Entwicklungen als Beweis dafür interpretiert, dass sich das militärische Gleichgewicht entscheidend zugunsten der Ukraine verschiebt. Der finnische Präsident Alexander Stubb argumentierte kürzlich sogar, dass „die Ukraine in einer besseren Position ist als zuvor“ …
Die Ukraine ist selbstverständlich in der Lage, Russland anzugreifen und Schmerz zu verursachen. Ob solche Schläge das allgemeine Gleichgewicht des Zermürbungskriegs grundlegend verändern, bleibt offen. Bislang gibt es dafür keine Anzeichen. Drohnenangriffe auf russische Raffinerien verursachen wirtschaftliche Störungen und einen psychologischen Schock. Sie legen Schwachstellen innerhalb Russlands offen und zwingen Russland dazu, seine Luftabwehr über ein riesiges Gebiet zu verteilen. Doch sie haben die russischen Militäroperationen nicht lahmgelegt. Die Rekrutierung russischer Truppen ist zwar kostspielig und von hohen finanziellen Anreizen abhängig, ist aber nicht zusammengebrochen. Russische Raketenangriffe auf die ukrainische Infrastruktur sind nach wie vor von massivem Ausmaß.“
https://globalbridge.ch/gewinnt-die-ukraine-den-krieg-in-den-usa-sieht-man-das-anders/
Zivil-Bevölkerung unter Beschuss
„Moskau hatte am 25. Mai Diplomaten und Vertreter internationaler Organisationen aufgefordert, Kiew umgehend zu verlassen. Gleichzeitig warnte das russische Außenministerium die Zivilbevölkerung, sich nicht in der Nähe militärischer oder administrativer Infrastruktur aufzuhalten. Alle militärisch genutzten Einrichtungen in der Hauptstadt würden ins Visier genommen.
Der unmittelbare Anlass für Moskaus Ankündigung liegt einige Tage zurück. In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai waren das Wohnheim und das Hauptgebäude des Berufskollegs der Staatlichen Pädagogischen Universität Lugansk in der Stadt Starobelsk, seit 2022 Teil der Russischen Föderation, von ukrainischen Drohnen getroffen worden. Laut russischen Behörden hatten sich zum Zeitpunkt des Angriffs 86 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren in dem fünfstöckigen Gebäude aufgehalten. 21 Jugendliche waren bei dem Angriff ums Leben gekommen.
Präsident Wladimir Putin bezeichnete den Angriff als gezielten "Terrorakt" und schloss ein Versehen aus: Demnach hatten 16 Drohnen denselben Ort in drei aufeinanderfolgenden Wellen angegriffen, ohne dass sich militärische Ziele in unmittelbarer Umgebung befunden hätten. Die Ukraine hatte behauptet, das Hauptquartier einer russischen Drohneneinheit anvisiert zu haben.
Der UN-Sicherheitsrat hielt auf Antrag Russlands eine Dringlichkeitssitzung ab; die Vereinten Nationen zeigten sich alarmiert, wiesen jedoch darauf hin, dass sie keinen Zugang zu dem Gebiet haben und die Angaben nicht unabhängig überprüfen könnten.“
Sowohl von westlicher Seite als auch von Selenskyj wird Lugansk immer noch als zur Ukraine gehörig benannt. Somit hat Selenskyj die eigenen Mitbürger bombardiert, die eigene Jugend dort getötet und verletzt.“
Ulrich Heyden: „Offenbar ist es die Absicht von Kiew, mit Beschuss ziviler russischer Objekte Moskau zu drastischen Schritten zu provozieren. Wenn Russland drastische Gegenmaßnahmen ergreift, kann sich die Führung in Kiew am besten als Opfer „russischer Okkupanten“ präsentieren. Dass Kiew und die ganze Ukraine in Gefahr geraten, Ziel eines nuklearen russischen Angriffs zu werden, scheint der Führung in Kiew einerlei. Möglicherweise will man durch ständige Eskalation die USA zwingen, wieder Waffen zu schicken.
Wladimir Putin bezeichnete die Schläge gegen Kiew als „Strafe“ für die toten Jugendlichen von Starobelsk. Doch Kiew gibt sich unbeeindruckt und macht weiter mit gezielten Angriffen auf zivile Ziele.
Am 3. Juni beschoss die ukrainische Armee einen Bus in der Stadt Jenakijewo im Gebiet Donezk. Der Bus fuhr auf der Strecke Moskau-Simferopol (Krim). Sieben Zivilisten wurden nach Angaben von Denis Puschilin, dem Leiter der Region Donezk, getötet. Elf Menschen wurden verletzt.
Am 30. Mai attackierte eine ukrainische Kamikadse-Drohne das Atomkraftwerk Saporischje und riss ein Loch in den Maschinensaal des sechsten Blockes des Atomkraftwerkes. Nach russischen Angaben wurde die Drohne durch ein Glasfaserkabel gesteuert. Dass der Angriff zufällig geschah, könne man deshalb ausschließen. …
Am 31. Mai wurden laut Tass elf Zivilisten durch eine ukrainische Drohne schwer verletzt, die ein Mehrfamilienhaus in der Bratjew-Kowalenko-Straße in der Stadt Genitschesk beschädigte. Die Stadt liegt in dem von Russland eroberten Gebiet Cherson. Ein Kind starb und fünf Menschen wurden verletzt.“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=151681
Russische Opfer werden in westlichen Medien verschwiegen
Peter Hänseler und René Zittlau: „Die westlichen Medien zeichnen auch nach vier Jahren Krieg ein anderes Bild, wobei sie zunehmend Mühe haben, die propagandistischen Prognosen über einen «Sieg» der Ukraine und einen «Kollaps» von Russland anhand von Fakten zu begründen. Doch dieser «Journalismus» genügt noch immer, um die Naiveren unter den Lesern bei der Stange zu halten.“
Wladislaw Sankin: „Während in der Lugansker Volksrepublik schon die zweitägige Staatstrauer wegen des gewaltsamen Todes von 21 jungen Studenten begonnen hatte, leugnete die Tagesschau-Korrespondentin in Kiew noch die Tatsache eines ukrainischen Angriffs auf das Studentenwohnheim in Starobelsk überhaupt und stellte ihn als "vermeintlich" dar. In einer Live-Schaltung nach Berlin machte sie sich die Version der ukrainischen Armee völlig zu eigen.
Im Videobericht, der von der ARD am 24. Mai um 11 Uhr ausgestrahlt wurde, war der nächtliche russische Raketenangriff auf Kiew das Thema. Die Korrespondentin Susanne Petersson berichtete aus dem teilweise zerstörten ARD-Hauptstadtstudio, das von der Explosionswelle stark beschädigt wurde. Auf die Frage des Moderators Michail Paweletz, warum der nächtliche russische Angriff so heftig ausfiel, sagte die Korrespondentin, dass dies schwierig zu erklären sei. Den ukrainischen massiven Drohnenangriff auf die Berufsschule vor zwei Tagen bezweifelte sie mit dem Zusatz "vermeintlich". Im Wortlaut sagte sie:
"Wir haben ja immer wieder in der vergangenen Zeit gehabt, dass Russland, dass Wladimir Putin gesagt hat, das ist jetzt 'ne Vergeltung für irgendwas. Gestern wurde eine Vergeltung angekündigt vom Kreml für einen vermeintlichen oder mutmaßlichen ukrainischen Schlag, Drohnenangriff."
Internetnutzern ist aufgefallen, dass sich die Korrespondentin bei der Wiedergabe dieser Informationen wohl sehr unsicher fühlte und stotterte. Im nächsten Satz "entschuldigte" sie die ukrainische Armee, indem sie ihre Behauptungen unkritisch wiedergab, Russland hingegen beschuldigte sie der gezielten Angriffe auf Zivilisten. Sie sagte:
"Die Ukraine habe versucht, immer wieder zu sagen, das war ein Angriff auf ein Hauptquartier der Spezial- und Elite-Drohneneinheit … ähm … äh der Russen und nicht eben ein Angriff auf ein ziviles Ziel. Hat immer wieder gesagt, dass es nicht, dass die Ukraine nicht gezielt zivile Ziele angreift. Heute Nacht der Angriff von russischer Seite hat gezielt die Zivilisten treffen wollen. Also auch für uns, es waren Explosionen im Minutentakt."
Während sie sprach, waren bereits aus dem Ausland angereiste Korrespondenten am Ort der Tragödie in Starobelsk eingetroffen, insgesamt 50 Journalisten aus 19 Ländern. Auch die ARD sowie andere westliche Medien waren von der russischen Seite eingeladen. Solche von der Konfliktpartei organisierten Medientouren waren in der Vergangenheit öfter von Wladimir Selenskij direkt organisiert worden, um die Folgen der russischen Kriegsverbrechen, wie es hieß, zu zeigen. Doch von der ARD wollte niemand kommen, wie der Bericht aus Kiew zeigt, und zugleich konnte man so behaupten, dass man ja über den Vorfall nichts Genaueres wisse.
Doch die Nervosität der Korrespondentin zeigt, in welche Schwierigkeiten das selbst ernannte Flaggschiff des deutschen Qualitätsjournalismus mit dieser Strategie des Verschweigens zunehmend gerät. Nun sind die Bilder der verzweifelt trauernden Angehörigen der Opfer in der Welt. Die Journalisten haben schwarz umrahmte Portraits mit jungen Gesichtern der getöteten Studentinnen gesehen, das eingestürzte Gebäude, das viele von ihnen lebendig begrub.
So berichtete der RT-Korrespondent Murad Gasdijew, dass er relativ schnell am Tatort in Starobelsk war und die jungen Leute unter den Trümmern noch schreien hörte. Aber die Rettungskräfte konnten die meisten von ihnen nicht schnell genug bergen, weil die Trümmer so hoch über ihnen lagen und Einsturzgefahr herrschte. Auch haben die Journalisten die Einschätzung der Menschenrechtsbeauftragten Jana Lantratowa zur ukrainischen Drohnenattacke vernommen, die gesagt hat, dass die Attacke in drei Angriffswellen viel eher einer Jagd ähnelte. "Es war eine Jagd. Mit einer Pause zum Nachladen, damit man die Ausreißer leichter erwischen konnte", sagte sie und versicherte, dass das "Massaker von Starobelsk" in die Anklageschrift gegen das Kiewer Regime aufgenommen werde: "Wir werden weder vergessen noch vergeben."
Während die Ermordeten von Starobelsk in der deutschen Öffentlichkeit kaum Erwähnung finden, zeigt sich ein SPD-Politiker empört über das zerstörte Korrespondentenbüro. Das kommt auch daher, dass die Mainstreammedien die Berichte zum wahren Hintergrund des Vorgehens Russlands systematisch unterdrücken.
Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte der SPD-Politiker Adis Ahmetovic, dass nun diplomatische Konsequenzen folgen müssten. Konkret forderte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion die Einbestellung des Botschafters der Russischen Föderation ins Auswärtige Amt.
Obwohl beim Luftangriff auf Kiew in den Büros von ARD und Deutscher Welle lediglich ein Sachschaden durch die Druckwellen entstand und die Studios nicht das eigentliche Ziel gewesen sein können, sprach Ahmetovic von einem Versuch Russlands, die "unabhängige Berichterstattung einzuschüchtern". Russland greife gezielt zivile Infrastruktur an. Die Strategie des russischen Präsidenten Putin sei es, "auf weitere Eskalation und Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung" zu setzen.
Das Auswärtige Amt nahm zu der Forderung der Einbestellung von Sergei Netschajew nicht direkt Stellung, ließ aber durch seinen Sprecher erklären, dass man die Beschädigung des ARD-Studios in Kiew "auf das Schärfste" verurteile: "Wer mit solch verheerenden Waffen bewohnte Gebiete angreift, der will gezielt Terror verbreiten", verkündete das Außenministerium.“
Ulrich Heyden: „Für Kiew sind die Drohnen-Attacken auf russische zivile Einrichtungen ungefährlich. Die deutschen Medien berichteten über die Attacke auf das Schülerwohnheim in Starobelsk nur verschwommen und am Rande. Die menschlichen Opfer, welche die ukrainischen Drohnen-Attacken in den russischen Grenzgebieten Belgorod und Kursk sowie in den von Russland kontrollierten Regionen Donezk, Lugansk, Cherson, Saporoschje und Krim verursachen, sind den deutschen Mainstream-Medien nur eine Randnotiz wert, wenn sie überhaupt in diesen Medien auftauchen.
So verfestigt sich in der deutschen Öffentlichkeit das Bild, Russland sei der „Kriegstreiber“ und die Ukraine „das Opfer“. Dieses schiefe Bild ist lügnerisch, denn es blendet den Staatsstreich in Kiew im Februar 2014 und die im April 2014 von Kiew angeordnete „Antiterroristische Operation“ der ukrainischen Armee gegen Autonomiebestrebungen in Lugansk und Donezk aus. Aber dieses lügnerische Bild bietet bisher eine ausreichende propagandistische Basis, um Deutschland auf „Kriegsertüchtigung“ und Militarisierung zu trimmen.
Würden die deutschen Mainstream-Medien seriös über alle zivilen russischen Opfer von ukrainischen Drohnenattacken in den letzten Jahren berichten, hätten es deutsche Mainstream-Journalisten und Politiker schwerer, Deutschland auf den Kurs „Kriegsertüchtigung“ zu zwingen.
Viele deutsche Medien behaupten, die harten russischen Schläge auf Kiew seien Zeichen von Russlands Schwäche. Dass die Ukraine selbst vor dem Kollaps steht und ohne Militärhilfe aus der EU keinen einzigen Tag überleben würde, wird verschwiegen. Doch für die gewünschte „Kriegsertüchtigung“ braucht es das Bild von einer Ukraine, die in der Lage ist, ihr Territorium zu halten und zu siegen, und von einem Russland, das schon fast am Boden liegt.
Was sind die Argumente für die angebliche „Schwäche Russlands“? Die ukrainischen Drohnen hätten den russischen Raffinerien schweren Schaden zugefügt. Ihr Produktionsvolumen sei im Vergleich zum Mai 2025 um 13 Prozent zurückgegangen, meldete der Moskau-Korrespondent von NTV, Rainer Munz. Die Ukrainer hätten die „Drohnen-Hoheit im Luftraum“ und auf dem Boden herrsche ein „Patt“, behauptet Munz.
Doch zu einer Gesamtanalyse eines Moskau-Korrespondenten müsste eigentlich gehören, dass man erwähnt, dass Russland eine Atommacht ist und die Stimmen in Russland lauter werden, die einen Einsatz von Atomwaffen fordern.
Korrekt wäre es auch, zu erwähnen, dass 13 Prozent Einbußen bei den Raffinerien keine Existenzgefahr für die russische Wirtschaft sind.
Die Behauptung einer Drohnen-Hoheit im Luftraum ist übertrieben, denn die russische Armee rückt auf dem Schlachtfeld – gerade jetzt im Gebiet Charkow – weiter vor. Sie nimmt fast täglich Ortschaften ein.
Die ukrainischen Streitkräfte sind seit ihrer Offensive im Gebiet Charkow, im Mai 2024, nicht mehr zu Offensiv-Operationen in der Lage. Die ukrainische Armee kann wegen des Mangels an Soldaten nur mit Mühe die Frontlinie halten. Die Motivation der einfachen Ukrainer lässt nach. Sogenannte Territorial-Kommandos fangen männliche Zivilisten auf den Straßen der Ukraine ein, um sie an die Front zu bringen, wo sie kämpfen sollen. Im Internet ist diese Praxis mit zahlreichen Videos dokumentiert.
Deutsche Mainstream-Medien schreiben die militärische Lage der Ukraine schön. Sie verfolgen ein unrealistisches Ziel: Den Sieg der Ukraine, die Kapitulation Russlands und die Rückgabe der von Russland besetzten Territorien.
Alle Kompromiss-Lösungen, wie etwa territoriale Zugeständnisse von Kiew an Russland, werden von führenden westlichen Politikern, wie der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, rundheraus abgelehnt.
Dass man mit so einer unversöhnlichen Haltung einen Atom-Krieg riskiert, denn Russland wird die eroberten Gebiete nicht zurückgeben, zeigt, wie verlogen das Ukraine-Konzept von Berlin und Brüssel ist. 2013 ging es nur um die Visa-Freiheit für Ukrainer, dann ging es um Helme, später um Panzer, um Kampfflugzeuge und dann um Flugabwehrgeschütze. Die Eingemeindung der Ukraine in den Einflussbereich von EU und NATO ist den Damen und Herren in Berlin und Brüssel offenbar weitere hunderttausende Tote auf dem Schlachtfeld wert.
Diese Hartnäckigkeit hat nichts zu tun mit humanen Zielen. Ausschlaggebend sind wirtschaftliche und militärische Ziele: Der Gewinn des ukrainischen Schwarzerde-Bodens, billige Arbeitskräfte und ein Absatzmarkt, der Gewinn von Rohstoffen und Schwarzmeer-Häfen und das Heranrücken der NATO an die Grenze Russlands.“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=151681
Russische Reaktionen
Attacken auf Kiew
Reinhard Lauterbach: „Russland hat in der Nacht zum Sonntag einen heftigen Raketenangriff auf Ziele in der Ukraine ausgeführt. Neben etwa 700 Drohnen kamen auch Hyperschallwaffen wie die »Oreschnik«-Rakete und der ebenfalls hyperschallschnelle Marschflugkörper »Zirkon« zum Einsatz, außerdem mehrere Dutzend ballistische Raketen vom Typ »Iskander«. Bei dem Angriff auf Kiew kamen nach ukrainischen Angaben zwei Menschen ums Leben, 88 seien verletzt worden. An der Effizienz der Luftabwehr lag diese relativ geringe Opferzahl nach Angaben ukrainischer Medien nicht: Alle »Oreschnik«- und »Zirkon«-Raketen hätten ihre Ziele getroffen, von den »Iskanders« seien zwei Drittel nicht abgefangen worden.
Getroffen wurden nach russischen Angaben, die teilweise indirekt auch von ukrainischer Seite bestätigt wurden, militärische und industrielle Ziele: drei große Rüstungsbetriebe für Militärelektronik in Kiew, ein Flugplatz und Montagewerkstätten für die besonders effizienten ukrainischen »Flamingo«-Drohnen sowie die auf russischer Seite gefürchteten unbemannten Seedrohnen in der 90 Kilometer südlich von Kiew gelegenen Stadt Belaja Zerkow. Mit den Seedrohnen wurde erst vor wenigen Tagen ein neuerlicher Angriff auf die Krimbrücke versucht. Den Angriff hatte die Bootsbesatzung eines Boots des russischen Grenzschutzes nur durch ein direktes Kollisionsmanöver abwenden können, in dessen Folge die gesamte Besatzung des Schiffs starb.“
https://www.jungewelt.de/artikel/523106.ukraine-krieg-gro%C3%9Fangriff-auf-kiew.html
Ulrich Heyden: „Auf den ukrainischen Angriff auf das Schülerheim Starobelsk reagierte Russland so hart wie nie. Zweimal – in der Nacht auf den 24. Mai und in der Nacht auf den 2. Juni – griff Russland Kiew und andere ukrainische Städte in kombinierten Angriffen mit Drohnen und Raketen an. Dabei wurde am 24. Mai das erste Mal auch eine Oreschnik-Rakete im Großraum Kiew eingesetzt. Die ballistische Oreschnik-Rakete schlug nach ukrainischen Angaben 80 Kilometer südlich von Kiew im Rayon Beloje Zerkwi ein. Dort gibt es einen Militärflughafen.
In der Nacht auf den 24. Mai wurde Kiew mit Raketen des Typs Kinschal, Iskander, Zirkon und mit Drohnen angegriffen. Ziel waren militärische Einrichtungen. Nach Angabe des Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, gab es bei dem russischen Angriff auf Kiew am 24. Mai zwei Tote und 70 Verletzte.
In der Nacht auf den 2. Juni wurde Kiew wiederum von russischen Raketen – diesmal vom Typ Kalibr, Zirkon und Iskander M – sowie 650 Drohnen angegriffen. In Kiew dauerte der Angriff viereinhalb Stunden.
Insgesamt soll es in der Stadt acht angegriffene Positionen gegeben haben. Es kam zu Bränden. Wie das ukrainische Medium TCN berichtete, standen in der Nacht dichte Rauchwolken über der Stadt. Die Einwohner wurden aufgefordert, die Fenster zu schließen.
Wie das Unternehmen Ukrenergo berichtete, wurden in der Stadt auch Objekte der Energieversorgung getroffen. Zu Störungen in der Energieversorgung kam es in Kiew und anderen Regionen.
Nicht nur in Kiew, auch in den Gebieten Saporoschje, Charkow, Sumy, Dnipro, Poltawa und Chmelnizki wurden Rüstungsbetriebe sowie in Bunkern untergebrachte militärische Entscheidungszentren angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium gab bekannt, der Angriff sei nachts ausgeführt worden, „um zu verhindern, dass zufällig Zivilisten getroffen werden“.
Das ultrapatriotische russische Internet-Portal Tsargrad war zufrieden. Nach Angaben des Portals dauerte der Angriff am 2. Juni auf Kiew, Dnipro und Odessa „ohne Unterbrechung acht Stunden“. In Kiew habe das Trainingszentrum der „3. Sturmbrigade Killhouse“, wo „westliche Journalisten ihre Reportagen machen“, gebrannt. Außerdem sei die 410. Flugzeugfabrik zerstört worden, welche Antonow-Flugzeuge repariert …
Zu den Zielen russischer Raketenangriffe in Kiew gehörten – so Militärexperte Matwijtschuk – auch Rüstungsbetriebe, wie etwa die Rüstungsfabrik Arsenal in Kiew, wo Munition und Schusswaffen hergestellt und Militärtechnik repariert wird. Nach russischen Angaben wolle der Konzern Rheinmetall in Kiew eine Fabrik für die Reparatur von militärischem Gerät aufbauen. Weitere Ziele in Kiew seien die Fabriken „Artjom“ und „Kristall“.
Ein weiteres Ziel für russische Militärschläge seien ukrainische Flugleitzentralen, welche die Flüge des Kampfflugzeuges F-16 steuern, sowie die im Umland von Kiew gelegenen Militärflugplätze in Wasilkow und Beloj Zerkwi.“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=151681
Härtere Gangart
Stefano di Lorenzo: „Der russische Präsident Wladimir Putin sagte kürzlich, dass der Krieg in seine „Endphase“ eintrete oder sich einem „logischen Abschluss“ nähere. Es blieb unklar, was er damit meinte. Diese Äußerungen wurden von vielen im Westen als Zeichen russischer Ermüdung oder Schwäche interpretiert. Innerhalb Russlands wurden sie jedoch größtenteils anders verstanden: als Argument dafür, dass der Krieg beendet werden muss, notfalls durch Eskalation und überwältigende Gewalt. Europa zeige aus russischer Sicht keine Absicht, eine Friedenslösung zu finden, die den russischen Forderungen gerecht wird. Es sei nicht mehr Zeit für Kompromisse.
Der jüngste ukrainische Angriff auf ein Schülerwohnheim in der Region Luhansk – bei dem nach neuesten Angaben 21 Menschen ums Leben kamen – schürte in Russland sofort Forderungen nach härteren Vergeltungsmaßnahmen. Russlands anschließende verheerenden Angriffe auf Kiew spiegelten diese Logik wider. Die Ukraine kann weiter mit Drohnen und Langstreckensystemen Ziele tief im Inneren Russlands und in den besetzten Gebieten treffen. Aber von einer Eskalationsspirale hat sie wenig zu gewinnen.“
https://globalbridge.ch/gewinnt-die-ukraine-den-krieg-in-den-usa-sieht-man-das-anders/
Ulrich Heyden: „Auffällig ist, dass seit dem 25. Mai wichtige Stellungnahmen zu der russischen Gegenwehr auf ukrainische Drohnen-Angriffe nicht vom russischen Verteidigungsministerium, sondern vom russischen Außenministerium bekanntgegeben werden. Dass eine zivile Institution militärische Ankündigungen macht, unterstreicht den Ernst der Lage. Es bedeutet auch, dass Russland zurzeit wenig Hoffnung hat, den Ukraine-Krieg auf diplomatischem Wege zu beenden.
Am 25. Mai, einen Tag nach dem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Schülerheim in Starobelsk, bei dem 21 Schüler starben, gab das russische Außenministerium bekannt, „unsere Geduld ist erschöpft.“ Von nun an werde die russische Armee „systematische Schläge auf ukrainische Rüstungsbetriebe in Kiew“ ausführen. Militär-Schläge werde es auch gegen die Zentren geben, „wo Entscheidungen getroffen werden“ …
Was sind nun die Gründe, dass der Kreml sich entschlossen hat, Kiew „systematisch“ zu bombardieren? Die ukrainischen Drohnenangriffe tief in das russische Hinterland, die gezielten Schläge gegen zivile Einrichtungen wie das Schülerwohnheim in Starobelsk, Raffinerien und Häfen, aber auch die zunehmende Forderung der russischen Bevölkerung, nun endlich Kiew „einen Schlag“ zu verpassen, hat den Kreml offenbar zu einem schärferen Kurs veranlasst. Ob dieser schärfere Kurs anhält, ist nicht sicher. Man erinnert sich, dass die russische Armee 2022 schon kurz vor Kiew stand, sich dann aber zurückzog, offenbar in der Hoffnung, die Friedensverhandlungen in Istanbul würden ein Ergebnis bringen …
Bisher gibt es aus Deutschland keinen wirklichen politischen Druck, die Waffenlieferungen an die Ukraine einzustellen und eine friedliche Lösung anzustreben. Dabei könnte Deutschland als wichtigster Waffenlieferant selbst zum Schauplatz des Ukraine-Krieges werden.“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=151681
Reinhard Lauterbach: „Was allerdings derzeit in Belarus stattfindet, sind großangelegte russisch-belarussische Militärübungen auch für die Raketentruppen. Dabei wurden nach Angaben Moskaus auch tatsächliche Atomsprengköpfe nach Belarus transportiert und dort auf die bereits im Lande stationierten Trägerraketen des Typs »Iskander« aufmontiert. Das ist insofern ungewöhnlich, als für Manöverzwecke üblicherweise Attrappen benutzt werden.
Eine derartige Eskalation des Manöverszenarios ist – ebenso wie der heftige Raketenschlag auf Kiew – auch ein politisches Signal Russlands an den kollektiven Westen. Russische Politiker und Politikberater drohten in den vergangenen Wochen und Monaten immer öfter, dass Moskau taktische Atomwaffen auch präventiv gegen Ziele im NATO-Gebiet einsetzen könnte, wenn dem Land von dort »existenzielle Bedrohungen« entstünden. Russland sieht sich sowohl in der Ostsee als auch im Nordmeer westlichen Einkreisungsmanövern ausgesetzt. Parallel zu dem Atommanöver in Belarus waren deshalb auch große Teile der russischen Nordmeerflotte bei den Manövern der vergangenen Woche mobilisiert. Der Zweck war ausdrücklich der Abschuss strategischer Atomwaffen. Beteiligt waren allein im Norden 64.000 Soldaten aller Waffengattungen und 73 Schiffe, darunter mindestens acht strategische U-Boote, die Atomraketen verschießen können.“
https://www.jungewelt.de/artikel/523106.ukraine-krieg-gro%C3%9Fangriff-auf-kiew.html
Reinhard Lauterbach: „Nein, die dramatisierenden Äußerungen von Expräsident Dmitri Medwedew über die aus Deutschland für Russland ausgehende Gefahr und die Überlegungen führender russischer Politikberater über die Notwendigkeit, auch einen Atomwaffeneinsatz in Betracht zu ziehen, sind offenbar keine Propagandaübungen zur Bedienung des chauvinistischen Teils der russischen Öffentlichkeit. Wenn jetzt auf diese Drohungen oder Warnungen großangelegte Manöver der Nordmeerflotte, der Test einer Interkontinentalrakete über Sibirien und der massivste Raketenangriff auf Kiew seit Jahren folgen, dann muss man diese Drohungen wohl ziemlich ernst nehmen. Zumal sich anscheinend Wladimir Putin, der bisher eher im Ruf stand, ein Zauderer zu sein, von den Warnungen der russischen »Falken« hat überzeugen lassen.
Russland weiß oder ahnt, dass es sein militärisches Überleben – soweit man das Wort in diesem Kontext verwenden kann – gegen den vereinigten Westen inzwischen ausschließlich seinen Atomstreitkräften verdankt. Deshalb sind in dem Raketenangriff auf Ziele in und um Kiew ausschließlich Waffensysteme verwendet worden, die nuklearfähig sind und – wie »Oreschnik« und »Zirkon« – wegen ihrer sehr hohen Fluggeschwindigkeit nicht abgefangen werden können. Von der »Zirkon« kam außerdem eine landgestützte Version zum Einsatz, die das ursprünglich für Einsätze von Schiffen aus entwickelte System wesentlich mobiler und schwerer zu entdecken macht.“
https://www.jungewelt.de/artikel/523081.html
Peter Hänseler und René Zittlau: „Seit 2014 führen Europa und die USA einen Krieg gegen Russland, bisher auf das Territorium der Ukraine beschränkt. Das könnte sich bald ändern.
Russland versuchte, im März/April 2022, ein paar Wochen nach dem Beginn der Spezialoperation, mit den Ukrainern eine Einigung zu finden, was beinahe gelang. Dann erschien Boris Johnson als Abgesandter von «Perfidous Albion» in Kiew und rettete den Krieg. Die darauffolgende grosse Gegenoffensive der NATO im Sommer 2023 scheiterte kläglich an den Befestigungen der Russen – die Schmach der NATO war gross, die Verluste der Ukraine fürchterlich. Insgesamt belaufen sie sich auf 2 Millionen Tote und Millionen Verletzte, was beinahe 10% der noch bestehenden Bevölkerung im Jahre 2026 entspricht. Die Russen haben wohl um die 200'000 Gefallene zu beklagen; im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung von 147 Millionen ist das wenig. Für die betroffenen Hinterbliebenen auf beiden Seiten der Front eine Katastrophe.
Der Siegeswille, die Loyalität zur Heimat und die militärische und strategische Überlegenheit widerspiegeln sich unter anderem in der Zahl der Freiwilligen. Nach wie vor melden sich in Russland für die Front ca. 1'200 Freiwillige – jeden Tag. Das entgegengesetzte Bild in der Ukraine. Kopfgeldjäger jagen junge Männer wie Tiere, so dass sie zunehmend von der Bevölkerung angegriffen werden; sogar heldenhafte Grossmütter gehen gegen diesen Abschaum mit Stöcken vor, denn ein Fronteinsatz bedeutet in der Ukraine den sicheren Tod oder Kriegsgefangenschaft. Die regulären Truppen sind derart dezimiert, dass die zwangsrekrutierten, frischen neuen Soldaten, die eine zweiwöchige Schnellbleiche hinter sich haben, entweder umkommen oder weglaufen …
Was diese Damen und Herren nicht zu verstehen scheinen, ist der Umstand, dass Präsident Putin mit seiner Konzilianz und seinem guten Willen gegenüber Europa zu den Geduldigsten gehört. Die im Westen immer wieder bemühte Behauptung, dass Russland im Allgemeinen und Präsident Putin im Besonderen Aggressoren seien, sind durch Tatsachen nicht zu belegen. In Russland wird spätestens seit 2014 intensiv diskutiert, ob gegenüber Europa ein härterer Kurs gefahren werden soll. Es gibt zahlreiche einflussreiche Personen, welche die auf Diplomatie ausgerichtete Strategie des Kremls kritisieren. Angesichts der irrationalen Politik des Westens finden diese Meinungen immer grössere Unterstützung und die gemachten Vorschläge beschränken sich in keiner Weise auf diplomatische Protestnoten oder härtere Kommunikation. Russland debattiert gegenwärtig darüber, die kriegstrunkenen Europäer mit Waffengewalt auszunüchtern, wobei Professor Karaganow dem Kreml seit Jahren eine Gangart beliebt machen möchte, die den Einsatz von Atomwaffen gegen Europa einschliessen.
Professor Sergey Karaganow ist Ehrenvorsitzender des Rates für Aussen- und Verteidigungspolitik Russlands sowie akademischer Betreuer an der School of International Economics and Foreign Affairs der Higher School of Economics (HSE) in Moskau. Er gehört der russischen Regierung nicht an, sein Einfluss auf die Meinungsbildung der Entscheidungsträger sollte jedoch nicht unterschätzt werden.
Karaganow verfasste bereits im Juni 2023 einen Artikel, eine Denkschrift. Dieser Aufsatz stellte die Problematik des gegenwärtigen Ukraine-Konflikts in einen grösseren Zusammenhang. Er kam dabei zum Schluss, dass der freundlichen, diplomatischen Haltung der Regierung kein Erfolg beschieden sein wird, da das untergehende Europa nicht das geringste Interesse daran habe, eine diplomatische, also friedliche Lösung zu suchen und umzusetzen.
„Wir dürfen das ‚ukrainische Szenario‘ nicht wiederholen. Ein Vierteljahrhundert lang haben wir nicht auf diejenigen gehört, die davor gewarnt haben, dass die NATO-Erweiterung zu einem Krieg führen würde, und haben stattdessen versucht, die Dinge hinauszuzögern und zu ‚verhandeln‘. Das Ergebnis ist ein schwerer bewaffneter Konflikt. Der Preis für Unentschlossenheit wird jetzt um ein Vielfaches höher sein.“
Sergei Karaganow, 13. Juni 2023
Er ist zwar der Meinung, dass Russland auf dem Schlachtfeld obsiegen werde, ganz gleich, ob lediglich die vier bereits zu Russland gehörenden Oblaste (Donezk, Luhansk, Saporischschja, Cherson), noch weitere Gebiet oder gar die ganze Ukraine erobert werden würden. Damit sei das Problem jedoch nicht gelöst, denn eine rein militärische Entscheidung sei keine Befriedung und löse das Problem nicht. Dem Westen müsse der Wille zur Aggression gebrochen werden. Das sei jedoch allein mit nuklearer Abschreckung nicht zu erreichen, da Westeuropa die Angst vor einem Krieg, ja sogar vor einem Atomkrieg, verloren habe. Aussagen von Friedrich Merz aus dem Jahre 2024 bestätigen diese Aussage Karaganows, da Merz unter anderem zum Besten gab: «Freiheit ist wichtiger als Frieden. (…) Frieden gibt´s auf jedem Friedhof.» Ein Bundeskanzler mit einem derart begrenzten Politikverständnis hat selbstredend auch keine Angst vor einem Atomkrieg mit Russland …
Laut Karaganow jedenfalls gelte es, diese Angst vor dem Krieg wiederherzustellen. Zitat: „Wir müssen die nukleare Abschreckung wieder zu einem überzeugenden Argument machen, indem wir die unannehmbar hoch angesetzte Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen senken und schnell, aber umsichtig die Eskalationsleiter der Abschreckung hinaufsteigen.“
Sergei Karaganow, 13. Juni 2023
Folglich schlägt Karaganow den Einsatz von Nuklearwaffen vor, um die Angst vor diesen Waffen wiederherzustellen und vertritt die Meinung, dass ein Vergeltungsschlag nicht zu erwarten sei, da die Amerikaner zum einen nicht ihr eigenes Land in Gefahr bringen und zum anderen nicht Boston für Posen opfern würden.
„Ich habe schon oft gesagt und geschrieben, dass sich das Risiko eines ‚Vergeltungsschlags‘ – sei es nuklear oder anderweitig – auf unser Territorium auf ein absolutes Minimum reduzieren lässt, wenn wir eine Strategie der Einschüchterung und Abschreckung, ja sogar des Einsatzes von Atomwaffen, richtig aufbauen. Nur ein Verrückter, vor allem einer, der Amerika hasst, wird den Mut haben, zur ‚Verteidigung‘ der Europäer zurückzuschlagen, wodurch er sein eigenes Land in Gefahr bringt und das mögliche Ziel Boston für das mögliche Ziel Posen opfert.“
Sergei Karaganow, 13. Juni 2023
Karaganow kann durchaus gefolgt werden in seiner Ansicht, dass die Verfolgung einer diplomatischen Lösung des Konflikts für Russland kein nachhaltiges Ergebnis bringen wird, d.h. aufgrund der strategischen Aggression Europas – und auch der USA – kein Frieden mit der Ukraine oder was davon übrigbleiben wird, möglich sein wird.
Das Eintreten Karaganows für einen begrenzten Erstschlag mit Atomwaffen – auch nach einem von ihm vorgeschlagenen Warn-Schlag mit konventionellen Waffen – erachte ich als keine weise Strategie. Als Präsident Putin am 16. Juni 2023 auf die Karaganow-Doktrin angesprochen wurde, sagte er klar «Ich lehne sie ab» und führte unter anderem aus:
«Ich habe bereits gesagt, dass der Einsatz der ultimativen Abschreckungsmittel nur im Falle einer Bedrohung des russischen Staates möglich ist. In diesem Fall werden wir mit Sicherheit alle Kräfte und Mittel einsetzen, die dem russischen Staat zur Verfügung stehen. Daran besteht kein Zweifel.»
Präsident Putin, 16. Juni 2023
Dennoch: Am 19. November 2024 erneuerte die Russische Föderation ihre Nukleardoktrin. Sergei Karaganow hat die öffentliche und fachliche Debatte, die der überarbeiteten russischen Nukleardoktrin vorausging, massgeblich geprägt, doch gibt es keine eindeutigen Belege dafür, dass er direkt an deren offizieller Ausarbeitung beteiligt war.
Die Schwelle für den Einsatz nuklearer Waffen wurde herabgesetzt: Russland behält sich jetzt das Recht vor, als Reaktion auf einen konventionellen (nicht-nuklearen) Angriff, der eine kritische Bedrohung für die Souveränität oder territoriale Integrität Russlands oder Weissrusslands (als Teil des Unionsstaates) darstellt, Atomwaffen einzusetzen. In der Fassung von 2020 galt eine höhere Schwelle: ein Angriff, der die „Existenz des Staates“ bedroht. Ergänzt wurde die Doktrin durch eine sogenannte “Joint attack clause”: Ein Angriff auf Russland (oder seine Verbündeten) durch einen Nicht-Atomwaffenstaat unter Beteiligung oder mit Unterstützung eines Atomwaffenstaates gilt als gemeinsamer Angriff beider Staaten. Dies zielt auf Szenarien ab, in denen der Westen die Ukraine unterstützt.
Die Schwelle betreffend des Einsatzes und die Konstellation des Angriffs wurde durch die neue Doktrin verschärft.“
Eskalation bis zum bitteren Ende
Ulrich Heyden: „Warum holte Moskau erst jetzt zu großen Schlägen aus? Gab es in den vergangenen zwölf Monaten für Russland nicht genug Anlässe, Kiew anzugreifen? Attackieren ukrainische Drohnen nicht seit über einem Jahr russische Raffinerien und russische Häfen an der Ostsee und am Schwarzen Meer? Werden über dem Westteil der Russischen Föderation in den letzten Monaten nicht täglich im Schnitt 200 ukrainische Drohnen abgeschossen? Sterben nicht fast täglich Menschen in Russland an ukrainischen Drohnen?
Was sind die Gründe, dass der Kreml erst jetzt den Befehl gab, in Kiew nicht nur Heizkraftwerke – wie in den vergangenen Jahren -, sondern auch Rüstungsbetriebe, militärische Anlagen und Bunker zu bombardieren, in denen politische und militärische Strukturen Schutz suchen?
Die Antwort ist einfach: Moskau hatte immer noch Hoffnung, dass es zu ernsthaften Friedens-Verhandlungen kommt. Wladimir Putin bot immer wieder Verhandlungen an. Zuletzt lud er Selenskyj zu Verhandlungen nach Moskau ein. Doch in einem Krieg den Feind zu besuchen, macht wohl nur Sinn, wenn man die Kapitulationsurkunde unterschreiben will.
Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte am 2. Juni, um einen Frieden zu erreichen, „braucht Selenskyj nur den Befehl zu geben, dass seine Truppen die russischen Regionen verlassen“. Moskau habe die Friedensverhandlungen unterbrochen, halte aber über seine Kanäle noch Kontakt zu den USA.
Offenbar hatte der Kreml im letzten Jahr nach dem Treffen Putin-Trump in Anchorage die Hoffnung, man könne gemeinsam mit den USA den Krieg in der Ukraine beenden. Nach dem Treffen in Anchorage begannen Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland. Konkrete Resultate wurden – außer Gefangenenaustausch – allerdings nicht erzielt.“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=151681
Peter Hänseler und René Zittlau: „Es gibt zwei weitere wichtige Argumente gegen den Einsatz in der gegenwärtigen Situation. Falls Russland – nach den Vereinigten Staaten im Jahre 1945 – einen Atomschlag führen würde, würde dies Russland zum Nuklearaggressor machen. Abgesehen davon, ob die Nuklear-Doktrin eine solchen Einsatz erlaubt, wäre er für die Reputation des Landes äusserst schädlich und eine enorme Belastung für die Beziehungen zu den befreundeten Staaten. Weiter würde er generell – und ganz besonders Israel und den USA – die Hemmschwelle für den Einsatz dieser Waffen senken.
So wie in Russland, wird auch in den USA von Hardlinern der Einsatz von taktischen Nuklearwaffen bereits propagiert. Einige Experten (z. B. aus dem Umfeld des Hudson Institute oder des Heritage Institute sowie Persönlichkeiten wie Keith Payne und Elbridge Colby im weiteren Kontext der Abschreckung) vertreten die Ansicht, dass die USA über bessere Instrumente zur „Eskalationsdominanz“ verfügen müssen, darunter auch taktische Nuklearwaffen. Ein Präzedenzfall würde die Büchse der Pandora öffnen. Die Gefahr einer weiteren Eskalation wäre bedeutend höher als heute und das Ende der Menschheit de facto in Reichweite.
Obwohl der Einsatz von Nuklearwaffen gegen Europa unter den gegenwärtigen Bedingungen mehr schaden als nützen würde, wird sich Russland überlegen müssen, wie es den Europäern entgegenzutreten hat, um diesen Konflikt militärisch zu beenden – den Krieg mit Europa wohlgemerkt, nicht mit der Ukraine.
Das Grundlagenpapier von Karaganow stammt vom Juni 2023 – damals gab es die «Oreshnik» noch nicht. Erstmals kam diese Waffe am 21. November 2024 gegen den grössten Rüstungskomplex der Ukraine, den Konzern «JusMash» in Dnepro zum Einsatz. Selbst mehrere unterirdische Stockwerke wurden komplett zerstört, und das ohne jeglichen Sprengkopf, lediglich durch die kinetische Energie der Waffe. Wir berichteten darüber in «Putin setzt die NATO schachmatt – Grund zur Hoffnung?».
Die Oreshnik fliegt mit einer Geschwindigkeit von Mach 10, was diese Waffe unangreifbar macht. Westliche Abwehrsysteme sind wirksam gegen Ziele bis zu einer Geschwindigkeit von Mach 3. Weiter verfügt Oreshnik nach ersten Schätzungen über 6 Gefechtsköpfe, welche wiederum drei Teilköpfe haben. Diese insgesamt 18 Geschosse können auf verschiedene Ziele programmiert werden und sind einzeln navigierbar. Bereits aufgrund der kinetischen Energie, welche sich aus der Geschwindigkeit von Mach 10 ergibt, ist die Wirkung dieser Waffe schwer vorstellbar und kommt der Zerstörungskraft einer taktischen Nuklearwaffe nahe.
Russland verfügt also durchaus über Eskalationsmöglichkeiten unterhalb der Nuklearschwelle. In ihrer Wirkung kommen sie taktischen Nuklearwaffe allerdings nahe. Der amerikanische Militärexperte Scott Ritter hat am 26. November 2025 detailliert über diese Waffe Auskunft gegeben. „Der Oreshnik-Faktor“ – empfehlenswert …
Der zweite Schritt wäre die Ankündigung, dass innert 24 Stunden nach einem erneuten Angriff auf Ziele innerhalb Russlands eine militärische Antwort auf Produktionsstätten jener Länder folgt, die die beim Angriff benutzten Waffen herstellen, liefern und betreuen. Ein solcher Angriff müsste dann jedoch die komplette Zerstörung zur Folge haben – und nicht als blosses Signal wirken.
Die dritte Eskalationsstufe wäre dann die Ankündigung der Zerstörung der Entscheidungszentren in Europa und deren Umsetzung. Dazu gehören die militärischen Kommandozentralen, die Hauptsitze der betreffenden Geheimdienste und in einer weiteren Eskalation die Regierungssitze.
Die Situation für Russland ist bitterernst. Die NATO scheint sich daran gewöhnt zu haben, gegen Russland «weit weg vom Schuss» Krieg führen zu dürfen, ohne irgendwelche negativen Konsequenzen erleiden zu müssen. Falls Russland der NATO den Appetit nicht umgehend nimmt, wird dies der Strategie des Kollektiven Westens, Russland für immer zu schwächen – «forever war» – noch mehr Auftrieb geben.
Die hier diskutierten Strategien und möglichen russischen Antworten haben den Vorteil, eine Entscheidung herbeizuführen, bergen jedoch auch das Risiko, dass der Dritte Weltkrieg offen ausbricht. Eine solche Eskalation sollten nur jene befürworten, welche dazu bereit sind, ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Liebsten herzugeben. Auf allen Konfliktseiten. Dies entspricht ganz sicher mehr der russischen und überhaupt nicht der westlichen Mentalität.
Es bleibt abzuwarten, wie Russland die gegenwärtige Situation bewertet und welche Schlüsse es zieht. Das Risiko einer kompletten Eskalation ist jedoch auf jeden Fall deutlich höher als es die Öffentlichkeit wahrhaben möchte.“
„Professor Sergey Karaganov ist Ehrenvorsitzender des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik und berät seit Jahrzehnten die politischen Eliten Russlands. Prof. Karaganov schrieb Reden für Breschnew und beriet Gorbatschow, Jelzin und Putin. Prof. Karaganov vertritt die Ansicht, dass wir uns bereits in einem neuen Weltkrieg befinden, und argumentiert, dass Russland nur durch eine massive Eskalation gewinnen könne, die auch den Einsatz von Atomwaffen einschließt.“
https://www.youtube.com/watch?v=FRGqmxunZMU
«Wir sind auf einem Weg zur Hölle»: Putin-Berater Karaganow warnt Europas Eliten (DE, KI-übersetzt)
https://www.youtube.com/watch?v=tBq7x0_sl6g
Spinner und Hetzer in Deutschland
„Der Ökonom und Diplomat Jeffrey Sachs fordert Bundeskanzler Merz auf, mit Russlands Präsident Putin unverzüglich Gespräche über Frieden in Europa zu beginnen. Der Brief im Wortlaut.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
als ich Ihnen vor einem halben Jahr einen offenen Brief schrieb, habe ich an Deutschland appelliert, die Diplomatie gegenüber Russland zu suchen, anstatt den Krieg zu normalisieren. Sechs Monate später hat sich die Lage in Europa dramatisch verschlechtert. Europa und Russland schlittern in einen offenen Krieg. In dieser Situation tragen Sie, Herr Bundeskanzler, eine einzigartige Verantwortung. Kein anderer europäischer Staats- und Regierungschef – weder in Paris, noch in Warschau, noch in Rom – verfügt über das Gewicht Deutschlands oder hat die Macht, die Sie persönlich besitzen, diese Katastrophe zu verhindern. Werden Sie sich für den Frieden einsetzen?
Sie selbst forderten im Januar 2026 gemeinsam mit Premierminister Meloni und Präsident Macron die Wiederaufnahme der Beziehungen Europas zu Russland und bezeichneten Russland als „ein europäisches Land“. Dennoch haben Sie die Diplomatie nicht verfolgt. Angesichts der Zukunft Europas, die auf dem Spiel steht, ist dies ein beispielloser Verzicht auf Ihre Führungsrolle. Haben Sie in Ihrer Zeit als Bundeskanzler auch nur einen einzigen substanziellen Dialog mit Präsident Putin versucht? Hat Ihr Außenminister jemals einen substanziellen Dialog mit Außenminister Lawrow versucht? Echte Gespräche, so wie jene, die den Kalten Krieg beendeten? Soweit die öffentlichen Aufzeichnungen belegen, lautet die Antwort: Nein. Nicht ein einziges Mal. Und nicht etwa, weil die Dringlichkeit nicht erkannt worden wäre.
Die vergangenen Tage haben eine gefährliche Eskalation mit sich gebracht, die alle Europäer aufrütteln sollte. Beide Hauptstädte stehen nun unter anhaltendem Beschuss: Ukrainische Langstreckendrohnen haben tief in Moskau eingeschlagen, darunter auch zivile Ziele. Russische Raketen- und Drohnenangriffe auf Kiew haben sich massiv verstärkt. Ukrainische Drohnen sind in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen und haben damit die unmittelbare Gefahr eines Zwischenfalls geweckt, der Europa direkt in den Krieg hineinziehen könnte. Ein entsetzlicher ukrainischer Angriff auf eine Jungenschule in Luhansk hat die letzten Reste der Zurückhaltung weiter untergraben. Am 25. Mai informierte Außenminister Sergej Lawrow auf Anweisung von Präsident Putin den US-Außenminister offiziell darüber, dass die russischen Streitkräfte nun „systematische und anhaltende Angriffe“ auf Einrichtungen und Entscheidungszentren in Kiew durchführen. Das russische Außenministerium riet den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, „die Evakuierung ihres diplomatischen Personals und ihrer Staatsbürger aus der ukrainischen Hauptstadt sicherzustellen“. Diese Nachricht ist der Auftakt zu einer massiven Eskalation. Diplomatie ist dringender denn je.
Der Weg zur Verteidigung der Ukraine ist nicht die Fortsetzung des Gemetzels, sondern ein Frieden zu Bedingungen, die für alle Parteien akzeptabel sind. Stattdessen droht uns eine Eskalation mit noch mehr Toten, noch mehr Zerstörung und der realen Gefahr eines Krieges, der sich über die Ukraine hinaus ausweitet. Indem Sie immer mehr Waffen, immer größere Kriegskapazitäten und immer lautere Demonstrationen von „Entschlossenheit“ fordern und signalisieren, dass Deutschland sich auf einen Krieg vorbereitet, anstatt an dessen Beendigung zu arbeiten, haben Sie Berlin zum Beschleuniger statt zur Bremse eines europaweiten Krieges gemacht.
Deutschlands Verantwortung: Sechs Punkte
Deutschland trägt eine erhebliche Verantwortung für die gegenwärtige Situation. Bevor die deutsche Politik auf Frieden ausgerichtet werden kann, muss Deutschlands Vergangenheit ehrlich aufgearbeitet werden. Im Folgenden führe ich sechs schwerwiegende Versäumnisse der deutschen Außenpolitik gegenüber Russland seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 auf.
Erstens – der 2+4-Vertrag und die Osterweiterung der NATO
Am 12. September 1990 unterzeichnete Deutschland in Moskau den Vertrag über die endgültige Regelung der Angelegenheiten Deutschlands – den „2+4-Vertrag“ –, der die deutsche Wiedervereinigung vollendete. Dieser Vertrag kam zustande, weil Michail Gorbatschow von Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, James Baker und anderen westlichen Staats- und Regierungschefs die feierliche Zusicherung erhielt, dass die NATO nicht nach Osten expandieren würde. Die freigegebenen Akten – darunter die nun öffentlich zugänglichen Memoranden des National Security Archive der George Washington University – sind eindeutig: Diese Zusicherungen wurden gegeben und sollten sich, wie damals klar formuliert, über das Gebiet der ehemaligen DDR hinaus auf Osteuropa erstrecken. Sie wurden 1990 und 1991 bekräftigt. Der 2+4-Vertrag beschränkt die Stationierung von NATO-Truppen in der ehemaligen DDR und erinnert an die Grundsätze der Schlussakte von Helsinki, die betont, dass die Sicherheit keiner Nation auf Kosten der Sicherheit einer anderen gehen darf. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Sowjetunion westliche Truppen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ablehnte, aber NATO-Armeen in Warschau, Vilnius oder Kiew gleichgültig gegenüberstand? Natürlich nicht. Die NATO-Erweiterung wurde ausführlich erörtert, und Deutschland gab der sowjetischen Führung ausdrückliche Zusicherungen, die Erweiterung nach Osten zu verweigern – und brach diese später. Deutschland profitierte am meisten von diesen Zusicherungen, die die Gegenleistung für die deutsche Wiedervereinigung darstellten. Doch bereits 1993 begannen deutsche Politiker, diese Zusicherungen zu brechen.
Zweitens – Bundeskanzlerin Merkels eigene Aussage
In ihren Memoiren schreibt Angela Merkel mit bemerkenswerter Offenheit, dass sie zum Zeitpunkt des Bukarester Gipfels 2008 verstand, dass die Einladung der Ukraine und Georgiens in die NATO einer Kriegserklärung an Russland gleichkäme. Sie kannte Russlands rote Linie. Und dennoch gab sie dem amerikanischen Druck nach und akzeptierte die Kompromisserklärung, wonach die Ukraine und Georgien irgendwann NATO-Mitglieder „werden können“. Dieser eine Satz setzte die Katastrophen von 2014 und 2022 in Gang. Merkels spätere Offenheit ist ein Geschenk an ihre Nachfolger: Sie hat Ihnen klar und deutlich gesagt, was damals klar war. Deutschland sollte jetzt nicht so tun, als ob nicht.
Drittens – der Verrat am Abkommen vom 21. Februar 2014
Am 21. Februar 2014 vermittelte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Kiew gemeinsam mit seinen polnischen und französischen Amtskollegen ein Abkommen zwischen Präsident Janukowitsch und der Opposition. Das Abkommen sah die Wiedereinführung der Verfassung von 2004, die Bildung einer nationalen Einheitsregierung und vorgezogene Präsidentschaftswahlen vor. Präsident Putin wurde konsultiert; das Abkommen wurde bestätigt. Es war ein bedeutender diplomatischer Erfolg in einer Situation heftiger Spannungen und offener Gewalt. Doch innerhalb von 24 Stunden wurde Janukowitsch durch einen gewaltsamen Putsch gestürzt. Deutschland bestand nicht auf dem Abkommen, das es gerade noch garantiert hatte. Stattdessen unterstützte Deutschland, dem Beispiel der USA folgend die neue Regierung, als ob es nie ein Abkommen gegeben hätte. Diese Entscheidung bestärkte Moskau in der Annahme, dass westlichen Unterschriften nicht zu trauen sei.
Viertens – Minsk II
Im Februar 2015 verhandelte Bundeskanzlerin Merkel persönlich das Minsker Abkommen II im Normandie-Format und sicherte in der am 12. Februar 2015 in Minsk verabschiedeten Unterstützungserklärung Deutschlands politische Unterstützung zu. Sieben Jahre lang wurde die zentrale politische Bestimmung – die Autonomie der Donbass-Regionen innerhalb einer souveränen Ukraine – von Kiew nicht umgesetzt. Deutschland übte keinen Druck auf Kiew aus, die von ihm selbst geforderte Autonomiebestimmung umzusetzen. Merkel räumte später ein, dass das Abkommen als Druckmittel genutzt worden war, um der Ukraine die Wiederbewaffnung zu ermöglichen. Präsident Hollande äußerte sich ähnlich. Die Garantie war also in Wirklichkeit keine Garantie. Sie war eine Strategie – wiederum auf Geheiß Washingtons. Wieder einmal lautete die Botschaft an Moskau: Westlichen Unterschriften kann man nicht trauen.
Fünftens – Nord Stream
Am 7. Februar 2022 verkündete Präsident Biden im East Room des Weißen Hauses – in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz: „Wenn Russland (in der Ukraine) einmarschiert, wird es Nord Stream 2 nicht mehr geben. Wir werden dem ein Ende setzen.“ Auf die Frage nach dem Wie antwortete er: „Ich verspreche Ihnen, wir werden dazu in der Lage sein.“ Sieben Monate später wurden die Pipelines durch einen Sabotageakt in der Ostsee zerstört. Die vorliegenden Beweise – investigative Recherchen in den USA und Deutschland, die Ermittlungen der deutschen Bundesanwaltschaft und öffentliche Aussagen ehemaliger Beamter – deuten überwältigend auf eine gemeinsame ukrainisch-amerikanische Operation hin. Die deutsche Bundesregierung wusste dies schon lange. Und dennoch hat Deutschland zugelassen, dass die öffentliche Schuld entgegen den eindeutigen Beweisen Russland zugeschoben wird, während ein Akt industrieller Sabotage gegen die deutsche Wirtschaft ungestraft und unbeantwortet blieb.
Sechstens – das Istanbul-Abkommen vom April 2022, das zum Greifen nah war
Nur wenige Wochen nach Russlands Invasion im Februar 2022 trafen sich russische und ukrainische Unterhändler in Istanbul, um die Bedingungen eines Friedensabkommens auszuhandeln: Neutralität der Ukraine außerhalb der NATO, multilaterale Sicherheitsgarantien, vereinbarte Truppenbegrenzungen und die schrittweise politische Lösung der Donbass- und Krim-Frage. Das Abkommen stand kurz vor der Unterzeichnung. Der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett, einer der Vermittler, bestätigte öffentlich, dass die Einigung kurz bevorstand und dass der Westen – insbesondere die Vereinigten Staaten und Großbritannien – versucht hatte, sie zu verhindern. Die Mission von Premierminister Boris Johnson nach Kiew im April 2022, um die Ukraine anzuweisen, das Abkommen nicht zu unterzeichnen, ist aktenkundig. Hunderttausende ukrainische und russische Menschenleben sowie die gesamte europäische Ordnung haben den Preis für diese US-amerikanisch-britische Intervention bezahlt. Deutschland hat dazu geschwiegen – obwohl Deutschland wie kein anderes europäisches Land die wirtschaftlichen Folgen zu tragen hatte.
Deutschlands wirtschaftliche Selbstzerstörung
Ihre oberste Priorität muss der Frieden sein. Die aktuellen Nachrichten aus Moskau verdeutlichen die Dringlichkeit der Lage. Doch parallel zur ersten Katastrophe bahnt sich eine zweite an: die vorsätzliche Zerstörung der deutschen Wirtschaft, wobei Berlin sowohl Urheber als auch Opfer ist.
Deutschlands Industrie basierte auf dem Handel mit Russland. Die Zerstörung von Nord Stream und der darauffolgende Abbruch der deutsch-russischen Handelsbeziehungen haben dazu geführt, dass Deutschland Erdgas aus den USA zu Preisen kauft, die um ein Vielfaches höher sind als die Preise des russischen Pipelinegases, welches es ersetzt. Dies ist industrieller Selbstmord. Deutschlands Chemieindustrie, Stahlindustrie, Glasindustrie, energieintensive Hersteller – das Fundament des Mittelstands – verlieren Tag für Tag an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Qualifizierte Arbeitsplätze verschwinden aus der deutschen Wirtschaft. Und der deutsche Steuerzahler und der deutsche Verbraucher transferieren nationales Vermögen in einem in der Nachkriegszeit Europas beispiellosen Ausmaß von Deutschland zu amerikanischen Gasproduzenten.
Darüber hinaus plant die Bundesregierung nun einen massiven Rüstungsausbau – Hunderte von Milliarden Euro im kommenden Jahrzehnt –, um sich für einen Krieg zu rüsten, der durch Diplomatie leicht hätte verhindert werden können. Dies ist eine eklatante Fehlallokation nationaler Ressourcen. Die zentrale Herausforderung für Deutschland in diesem Jahrzehnt ist die Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Zeitalter. Jeder Euro, der für Panzer, Raketen und Artilleriegranaten ausgegeben wird, fehlt Deutschlands KI-Kapazitäten, seine Chipentwicklung und -fertigung, seine Energieinfrastruktur und die Hochgeschwindigkeits-Digitalnetze, die es benötigt, um eine führende Wirtschaftsmacht zu bleiben.
Die bittere Realität, Herr Bundeskanzler, ist: Mit diesen Waffen lässt sich jene Sicherheit nicht erkaufen, die durch Diplomatie zu einem Bruchteil der Kosten erreicht werden könnte. Und ohne die Investitionen in Digitalisierung und Energie, die durch diese Aufrüstung verdrängt werden, ist kein Wohlstand zu erzielen.
Mein Appell: Herr Bundeskanzler, mehr als jeder andere europäische Staats- und Regierungschef sind Sie gefragt, wenn es darum geht, ob Europa in einen allgemeinen Krieg abgleitet oder zu Verhandlungen und wirtschaftlicher Vernunft zurückkehrt. Es ist höchste Zeit zu handeln. Die aktuelle offizielle Botschaft Moskaus an Washington belegt dies eindeutig. Bitte nehmen Sie den Dialog mit Präsident Putin auf. Bitte entsenden Sie Ihren Außenminister nach Moskau oder laden Sie den russischen Außenminister nach Berlin ein. Bitte öffnen Sie die OSZE-Kanäle wieder, die Deutschland verkümmern ließ. Bitte fordern Sie Kiew auf, die Angriffe auf zivile Ziele einzustellen.
Vor allem aber: Sagen Sie der deutschen Öffentlichkeit die Wahrheit. Ein auf der Neutralität der Ukraine basierender Verhandlungsfrieden ist der realistische Weg aus der Katastrophe, und die Wiederherstellung normaler Wirtschaftsbeziehungen mit Russland ist der realistische Weg aus dem industriellen Niedergang Deutschlands.
Die Bedingungen eines akzeptablen Abkommens, das Deutschland vorschlagen könnte, sind klar: Die Kämpfe werden an einer Waffenstillstandslinie eingestellt. Alle Seiten verzichten auf jegliche zukünftige Gewaltanwendung in Grenzfragen. Die Ukraine stellt ihre Neutralität wieder her, die NATO verzichtet dauerhaft auf eine weitere Osterweiterung. Europa und Russland nehmen ihre Wirtschaftsbeziehungen wieder auf und beenden die Kriegstreiberei. Die OSZE wird wieder zum zentralen Forum für europäische Sicherheit, mit dem Grundsatz, dass europäische Sicherheit unteilbar ist und nicht auf militärischen Blöcken beruht, die Europa spalten. In einem solchen Szenario des Friedens kann Deutschland seine nationalen Ressourcen auf die Investitionen in Digitalisierung, KI, Halbleiter und Energie konzentrieren, die Deutschlands wirtschaftliche Zukunft erfordert.
Die Geschichte wird sich daran erinnern, was Sie in den kommenden Wochen tun und was Sie unterlassen. Dasselbe gilt für die deutsche Öffentlichkeit, die Völker Russlands, der Ukraine und ganz Europas. Es ist Zeit für Diplomatie, Herr Bundeskanzler. Sie haben die Wahl.
Hochachtungsvoll,
Jeffrey D. Sachs
Professor an der Columbia University“
Michael Silnizki: „„Um die Wahrheit zu sagen: … wenn Putin eskaliert – und dazu hat er jetzt die Chance – was bleibt dann von Europa? Nicht viel.“ – Gabrielius Landsbergis, Litauens Ex-Außenminister
1. Regiert uns „eine Horde Irrsinniger“?
Wenn man manche Publikationen liest, so sähe es aus, als wäre die Zeit stehen geblieben, der Zweite Weltkrieg gerademal vor ein paar Jahren zu Ende gegangen und als befänden wir uns immer noch inmitten des „Kalten Krieges“. Geschichtsvergessen, wie sie sind, beschwören sie die russische Bedrohung, vor der wir uns schützen müssen.
„Zwei katastrophal verlorene Weltkriege hat Deutschland hinter sich“, schrieb Helmut Wolfgang Kahn in seinem trotzigen Buch „Die Russen kommen nicht“ vor siebenundfünfzig Jahren 1969. „Es verlor sie, weil seine Machthaber die Realitäten nicht anerkennen wollten. In den ersten schlitterten die ehrenwerten Herren des Wilhelminischen Reiches mit Kriegszielen, die jeden Wirklichkeitssinn vermissen ließen. Danach wollte man die Niederlage nicht wahrhaben. Die Nazis machten sich daran, die entstandenen Realitäten gewaltsam zu verändern, unterschätzten wieder Deutschlands Umwelt und verloren den zweiten.“
Und heute? Heute muten uns manche Volksvertreter mit ihren „geistreichen“ Ideen und Ideologemen einiges zu und man fragt sich verwundert, ob sie wie „die ehrenwerten Herren des Wilhelminischen Reiches“ ebenfalls „jeden Wirklichkeitssinn vermissen“ lassen.
Neulich veröffentlichte der CDU-Bundestagabgeordnete, Roderich Kiesewetter, der seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine zur zweifelhaften Berühmtheit geworden ist, zusammen mit seiner Coautorin, Susann Worschech, einen am 11. Mai 2026 im Focus erschienenen Gastbeitrag, der es in sich hat.
Allein der Titel dieser Kampf- und Schmähschrift „Europa muss auf die Kapitulation Russlands hinarbeiten“ spricht Bände und man fragt sich mit Max Weber irritiert: Regiert uns „eine Horde Irrsinniger“?
Als Folge der „Agitation der konservativen und alldeutschen Kreise für den verschärften U-Bootkrieg“ und in Sorge um den Kriegseintritt der USA schrieb Max Weber in der ersten Märzhälfte 1916 in einem den Parteiführern, Abgeordneten und dem Auswärtigen Amt zugestellten Brief über die deutsche Führung verzweifelt: „Inzwischen ist die Gefahr mit Amerika auf dem Höhepunkt. Und mir ist, als ob eine Horde Irrsinniger uns regierte.“
Regiert uns wieder „eine Horde Irrsinniger“? Man hat den Eindruck, als ob die Autoren im falschen Jahrhundert lebten. Mit Verweis auf das Ende des Zweiten Weltkriegs ziehen sie eine unzulässige Parallele zwischen Nazideutschland und Russland und fordern Europa dazu auf, „auf die bedingungslose Kapitulation“ und „auf die ‚Stunde Null‘ Russlands hinzuarbeiten“. „Es wäre eine Kapitulation Europas, unserer gemeinsamen Freiheit und Demokratie“, „würden in Europa Grenzen durch Gewalt verschoben und das Recht des Stärkeren etabliert“. Die „russische Einflusszone würde sich (dann) ausbreiten“ und „die Nato wäre am Ende“, empörten sich Kiesewetter und seine Coautorin.
Offenbar lebte der Abgeordnete Kiesewetter in den vergangenen dreißig Jahren auf dem Mond und nicht auf dem Planet Erde und weiß nicht, dass Europa unter Führung des US-Hegemonen schon längst die „Grenzen durch Gewalt verschoben“ und „das Recht des Stärkeren etabliert“ hat.
Bereits mit dem Kosovo-Krieg 1999 etablierten die USA auch mit tatkräftiger Unterstützung Deutschlands eine Interventionspraxis unter Umgehung des UN-Rechts und machten die vom Völkerrecht geächteten Angriffskriege wieder salonfähig.
Mit dem Kosovo-Krieg wurde die UN-Nachkriegsordnung endgültig zu Grabe getragen, indem das höchste Prinzip der UN-Charta, die kollektive Friedenssicherung, de facto auf die „Friedensschaffung“ durch die von den USA dominierte unipolare Weltordnung überging. Es war nur folgerichtig vom Vorsitzenden des Beratungsausschusses beim US-Verteidigungsministerium, Richard Perle, 2002 seine „tiefe Besorgnis“ darüber zu erklären, dass den Vereinten Nationen das Recht zugesprochen werde, über Krieg und Frieden zu entscheiden, wo doch diese Berechtigung mit größerer Legitimation der Nato als der Gemeinschaft demokratischer Staaten zustünde.
Die Folgen dieser Transformation des Systems der kollektiven Friedenssicherung der UN-Charta in das System der US-amerikanischen „Friedensschaffung“ sind zahlreiche militärische US-Interventionen mit tatkräftiger Unterstützung der Nato-Staaten in Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia, Syrien, Jemen und nicht zuletzt ein fortwährender Drohnenkrieg überall und zu jeder Zeit in den vergangenen dreißig Jahren.
Die Opferzahlen der US-Interventionen und Invasionen nach dem 11. September 2001 wurden zwar offiziell weder erfasst noch veröffentlicht. Manche Untersuchungen beziffern sie aber auf mehrere Millionen.
Lässt man die vergangenen zweiundzwanzig Jahre (1999-2021) Revue passieren, so dürfen auch die Kriegsverbrechen der Nato-Staaten unter Führung des US-Hegemonen nicht unerwähnt bleiben: Allein im Irak wird die Opferzahl auf „etwa 2,4 Millionen Menschen“ geschätzt. In Afghanistan „liegt die Zahl der seit 2001 auf beiden Seiten getöteten Afghanen bei etwa 875.000, minimal 640.000 und maximal 1,4 Millionen“. In Kombination mit Pakistan schätzt Nicolas J. S. Davies die Opferzahlen „bis Frühjahr 2018 auf etwa 1,2 Millionen getöteter Afghanen und Pakistanis durch die US-Invasion in Afghanistan seit 2001“.
Wie brutal diese Kriegsverbrechen waren, kann man nur erahnen, verschweigen doch die westlichen Massenmedien bewusst und absichtlich die ganze Brutalität der Nato-Kriegsführung vor der eigenen Öffentlichkeit. Gelegentlich können wir diese Brutalität an den blutrünstigen Überschriften zahlreicher US-amerikanischen Zeitungsartikel ablesen und nur mutmaßen, wie grausam die „friedensschaffenden“ US-amerikanischen Interventionen und Invasionen gewesen waren …
Weiß unser verehrter Abgeordneter, Roderich Kiesewetter, nichts davon? Oder will er nichts davon wissen? Vermutlich weiß er nichts davon, sonst wäre er mit seinen Hasstiraden gegen Russland etwas vorsichtiger:
„Russland ist ein Terrorstaat, der von seinem imperialen Vernichtungswillen auch dann nicht ablässt, wenn er wirtschaftlich schwächelt. Es scheint unmöglich, dass dieses imperiale und in weiten Teilen totalitäre Russland zu einem Frieden bereit ist. Doch gibt es auch für Russland einen Weg zurück in eine zivilisierte und friedliche Welt: Der Weg dahin ist der militärische Sieg der Ukraine. Dies käme einer bedingungslosen Kapitulation Russlands gleich. … Warum erklären wir die russischen Geheimdienst- und Militärorganisationen nicht zu terroristischen Vereinigungen, die sie de facto sind, vor allem in den besetzten Gebieten der Ukraine, und ‚Russki Mir‘ zu einer terroristischen Ideologie? Warum nutzen wir nicht alle ökonomischen und diplomatischen Hebel, die wir haben, um das Regime in die Knie zu zwingen? Warum machen wir so weiter wie bisher und ertragen sogar ein ‚Russisches Haus‘ im Herzen Berlins, statt diese Diktatur- und Terrorfiliale zu enteignen und zu schließen?“ Und warum müssen wir, Herr Abgeordnete Kiesewetter, Ihre kriegstreibenden und die Völkerverständigung aufwiegelnden Hasstiraden ertragen? In welcher „zivilisierten und friedlichen Welt“ wollen Sie denn Russland zurückholen? Meinen Sie damit den sog. „Westen“, der in den vergangenen dreißig Jahren Millionen unschuldige Menschen abgeschlachtet hat?
Oder dienen Ihre Ausfälle womöglich dem Zweck, die Nato-Kriegsverbrechen, welche verheerende Spuren von Verwüstung, Zerstörung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten in den angegriffenen Staaten und Ländern hinterlassen haben, zu verharmlosen und auszublenden?
Folgt man Kiesewetters Hasslogik, dann sollte man, um dem Vorwurf der Doppelmoral nicht ausgesetzt zu werden, auch die Nato-Allianz schleunigst zur „terroristischen Vereinigung“ erklären und verbieten. Was aber seine Forderung angeht, auf „eine bedingungslose Kapitulation Russlands“ hinzuarbeiten, so ist sie mehr als nur Irrsinn. Sie bezeugt einen „Mangel an Urteilskraft“.
Und „der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen“ (Immanuel Kant).
2. „Asien an der Elbe“?
Dass wir achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges solche Hetze ertragen müssen, die nicht einmal das „Russische Haus“ in Berlin verschont und es als „Diktatur- und Terrorfiliale“ verunglimpft, ist nicht nur geschichtsvergessen, sondern stachelt auch zum Hass auf.
Nazideutschland hat nicht nur sechs Millionen Juden grausam ermordet, sondern auch 27 Millionen Bürger der Sowjetunion, die im deutschen Vernichtungskrieg ihr Leben verloren haben.
Die kolossalen Zerstörungen des Sowjetstaates waren unbeschreiblich: „1.710 Städte wurden vernichtet, mehr als 70.000 Dörfer, 70.000 Kilometer des Eisenbahnnetzes, 4.100 Eisenbahnstationen, 427 Museen (von insgesamt 992), 40.000 Krankenhäuser, 43.000 Bibliotheken, 44.000 Theater, Klubs und Kulturräume, 84.000 Schulen und Forschungsinstitute; zusammen wurden 6 Millionen Gebäude verbrannt oder zerstört und 25 Millionen Menschen obdachlos“5, von Millionen Opfern ganz zu schweigen.
Davon will Kiesewetter nichts mehr wissen. Schlimmer noch: Er verschweigt die maßgebliche und ausschlaggebende Rolle des Sowjetstaates bei der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Nebulos schreibt er:
„Die Befreiung vom Faschismus gelang Deutschland nicht aus eigener Kraft, sondern es bedurfte der klaren, vorausschauenden und durchaus mutigen Strategie der Alliierten, um eine der Gewaltherrschaft erlegene, der faschistischen Ideologie blind folgende und ihr kulturelles und zivilisatorisches Erbe vollständig vergessende Gesellschaft wieder zu sich selbst zu führen. Churchill und anderen war bewusst, dass von Deutschland weiterhin Krieg ausgehen würde, solange das NS-Regime nicht vollständig zerschlagen würde – und dass dies vollen Einsatz erforderte.“
„Mutige Strategie der Alliierten“? Wer sind diese „Alliierten“? Ausgerechnet Churchill, dem Stalin nicht über den Weg traute und der die Sowjetunion wie die Pest hasste und die Eröffnung der zweiten Front bewusst so lange, wie es nur ging, verzögerte, erwähnt Kiesewetter und zeigt, wes Geistes Kind er ist. Und wer sind die „anderen“? Mit keinem Wort erwähnt Kiesewetters Schmähschrift die Sowjetunion – die eigentliche Bezwingerin Nazideutschlands – und betreibt damit eine Geschichtsklitterung.
Ohne die Sowjetunion wäre Deutschlands „Befreiung vom Faschismus“ undenkbar und unvorstellbar. Im Zweiten Weltkrieg besiegte und zerstörte die Rote Armee 506 deutsche Divisionen. Berücksichtigt man nicht nur Deutschland selbst, sondern auch seine Satellitenstaaten (Italien, Ungarn, Rumänien, Finnland), so erreicht die Gesamtzahl der an der sowjetisch-deutschen Front besiegten Divisionen 607–626 Einheiten.
Im Vergleich dazu vernichteten die Alliierten der Anti-Hitler-Koalition in allen anderen Kriegsschauplätzen (Westfront, Nordafrika, Italien und Pazifik) etwa 175 Divisionen. An der „Ostfront“ wurden mit anderen Worten bis zu 75 % aller Bodentruppen Nazideutschlands eliminiert, was den Beitrag der Alliierten, die etwa 175 Divisionen beträgt, deutlich übersteigt.
Ohne die Rote Armee wäre Deutschland vom Nazismus nie befreit. Das erwähnen Kiesewetter und seine Parteifreunde nicht. So hat Friedrich Merz in seiner Ansprache an die Bürger anlässlich des 8. Mai den entscheidenden Beitrag der Sowjetunion und der Roten Armee zum Sieg im Zweiten Weltkrieg nicht erwähnt.
Merz postete im sozialen Netzwerk X, dass der 8. Mai 1945 Millionen von Menschen die Befreiung gebracht habe, erwähnte aber mit keinem Wort diejenigen, die Europa vom Naziregime befreit haben.
Der Kanzler verschwieg bewusst die historische Rolle der Roten Armee, obwohl es zuallererst sowjetische Truppen waren, die Deutschland unter dem Verlust von Millionen Menschenleben befreiten.
Das scheint eine neue Geschichtspolitik der schwarz-roten Koalition zu sein, die historische Rolle der Roten Armee zu verschweigen und umso mehr eine „herausragende“ Rolle der Westalliierten zu unterstreichen.
Lieber spricht Merz vom „Kriegsverbrecher“ Putin, der uns „angreift“, als von der Befreiung Deutschlands durch die Rote Armee. „Wir nennen es hybride Kriegsführung“, sagte er in der TV-Sendung „Maischberger“ am 1. Juli 2025. „Russland greift uns heute schon an. … Wir haben Brandanschläge. Was jetzt in Kasernen in den jüngsten Tagen stattgefunden hat, die Spuren führen fast allesamt nach Russland. Deswegen müssen wir uns dagegen wehren.“6
Es ist nicht bekannt, dass Russland uns angegriffen und unzählige deutsche Soldaten und Zivilisten umgebracht hat, wohl aber können wir davon ausgehen, dass Merz als Kriegsfinanzierer und Waffenlieferant der Ukraine dazu beigetragen hat, unzählige russische Soldaten und Zivilisten umzubringen.
Seitdem die schwarz-rote Koalition die Regierungsverantwortung übernommen hat, betreiben Merz und Co. eine Russlandpolitik, als würde es „den Tag danach“ nie mehr geben, und als hätte die längst als tot geglaubte „Stahlhelm-Fraktion“ des „Kalten Krieges“ in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion das Zepter der Macht übernommen.
Darum ist Oskar Lafontaines Feststellung nicht ganz von der Hand zu weisen, dass nämlich „der heute noch von CDU-Politikern wie Friedrich Merz, Johann Wadephul oder Roderich Kiesewetter gepflegte Russenhass … nicht zuletzt auf Konrad Adenauer zurück(geht), der 1946 wie Patton ‚Asien an der Elbe‘ sah und ständig vor der sowjetischen Gefahr warnte.“
„Ein Sieg der Ukraine ist weiter möglich – doch bislang verhindert das Fehlen einer entschlossenen europäischen Strategie und der umfassenden Unterstützung der Ukraine durch Europa das effektive Zurückdrängen Russlands. Derzeit gewinnt die Ukraine militärisch jedoch einen leichten Vorteil“, behaupten der Oberst außer Dienst, Kiesewetter, und die Sozialwissenschaftlerin, Dr. Susann Worschech, die „seit rund 20 Jahren zur Ukraine, mit Schwerpunkten auf Zivilgesellschaft, Demokratisierung, Resilienz und sozialem Wandel in Mittel- und Osteuropa (forscht)“ und „kommunalpolitisch für die Grünen aktiv (ist)“.
Welcher „leichter Vorteil“ das sein soll, verraten sie allerdings nicht. Umso mehr treten sie jetzt als „Militärstrategen“ auf. Unter der Überschrift „Europa braucht ein neues strategisches Ziel“ entwickeln Kiesewetter und Worschech, „endlich ein strategisches Ziel“, das „die bedingungslose Kapitulation Russlands“ herbeiführen muss. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Und wie wollen sie diese „bedingungslose Kapitulation Russlands“, dessen Gesellschaft laut den „Militärstrategen“ und „Russlandexperten“ Kiesewetter und Worschech „sich derzeit kaum aus eigener Kraft aus Gewaltherrschaft und Ideologie lösen kann“, erreichen?
Ganz einfach! Man muss „Gewaltherrschaft und Ideologie“ beseitigen. Aber wie? Und vor allem: Was verstehen sie überhaupt darunter? Das verraten sie uns ebenfalls nicht. Warum auch? Das weiß doch jedes Kind! Oder nicht?
Mantraartig wiederholen unsere „Militärstrategen“ die gleiche Parole: „Das strategische Ziel Europas muss die bedingungslose Kapitulation Russlands sein: der vollständige Rückzug aus der Ukraine, das Ende imperialer Ambitionen und eine Abkehr von der ‚Russki-Mir‘-Ideologie.“
„Wie lässt sich diese Kapitulation erreichen?“, fragen Kiesewetter und Worschech und schlagen zwei Strategien vor:
Die erste lautet: „Nato-Staaten sowie die EU- und EFTA-Staaten, deren Bruttoinlandsprodukt zehnmal höher liegt als das Russlands, haben die wirtschaftliche Kraft, Russlands Kriegsfinanzierung nicht nur zu beschneiden, sondern Sanktionen auch konsequent durchzusetzen.“ Sehr „geistreich“! Nach vier Jahren erfolgslosen Wirtschaftssanktionen möchte sie weiterhin dasselbe tun, um ein anderes Ergebnis zu erzielen.
Da möchte man unseren „Militärstrategen“ mit einem Albert Einstein zugeschriebenen Spruch zurufen: „Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut und dabei andere Ergebnisse erwartet.“
Die zweite Strategie ist noch „geistreicher“ und ist dem „Kalten Krieg“ entnommen: „Warum sollte man nicht auch versuchen, in ganz Russland wieder Radio Free Europe/Radio Liberty … auszustrahlen, auf Russisch natürlich? Warum denken wir nicht darüber nach, wie wir jene erreichen, die Krieg und Misswirtschaft satthaben, aber in Putins Diktatur handlungsunfähig sind? Warum fordern wir nicht den Abzug russischer Nuklearwaffen aus Kaliningrad und eine Reduzierung der russischen Streitkräfte als Vorbedingung für Verhandlungen?“ Ja, warum eigentlich nicht? Weil wir eben nicht im 20. Jahrhundert leben und weil Russland keine Sowjetunion mehr ist!
Kiesewetter und Worschech leben, wie gesagt, in einem falschen Jahrhundert, das mit der russischen Realität des 21. Jahrhunderts wenig zu tun hat. Russen sind im Übrigen besser über ihr Land und die Außenwelt informiert, als die Mehrheit der Deutschen hierzulande.
Wie dem auch sei, mit diesen beiden Pseudo-Militärstrategien ist kein Blumentopf zu gewinnen, geschweige eine „bedingungslose Kapitulation“ Russlands zu erzwingen.
Mit „Radio Free Europe/Radio Liberty“ möchten sie gegen Russlands Raketenüberlegenheit und größtes Atomwaffenarsenal ankämpfen, ohne Gefahr zu laufen, selbst zuvor vernichtet zu werden. Man kann dabei dem Oberst außer Dienst und der Sozialwissenschaftlerin nur viel Erfolg wünschen.
Vielleicht sollten sie zunächst, bevor sie an die Arbeit gehen und sich in einen „gerechten Krieg“ (bellum iustum) zur Vernichtung des „Diktators“ Putin stürzen, einen Rat vom Director of Grand Strategy am Quincy Institute for Responsible Statecraft und ehem. CIA-Russlandanalysten, George Beebe, holen.
Der Chefredakteur der Zeitschrift „Russia in Global Affairs“, Fjodor Lukjanow, sprach mit George Beebe am 29. September 2025 in der Sendung „International Review“ (Russia 24). Es ging um Trumps Äußerungen, die Russland als „Papiertiger“ bezeichnete und der Ukraine einen vollständigen Sieg versprach.
Auf Lukjanows Frage, wie er diese Äußerungen beurteilt, sagte Beebe: Trump sei „zutiefst frustriert darüber, dass die Konfliktparteien keine Bereitschaft zu einem echten Kompromiss zeigen. Ein Teil dieser Frustration richtet sich gegen Russland. … Er ist sicherlich auch über die Ukraine und vor allem über Europa frustriert. … Trump mahnt die Europäer an, realistisch zu sein …, um diesen Krieg wirklich beenden zu können.“
Auf Lukjanows Nachfrage, was er damit meint, sagte Beebe: Die Europäer „wollen Russland zur Kapitulation zwingen? Na los, zeigen Sie mir, wie Sie das anstellen wollen“.
„Ich glaube“, fuhr Beebe fort, „Trump gibt ganz offen zu, dass die Europäer bluffen, und sie können das nicht widerlegen. Aus offensichtlichen Gründen können sie weder Zölle auf Indien und China erheben, noch können sie die russischen Energielieferungen komplett einstellen. Kurz gesagt, all das sind Mittel, um die Europäer mit der Realität zu konfrontieren.
Im Grunde sagt Trump den Europäern: Ihr wollt den Krieg fortsetzen? Na gut! Unterstützt die Ukrainer und tragt die Last. Ihr behauptet, russische Drohnen würden nach Polen und Rumänien fliegen und russische Flugzeuge würden in den estnischen Luftraum eindringen? Gut, dann unternehmt etwas dagegen. Seid ihr verärgert? Erwartet nicht, dass die USA etwas für euch tun. Übernehmt selbst Verantwortung.“
„Russlands größte Sorge ist nicht“, meinte Beebe zum Schluss, „dass es den Krieg auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen wird. Russland führt seit Langem einen Abnutzungskrieg und unternimmt keinerlei Versuche, nennenswerte Fortschritte zu erzielen oder weiteres Territorium zu erobern. Russland versucht vielmehr, die ukrainischen Streitkräfte zu erschöpfen und westliche Waffendepots zu leeren. Aus dieser Perspektive scheint Russland darin erfolgreicher zu sein als beim Vorrücken an der Front. …
Um in der entstehenden multipolaren Welt eine vollwertige Rolle zu spielen, benötigt Russland aber sowohl Ost als auch West. Um dies zu erreichen, muss der Militäreinsatz in der Ukraine beendet werden. Ein Kompromiss muss die Einhaltung der roten Linien Russlands und die Achtung seiner vitalen Interessen gewährleisten und gleichzeitig die Sicherheitsbedenken der Ukraine und Europas berücksichtigen.“
Beebes Analyse der russischen Militärstrategie und der Entwicklung an der Front aus dem September 2025 ist realpolitischer Natur, zeigt Realitätssinn und steht im Gegensatz zu Merz, Wadephul und Kiesewetter in der Tradition des Neorealismus eines John J. Mearsheimers.
Wer aber wie Kiesewetter in der deutschen Russlandpolitik allein und ausschließlich das Ziel vor Augen hat, eine „bedingungslose Kapitulation“ Russlands zu erzwingen und „auf eine ‚Stunde Null‘ Russlands hin(zu)arbeiten“, dem kann man nur viel Erfolg wünschen und mit Beebe zurufen: „Ihr wollt Russland zur Kapitulation zwingen? Na los, zeigt mir, wie!““
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Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm
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Er zieht Vergleiche zu Adolf Hitler !!
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Rassismus ist ein Krebsgeschwür !!
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