Silvio III.

https://www.youtube.com/watch?v=AKHJxT1oE-U

 

Silvio Berlusconi ist gestorben.

Persönlich war er ein Arsch mit Ohren.

Öffentlich war er mitten im Sumpf von Korruption und Kriminalität. Die arte-Dokumentation „Die Akte Berlusconi“, die bis zum 10.09.2023 zu sehen ist, zeigt dies recht deutlich: https://www.youtube.com/watch?v=C6kPqE93Nl4

Warum duldet die Öffentlichkeit solch einen Menschen, ist sogar von ihm begeistert?

 

Dubioser Aufstieg

 

Peter Schwarz: „Wie der mittellose Jurist dann innerhalb von zehn Jahren zum milliardenschweren Bauunternehmer wurde, bleibt bis heute von Geheimnissen umrankt. Sicher ist, dass er Mitglied von Propaganda Due (P2) war, einem kriminellen, als Freimaurerloge getarnten antikommunistischen Netzwerk, dem hunderte ranghohe Politiker, Militärs, Geheimdienstler, Richter, Staatsanwälte, Unternehmer und Journalisten angehörten.

P2 war an den Terroranschlägen beteiligt, die Italien in den 1960er und 1970er Jahren erschütterten. Sie unterhielt Verbindungen zur organisierten Kriminalität und zur Nato-Untergrundarmee Gladio, die auf Sabotageakte spezialisiert war. Sie war an zahlreichen Finanzskandalen beteiligt, die für die Protagonisten manchmal tödlich endeten. Ihre Verbindungen in die höchsten Stellen von Staat und Justiz sorgten dafür, dass die Drahtzieher unbehelligt blieben.

Vieles deutet darauf hin, dass die gewaltigen Summen, mit denen Berlusconi in den 1960er Jahren in Mailand Bauprojekte mit tausenden Wohnungen hochzog, aus den dubiosen Quellen von P2 stammten. Es gibt sogar Vermutungen, dass Berlusconi anfangs lediglich ein Strohmann für P2 war.

Auch die Lizenzen, die ihn in die Lage versetzten, aus einem kleinen Lokalsender für seine Wohnprojekte ein italienisches Medienimperium zu schaffen, verdankte Berlusconi einem prominenten Mitglied von P2: Bettino Craxi, dem Chef der Sozialistischen Partei, der von 1983 bis 1987 italienischer Ministerpräsident war. Craxis Partei dominierte auch die Mailänder Kommunalpolitik, was für Berlusconis Bauprojekte von unschätzbarem Nutzen war.“

https://www.wsws.org/de/articles/2023/06/13/berl-j13.html

 

Michael Braun: „Nach seinem Jurastudium startete er im boomenden Italien der 60er Jahre als Bauunternehmer und drehte gleich ein großes Rad: Er baute erst Wohnblocks, zehn Jahre später dann ein ganzes Viertel, „Milano 2“. Er stammte keineswegs aus einer reichen Familie, doch an Kapital mangelte es nie. Fragen nach dessen Herkunft hat Berlusconi, der die Summen für die Kapitalerhöhungen seiner Holding immer cash in die Bank trug, nie beantwortet.

In seiner Zeit als Unternehmer hatte er jedenfalls enge Kontakte auch zu führenden Mafiosi – einen von ihnen beschäftigte er gar, angeblich als „Stallknecht“, in seiner Mailänder Villa. Aus allen Ermittlungsverfahren hierzu kam er jedoch ungeschoren heraus; als Komplize der Cosa Nostra zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde jedoch später Marcello Dell’Utri, einer seiner engsten Mitarbeiter.“

https://taz.de/Tod-von-Silvio-Berlusconi/!5937443/

 

Mediale Volksverdummung

 

Andres Wysling: „Nach diesem Muster ging Berlusconi auch beim Aufbau seines Medienimperiums vor. Er begann mit kleinen Sendern, die er nach und nach zu einem landesweiten Sender zusammenfügte. Ein solcher war nach dem Gesetz nicht zulässig, es herrschte noch das staatliche Fernsehmonopol. Aber Berlusconi sendete trotzdem, er tat es im Namen der Freiheit. Die Mühlen der Justiz mahlten langsam, Freunde in der Politik sorgten für die nötigen Gesetzesänderungen. Auch hier führte forsche Schlaumeierei zum Erfolg.

Berlusconis Markenzeichen wurde das Seicht-Fernsehen. Seine Mediaset-Sender brachten das, was das Massenpublikum offenbar sehen wollte: Knapp bekleidete Girls auf hohen Absätzen liessen ihre Wimpern klimpern, dazu gab es Sport und viel Werbung. Kritiker warfen Berlusconi eine Strategie der gezielten Volksverdummung vor, aber den Medienmogul scherte das wenig, er verdiente gut dabei. Und tatsächlich verhalfen ihm seine Fernsehsender dann auch mit einem propagandistischen Trommelfeuer zum Einstieg in die Politik.“

https://www.nzz.ch/international/nachruf-silvio-berlusconi-italiens-verfuehrer-und-verderber-ld.1560122

 

Constanze Reuscher: „In den 70er- und vor allem 80er-Jahren hatte Berlusconi das Privat- und Kommerzfernsehen erfunden. In seinen Sendern gab es kaum noch Kultur der Gründerjahre, dafür schöne Frauen, viel Fußball, Spaß, Musik, Muskeln, nackte Haut. Vieles schrammte hart am Obszönen, Vulgären entlang.

Aber Berlusconis Zauberformel war der unfehlbare Instinkt für Sehnsüchte und Schwächen seiner Landsleute. Berlusconi war der Selfmademan, der den Jedermann verstand, der dessen Tugenden und Untugenden bediente, aber auch sehr klug und gerissen benutzte.“

https://www.welt.de/politik/ausland/article244687126/Silvio-Berlusconi-Europas-erster-Populist.html

 

Mediokratie

 

Rüdiger Suchsland: „Berlusconi stand für ein korruptes und dekadentes, schrilles Italien, das sich mit Partys, Koks und nackten Mädchen garnierte. Mit ihm kam die postmoderne "Umwertung aller Werte" (Friedrich Nietzsche) endlich an ihr Ziel. In der postfaktischen Gesellschaft gewinnt nicht das starke Argument, sondern der starke Auftritt – der Wille zur Macht …

Medien sind Mythenmaschinen. Der Medienmogul Berlusconi erkannte die Macht des Fernsehens, die Macht der Versprechungen. Er begriff als Erster, dass in einer Zeit, in der den Bürgern von der Politik abgesprochen wird, die wichtigen Dinge noch beurteilen zu können, in denen "Experten" in Talkshows gewählten Politikern mit ihrer "Expertise" über den Mund fahren dürfen, und in der sich die Öffentlichkeit nicht mehr zutraut, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, die alten Kategorien der "echten" Politik" sich in der Simulation der Politik verflüchtigen.

In einer Welt unter der Herrschaft von technisch manipulierbaren Bildmedien gilt: "Die Realität" "existiert" nicht, und kann deshalb von Medien auch nicht abgebildet werden. Sie wird erzeugt: Durch Interpretationen und Neuzusammenstellung der Fakten, die nie "richtig" oder "falsch" sind, sondern überzeugend, überredend, selbstevident oder sexy. Durch Inszenierungen.

Berlusconi wusste: Das Einzige, was hier zählt, ist die Emotion – starke Bilder, großes Spektakel und tolle Atmosphäre.

So zog er die Konsequenzen und erkannte "Cäsarisierung" und "Bonapartisierung" als Gebot des Medienzeitalters, mit segmentierten, unübersichtlichen gesellschaftlichen Verhältnissen und ebenso fragmentierten Parteien.

In dieser republikanischen Fürstenherrschaft, in der Demokratie zunehmend mehr simuliert als praktiziert wird (so Danilo Zolo nach Niccolò Machiavelli) folgt politisches Handeln der sich ausbreitenden Marktlogik einer Gesellschaft, deren Geisteszustand mit "Infantilismus" und "Regression" noch freundlich beschrieben wird.“

https://www.telepolis.de/features/Silvio-Berlusconi-Die-perfekte-Maske-der-Macht-9185133.html?seite=all

 

Tangentopoli

 

Constanze Reuscher: „Verstehen lässt sich Berlusconis Macht über die Italiener aber nur vor dem Hintergrund eines historischen Moments. Im Jahr 1993 hatte die italienische Nachkriegsrepublik eine ihrer schlimmsten Krisen durchlaufen. Ein gigantischer Korruptions-Skandal, der unter der Bezeichnung „Tangentopoli“ (etwa: Stadt der Schmiergeldzahlungen, gemeint war Mailand) bekannt wurde, ging quer durch alle Lager, und bedeutete das Ende der etablierten Volksparteien, die bis dahin die Macht im Land unter sich aufgeteilt hatten.“

https://www.welt.de/politik/ausland/article244687126/Silvio-Berlusconi-Europas-erster-Populist.html

 

Aus „Wikipedia“: „Mani pulite (italienisch für „Saubere Hände“, sinngemäß „Weiße Weste“) war der Name umfangreicher juristischer Untersuchungen gegen Korruption, Amtsmissbrauch und illegale Parteifinanzierung auf politischer Ebene in Italien Anfang und Mitte der 1990er Jahre. Die Ermittlungen führten zum Ende der sogenannten Ersten Republik, mit dem der Zusammenbruch der damals wichtigsten politischen Parteien, wie der Democrazia Cristiana und des Partito Socialista Italiano, sowie die Entstehung Dutzender neuer politischer Bewegungen einhergingen. Die kriminellen Verflechtungen, die durch die Untersuchungen aufgedeckt wurden, bezeichnet man als Tangentopoli.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Mani_pulite

 

„Tangentopoli; wörtlich Stadt der Schmiergeldzahlungen von italienisch tangente ‚Schmiergeld‘) ist ein Begriff, mit dem die italienische Presse Anfang der 1990er Jahre die Stadt Mailand bezeichnete, als der damalige Staatsanwalt Antonio Di Pietro ein System von Korruption, Amtsmissbrauch und illegaler Parteifinanzierung offenlegte. Später wurde das Wort zu einem Synonym für die kriminellen Verflechtungen, die das politische System der so genannten Ersten Republik prägten, also der Zeit vor dem Zusammenbruch der Parteienlandschaft infolge der gerichtlichen Untersuchungen Mani pulite und der Wahlrechtsreform 1993.

Am 17. Februar 1992 wurde in Mailand Mario Chiesa, der Chef des Altersheimes Pio Albergo Trivulzio und Funktionär der Sozialistischen Partei von einem verdeckten Ermittler beim Einstreichen von Schmiergeld erwischt. Die Aussagen von Chiesa, nachdem sein beträchtliches, durch Schmiergeldzahlungen angehäuftes Vermögen beschlagnahmt worden war, und die zahlreichen Hinweise auf weitere Unregelmäßigkeiten und Verbindungen zu vielen Politikern erlaubten es der Mailänder Staatsanwaltschaft, ihre Untersuchungen auszuweiten, die im Laufe weniger Monate viele hundert Politiker und Unternehmer miteinbezogen.

Die Untersuchungen des Staatsanwalts Antonio Di Pietro liefen unter dem Namen Mani pulite („saubere Hände“). Bald schon offenbarte sich den Ermittlern ein riesenhaftes, netzartig strukturiertes System von Korruption, Amtsmissbrauch und illegaler Parteifinanzierung, was dazu führte, dass Mailand in verschiedenen Zeitungen als Tangentopoli („Schmiergeldstadt“) bezeichnet wurde.

Die Ausweitungen der Ermittlungen auf ganz Italien führten dazu, dass auch mehrere auf nationaler Ebene bekannte und aktive Politiker gerichtlich belangt wurden. Bald zeigte sich, dass viele Abgeordnete, Senatoren, Staatssekretäre und Minister tief in den Skandal verstrickt waren. Dies führte zu einem politischen Erdbeben, dem Zusammenbruch der alten Parteienlandschaft und einem neuen Wahlrechtsgesetz, welches das Mehrheitswahlrecht einführte. Für die Zeit vor diesem Zusammenbruch bürgerte sich der Begriff Erste Republik ein, mit Tangentopoli bezeichnete man nunmehr die kriminellen Verflechtungen, die das politische System dieser Zeit prägten und deren Aufdeckung es schließlich zu Fall brachten.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Tangentopoli

 

Der Weg in die Politik

 

Rüdiger Suchsland: „Politik war für Berlusconi das Mittel zur Durchsetzung seiner Geschäftsinteressen. Als alles anfing, 1994, wollte der Mann gar nicht in die Politik: "Politik hat nie Leidenschaft in mir geweckt, sie hat mich bloß Zeit und Energien gekostet."

Doch nach dem Sturz seiner politischen Schutzherren Giulio Andreotti und Bettino Craxi, der Enttarnung der katholischen Geheimloge P2 und der Verschärfung des Kampfes gegen die Mafia blieb dem Milliardär seinerzeit keine andere Wahl, als Dinge selbst in die Hand zu nehmen, um sein Unternehmen zu retten.

"Forza Italia!" - wie ein Fußballschlachtruf hieß seine Partei, mit der er sich nach einer Fernsehansprache im Januar 1994 um die Gunst der Wähler bemühte: Die Kombination aus "weniger Steuern für alle", dem "Menschenrecht, Steuern zu hinterziehen", "einer Million Arbeitsplätze" und Anti-Establishment-Rhetorik war erfolgreich.“

https://www.telepolis.de/features/Silvio-Berlusconi-Die-perfekte-Maske-der-Macht-9185133.html?seite=all

 

Michael Braun: „„Wäre er nicht in die Politik gegangen, so säßen wir heute im Gefängnis oder schliefen unter Brücken.“ Auf diese kurze Formel brachte einer von Berlusconis Spitzenmanagern den wichtigsten Grund für den Schritt in die politische Arena.“

https://taz.de/Tod-von-Silvio-Berlusconi/!5937443/

 

Peter Schwarz: „In das so entstandene politische Vakuum stieß Berlusconi mit seiner populistischen Demagogie vor. Ausgerechnet ein Mann aus dem Zentrum des Korruptionssumpfes profitierte so von seiner Trockenlegung.“

https://www.wsws.org/de/articles/2023/06/13/berl-j13.html

 

Andres Wysling: „Berlusconi ging es in der Politik ausschliesslich um sich selbst und um seine Interessen. Er trat auf als neuer Condottiere in postmoderner Gestalt, der sich alles zutraute und dem alles erlaubt war. Als Anführer und Raubritter scharte er seine Anhänger hinter sich, die sich von diesem Mann Vorteile erhofften. Er polarisierte das Land: die Rechten gegen die Linken. Mit dieser Methode und dank seiner Medienmacht beherrschte er die politische Bühne, egal ob er an der Regierung war oder in der Opposition.

Ein Regierungsprogramm, das diesen Namen verdiente, hatte er allerdings nicht zu bieten. Dafür versprach er Geschenke: den Steuerzahlern, den Rentnern, den Bauunternehmern. Nur wenig davon löste er ein, doch viele Wähler glaubten dem begnadeten Verkäufer gegen alle Evidenz. Sie standen am Schluss mit leeren Händen da, und Italien stand vor dem Staatsbankrott.“

https://www.nzz.ch/international/nachruf-silvio-berlusconi-italiens-verfuehrer-und-verderber-ld.1560122

 

Constanze Reuscher: „Reformen wie die der Justiz schnitt Berlusconi dann selbst auf seine Probleme zurecht: die Verjährung angekurbelt, einige Wirtschaftsverbrechen abgeschafft. Denn von der Justiz fühlte er sich verfolgt, seit er in die Politik eingetreten war, da „begannen die Geschosse der höchsten Staatsanwaltschaften mir um die Ohren zu pfeifen, um meine Regierung zu stürzen“.“

https://www.welt.de/politik/ausland/article244687126/Silvio-Berlusconi-Europas-erster-Populist.html

 

Vorbild für sich selbst

 

Rüdiger Suchsland: „Aber eine klare Mehrheit der Italiener meinte dazu immer: "Chi se ne frega" – das ist uns völlig egal. Hauptsache es gab Business as usual, keine bösen Überraschungen, der Staat ließ einen in Ruhe und zahlte die Rechnungen.“

https://www.telepolis.de/features/Silvio-Berlusconi-Die-perfekte-Maske-der-Macht-9185133.html?seite=all

 

Constanze Reuscher: „Die Leute wählten ihn, gerade weil er es geschafft hatte, aus dem kleinbürgerlichem Milieu ganz allein zum Milliardär zu werden. Luxus, schöne Frauen und einen eigenen Fußballclub, das wollten die Italiener doch auch. Als Berlusconi über die Affäre mit Callgirls und Bunga-Bunga-Partys stolperte, die Justiz wegen seiner Beziehung zu der damals noch nicht volljährigen Marokkanerin Ruby „Herzensbrecherin“ ein Verfahren wegen Prostitution mit Minderjährigen gegen ihn anstrengte, gab es viele, die sich empörten. Dies sei schließlich seine Privatsphäre. Weniger Mitgefühl zeigten sie mit seinen beiden Ex-Gemahlinnen.“

https://www.welt.de/politik/ausland/article244687126/Silvio-Berlusconi-Europas-erster-Populist.html

 

Andres Wysling: „«Nur Napoleon hat mehr gemacht.» Berlusconi hat es an Selbstvertrauen und Selbstverliebtheit nie gemangelt. Er hielt sich für einen der ganz Grossen der Weltgeschichte und für einen Wohltäter Italiens und der Italiener. Er hatte ja auch recht, nach seinen Massstäben: Er hat Städte gebaut, er hat ein Medienimperium gebaut, er hat Milliarden gescheffelt, er hat die italienische Politik umgepflügt. Keiner war so lange Regierungschef wie er, und welcher Mann hatte so viele Frauen wie er? …

Berlusconi, geboren 1936 in Mailand, kam bei den Leuten an, weil er sich als Macher inszenierte, als einer, der anpackte und etwas zustande brachte. Als einer, der wusste, was zu tun sei, in den Geschäften, in der Politik, im Fussball und mit den Frauen. Für viele Kleinbürger war er vermutlich ein Vorbild. Mancher hätte gerne auf gleich grossem Fuss gelebt wie Silvio, der seine Karriere als Alleinunterhalter auf Kreuzfahrtschiffen begann. Mancher hätte gerne ebenso unverfroren auf Konventionen und Anstand gepfiffen wie der neureiche Feudalherr in seiner Villa bei Arcore.“

https://www.nzz.ch/international/nachruf-silvio-berlusconi-italiens-verfuehrer-und-verderber-ld.1560122

 

Faszination des Bösen: Richard III.

 

Wer Ende der 1980er Jahre das Glück hatte, am Wiener Burgtheater die Inszenierung von „Richard III.“ von Claus Peymannn zu sehen, wird sich an einen Gert Voss als dominierenden Erz-Schurken erinnern und weniger an seinen blassen Gegenspieler (der Graf von Richmond, Henry Tudor).

Hier ist es nicht anders: Silvio III. als Schurke auf der großen Bühne, der dem Publikum ein großes Spektakel liefert. Die Alternative zu ihm wäre Langeweile.

Hier noch Ankündigungen oder Kommentare aus Theater-Inszenierungen der letzten Jahre.

 

„Die Figur Richard des III. hat bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ihre finstere Kraft rührt aus ihrer hemmungslos zur Schau gestellten Amoralität, die das Publikum zu seinem unfreiwilligen Komplizen macht. Aber das Stück ist weit mehr als die Dämonisierung eines psychopathischen Außenseiters. Es porträtiert eine durch innere Kämpfe tief zerrüttete Machtelite, aus deren Mitte eine Diktatur des Bösen erwächst:“

https://henschel-schauspiel.de/de/werk/4205

 

„Mit Richard, Duke of Gloucester, betritt ein werdender Tyrann die Bühne, der bereits in der ersten Szene verkündet, dass er von der Natur benachteiligt worden sei: Bucklig, hinkend, hässlich geboren, will er nun aufbrechen, die Macht an sich zu reißen und die Welt zu verderben. Auf den Schlachtfeldern der Rosenkriege, die nach dem Tod Heinrichs V. aufflammten, hat Richard seiner Familie gute Dienste geleistet. Jetzt ist sein Bruder Edward König. Doch das Ende des Krieges bringt Richard keinen Frieden, zu tief sitzt sein Hass auf die Welt der Wohlgestalteten, zu der er nie gehören wird.

Es gibt zwei Dinge, die im Leben wichtig sind: Das eine ist die Liebe, das andere ist die Macht. Die Liebe kann Richard sowieso vergessen, glaubt er, mit seinem Äußeren. Jetzt geht es um die Macht. Um die reine Macht, die schafft auch Freude und Lust. Richard zieht diesen Gedanken mit einer Konsequenz durch, die Normalsterbliche nachzuvollziehen gar nicht in der Lage sind. Das ist der Stil absoluter Herrschaft. Nicht: Ich will alle vernichten. Sondern: Ich muss alle vernichten, die mir gefährlich werden können – weil Selbstdurchsetzung das Einzige ist, was mir übrig bleibt.

Männer wie Frauen fallen reihenweise auf Richard herein, weil sie seine Schmeicheleien lieben, ja! Aber auch, weil sie der puren Behauptung seiner Macht und seiner Bestimmung unterliegen. Das ist die Faszination des Hässlichen, die sich in einer Engführung von ästhetischen und moralischen Kategorien mit der Faszination des Bösen verbindet. Man kann von solchen Gestalten fasziniert sein.“

https://www.dhaus.de/programm/a-z/richard-iii/

 

Monika Werner-Staude: „Die Faszination des Bösen hat schon viele kluge Köpfe beschäftigt. Ohne dass sie diese erschöpfend ergründet hätten. William Shakespeare hat ihr um 1592 mit dem Drama „Richard III.“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Sein skrupelloser, mordender Teufel ist anziehend und abstoßend zugleich, verführt, intrigiert in einer verrohten und kranken Gesellschaft, die genau wie er nach Macht giert. Längst kann keiner mehr zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden.“

https://www.wz.de/nrw/wuppertal/kultur/das-wuppertaler-schauspiel-inszeniert-shakespeares-richard-iii-und-zeigt-eine-grelle-gesellschaftskritik_aid-38735709

 

Dominique Spirgi: „Es sind viele Morde, die Richard begeht oder begehen lässt, einhergehend mit brutalstem Kalkül und unglaublichem Charisma. Man stelle sich vor: Richard wirbt noch am Grab ihres Mannes, den er (samt Schwiegervater) ermordet hat, um Prinzessin Anne, die um Richards Taten weiss, ihn aber letztlich doch heiratet.

Mit Richard III. schuf William Shakespeare um 1593 den wohl grandiosesten Schurken der Dramengeschichte. Gewiss. Auch andere Protagonisten aus Shakespeares Werk hinterlassen deutliche Blutspuren. Doch anders als zum Beispiel der andere grosse Königsmörder Macbeth legt Richard bei seinen Taten keinerlei Skrupel an den Tag …

Es ist die Faszination des Bösen, die Richard III. zu einer der bekanntesten Figuren des an herausragenden Charakteren nicht gerade armen Werks von Shakespeare und damit unsterblich gemacht hat.“

https://tageswoche.ch/kultur/der-grandioseste-schurke-der-weltliteratur/index.html

 

Zum Schluss

 

Ein Mensch und eine Regierung können noch so korrupt und kriminell sein, noch so sehr das Recht beugen – die Masse der Menschen interessiert das nicht.

Mit allem, was zu Politik gehört, wollen sie nichts zu tun haben. Sie wollen für sich ihre Ruhe und in der Öffentlichkeit ein Spektakel.

Es hätte sie auch nicht interessiert, wenn Silvio Berlusconi in aller Öffentlichkeit Menschen ermordet hätte.

Persönlich war er ein Arsch mit Ohren – auch das hat nicht gestört.

Die Menschen haben die Regierungen und die Vorbilder, die sie verdienen.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

17. Juni – Wochenkommentar von Ferdinand Wegscheider

„Gott ist queer!“ - Im neuen Wochenkommentar geht es um die neue Normalität, die der Till als Verblödung der Menschheit bezeichnet.

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aatdbntqm3d44gstdk0m/

 

Sarah Frühauf und die Freiheit

https://www.youtube.com/watch?v=jYG-XGyllyY

 

Simone Solga: Er ist wieder da! | Folge 74

https://www.youtube.com/watch?v=Jjvb38OMYhU

 

"ver-sprochen" # 5: "Diskriminierung im Park"

https://www.youtube.com/watch?v=ALWJcBUoJZA

 

HOW TO HURT RUSSIA

https://www.bitchute.com/video/T18NOabTQwsF/

 

STRACK-ZIMMERMANN, AUSSENDIENSTMITARBEITERIN DER RÜSTUNGSINDUSTRIE IN ERKLÄRUNGSNOT - JUNG & NAIV

https://www.bitchute.com/video/tqAeKW5JnWqL/

 

HallMack  Tagesschau und "heute" genießen großes Vertrauen

https://www.frei3.de/post/c7af052b-fdde-48b9-bec6-172eed6d0398

 

HallMack  CDU - Ihr könnt uns alle mal

https://www.frei3.de/post/2d3d22c7-cde6-4037-9c55-c79b008ce243

 

HallMack  Deutschland wird Entwicklungsland

https://www.frei3.de/post/4644a623-5749-4d17-82cd-b55be6d29017