Die Qual des Wals

„Es ist ein unerwartetes Zeichen der Empathie für ein Lebewesen in Not: Nach zahlreichen Politikern hat nun auch Bundeskanzler Friedrich Merz dem vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal einen Besuch abgestattet. Sein Fazit ist ernüchternd, aber realistisch.

"Ich bemitleide seine Überforderung und Hilflosigkeit", erklärte der Wal nach dem Treffen. "Ich habe hier ein Säugetier erlebt, das weder ein noch aus weiß und sich immer wieder in eine unmögliche Lage manövriert."

Viele würden sich fragen, ob derzeit überhaupt noch eine Rettung möglich sei, so der Wal mit Blick auf Merz, während er traurig seufzend eine Fontäne ausstieß. "Wenn man das so mitansieht, dann merkt man schon: Der macht es nicht mehr lange. Da sind sich auch Experten einig. Leider kann man ihm ja auch nicht vermitteln, wie er sich retten könnte. Dazu agiert er zu kopflos."

Die missliche Lage des Kanzlers mache ihn vor allem betroffen, so Timmy. "Ein so großes, majestätisches Lebewesen in dieser Form leiden zu sehen, ist nicht schön. Aber wir dürfen ihn am Ende auch nicht zu sehr humanisieren. Die letzten Wochen haben gezeigt: Er entscheidet sich immer wieder und offenbar ganz gezielt für die nächste Untiefe und gegen den rettenden Ausweg. Das müssen wir irgendwann respektieren."“

https://www.der-postillon.com/2026/04/merz-timmy.html

 

Nun aber im Ernst: der in der Ostsee gestrandete und in die Nordsee transportierte Buckelwal wurde in Dänemark tot angeschwemmt.

Welch Irrsinn sich in Deutschland um den Wal abspielte, zeigt eine Dokumentation vom 11.05.2026, also die Zeit zwischen „Rettung“ des Wals und seinem offiziellen Tod.

 

„60 Tage lang beschäftigte das Schicksal eines Buckelwals in der Ostsee die Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik. Was als seltene Sichtung in der Wismarer Bucht begann, entwickelte sich zu einer kontroversen Rettungsmission. Der privaten Initiative ist es gelungen, den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal auf einen Schleppkahn in die Nordsee zu leiten, doch Zustand und Verbleib des Wals bleiben weiter unbekannt.“

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=o2Xg8ViXTeY

 

Tier-Feinde

 

Walfang historisch

 

Aus „Wikipedia“: „Man geht heute davon aus, dass vor dem massiven Eingriff des Menschen in die Walpopulationen weltweit etwa 125.000 Buckelwale lebten, davon etwa 100.000 südlich des Äquators. Die Tiere wurden bereits im Altertum in kleinem Ausmaß gejagt, in großem Stil aber seit dem 17. Jahrhundert. Nachdem die Buckelwalpopulation durch die starke Bejagung auf wenige tausend Tiere zurückgegangen war, konnte sich diese durch das weltweite Fangverbot von 1966 wieder stark erholen. Die IUCN geht von mehr als 60.000 Tieren weltweit aus und hat den Buckelwal seit 2008 in die geringste Gefährdungsstufe der Roten Liste (LC = "least concern") eingeordnet …

Weil er sich der Küste nähert und nicht sonderlich groß ist, ist der Buckelwal leichter zu jagen als andere Großwale. Deswegen gehörte er zu den ersten Großwalarten, die bejagt wurden. Sein Auftreten war sowohl in den Fortpflanzungs- als auch in den Nahrungsgründen einfach zu berechnen, sodass er sowohl dort als auch auf den Wanderstrecken gejagt wurde. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Bestände im Nordatlantik stark reduziert, woraufhin man begann, die Waljagd auf die größeren südlichen Populationen zu konzentrieren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden mehr als 100.000 Tiere getötet. Um 1920 fielen die jährlichen Fangquoten rapide von 14.000 auf 2000 Tiere pro Jahr, da die Wale selten und für die Märkte weniger interessant geworden waren. Zwischen 1940 und 1963 kam es wieder zu einer stärkeren Bejagung und es wurden in diesen Jahren weitere 50.000 Buckelwale getötet und die sich gerade wieder erholende Population des Nordatlantik unter internationalen Schutz gestellt, 1963 zudem die Populationen der südlichen Hemisphäre. 1966 erfolgte ein vollständiges Fangverbot, die einzige Ausnahme stellt der traditionelle Walfang der Bevölkerung der Karibikinsel Bequia dar …“ 

https://de.wikipedia.org/wiki/Buckelwal

 

Walfang aktuell

 

Susanne Aigner: „Während über den Kadaver von Buckelwal Timmy im Netz weiter diskutiert wird, ist die aktuelle Walfangsaison bereits in vollem Gange: Jedes Jahr werden in Norwegen, Island und Japan mehrere Tausend Tonnen Walfleisch produziert. Dafür werden die intelligenten Meeressäuger zu Tausenden abgeschlachtet.

So wurde Anfang Mai an den Küsten der Färöer-Inseln eine Gruppe aus Grindwalen und Weißseitendelfinen im flachen Wasser zusammengetrieben und getötet. Unter den 125 Grindwalen sollen Jungtiere und trächtige Weibchen gewesen sein.

Bereits 2024 hatten Tierschutzverbände Verstöße an den Färöer Küsten dokumentiert und angezeigt. Daraufhin hatten die Behörden Anklage wegen Tierquälerei erhoben. Polizeiberichten zufolge wurden 90 überlebende Grindwale 27 Stunden lang in seichten Gewässern festgehalten – nachdem bereits mehr als 100 Mitglieder ihrer Gruppe getötet worden waren.

Dies war ein eindeutiger Verstoß gegen die lokale Jagdvorschrift, der zufolge nach Abschluss der Jagd keine Wale im flachen Wasser sich selbst überlassen bleiben dürfen. "Leid und Stress müssen auf ein unvermeidbares Minimum reduziert" werden, heißt es darin.

Die Situation hat sich für bejagte Finnwale trotz der Einführung neuer Vorschriften nicht verbessert. Dies geht aus einem Bericht der isländischen Lebensmittel- und Veterinärbehörde über Tierschutzverstöße bei der Jagd von 2022 hervor.

Demnach droht den Tieren bei der Harpunenjagd ein zweistündiger Todeskampf. So starben nur zwei Drittel der Wale oder verloren das Bewusstsein nach weniger als einer Minute, nachdem sie von einer Sprengharpune getroffen worden waren.

Fast ein Viertel musste mehrfach harpuniert werden, einige drei- oder viermal, bevor der Tod eintrat. Im Schnitt zeigten die Tiere erst gut elf Minuten nach Eindringen der Harpune kein Lebenszeichen mehr. Bei einzelnen Walen dauerte der Todeskampf sogar ein bis zwei Stunden …

Norwegen: Fangquote wurde eigenmächtig erhöht

In der norwegischen Jagdsaison 2024 wurden gerade mal 414 Tiere erlegt. Dennoch gab das norwegische Fischereiministerium mit einer Quote von 1406 Zwergwalen für die Saison 2025 mehr Tiere zur Tötung frei als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Fangzahl der vergangenen Jahre lag bei 516 Tieren, darunter viele trächtige Weibchen.

Obwohl auch diese Fangquote zum wiederholten Mal nicht ausgeschöpft wurde, soll sie in der aktuellen Jagdsaison noch weiter – zwar auf 1.641 Tiere – erhöht werden. In den ersten drei Wochen wurden bereits 45 Wale getötet.

Obwohl die Waljagd in Norwegen immer unwirtschaftlicher wird und die Walfangquoten längst nicht mehr ausgeschöpft werden, hält die Regierung weiter daran fest. So wurde die Fangflotte sogar um ein weiteres 45 Meter großes Fabrikschiff weiter ausgebaut.

Touristen konsumieren Walfleisch im Restaurant

Walfleisch wird in Supermärkten, auf Fischmärkten, in Restaurants oder Souvenirshops angeboten. Ein großer Teil der getöteten Wale landet so auch auf den Tellern von Touristen. So wird "Wal-Steak" in Restaurants angepriesen. Oder Walfleisch versteckt sich in Gerichten, die als "traditionell", "lokale Spezialität" oder "Arktis-Menü" beworben werden.

Wer Wal-Salami als Mitbringsel mit nach Hause nimmt, für den kann es teuer werden, denn der Import ist strikt verboten.

Höchstens zwei Prozent der Bevölkerung essen noch regelmäßig Walfleisch, Tendenz sinkend. Weil das Fleisch oft mit Pestiziden, synthetischen Stoffen oder Umweltgiften wie Quecksilber belastet ist, raten Ärzte in Norwegen und Grönland Schwangeren sogar vom Verzehr von Walfleisch ab.

Während die Älteren auf die lange Tradition und wissenschaftlich kontrollierten nachhaltigen Walfang aus ethischen und ökologischen Gründen beharren, lehnen die Jüngeren Walfang aktiv ab.

Für Walfänger wurde es in den vergangenen Jahren immer schwieriger, ihren gesamten Fang zu verkaufen. Zu den Abnehmern gehören Schulen, Restaurants oder Kreuzfahrtschiffe.

Walfleisch im Hundefutter

Norwegische Walfleisch-Produkte werden auch exportiert, hauptsächlich nach Japan. Weil Island, Norwegen und Japan formell Vorbehalte erhoben, dürfen sie entgegen den Vorgaben des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) mit Wal-Produkten handeln.

Anfang 2025 hatten schwedische Zollbehörden rund 36 Tonnen importiertes Zwergwalfleisch in Hundefutter auf dem Weg von Norwegen nach Finnland entdeckt – obwohl es das Washingtoner Artenschutzübereinkommen verbietet, mit bedrohten Arten Handel zu treiben.

Japan: Lebensraum für Zwergwale wird immer enger

Anfang April wurden in der Nemuro-Meerenge zwei Zwergwale gefangen. Ein weiteres Schiff des Walfangunternehmens Sotobô fing am selben Tag etwa 80 Kilometer vor der Küste der Präfektur Aomori ganz im Norden der Hauptinsel einen 1,2 Tonnen schweren Zwergwal. Dieser sei zunächst lokal angelandet worden, um ihn auf dem Landweg rund 400 Kilometer weit nach Ayukawa zu transportieren und dort zu zerlegen.

Die verwertbare Fleischmenge eines so kleinen Wales sei vergleichsweise gering bei relativ hohem Aufwand und Kosten für den weiten Transport an Land, kritisiert Katrin Matthes, Japan-Koordinatorin bei Whale and Dolphin Conservation (WDC).

Dass Wale zunehmend weiter nördlich gesucht werden müssen, deute zudem darauf hin, dass ihr Lebensraum sich verschoben, möglicherweise sogar verkleinert hat.

Japanische Walfang-Lobby will Nachfrage wieder ankurbeln

Der industrielle Walfang wird von einer Walfang-Flotte durchgeführt, die mehrere Wochen in den japanischen Gewässern Jagd auf Seiwale, Finnwale und Brydewale macht.

In dieser Walfangsaison sollen laut dem Walfangunternehmen Kyodo Senpaku 2.100 Tonnen Walfleisch gefangen werden. Im vergangenen Jahr habe die Ausbeute bei nur 1.500 Tonnen gelegen. Damit blieb sie deutlich hinter dem eigens gesetzten Ziel von 2.500 Tonnen zurück.

Nach mehr als 30 Jahren Pause hatte Japan 2019 beschlossen, den kommerziellen Walfang wieder aufzunehmen. Zunächst soll sich die Jagd auf Brydewale konzentrieren, bevor anschließend im Norden Zwergwale und schließlich im Mai im Ochotskischen Meer Finnwale gejagt werden sollen. Auch die japanische Walfang-Industrie ist auf massive staatliche Unterstützung angewiesen.

Sowohl von der Regierung als auch einigen lokalen Walfang-Gemeinden wird der Walfang als Einkommensquelle und Ausdruck regionaler Identität verteidigt. So investiert Kyodo Senpaku jährlich viel Geld in Marketing-Kampagnen, die vorwiegend die junge Generation an Walfleisch heranführen sollen.

Norwegen, Island und Japan ignorieren weltweites Walfang-Abkommen

1986 setzte die Internationale Walfangkommission (IWC) ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft, das bis heute gilt. Norwegen hatte jedoch formell Einspruch gegen das weltweite, kommerzielle Walfang-Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) erhoben.

Zwischen 1986 und 2023 töteten Walfänger aus diesen Ländern mehr als 41.000 Wale. Illegale und nicht kommerzielle Fänge hinzugerechnet, steigt die Zahl auf mehr als 58.000 tote Tiere.

Wale binden Kohlenstoff langfristig im Meer und ernähren marine Bewohner

Im Meer treibendes Plankton bindet Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Wale wiederum nehmen große Mengen Plankton auf. So hat ein Buckelwal viele Tonnen CO2 in sich gebunden.

Sinken Wale und andere marine Lebewesen auf den Grund, entziehen sie den Ozeanen Kohlenstoff über Jahrhunderte, weil in der Tiefsee kaum Zersetzungsprozesse stattfinden.

Tote Wale ernähren auch andere marine Arten: Stirbt ein Wal, fällt er frei in die Tiefen des Ozeans, bis er auf den Meeresgrund aufschlägt. Dann machen sich Fische, Oktopusse und andere Meeresbewohner über seinen Körper her. Während des sogenannten Walsturzes kann ein toter Wal anderen Meeresbewohnern über lange Zeiträume als Nahrungsgrundlage dienen.

Glaubt man dem Internationalen Währungsfonds, könnte die weltweite Walpopulation jährlich 1,7 Milliarden Tonnen Kohlenstoff aufnehmen – vorausgesetzt, sie würde sich auf das Niveau vor Beginn des industriellen Walfangs von vier bis fünf Millionen Tieren erholen.“

https://www.telepolis.de/article/Niemand-will-Walfleisch-trotzdem-werden-Fangquoten-erhoeht-11307401.html

 

Schadhafte menschliche Einflüsse

 

Susanne Aigner, Ende März 2026: „Warum verirren sich Wale in die Ostsee?

Über diese Frage gehen die Meinungen der Experten auseinander. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum vermutet, dass es sich bei dem Tier um einen jungen Walbullen handelt, der auf Wanderschaft versehentlich in dem Flachwasserbereich geraten sei.

Möglicherweise wollte er dort seine letzte Ruhe finden, glaubt ein Sprecher der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Manche Wale suchen flache Gewässer auf, wenn es ihnen nicht gut geht.

Die Walstrandungen könnten auch mit Sonnenstürmen zusammenhängen, schätzt der Meeresbiologe Boris Culik, der ein eigenes Forschungsunternehmen in Heikendorf bei Kiel betreibt. Denn dann ist das Erdmagnetfeld als Koordinatensystem nicht so stabil wie zu Zeiten, in denen die Sonne eben ruhiger ist. Dann sei der innere Magnetkompass der Tiere gestört.

Der wahrscheinlichste Grund für ihr Auftauchen in der Ostsee sei, dass die Wale auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen, erklärt Almut Neumeister vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund.

Denkbar sei auch, dass Unterwasserlärm ihre Orientierung beeinträchtigt. Gerade junge Wale erkunden gerne ihre Umgebung. Allein 2025 waren mehrere Buckelwale in der Ostsee gesichtet worden. In den vergangenen Jahrzehnten wurden auch Belugas, Narwale und Zwergwale in der Ostsee gesichtet.

In der Ostsee ist die Fischkonzentration deutlich geringer als in der Nordsee, erklärt Meeresbiologe Culik. Hier gibt es keine Artgenossen, zudem ist der Salzgehalt zu niedrig, was Haut und Stoffwechsel der Säugetiere belastet. Dann breiten sich leicht Parasiten und Entzündungen auf der Haut der Buckelwale aus.

Heimisch sind hier nur Schweinswale, die mit etwa zwei Metern Länge viel kleiner sind. Geschätzt leben rund 200 Schweinswale in der zentralen Ostsee, in der Beltregion sind es einige Tausend, Tendenz rückläufig.

Buckelwale wandern durch die Weltmeere

Die bis zu 30 Tonnen schweren Buckelwale leben in allen Weltmeeren. Ihre Sommerquartiere sind die Polarmeere, Nordatlantik bei Norwegen und Grönland, im Nordpazifik bei Alaska und im Südpolarmeer. Im Winter schwimmen sie gerne in tropische und subtropische Gewässer in der Karibik und der mexikanischen Pazifikküste. Hier paaren sie sich und bringen ihre Jungen zur Welt.

Buckelwale bevorzugen Flachmeerzonen, tiefere Gewässer durchqueren sie nur auf ihren Wanderungen zwischen den Sommer- und Wintergebieten, wobei sie Tausende von Kilometer zurücklegen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Krill (kleinen Krebsen), wovon sie pro Tag tausend Kilogramm aufnehmen.

Aber auch Plankton und kleine Schwarmfische wie Heringe oder Makrelen stehen auf ihrem Speiseplan. Als Bartenwale filtern sie diese Nahrung in großen Mengen aus dem Meerwasser. Buckelwale können 90 Jahre alt werden.

Der Buckelwal in der Lübecker Bucht war in Netze und Seile gewickelt, es sah aus wie eine Leine vom Schleppnetz oder eine Ankerleine von einem Sportboot, wie ein Fischer aus Niendorf angab. Offenbar habe sich der Wal darin verfangen und sei deshalb auch gestrandet, vermutet Sven Biertümpfel von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd.

Obwohl weitestgehend entfernt, waren im Maul immer noch Netzreste zu sehen. Diese könnten ihn daran hindern, Nahrung aufzunehmen. Das würde seine Überlebenschancen deutlich verringern.

Schleppnetze, Stellnetze und Reusen sind besonders gefährlich für die Meeressäuger. Bis in die 1960er-Jahre bestanden die Netze aus abbaubaren Stoffen wie Hanf, Sisal oder Leinen, seither werden synthetische Stoffe wie Polypropylen, Polyethylen und Nylon verwendet. Im Meer verlorene Netze brauchen 400 bis 600 Jahre, bevor sie verrottet sind.

Netzfasern und chemische Zusätze gelangen als Mikroplastik in die Nahrungskette. An Wracks oder als "aufgestellte" Stellnetze fischen sie als Geisternetze noch lange nach dem Verhaken sinnlos weiter. Neben Fischen werden Geisternetze auch für Robben, Schweinswale und Tauchvögel zur Falle, wenn diese den verhedderten Fischen nachjagen.

Fischer müssen ihre Netze eigentlich wieder einsammeln – und bei Verlusten den genauen Ort melden. Allerdings würden Fischer aus Schleswig-Holstein normalerweise auf ihre Netze achten, betont Peter Dietze vom Landesfischereiverband.

Allein deshalb, weil sie teuer sind: Einige Tausend Euro würden dann im Wasser bleiben. Das könne sich keiner mehr leisten. Allerdings seien auch dänische Fischer in schleswig-holsteinischen Gewässern unterwegs.

Immer wieder stranden Wale in Küstengewässern. Dies hänge auch mit gestörten Wanderrouten, Nahrungssuche in ungewohnten Gebieten und menschlichen Einflüssen zusammen, erklärt Daniela von Schaper, Meeresexpertin bei Greenpeace. Sie fordert einen besseren Schutz von Meeressäugern.

Überfischung, Unterwasserlärm, Vermüllung der Meere, aber auch der Klimawandel bedrohen Wale weltweit. Wale folgen ihrer Nahrung und kommen so von ihren Wanderrouten ab.

Werden die Meere leergefischt, finden sie keine Nahrung mehr. Sie verfangen sich in Stellnetzen, verletzen sich, werden geschwächt oder sterben qualvoll. Das passiert auch Schweinswalen in der Ostsee. Greenpeace fordert daher seit langem wirksame Schutzgebiete ohne Fischerei.“

https://www.telepolis.de/article/Wir-fischen-die-Meere-leer-und-wundern-uns-wenn-Wale-stranden-11229296.html

 

Peter Carstens: „Jeden Tag sterben Wale, überall in den Ozeanen der Welt. Sie werden von Schiffsschrauben verletzt, gerammt, verlieren ihr Gehör durch Unterwasserexplosionen, verhungern mit Plastiktüten im Bauch, sie werden geschwächt durch Infektionen, von Orcas attackiert, sie ertrinken schließlich. Und doch bleibt das Lebensende der grauen Riesen in der Regel von Menschen unbeobachtet. Und unbeachtet.

Bei dem Buckelwal, der sich im März in die südwestliche Ostsee verirrte, war alles anders.

Über Wochen hielt er die Öffentlichkeit, Behörden und Rettungskräfte in Atem. Geschuldet war das nicht nur der Tatsache, dass er aufgetaucht war, wo es schon lange keine Großwale mehr gibt: in einem leergefischten, industrialisierten, überdüngten Binnenmeer. Zwischen Offshore-Windparks, militärischen Sperrgebieten und stark befahrenen Schifffahrtsrouten, unter ihm rostende Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg und tote Zonen ohne Sauerstoff. 

Für Aufsehen sorgte der Wal auch, weil er hierher, ins Reich der Menschen, gekommen war, um zu sterben. So schien es zumindest. Mehr noch: Er machte uns zu Zeugen seines Sterbens. Da fühlten wir uns gemeint, angesprochen. War es nicht wie eine Anklage: "Was habt ihr aus unseren Meeren gemacht?" oder: "Warum habt ihr mich im Stich gelassen?"

Gefangen in ihrer Hilflosigkeit, forderten Menschen mehr Engagement. Vom Umwelt- und Landwirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, von der Landesregierung, von den an den ersten Rettungsversuchen beteiligten Organisationen. Es gab Drohungen, Beschimpfungen. Klagen wegen unterlassener Hilfeleistung und Tierquälerei gingen bei der Staatsanwaltschaft ein. Offenbar konnten viele nicht ertragen, dass dem Wal nicht zu helfen war.“ 

https://www.geo.de/natur/tierwelt/buckelwal--timmy--ist-tot--ein-nachruf-37288574.html

 

Tierquälerei

 

Hans-Ueli Läppli: „Es gehört zu den zuverlässigsten Reflexen des europäischen Medienbetriebs, dass ein Tier in Not genügt, um einen moralischen Ausnahmezustand auszulösen. Ein Name wird vergeben, meist ein verniedlichender, und aus einem biologischen Ereignis wird in kürzester Zeit ein emotional aufgeladener Medienfall. Aus Beobachtung wird Erregung, aus Erregung Empörung, aus Empörung ein Tribunal.

Im Fall des Buckelwals Timmy hat sich dieses Muster besonders deutlich gezeigt, nicht trotz, sondern gerade wegen der Dauer der Berichterstattung und der Geschwindigkeit, mit der Gewissheiten entstanden, lange bevor gesicherte Fakten vorlagen.

Die eigentliche Frage ist dabei weniger zoologischer als medien- und tierethischer Natur: Wie konnte aus einer angeblichen Rettungsaktion eine Situation entstehen, die nach allen vorliegenden Schilderungen eher an eine Form der Tierquälerei erinnert, ohne dass diese Konsequenz im öffentlichen Diskurs konsequent benannt wurde? Stattdessen entstand ein moralisches Theater, in dem sich die Rollen rasch verfestigten und kaum noch hinterfragt wurden.

Zunächst dominierte die vertraute Rettungsrhetorik. Bilder eines gestrandeten, hilflos wirkenden Tieres, dazu die unvermeidliche Personalisierung, die aus einem Wal einen "Timmy" und damit aus einem Lebewesen eine Projektionsfläche macht.

Dann, mit zunehmender Unklarheit der Datenlage, verschob sich der Ton. Aus Rettung wurde Verdacht, aus Unsicherheit eine Schuldfrage. Wer Zweifel äußerte, geriet rasch in die Rolle des Störers, wenn nicht des Gegners. Die moralische Grundfigur stand bereits fest, bevor der Ablauf überhaupt geklärt war …

Ein Wal, der über Stunden transportiert, bewegt, fixiert und wieder freigesetzt wird, erlebt nicht bloß Stress im neutralen Sinne. Er wird einem massiven physischen und psychischen Belastungsszenario ausgesetzt. Wenn man den Begriff ernst nimmt, ist das nicht mehr nur eine Rettung mit Nebenwirkungen, sondern eine Form von Leidenszufügung unter wohlmeinendem Vorzeichen.

Während die moralische Aufladung der Rettung rasch erfolgte, blieb die nüchterne Frage nach der konkreten Belastung des Tieres weitgehend unbeachtet. Die Möglichkeit, dass die Intervention selbst erhebliches Leiden verursacht haben könnte, wurde zwar angedeutet, aber nie konsequent durchdekliniert. Stattdessen setzte sich eine bequeme Logik durch, die bis heute nachwirkt: Wer retten will, kann nicht quälen. Diese Gleichsetzung ist moralisch verständlich, aber sachlich falsch.

Denn gute Absichten sind keine Garantie für gute Ergebnisse. Sie sind erst recht kein Freibrief für das Ausblenden von Schäden, die im Prozess entstehen. Im Fall Timmy deutet vieles darauf hin, dass das Tier während der gesamten Aktion nicht weniger, sondern möglicherweise mehr gelitten hat, als wenn man es in seinem natürlichen Verlauf belassen hätte. Diese Möglichkeit passt jedoch schlecht in ein Narrativ, das auf klare Rollen angewiesen ist: hier die Helfer, dort das Opfer, dazwischen die Kritiker …

Dabei bleibt eine unbequeme Leerstelle bestehen, die im öffentlichen Diskurs kaum betreten wird. Nämlich die Möglichkeit, dass gut gemeinte Interventionen unter bestimmten Umständen selbst zu einer Form von Tierquälerei werden können, wenn sie unkoordiniert, improvisiert und ohne ausreichende Kontrolle durchgeführt werden. Diese Feststellung ist weder zynisch noch zersetzend, sondern schlicht eine Frage der Konsequenz …

Am Ende bleibt ein vertrautes Muster: ein Tier im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit, ein Diskurs im Modus moralischer Überhitzung und ein Ablauf, der im Rückblick weit weniger klar erscheint, als er im Moment der Berichterstattung dargestellt wurde.

Und ein Mediensystem, das aus Unsicherheit Gewissheit produziert, während die eigentliche Frage unbeantwortet bleibt: Was ist diesem Tier tatsächlich widerfahren, und wer trägt dafür die Verantwortung?“

https://freedert.online/inland/280344-timmy-ist-tot-wie-aus-rettung-tierquaelerei-wurde/

 

Nicht ernst zu nehmen

 

Ernst zu nehmen ist dieser Wal-Unfug nun wirklich nicht. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste mensch darüber lachen.

 

Gunnar Hinck: „Wie geht es Timmy?, fragen die TV-Morgenmagazine seit Tagen und schalten live an die Ostseeküste. Er atme, zeige aber ansonsten wenig Reaktionen, sagt im Ton einer Notärztin der Humanmedizin die Greenpeace-Expertin. Schwerins SPD-Umweltminister Till Backhaus verkündet großzügig, dass man den Buckelwal – dem irgendeiner einen Namen gab, damit es mit der Emotionalisierung auch ganz bestimmt klappt – jetzt in Ruhe lasse, damit „er Kraft tankt“.

Am „Wal-Drama“ lässt sich das übergriffige Wesen des Menschen gegenüber Tieren eindrucksvoll studieren: Der Mensch weiß angeblich am besten, was für ein (Säuge)-Tier gut ist, das keinem gehört, sondern in der Natur lebt. Ein kranker Wal liegt auf einer Sandbank, dann kommen selbsternannte menschliche Retter mit Helfersyndrom mit einem Bagger an, um ihm den Weg in die Freiheit zu ebnen. Eine Nacht später liegt der Wal wieder auf einer Sandbank. Kann es sein, dass sich der kranke Wal zum Sterben zurückzieht – und mit einem offensichtlich nicht mehr funktionierenden Navigationssystem ohnehin keine Überlebenschance hat? Oder, abstrakter formuliert, ist es nicht einfach der Kreislauf der Natur? Gestorben wird in der Tierwelt ständig, ohne dass der Mensch Notiz davon nimmt.

Apropos Sterben: Wenn der Mensch seine Empathie für Tiere trainieren möchte, sei ihm der Besuch deutscher Schlachthöfe empfohlen, wo täglich knapp 2 Millionen Hühner, Puten und anderes Federvieh, 120.000 Schweine und 8.000 Rinder getötet werden. Der Anblick weit aufgerissener, angsterfüllter Kuhaugen beim Hineintreiben in die Schlachthalle oder die Schmerzensschreie der Schweine beim „Entblutungsstich“, wenn das mit der Betäubung mal wieder nicht geklappt hat, dürften auch dem vernageltsten Menschen klarmachen, dass Tiere fühlende Lebewesen sind. Auch Live-Schalten aus einem Schlachthof fürs Morgenmagazin hätten einen heilsamen pädagogischen Effekt, dann aber bitte mit der Moderatorenfrage: Wie geht es Friederike, der Kuh?“

https://taz.de/Buckelwal-in-der-Ostsee/!6167017/

 

Jens Berger: „Ganz Deutschland hält seit einem Monat den Atem an! Ein verwirrter kranker Buckelwal hat sich – trotz hoher Umfragewerte der AfD – an die flachen Ostseestrände Mecklenburg-Vorpommerns gewagt, und seitdem sind unsere Medien und anscheinend auch viele unserer Mitbürger aus dem Häuschen. Timmy soll leben! Rettet Timmy! Nun habe ich nichts gegen besagten Wal und würde mich auch als Tierfreund bezeichnen; aber warum das Schicksal eines sterbenden Wals uns so viel mehr berührt als das Schicksal des ehemals süßen Ferkels auf unserem Mettbrötchen, wundert mich dann doch.

Haben Schweine eigentlich Namen? Ich schätze mal, sie haben rund eine Minute mit der Lektüre dieser Glosse bis zu diesem Punkt verbracht. In dieser einen Minute wurden in Deutschland 87 Schweine geschlachtet. In den 30 Tagen, in denen das Land sich so herzzerreißend um den Wal Timmy sorgt, waren es rund vier Millionen. Ich wiederhole: Vier Millionen! In der gleichen Zeit wurde übrigens auch 58 Millionen Hühnern in Deutschland der Hals umgedreht. 58 Millionen! Wie viele dieser Hühner wohl Timmy hießen? Wahrscheinlich kein einziges.

Bis 2022 wurden ja männliche Küken in Deutschland noch geschreddert, da wurde das Küken Timmy gar nicht erst so alt, dass es ein Hahn werden konnte, aus dem man dann eine lecker Hühnerbrust gewinnen konnte. Heute sind wir weiter, da werden die Eier mit Hightech-Methoden gescannt und Eier mit männlichen Embryonen werden ungebrütet entsorgt. Armer Timmy, wäre er ein deutsches Huhn, hätte er das Embryonenalter nicht überlebt. Wahrscheinlich besser so, das Leben in einer Legebatterie soll ja auch nicht so prickelnd sein.

Und wo wir schon bei völlig unpassenden Vergleichen sind: In der Ostsee werden übrigens auch jeden Tag zwischen fünf und neun Millionen Fische kommerziell gefangen. Die heißen aber auch nicht die Timmy. Ihr Pech. Verantwortlich für einen großen Teil des deutschen Fischfangs ist übrigens der Meck-Pomm-Landwirtschaftsminister Till Backhaus – der mit allen Wassern gewaschene, derzeit medial omnipräsente Politprofi, der nun Timmy nach eigener Aussage bis in den Tod persönlich begleiten will. „Das sei ja wohl selbstverständlich, so ein Schicksal lässt keinen kalt“, so Backhaus, der in seiner jetzigen Amtszeit in Alt-Tellin den Neubau eines „Megastalls“ genehmigt hat, in dem 55.000 Schweine gleichzeitig vor sich hinvegetieren dürfen. Der alte „Megastall“ war abgebrannt und mit ihm die 55.000 ringelschwänzigen Insassen. Ob eines dieser 55.000 Schweine Timmy hieß und ob der Minister auch in Alt-Tellin dauercampierte, weil ihn das Schicksal der süßen rosa Borstenviecher nicht kalt ließ? Wohl kaum.

Als Timmy, also der Wal Timmy, sich zum ersten Mal in Backhaus’ Reich auf einer Sandbank festgeschwommen hatte, ließ der Minister – in Deutschland kennt man sich Walen mit und ohne „h“ halt nicht so gut aus – übrigens bei den echten Experten von der isländischen Whaling Commission nachfragen, was denn nun zu tun sei. Der Antwort war jedoch unerfreulich pragmatisch. Totgeweiht sei der Wal ohnehin und im Sinne der Humanität sei es empfehlenswert, ihn zu „euthanasieren“. Ja, das Thema ist hart. Auch mir brach es bereits mehrfach das Herz, wenn ich ein geliebtes Haustier vom Tierarzt einschläfern lassen musste. Doch die Vermeidung weiteren Leidens des Tieres ist nun einmal höher zu bewerten als die emotionalen Befindlichkeiten der Menschen.

Die isländischen Experten schlugen zwei denkbare Methoden vor: Entweder ein Schuss mit einer großkalibrigen Waffe ins Herz oder – besser – die fachmännische Sprengung des Wals. Listen to the science? Aber doch nicht, wenn man Politiker ist und wiedergewählt werden will. Man stelle sich nur einmal vor, welchen Einfluss es auf die Wahlumfragen von Backhaus’ SPD hätte, würde er den geliebten Timmy vor den Kameras der Weltöffentlichkeit in die Luft sprengen lassen. Undenkbar. Und auch der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern hätte wohl eher Till Backhaus euthanasiert, bevor dieser die profitable Pfingstsaison der Ostsee durch weit verteilte Walleichenteile einschläfert.

So kam es, wie es in Deutschland wohl kommen musste. Der Karneval der Verrückten zog zur vormals beschaulichen Ostseeinsel Poel. Selbsternannte Walflüsterer, esoterisch angehauchte Damen mit Batikkleidern, die für Timmy Schamanengebete durchführten, reichweitenstarke und -schwache Influencer mit Selfie-Sticks, amtliche Veterinäre, die normalerweise in der Massentierhaltung und Schlachthöfen ihr Geld verdienen und den ganzen Trubel nicht so recht verstanden, aufgeregte Nachwuchsreporter von BILD, WELT, RTL und den Öffentlich-Rechtlichen, die pausenlos in Liveschalten über den gestrandeten Timmy berichteten. Es fehlte nur noch ein BILD-Exklusivinterview mit dem Wal. Und dass Friedrich Merz sich noch nicht persönlich in Gummistiefeln – ganz wichtig, Gummistiefel gehören dazu! – einen Überblick über die Lage verschafft hat, grenzt an ein Wunder. Gummistiefel-Gerd (Schröder) hätte diesen Elfmeter verwandelt und auch Markus Söder hätte sicher schon tausende Selfies von sich vor dem Wal auf Instagram gepostet – hoffentlich nicht mit einem Fischbrötchen in der Hand.

Natürlich fanden sich auch schnell ein paar ältere Mäzene, die abenteuerliche Rettungsaktionen für Timmy finanzieren. So wurde tagein, tagaus auf der Sandbank gebuddelt, gespült und Gott-weiß-ich-was veranstaltet. Täte der arme Wal einem aufgrund seines Schicksals nicht ohnehin schon leid – jetzt müsste er es. Kaum vorstellbar, was erreichbar wäre, würde man nur einen Bruchteil der finanziellen und menschlichen Energie, die man nun bei der Timmy-Show verpulvert, in echten Tierschutz stecken. Aber klar, abseits der Kameras ist Tierschutz weniger sexy und wen interessieren schon Tiere ohne Namen? Vor allem welche, die auch noch so herrlich gut schmecken?

Und immer dabei: Der SPD-Walexperte Till Backhaus, bei dem man sich eigentlich mal fragen sollte, was er denn beruflich macht. Wer so viel Tagesfreizeit hat, jeden Tag Pressekonferenzen und Interviews zu einem sterbenden Wal zu veranstalten, scheint ja beruflich nicht allzu sehr in Anspruch genommen zu werden.

Aber ja, so ist das nun mal in unserem Land zu unserer Zeit. Willkommen auf dem Narrenschiff!“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=149501

 

Christiane Voges: „"Dieser Zustand ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen". So wird in vielen Medien "die Unternehmerin Karin Walter-Mommert" zitiert (hier Märkische Allgemeine/Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 17.4.2026).

Es geht dabei natürlich nicht um die Lage in – auch mittels deutscher Waffen – kriegszerstörten Gebieten, es geht selbstverständlich auch nicht um die von der Bundesregierung angedrohten Kürzungen im Sozial- und gerade insbesondere im Gesundheitsbereich. Oder um andere öffentlich-wichtige Themen.

Nein, seit Wochen soll die Deutschen vor allem ein Thema beschäftigen – wie wird es mit dem gestrandeten Buckelwal in der Wismarbucht weitergehen? Kann, soll, muss er gerettet werden? Oder hat man ihn in Ruhe (sterben) zu lassen? Das ist die Qual der Wal-Berichterstattung.

Ein Wal wird zur nationalen Obsession

Der sich zuständig fühlende, hier vor allem medienwirksam mitfühlende Umwelt- und Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), ist seit 1998 und damit so lange wie niemand sonst bundesweit im Minister-Amt.

Daher spürt er wohl, wann und wie das ganz große Rad zu drehen ist: Backhaus schreibt mittlerweile dem Tier eine "Symbolkraft für ganz Deutschland, nein für Europa und die ganze Welt" zu. Klar, hier wird Weltgeschichte geschrieben. Mindestens.

Und in der Tat: Es wird eine typische Medien-Geschichte erzählt. Es geht dabei beispielhaft nicht um öffentliche Wichtigkeit, sondern um das, was viele von uns ganz privat wichtig finden mögen. Unterhaltungs-Stoff, im Sinne von "Hast du das schon gehört?"

Die perfekte Mediengeschichte: Einfach, emotional, massentauglich

Solche Geschichten wirken in weiten Teilen der Gesellschaft tiefgreifend. Sie sind überschaubarer, greifbarer als Geopolitik oder Tarifverhandlungen, als Wehrdienstgesetz oder demografische Entwicklung – wir alle können und sollen hier mitreden. Sowohl Medienschaffende als auch Publikum.

Es liegt in der Natur solchen "Storytellings", dass es praktisch jede/-n von uns packt. Dazu haben wir fast alle eine besondere Meinung. Und wenn es die Auffassung ist, der ganze Stoff sei maßlos aufgebauscht und überbewertet.

Hier ist der Meinungsfreiheit wahrer Himmel: Wie bei öffentlich wichtigen Themen sonst kaum (noch), sind hier ganz verschiedene Positionen erlaubt, ja sogar erwünscht. Auch wenn die typischerweise noch folgenloser sind als sonstige erlaubte Meinungen.

Schauen wir auf den Wal. Oder genauer: Auf die mediale Inszenierung als eine besondere Geschichte, als ein Drama. Medienrealität ist nicht unbedingt eine Abbildung der Wirklichkeit, sondern sie wird geschaffen.

Konstruiert. Natürlich nicht willkürlich. Da wird kaum etwas dem (Regisseur) Zufall überlassen, Nein, es geht wie im Dreh- oder Lehrbuch um maximale Aufmerksamkeit. Dafür braucht es im Kern nur zwei Zutaten:

Eine bekannte Hauptfigur, am besten eine sympathische. Einen positiven Helden also. Und 2.) eine klare, gerne auch spannende Herausforderung mit der wie auch immer vagen Aussicht auf eine Art "Happy End". Dann funktioniert eine solche Story geradezu märchenhaft.

Wir sehen es gerade: Dieses Wal-Drama scheint weit mehr Menschen viel stärker zu fesseln als irgendein Wahl-Drama in der Politik.

Wie Medien Realität bauen – und Gefühle lenken

Der Meeres-Säuger nahe der kleinen Insel "Walfisch" (kannst du dir nicht ausdenken, das Leben schreibt die besten Geschichten) ist aufmerksamkeits-ökonomisch eine Idealbesetzung. Wale sind vielen Menschen ziemlich sympathisch.

Das Tier bekommt medial einen Namen verpasst (oder auch zwei, "Timmy" bzw. "Hope"), was den Wiedererkennungswert enorm erhöht. Die Herausforderung ist so einfach wie existentiell: Inwiefern kann der Wal vielleicht doch noch überleben? Oder eben "würdevoll'" sterben?

Damit sind "wir" alle im Spiel. Was können wir tun? Was sollten wir lassen? Es geht ums Ganze: der langgediente Berufspolitiker Backhaus ist so oft vor den Kameras in Sachen "Wal-Rettung" zu sehen, dass man meinen könnte, es gehe um die Rettung der anstehenden Landtagswahl.

Warum wirkt dieses Wal-Drama so mächtig? Weil Menschen sich seit je Geschichten erzählen. Eine Hauptfigur versucht (mit Hilfe oder auch gegen Widerstände), eine Herausforderung zu meistern. Es wird extrem vereinfacht, es wird personalisiert und ganz stark mit Gefühlen gearbeitet. Geschichten sprechen unser Hirn, aber noch viel mehr unser Herz an.

Das macht sie oft so durchschlagend. Sei es der jüngst angeblich gerettete, zuvor offenbar abgeschossene US-Kampfjet-Pilot im Iran, oder hier, in der Ostsee, der "Krimi" um das Leben (oder den Tod) von "Timmy" (alias "Hope"), dem bedauernswerten Buckelwal.

Krokodilstränen werden hier insofern von fast allen Beteiligten vergossen, so dass öffentlich durchaus wichtige Aspekte von Umweltschutz kaum diskutiert werden. Wie zum Beispiel, inwiefern nicht zuletzt Wale darunter leiden, dass Kapitalismus und Staatenkonkurrenz auch ihnen die Lebensräume zerstören.

Etwa durch Offshore-Energieanlagen, seien es konventionelle wie Ölplattformen oder auch neuartigere wie Windrad-Gebiete, durch Kreuzfahrtschiffe als gleichsam seegestützte Kreuzzüge der Gegenwart, durch Überfischung und nicht zuletzt durch zunehmende Militarisierung der Meere, über und unter Wasser.

Die verdrängte Realität hinter dem Wal-Drama

Wer einmal selbst in einiger Entfernung neben einem auch nur kleinen Motorboot geschwommen ist, bekommt eine Ahnung, wie ohrenbetäubend allein deren Unterwasser-Lärm ist. Immerhin wird ein Netzrest im Maul des Wismarbucht-Wales als offenbar menschengemachtes Problem gelegentlich erwähnt.

Das Erzählen von oft höchst emotionalen Geschichten in den Medien, also das "Storytelling", sorgt für Aufmerksamkeit, für Klicks und Quote. Und es verselbständigt sich dabei typischerweise nicht einfach nur von allein, sondern es wird systematisch zugespitzt und breitgetreten. Narrativität schlägt um in Narrativismus.

Also in übertriebenes, verselbständigtes Storytelling. Derart wirksame Medienrealität fungiert als Wirklichkeits-Ersatz. Lenkt von komplexeren, tatsächlich alle ernsthaft betreffenden Problemen und Entwicklungen höchst unterhaltsam ab.

Befeuert von Medienschaffenden, von politischen und sonstigen mächtigen Akteuren, befeuert auch durch uns Mediennutzende. Boulevard-Medien mit ihren "soft news" und Kampagnen machen das besonders häufig. Aber auch andere Medien, nicht zuletzt Leitmedien, surfen gerne auf solchen Wellen.

Der ZDF-Ticker verspricht nicht weniger als "alle Entwicklungen im Live-Blog". Wofür sonst zahlen wir Rundfunkbeitrag?

Ironie dieser Geschichte: Alle Menschen sind gleich. Aber manche sind gleicher. Laut Medienberichten (u.a. MAZ/RND vom 18.April, S.28) finanziert neben der eingangs zitierten Unternehmerin Karin Walter-Mommert auch Media-Markt-Gründer Walter Gunz den "privaten Rettungsversuch" für den gestrandeten Wal.

Das muss man sich leisten können. Dann ist man ist so frei. Minister Backhaus wäscht seine Hände schon mal vorab in Unschuld, wie zu lesen ist: Die Verantwortung für jene geplante Rettungs-Aktion liege "komplett bei den Initiatoren".

Auf gut Deutsch: Wer genug Geld in die Wal-Schale werfen kann, mag auch an der Stelle, hier in der Wismarbucht, machen, was er oder sie will. Hauptsache, dem Staat entstehen keine Extra-Kosten.

Vielleicht ist es auch eine Art aktueller Ablasshandel: Politiker können auf- und abtauchen, wie es ihnen passt. Und ein paar Super-Reiche kaufen sich mal wieder ein gutes, reines Gewissen.

Man mag darüber rätseln, was genau Minister Backhaus gemeint haben dürfte, wenn er sagt: "Der nächste Wal kommt bestimmt". Vielleicht so: Wer den nächsten Wal kommen sieht, braucht gerade keine andere Sau durchs mediale Dorf zu jagen.“

https://www.telepolis.de/article/Wal-Timmy-und-der-grosse-Irrsinn-Wie-eine-Nation-sich-ablenken-laesst-11270795.html

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

 Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

Klima-Schwindel geplatzt!

Im neuen Wochenkommentar geht es heute einmal mehr um die drohende menschengemachte Erdverkochung und andere Katastrophen!

https://www.servustv.com/de/page/AAHBNKH2UW2TCYHQQTAK?cid=more_videos

 

Friedrich Merz: Kernschmelze?

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=0iZvSWLjMz0

 

Ach Fidi...

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=kdDlzzVnGok

 

Friedrich Merz vs. Arbeitnehmer

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=x42cYV7RDm0

 

Merz steigt in baerbocksche Diplomatie-Gefilde auf

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=DscEXsklSuE

 

Die falschen Übersetzungen des ZDF

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=lV8Mgy2ecJk

 

Hasstalavista - Serdar reagiert auf F-Fritze

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=elsDZJwTphM

 

Simone Solga: Deutschland: Stillgestanden! | Folge 216

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=KZ26Bjflq4M

 

Echt authentisch | Steimles Aktuelle Kamera #230

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=XQ5eZLdc-8s

 

HallMack  Aktuelle Kamera 211 - 20 Mrd. in Cash und Gold für die Ukraine

 

 

https://www.frei3.de/post/aa59f5a8-7e2a-42e5-be6b-36d8b13d61f8

 

HallMack  Aktuelle Kamera 212 - ESC 5 Hintern 12 Punkte

 

 

https://www.frei3.de/post/5993d0b1-e5b9-4f91-a7ed-d8fb5adf4e61

 

Hallo Aachen wir scheuen keinen Dialog !!

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=yX38NKOWQMM

 

Diese Ausgrenzung muss aufhören !!

https://www.youtube.com/watch?v=6Q8Ci-aZqt8

 

Söder und die Weimarer Republik !

https://www.youtube.com/watch?v=cxBWHu-md6I

 

EBOLA kommt nach Deutschland ?!!

https://www.youtube.com/watch?v=nxZd5g57a4g