Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

„Jaurès gleicht jenen Bergen, die uns höher scheinen, je weiter sie sich von uns entfernen … Überall die gleiche Überzeugung, ausgesprochen oder unausgesprochen: Hätte er gelebt! Er allein, nur er allein hätte dieses Unheil verhütet.“  Romain Rolland

„Human“ ist theoretisch das gleiche wie „menschlich“. Praktisch ist „menschliches“ Verhalten so, wie es ist und worunter wir Bewohner des Erdreichs zur Genüge zu leiden haben. Und „human“ heisst, dass sich die Menschen so verhalten sollten. Wir Erdreichbewohner lieben und verehren diese wenigen Menschen, die sich human im besten Sinne des Wortes verhalten.

Bei den Menschen ist das leider nicht so. Ab und zu werden welche auf den Sockel gehoben, die irgend wo in der Ferne sich privat verausgaben und niemandem schaden können (wie etwa Albert Schweitzer). Aber solche Idealisten, die ihr Leben den Menschen widmen, deren Ziel die internationale Verständigung ist und sich auch noch politisch dafür einsetzen, interessieren nur wenige.

Nein, die großen Idealisten und Humanisten werden bestenfalls nur am Rande erwähnt. Das ist bei Bertha von Suttner der Fall (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/101-die-waffen-nieder.html ) und bei Jean Jaurès, der vor 100 Jahren ermordet wurde, ist das auch nicht viel anders. Während der 100. Todestag von Bertha von Suttner im offiziellen Fernsehen so gut wie gar nicht erwähnt wurde, gab es zu Jean Jaurès zumindest im französich-deutschen Sender „arte“ zwei Filme über ihn zu sehen.

Jean wer? Die wenigsten Deutschen kennen ihn. Von der Geschichtslosigkeit des deutschen Volkes mal abgesehen, gibt es zwei weitere Gründe dafür: die deutsche Geschichtsschreibung kreist meist um sich selbst und um ihre bürgerlichen Repräsentanten. Ein französischer Sozialist interessiert die meisten schon gar nicht. Auch dann nicht, wenn er mal großen Einfluss auf die deutsche Arbeiterschaft hatte und die Symbolfigur der deutsch-französischen Verständigung ist. Aber halt Sozialist.

Wenn die meisten Menschen sich schon nicht für einen der ganz Großen ihrer Geschichte interessieren – der Wurm, der sich neben der Wurmität auch der Humanität verpflichtet fühlt,  tut es und ehrt Jean Jaurès mit diesem Beitrag. 

Das Einkaufen macht keinen Spass. Es gibt keine Auswahl, nur eine Sorte pro Produkt. Keine unterschiedlichen Marken, kaum unterschiedliche Größen. Die Ware wird auf Paletten oder noch im Karton verkauft, die Verpackung ist oft lieblos gestaltet, vor den Kassen sind mehr oder weniger große „Schlangen“.

So oder so ähnlich wurden in früheren Zeiten die Lebensmittel-Läden in den sozialistischen Ländern geschildert. Ganz, ganz schlimm. Wie mensch sich halt eben die Diktatur so vorstellt. In der freien Welt jedoch gehen die Menschen freiwillig in solche Läden und machen das auch noch gerne: 3 von 4 deutschen Haushalten kaufen bei „Aldi“ ein und sorgten im Jahr 2013 für einen Umsatz alleine in Deutschland von 27 Milliarden €; weltweit sind es 67 Milliarden €.

Letzte Woche wurde der reichste Mensch Deutschlands, Karl Albrecht, beerdigt, der zusammen mit seinem Bruder Theo die Discount-Kette „Aldi“ gegründet hat. Da wohl kein anderes Unternehmen so typisch für Deutschland und die Deutschen ist, möchte sich der Wurm dieses Themas annehmen.

Ein ziviles Verkehrsflugzeug flog auf einer internationalen Route an der Ukraine vorbei und wurde „versehentlich“ von ukrainischem Militär abgeschossen. Die ukrainische Regierung bestritt, damit etwas zu tun zu haben. 8 Tage nach dem Abschuss gab es deutliche Beweise und erst dann gab die Regierung den Fehler zu.

Das war im Oktober 2001. Es handelte sich um eine Maschine der Sibir Air auf dem Weg von Nowosibirsk nach Tel Aviv. 78 Menschen kamen ums Leben. Der Absturz fand über dem Schwarzen Meer statt.

http://www.spiegel.de/panorama/flugzeugabsturz-ukraine-gesteht-den-abschuss-ein-a-162030.html

Diese Woche gab es einen Flugzeugabsturz, bei dem die Absturzursache nicht geklärt ist. Das Zivilflugzeug war auf ca. 10.000 Meter Höhe unterwegs über einem von Rebellen kontrollierten Kriegsgebiet und fiel plötzlich vom Himmel.

Kommentatoren und Experten sind erst mal abwartend und wollen in Ruhe den Sachverhalt untersuchen. Es kann mehrere Gründe dafür geben: das Wetter oder Pilot ist daran schuld, es kann sich um einen technischen Defekt oder um eine Bombe an Bord handeln. Theoretisch könnten auch die Rebellen die Maschine abgeschossen haben. Das gilt aber als unwahrscheinlich, da diese angeblich kein Luftabwehrsystem hätten, das ein Flugzeug in 10.000 Meter Höhe abschießen kann.

Es handelt sich um eine Maschine der Air Algérie auf dem Weg von Ouagadougou (Burkina Faso) nach Algier. 116 Menschen kamen ums Leben. Der Absturz fand über Mali statt.

http://www.spiegel.de/panorama/flugzeugabsturz-ueber-mali-air-algerie-verliert-maschine-mit-116-passagieren-a-982676.html

Für einen Wurm sind Menschen Menschen. Unabhängig von weiteren Aufteilungen wie Geschlecht, Alter oder Nationalität. Da die Menschen selbst ihr Verhalten und ihre Emotionen danach ausrichten, wie ähnlich ihnen andere Menschen sind (116 tote Afrikaner würden nur wenige Europäer interessieren), möchte der Wurm anmerken, dass mehr als die Hälfte der Passagiere Westeuropäer waren, zu einem Großteil Franzosen.

Mensch frage mal seine Mitmenschen, was sie zum Absturz sagen. Und wird feststellen, dass, wenn sie es überhaupt mitbekommen haben, es sie nicht sonderlich interessiert.

Völlig anders sieht es bei dem Absturz der Malaysia Airlines über ukrainischem Gebiet aus, bei dem 298 Menschen ums Leben kamen. Mit Hilfe von Bonifaz Breitmaulfrosch und der Arbeitsgruppe MMM (Macht, Medien, Manipulation) möchte der Wurm auf diesen Fall näher eingehen und unter mehreren Gesichtspunkten betrachten.

Die Auswahl des Deutschen Fußballbundes wurde Weltmeister. Die Menschen in Deutschland freuen sich und der Wurm freut sich mit ihnen. Obwohl nur sehr wenige einen Vorteil davon haben: sie sind dadurch nicht vermögender, sie sind nicht schöner, sind nicht intelligenter. Den Lauf der Weltgeschichte wird dieser Erfolg nicht ändern. Und dennoch:  „Mehr als 500.000 Menschen wollten am Dienstag in Berlin ihre Helden sehen“ http://www.welt.de/sport/fussball/wm-2014/article130193785/Dank-Loew-hat-das-Fussball-Maerchen-ein-Happy-End.html

Es ist dem Wurm nicht bekannt, dass solche Leute, die den Menschen tatsächlich Vorteile bringen, wie etwa Wissenschaftler, groß empfangen würden. Schriftsteller und Naturschützer auch nicht. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Menschen sind manchmal merkwürdige Leute. 

Helmut Kohl sagt: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten." http://www.helmut-kohl-kas.de/index.php?menu_sel=15&menu_sel2=213&menu_sel3=122

Rupert Regenwurm sagt: Alle herrschenden Menschen haben ein Interesse daran, ihre Sicht der Vergangenheit den nicht-herrschenden Menschen nahe zu bringen.

Ein schönes Beispiel ist der Umgang mit zwei zumindest interessanten Ereignissen der Vergangenheit, die dieser Tage ein halbwegs „rundes“ Jubiläum haben: 70 bzw. 80 Jahre.

Das eine Ereignis gibt es und hatte nur wenige Auswirkungen. Wenn es nicht statt gefunden hätte, wäre es kein großer Unterschied gewesen. Dafür wird es seit Jahrzehnten groß medial aufbereitet. Wenn der Wurm richtig gezählt hat, gibt es am Jahrestag 10 Sendungen im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen: Spiel- und Fernsehfilme, Dokumentationen, Gedenkfeiern, Bundeswehr-Gelöbnisse.

Das andere Ereignis hatte viele und starke Auswirkungen. Wenn es nicht statt gefunden hätte, wäre die Weltgeschichte anders verlaufen. Dafür wird es seit Jahrzehnten von den Medien weitest gehend ignoriert. Wenn der Wurm richtig nachgeschaut hat, gab es am Jahrestag keine einzige Fernsehsendung.

Der Verdacht liegt nahe, dass das eine Ereignis groß aufgebauscht werden und das andere in Vergessenheit geraten soll. Es handelt sich um den 20. Juli 1944, dem Attentat auf Adolf Hitler und den 30. Juni 1934, einer staatlichen Mordaktion, die in der Regierungs-Propaganda als „Röhm-Putsch“ und im Volksmund als „Nacht der langen Messer“ in die Geschichte eingehen sollte.

Da genau dieser „Röhm-Putsch“ sowohl in den Schulen als auch in den Medien kaum behandelt wird, möchte der Wurm diesen zum Anlass nehmen, etwas näher auf die damalige Zeit einzugehen. An Hand einer Person, die mit den unmittelbaren Geschehnissen nichts zu tun hatte außer, dass sie ermordet wurde: Gregor Strasser (manchmal auch Straßer geschrieben).

Den Namen schon mal gehört? Falls nicht: woher auch – er spielt zwar auch heute noch eine nicht zu unterschätzende Rolle, wird aber in den offiziellen Medien kaum erwähnt.