Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

„Russell strebte nicht nur danach, die Welt zu interpretieren, sondern auch danach, sie zu verändern. Ich denke, daß er Marx' Ermahnung zugestimmt hätte, demzufolge „die eigentliche Aufgabe“ darin besteht, die Welt zu verändern.“

Noam Chomsky, 1971

Der letzte Beitrag des Wurms anlässlich des 50. Todestages von Bertrand Russell endete mit „Denken und seine Gedanken seinen Mitmenschen mitzuteilen, ist wichtig. Nicht weniger wichtig ist das Handeln. Die Freunde Bertrand Russells dürfen sich auf den 2. Teil freuen. Denn dort geht es um sein Handeln.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/424-bertrand-russell-denken.html

Hier geht es um die Konsequenzen des Denkens, um Bertrand Russells Bemühen, Einfluss auf die Menschheit zu nehmen. Um es vorwegzunehmen: zumindest trug er mit dazu bei, das Eine oder Andere positiv zu gestalten.

 

Mit dem Tod des Dritten Earl Russell (oder Bertrand Russells, wie er sich lieber nannte) im Alter von neunzig Jahren ist ein Bindeglied mit einer sehr fernen Vergangenheit gelöst worden. Sein Großvater, Lord John Russell, Premierminister unter Königin Viktoria, besuchte Napoleon auf Elba; seine Großmutter mütterlicherseits war mit der Witwe des jungen Thronprätendenten befreundet. In seiner Jugend schuf er bedeutende Werke auf dem Gebiet der mathematischen Logik, aber seine exzentrische Haltung während des ersten Weltkrieges verriet einen Mangel an ausgeglichenem Urteil, der seine späteren Schriften in zunehmendem Maße beeinträchtigte. Vielleicht geht dies wenigstens teilweise auf die Tatsache zurück, daß er der Vorteile einer Public School-Erziehung nicht teilhaftig, sondern bis zum Alter von achtzehn Jahren von Hauslehrern unterrichtet wurde. Dann trat er in das Trinity College zu Cambridge ein, wurde 1893 in der mathematischen Abschlußprüfung Siebenter und 1895 Fellow. In den nächsten fünfzehn Jahren schrieb er die Bücher, die sein Ansehen in der gelehrten Welt begründeten: „Die Grundlagen der Geometrie“, „Die Philosophie des Leibniz“, „Die Grundsätze der Mathematik“ und (in Zusammenarbeit mit Dr. A. N. Whitehead) „Principia Mathematica“. Dieses letzte, seinerzeit bedeutende Werk verdankte zweifellos seine Vorzüge zum großen Teil Dr. (später Professor) Whitehead, einem Mann, der, wie seine folgenden Schriften zeigten, jene Einsicht und geistige Tiefe besaß, die Russell so fühlbar abging; denn Russells Beweisführung, obzwar klug und gewandt, ignorierte jene Ueberlegungen, die über die bloße Logik hinausgehen.

Dieser Mangel an geistiger Tiefe trat im ersten Weltkrieg peinlich zutage, als Russell, der zwar (um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen) nie das Belgien angetane Unrecht beschönigte, verstockt darauf bestand, daß der Krieg ein Uebel sei und es das Ziel der Staatskunst hätte sein müssen, den Krieg so bald als möglich zu beenden, Was durch die britische Neutralität und einen deutschen Sieg erreicht worden wäre. Man muß annehmen, daß seine mathematischen Studien ihn zu einer falschen quantitativen Anschauung bewogen hatten, welche die prinzipielle Frage, um die es ging, außer Acht ließ. Den ganzen Krieg hindurch bestand er auf dessen Beendigung ohne Rücksicht auf die Bedingungen. Trinity College entzog ihm sehr zu Recht seine Professur, und 1918 verbrachte er sogar einige Monate im Gefängnis.

Im Jahre 1920 stattete er Rußland, dessen Regierung ihm keinen günstigen Eindruck machte, einen kurzen Besuch ab; einen längeren machte er China, wo er an dem Rationalismus der traditionellen Zivilisation mit dem ihm immer noch anhaftenden Nachgeschmack des achtzehnten Jahrhunderts viel Gefallen fand. In den folgenden Jahren verzettelte er seine Arbeitskraft mit Schriften, in denen er für Sozialismus, Erziehungsreform und einen weniger strengen Moralkodex hinsichtlich der Ehe eintrat. Von Zeit zu Zeit jedoch kehrte er zu weniger aktuellen Themen zurück. In seinen historischen Schriften täuschen Stil und Geist den oberflächlichen Leser über den seichten, veralteten Rationalismus hinweg, zu dem er sich bis zu seinem Ende bekannte.

Am zweiten Weltkrieg nahm er keinen öffentlichen Anteil, da er knapp vor Kriegsausbruch in ein neutrales Land entkommen war. In Privatgesprächen pflegte er zu sagen, daß mordgierige Verrückte ganz recht daran täten, einander zu töten, vernünftige Leute ihnen aber dabei aus dem Wege gingen. Glücklicherweise ist diese Haltung, die an Bentham erinnert, heute selten geworden. Wir anerkennen wieder den Wert des Heldentums, der mit dem Nutzen nichts zu tun hat. Zwar liegen weite Gebiete der einstigen zivilisierten Welt in Trümmern; aber kein Rechtdenkender kann zugeben, daß jene, die in dem großen Ringen für das Recht ihr Leben gaben, umsonst gefallen sind.

Sein Leben war trotz all seiner Unberechenbarkeit von einer gewissen anachronistischen Folgerichtigkeit, ähnlich der der aristokratischen Rebellen des frühen neunzehnten Jahrhunderts. Seine Prinzipien waren seltsam; aber wie sie auch waren, er handelte danach. Im Privatleben zeigte er keine Spur der Herbheit, die seine Schriften beeinträchtigt, sondern war ein anregender Gesellschafter und es mangelte ihm nicht an menschlicher Sympathie. Er hatte viele Freunde, überlebte sie aber fast alle. Dennoch schien er denen, die ihm verblieben, im Alter voll heiterer Freude, die er zweifellos zum Teil seiner unverwüstlichen Gesundheit verdankt, denn politisch stand er in seinen letzten Jahren so allein wie Milton nach der Restauration. Er war der letzte Ueberlebende einer versunkenen Epoche.“

Seinen eigenen Nachruf schrieb Bertrand Russell im Jahr 1937. Tatsächlich starb er im Alter von 97 Jahren am 2. Februar 1970, also vor genau 50 Jahren.

Ein Grund für den Wurm, sich mit ihm näher auseinanderzusetzen.

 

Johannes Stern: „Am Sonntag findet in Berlin eine hochrangige Libyen-Konferenz statt. Unter der Schirmherrschaft der deutschen Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen die Führer der zentralen imperialistischen Mächte Europas und der USA zusammen, um über das weitere Schicksal des rohstoffreichen Landes und letztlich des gesamten Kontinents zu bestimmen. Erwartet werden neben den Präsidenten Russlands und Chinas und der wichtigsten Regionalmächte – darunter Ägypten, Algerien und die Türkei – auch die Kontrahenten im libyschen Bürgerkrieg, Premierminister Fayiz as-Sarradsch und General Chalifa Haftar, sowie Vertreter der Afrikanischen Union.“

https://www.wsws.org/de/articles/2020/01/18/pers-j18.html

Mittlerweile ist die Konferenz zu Ende und wird allgemein gelobt. Allerdings hat der Wurm große Zweifel daran, dass für Libyen selbst eine gute Zukunft bevor steht.

Ein Ziel wurde zumindest erreicht: Deutschland wird militärisch verstärkt im Ausland agieren. Angeblich für einen guten Zweck.

 

Aus „Wikipedia“: „Qasem Soleimani war ein iranischer Offizier, zuletzt Divisionskommandeur. Er war Kommandeur der Quds-Einheit, einer Unterabteilung der iranischen Revolutionsgarde, die Spezialeinsätze außerhalb des Iran durchführt. Soleimanis Einfluss reichte weit über das Militärische hinaus; viele Beobachter sehen ihn als einen der Hauptverantwortlichen für die Ausweitung des iranischen Einflusses auf weite Teile des Nahen Ostens. Er handelte dabei stets in enger Zusammenarbeit mit dem iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei …

Qasem Soleimani wurde bei einem gezielten Raketenangriff am 3. Januar 2020 am Flughafen Bagdad getötet. Kurz nachdem das Linienflugzeug von Damaskus kommend auf dem Flughafen gelandet war, wurde die Fahrzeugkolonne, die ihn abgeholt hatte, beim Verlassen des Komplexes von einer amerikanischen MQ-9-Reaper-Drohne mit Raketen beschossen.

Der Angriff wurde von US-Präsident Donald Trump befohlen. Bei dem Drohnenangriff starben auch der irakische Brigadegeneral Abu Mahdi al-Muhandis, Vizekommandeur der Miliz al-Haschd asch-Schaʿbī, und Anführer der Kataib Hizbollah, und mindestens fünf weitere Menschen, darunter auch Soleimanis Schwiegersohn sowie ein ziviler Flughafenangestellter, der sich in der Nähe aufhielt.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Qasem_Soleimani

Es handelt sich um einen Mord, der gegen jegliches Völkerrecht verstößt.

Schien die Welt nach diesem Mord kurz vor einem Krieg mit den Hauptakteuren USA und Iran, hat sich die Lage mittlerweile beruhigt. Der Mord an Qasem Soleimani hat zwar nichts besser gemacht – macht allerdings für alle Welt deutlich, dass im Untergrund der Diplomatie einiges läuft, das vor Kurzem kaum jemand für möglich gehalten hätte: unter Vermittlung Russlands ein Friedens-Prozess im Mittleren Osten, vor allem zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

 

Der Kinder-Chor des WDR, also einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, singt folgendes Lied:

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motorrad, Motorrad. Das sind 1000 Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ne alte Umweltsau!

Meine Oma sagt Motorradfahren ist voll cool, echt voll cool, echt voll cool. Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma fährt im SUV beim Arzt vor, beim Arzt vor, beim Arzt vor. Sie überfährt dabei zwei Opis mit Rollator, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert, geläutert, geläutert. Stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ne Kreuzfahrt, meine Oma ist doch keine Umweltsau.

Es folgt ein Audiozitat von Greta Thunberg: „We will not let you get away with this“ (Deutsch: „Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen!“)“

https://www.merkur.de/politik/kinderchor-wdr-oma-umweltsau-lied-text-video-zr-13391381.html

Was den Machern des Liedes auch immer vorzuwerfen sein mag: es war nicht böse gemeint. War sogar ursprünglich eine gute Satire (was der Wurm noch zeigen wird) – was aber aus dem Lied des Kinder-Chors nicht unbedingt hervorgeht.

Allerdings zeigen die Reaktionen auf dieses Lied die Verworfenheit der Gegenwart.