Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

Roger Köppel von der schweizer „Weltwoche“:

 

https://www.youtube.com/watch?v=YuTDZUXIC9E

 

Bemerkenswerte Vorgänge. Eine Regierung, die vom örtlichen Parlament in Thüringen, in Erfurt, gewählt wurde mit Stimmen der AfD – es war ein FDPler, der das Amt des Ministerpräsidenten hätte übernehmen sollen -, diese Regierung wurde sozusagen par ordre du mufti aus Berlin abgesägt durch Kanzlerin Merkel, die mit einer Meldung, als sie in Südafrika neben einem anderen Staatsoberhaupt stand, hat sie aus Südafrika heraus diese Regierung zum Einsturz gebracht und das Ganze hat jetzt eine riesige Welle von Verwicklungen und Empörungen ausgelöst.

Aus meiner Sicht muss man den Vorgang folgendermaßen beurteilen: Merkel hat mit diesem Eingriff im Prinzip gleich 4 Säulen der deutschen Demokratie ausgehebelt. 1. Die Eigenständigkeit eines Bundeslandes; 2. den Parlamentarismus, also einen parlamentarischen Entscheid, damit hat sie auch sozusagen die Gewissensfreiheit der Parlamentarier beschädigt, denn Parlamentarier müssen keine Weisungen entgegen nehmen, sie sind ihrem Gewissen verpflichtet, das ist das Gleiche wie in der Schweiz; 3. hat man durch die Parlaments-Aushebelung natürlich auch den Volkswillen ausgehebelt und 4. hat Merkel selber ohne irgend ein Recht und ein Mandat gehandelt, denn die Bundeskanzlerin ist überhaupt nicht weisungsberechtigt gegenüber einem Bundesland. Sie ist auch nicht mehr Parteichefin der CDU, also ist sie auch in keiner Weise parteipolitisch befugt, hier Einfluss zu nehmen.

Sie hat aber aus Südafrika sich wie eine Parteichefin benommen und in der Folge ist jetzt auch die, ja, pro forma-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, wenn nicht gleich zurückgetreten, so hat sie jetzt doch auch ihren persönlichen Rücktritt angekündigt. Das ist die Folge dieser ganzen Aktion. Also Frau Merkel tritt faktisch als Parteichefin auf und die reale Parteichefin muss zurücktreten. Das Ganze ist natürlich ein ungeheuerlicher Vorgang: Deutschland als gelenkte Demokratie; wenn man so will unter Missachtung wirklich Bundesländer-mäßiger Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Und was mich persönlich jetzt als jemand, der auch in Deutschland gearbeitet hat, auch frappiert ist, wie unkritisch die Medien diese Vorgänge kommentieren.

Man scheint kollektiv in einem Zustand der dämonischen Gebanntheit vor dieser AfD zu stehen; die wird als Inkarnation oder Wiedergeburt des Nationalsozialismus angeschwärzt, was natürlich völliger Unsinn ist, eine Verharmlosung der Nazis. Und vor allem ist es eben eine intellektuelle Bankrott-Erklärung. Die AfD bzw. die Dämonisierung der AfD ist gleichsam die letzte raison d‘etre des regierenden Partei-Establishments. Man hat eigentlich inhaltlich keine eigenen Positionen mehr anzubieten, das Ganze ist verwässert und jetzt bleibt sozusagen nur noch diese Popanz-AfD, gegen den man sich Hände haltend als letzte Verteidigungs-Bastion der Demokratie und der Zivilisation präsentiert. Dabei allerdings höchst undemokratisch agiert. Also die Gralshüter der Demokraten wirken in Deutschland heute wie undemokratische Despoten, man kann das nicht anders formulieren. Und eben das Erstaunliche bzw. das Erschütternde ist, dass die deutschen Medien da mitmachen und diese ganze Merkel-Propaganda da nachbeten. Und vielleicht noch eine letzte Bemerkung: Hier zeigt sich schon ein sehr, sehr fragwürdiges Demokratie-Verständnis der Kanzlerin, die wirklich nicht davor zurückschreckt, in ein Bundesland, in einen parlamentarischen Entscheid, einzugreifen.“

 

https://www.youtube.com/watch?v=yDHikXcrewY

 

„… „aus der FDP ist zu hören, Merkel habe diesen Schritt mit der Drohung erzwungen, ansonsten sämtliche Landesregierungen beenden zu wollen, an denen CDU und Liberale beteiligt seien.“ Ich weiss nicht, ob das stimmt, aber die „Welt“ ist an sich nahe bei der CDU. Das wär‘ natürlich auch happig, wenn die Kanzlerin ihrem Befehl sozusagen Nachdruck verliehen hätte durch die Drohung, alle anderen Regierungen aufkündigen zu wollen mit der FDP, also ein ganz massiver Druck, der hier ausgeübt wurde. Das führt 7.) zu der Feststellung, dass man sich doch aus deutscher Sich etwas Sorgen machen muss über die verfassungsmäßigen Zuständigkeiten und eben das Demokratie-Prinzip in den Augen der Kanzlerin, die sich hier so eigenmächtig darüber hinwegsetzt und 8.), das finde ich auch bemerkenswert, dieser Übergriff der Kanzlerin wird in den deutschen Medien eigentlich unisono beklatscht. Also alle haben sich quasi um diese Merkel herum geschart; da und dort schon etwas leise Kritik an der Art und Weise des Vorgehens. Die FAZ hat sogar davon gesprochen, „man müsse doch die demokratische Form wahren“ - also nur die Form; wer so schreibt, hat sich von der Demokratie bereits verabschiedet; also hier die Merkel-Medien in erstaunlicher, gespenstischer Gleichförmigkeit auf der Seite der Regierung, die doch nachweislich hier die verbrieften Rechte eines Bundeslandes und des dortigen Parlaments einfach missachtet hat ..."

 

Der letzte Beitrag des Wurms anlässlich des 50. Todestages von Bertrand Russell endete mit „Nichtsdestotrotz: Es gibt ein Buch von Bertrand Russell, das für viele überhaupt das wichtigste von ihm ist. Seine Freunde dürfen sich darüber freuen: der nächste Beitrag des Wurms wird sich diesem Buch widmen.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/425-bertrand-russel-handeln.html

Dieses Buch heisst „Eroberung des Glücks – Neue Wege zu einer besseren Lebensgestaltung“, welches sich auf deutlich höherem Niveau befindet als die üblichen heutigen Ratgeber.

Dem Buch ist anzumerken, dass es vor 90 Jahren geschrieben wurde und dass Bertrand Russell aus der britischen Oberschicht stammt, was seiner Qualität allerdings auch nicht schadet.

Aus dem Vorwort von Bertrand Russell: „Dieses Buch nimmt keinerlei besondere Bildung des Lesers zur Voraussetzung und richtet sich auch nicht an solche, die ein praktisches Problem nur als Unterhaltungsstoff betrachten. Weder tiefschürfende Philosophie noch imponierende Gelehrsamkeit wird man darin finden. Mein einziges Bestreben war die Zusammenstellung einer Reihe von Bemerkungen, die, wie ich hoffe, vom gesunden Menschenverstand eingegeben sind. Alles, was ich .zugunsten der hier vorgelegten Rezepte zum Glück anführen kann, ist, daß sie meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung entspringen und meinem eigenen Glück stets förderlich waren, wenn ich mich an sie hielt. Aus diesem Grunde wage ich zu hoffen, daß einige von den unzähligen Menschen, die ihr Unglück über sich ergehen lassen, ohne ihm etwas Gutes abgewinnen zu können, in den folgenden Blättern eine Diagnose ihres Zustandes finden werden und zugleich einige Anregungen, wie sie ihm entrinnen können. Denn in dem Glauben, daß viele, die unglücklich sind, glücklich werden könnten, wenn sie es nur richtig anzufangen verstünden, habe ich dieses Buch geschrieben.“

 

„Russell strebte nicht nur danach, die Welt zu interpretieren, sondern auch danach, sie zu verändern. Ich denke, daß er Marx' Ermahnung zugestimmt hätte, demzufolge „die eigentliche Aufgabe“ darin besteht, die Welt zu verändern.“

Noam Chomsky, 1971

Der letzte Beitrag des Wurms anlässlich des 50. Todestages von Bertrand Russell endete mit „Denken und seine Gedanken seinen Mitmenschen mitzuteilen, ist wichtig. Nicht weniger wichtig ist das Handeln. Die Freunde Bertrand Russells dürfen sich auf den 2. Teil freuen. Denn dort geht es um sein Handeln.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/424-bertrand-russell-denken.html

Hier geht es um die Konsequenzen des Denkens, um Bertrand Russells Bemühen, Einfluss auf die Menschheit zu nehmen. Um es vorwegzunehmen: zumindest trug er mit dazu bei, das Eine oder Andere positiv zu gestalten.

 

Mit dem Tod des Dritten Earl Russell (oder Bertrand Russells, wie er sich lieber nannte) im Alter von neunzig Jahren ist ein Bindeglied mit einer sehr fernen Vergangenheit gelöst worden. Sein Großvater, Lord John Russell, Premierminister unter Königin Viktoria, besuchte Napoleon auf Elba; seine Großmutter mütterlicherseits war mit der Witwe des jungen Thronprätendenten befreundet. In seiner Jugend schuf er bedeutende Werke auf dem Gebiet der mathematischen Logik, aber seine exzentrische Haltung während des ersten Weltkrieges verriet einen Mangel an ausgeglichenem Urteil, der seine späteren Schriften in zunehmendem Maße beeinträchtigte. Vielleicht geht dies wenigstens teilweise auf die Tatsache zurück, daß er der Vorteile einer Public School-Erziehung nicht teilhaftig, sondern bis zum Alter von achtzehn Jahren von Hauslehrern unterrichtet wurde. Dann trat er in das Trinity College zu Cambridge ein, wurde 1893 in der mathematischen Abschlußprüfung Siebenter und 1895 Fellow. In den nächsten fünfzehn Jahren schrieb er die Bücher, die sein Ansehen in der gelehrten Welt begründeten: „Die Grundlagen der Geometrie“, „Die Philosophie des Leibniz“, „Die Grundsätze der Mathematik“ und (in Zusammenarbeit mit Dr. A. N. Whitehead) „Principia Mathematica“. Dieses letzte, seinerzeit bedeutende Werk verdankte zweifellos seine Vorzüge zum großen Teil Dr. (später Professor) Whitehead, einem Mann, der, wie seine folgenden Schriften zeigten, jene Einsicht und geistige Tiefe besaß, die Russell so fühlbar abging; denn Russells Beweisführung, obzwar klug und gewandt, ignorierte jene Ueberlegungen, die über die bloße Logik hinausgehen.

Dieser Mangel an geistiger Tiefe trat im ersten Weltkrieg peinlich zutage, als Russell, der zwar (um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen) nie das Belgien angetane Unrecht beschönigte, verstockt darauf bestand, daß der Krieg ein Uebel sei und es das Ziel der Staatskunst hätte sein müssen, den Krieg so bald als möglich zu beenden, Was durch die britische Neutralität und einen deutschen Sieg erreicht worden wäre. Man muß annehmen, daß seine mathematischen Studien ihn zu einer falschen quantitativen Anschauung bewogen hatten, welche die prinzipielle Frage, um die es ging, außer Acht ließ. Den ganzen Krieg hindurch bestand er auf dessen Beendigung ohne Rücksicht auf die Bedingungen. Trinity College entzog ihm sehr zu Recht seine Professur, und 1918 verbrachte er sogar einige Monate im Gefängnis.

Im Jahre 1920 stattete er Rußland, dessen Regierung ihm keinen günstigen Eindruck machte, einen kurzen Besuch ab; einen längeren machte er China, wo er an dem Rationalismus der traditionellen Zivilisation mit dem ihm immer noch anhaftenden Nachgeschmack des achtzehnten Jahrhunderts viel Gefallen fand. In den folgenden Jahren verzettelte er seine Arbeitskraft mit Schriften, in denen er für Sozialismus, Erziehungsreform und einen weniger strengen Moralkodex hinsichtlich der Ehe eintrat. Von Zeit zu Zeit jedoch kehrte er zu weniger aktuellen Themen zurück. In seinen historischen Schriften täuschen Stil und Geist den oberflächlichen Leser über den seichten, veralteten Rationalismus hinweg, zu dem er sich bis zu seinem Ende bekannte.

Am zweiten Weltkrieg nahm er keinen öffentlichen Anteil, da er knapp vor Kriegsausbruch in ein neutrales Land entkommen war. In Privatgesprächen pflegte er zu sagen, daß mordgierige Verrückte ganz recht daran täten, einander zu töten, vernünftige Leute ihnen aber dabei aus dem Wege gingen. Glücklicherweise ist diese Haltung, die an Bentham erinnert, heute selten geworden. Wir anerkennen wieder den Wert des Heldentums, der mit dem Nutzen nichts zu tun hat. Zwar liegen weite Gebiete der einstigen zivilisierten Welt in Trümmern; aber kein Rechtdenkender kann zugeben, daß jene, die in dem großen Ringen für das Recht ihr Leben gaben, umsonst gefallen sind.

Sein Leben war trotz all seiner Unberechenbarkeit von einer gewissen anachronistischen Folgerichtigkeit, ähnlich der der aristokratischen Rebellen des frühen neunzehnten Jahrhunderts. Seine Prinzipien waren seltsam; aber wie sie auch waren, er handelte danach. Im Privatleben zeigte er keine Spur der Herbheit, die seine Schriften beeinträchtigt, sondern war ein anregender Gesellschafter und es mangelte ihm nicht an menschlicher Sympathie. Er hatte viele Freunde, überlebte sie aber fast alle. Dennoch schien er denen, die ihm verblieben, im Alter voll heiterer Freude, die er zweifellos zum Teil seiner unverwüstlichen Gesundheit verdankt, denn politisch stand er in seinen letzten Jahren so allein wie Milton nach der Restauration. Er war der letzte Ueberlebende einer versunkenen Epoche.“

Seinen eigenen Nachruf schrieb Bertrand Russell im Jahr 1937. Tatsächlich starb er im Alter von 97 Jahren am 2. Februar 1970, also vor genau 50 Jahren.

Ein Grund für den Wurm, sich mit ihm näher auseinanderzusetzen.

 

Johannes Stern: „Am Sonntag findet in Berlin eine hochrangige Libyen-Konferenz statt. Unter der Schirmherrschaft der deutschen Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen die Führer der zentralen imperialistischen Mächte Europas und der USA zusammen, um über das weitere Schicksal des rohstoffreichen Landes und letztlich des gesamten Kontinents zu bestimmen. Erwartet werden neben den Präsidenten Russlands und Chinas und der wichtigsten Regionalmächte – darunter Ägypten, Algerien und die Türkei – auch die Kontrahenten im libyschen Bürgerkrieg, Premierminister Fayiz as-Sarradsch und General Chalifa Haftar, sowie Vertreter der Afrikanischen Union.“

https://www.wsws.org/de/articles/2020/01/18/pers-j18.html

Mittlerweile ist die Konferenz zu Ende und wird allgemein gelobt. Allerdings hat der Wurm große Zweifel daran, dass für Libyen selbst eine gute Zukunft bevor steht.

Ein Ziel wurde zumindest erreicht: Deutschland wird militärisch verstärkt im Ausland agieren. Angeblich für einen guten Zweck.