Mit dem Regenwurm ist es so eine Sache. Meist nimmt ihn keiner wahr und ernst nehmen tut ihn kaum jemand. Und doch: meist ist er da und oft auch wichtig. Ein eigenes Leben hat er allemal, wenn auch überwiegend unter der Erde - da wühlt und gräbt er sich durch alles durch und kommt mit allem in Kontakt, was es da so gibt im Wurzelbereich und drunterhinaus. Was dahin gerät - und das meiste kommt früher oder später mal da an - betrifft ihn und seine Freunde. Ab und zu kommt Rupert (so der Name des Regenwurms) an die Erdoberfläche, um zu sehen, was die da oben schon wieder alles treiben. Und gibt Kunde davon seinen staunenden Kumpels im Erdreich und jenen über der Erde, die sich für ihn interessieren.

Wer schon in mehreren Städten der USA war, dem wird aufgefallen sein, dass im Gegensatz zu europäischen Städten die Innenstädte teilweise verödet sind und es kaum öffentlichen Personen-Nahverkehr gibt. Es handelt sich um Auto-gerechte Städte. Zudem ist oft das Eisenbahn-Netz zwischen den Städten schlecht ausgebaut.

Das liegt nicht am „US-Gen“, sondern es handelt sich um gezielte Manipulationen der Autokonzerne und deren Umfeld.

Vor 45 Jahren erschien in den USA der Snell-Report. Er zeigt sehr deutlich auf, dass so gut wie keine Entscheidungen im Interesse des Gemeinwohls getroffen werden, sondern zugunsten jener Gruppierungen, die die beste Lobby-Arbeit betreiben. Selbst wenn das sehr zum Nachteil der Allgemeinheit geschieht.

 

„Da war ein Mann, der noch an Ideale glaubte

und tatkräftig war.

In Deutschland ist das tödlich. Denn wir haben

entweder rohe Kraft, die wir mißbrauchen,

die Gattung nennt man Patrioten – oder aber

wir haben feine Sinne und ein zart Gewissen

und richten gar nichts aus. Der aber, tatenfroh beflügelt,

hieb fest dazwischen – und daneben, freilich!

Jedoch er hieb, dass faule Späne flogen.

Welch eine Wohltat war das, zu erleben,

dass einer überhaupt den Degen zog,

ein Tapferer war und doch kein General.

 

Ein Lümmel, irgendeiner von den

Schwarz-Weiß-Roten

(der letzte Zulukaffer steht uns andern näher),

schoß ihn von hinten übern Haufen.

Kurt Eisner starb – und lebt in unser aller Herzen!

Was aber Trauer bitter macht und schmerzlicher den Schmerz,

was über einer Gruft die Fäuste ballen läßt,

ist dies:

Die Bürger nicken.

Es starb Jaurès, Karl Liebknecht, Luxemburg,

Kurt Eisner –.

Wir wissen wohl, wie jener groß war, dieser kleiner –

wer feilscht hier um Formate! Eine Reinheit

ging von den vieren aus,

die leuchtete auf ihren Stirnen und den Händen.

Und ihre Stimme sprach: Ihr sollt nicht leiden!

Vier Schüsse und vier Särge und vier Gräber.

Wir strecken unsre Arme in die Runde

und klagen: »Welt! schlägst du noch immer an die Kreuze

die, die dich lieben?«

Und die Bürger nicken.

Behaglich nicken sie, zufrieden, dass sie leben,

und froh, die Störenfriede los zu sein,

die Störenfriede ihrer Kontokasse.

Wo braust Empörung auf? Wo lodern Flammen,

die Unrat zehren, und sie heilsam brennen?

Die Bürger nicken. Schlecht verhohlne Freude.

Sie wollen Ordnung – das heißt: Unterordnung.

Sie wollen Ruhe – das heißt: Kirchhofsstille.

 

Sie wollen Brot – das karge Brot der andern.

Und satt und schleimig – fett und vollgesogen

hockt über diesem Lande eine Spinne:

gelähmtes Leid, gelähmte deutsche Seelen.

Und doch: nach allem, was bergab gegangen,

nach dem, was uns enttäuscht und auch betrogen,

nach Kompromiß und braven Leisetretern – –

wir wissen ihre Werke, dass sie weder kalt noch warm

gewesen sind. Ach, wärt ihr kalt! Ach, wärt ihr warm!

Doch sie sind lau –

Und dennoch, dennoch:

Wir glauben weiter unter grauem Himmel!

Wir warten deiner unter grauem Himmel!

Wir wissen, dass du kommst –

Du sollst nicht rächen.

Doch du sollst flammen, schüren, leuchten, brennen.

Luft! Gib uns Luft, darin wir atmen können!

Wühl unsre Seelen auf, pflüg um die Herzen

und löse uns von unserm deutschen Elend

und nimm von uns das niederste der Leiden.

Die beiden mach gesund vor allen Dingen:

gelähmtes Land und die gelähmten Schwingen!“

https://www.textlog.de/tucholsky-eisner.html

 

Das war das Gedicht „Eisner“ von Kurt Tucholsky über den ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern Kurt Eisner, der vor 100 Jahren ermordet wurde.

 

Wie sieht die Ideologie dieses Staates und seiner großen Parteien aus?

Parlamentarische Demokratie, bei der jeder Erwachsene eine gleichwertige Stimme hat.

Bei anderer Meinung ist die Mehrheits-Meinung zu respektieren.

Rechts-Sicherheit.

Soziale Gerechtigkeit.

Sowohl national als auch international.

Anti-Kommunismus.

Ein großer Redner im Parlament, zutiefst redlicher Mensch, leidenschaftlich für die Belange aller Menschen sich einsetzend, Kosmopolit und Anti-Kommunist – solch einen Menschen gibt es: Ludwig Simon, der vor 200 Jahren geboren wurde.

Wie kein zweiter verkörpert er das, was aus dem heutigen Deutschland geworden ist, hat dafür gekämpft, ist dafür ins Exil gegangen. Der Dank: kaum einer interessiert sich heute noch für ihn.

 

Das berühmte Banksy-Schredderbild wird seit Dienstag erstmals in Deutschland präsentiert. Die erste Gelegenheit nutzten in Baden-Baden viele Besucher.

Vier Wochen lang wird das Werk im Museum Frieder Burda kostenlos in Baden-Baden gezeigt. Damit wolle das Museum Banksys Ansätzen einer Demokratisierung der Kunst folgen, so Direktor Henning Schaper. Danach zieht es weiter in die Staatsgalerie Stuttgart.

Am Abend zog das Museum eine erste Bilanz: Nach Angaben einer Sprecherin habe es einen großen Besucherandrang gegeben. Man hoffe nun auf etwa 20.000 zusätzliche Besucher in den kommenden vier Wochen.

Das Kunstwerk, auf dem ein kleines Mädchen mit wehendem Rock einen roten Herzballon steigen lässt, entstand bei einer medienwirksamen Kunstauktion im Herbst vergangenen Jahres: Nach dem Verkauf für 1,2 Millionen Euro wurde es in einem im Rahmen eingebauten Schredder eingezogen und zur Hälfte zerschnitten. Der Künstler gab dem Bild eine Woche später einen neuen Namen, es heißt nun "Love is in the bin", zu deutsch, "Die Liebe ist im Eimer" ...

Bereits gegen 10 Uhr hatten sich vor dem Museum die ersten Warteschlangen gebildet. Besucher kamen aus der Region, manche sogar aus dem europäischen Ausland angereist.“

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Schredderbild-erstmals-in-Deutschland-Banksy-Kunst-im-Burda-Museum-Baden-Baden,banksy-106.html

 

 

Die Belagerung Leningrads gehört zu den größten Katastrophen des Zweiten Weltkriegs. Fast 900 Tage lang, vom 7. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, hielten die deutsche Wehrmacht im Süden und die finnische Armee im Norden die Stadt vom sowjetischen Hinterland abgeschnitten. Nur über den Ladogasee konnten Lebensmittel in den Belagerungsring gebracht werden: im Sommer per Schiff und im Winter per Lastwagen über die Eisstraße. Diese „Straße des Lebens" ermöglichte es den Leningradern, die deutsche Belagerung zu überstehen. Die Kapazität dieser Versorgungslinie reichte jedoch nicht aus, um die Bedürfnisse der drei Millionen Einwohner zu befriedigen. Die lokalen Verantwortlichen waren gezwungen, die Lebensmittelrationen immer weiter herabzusetzen. Im Dezember 1941 erreichten sie mit 125 Gramm Brot pro Tag ihren Tiefststand. Dieses „Blockadebrot" bestand in jenem Winter zu 40 % aus Ersatzstoffen: Kleie, Futterkuchen, Hülsen, Reiskörnern und Zellulose. Der Hunger nahm schreckliche Formen an. Menschen brachen mitten auf der Straße tot zusammen. In ihrer Verzweiflung aßen die Leningrader alles: Bald waren Hunde und Katzen aus dem Stadtbild verschwunden, auch sind Fälle von Kannibalismus überliefert. Die Kälte verschärfte die Situation. Der erste Kriegswinter war mit Temperaturen bis zu minus 40°C einer der strengsten im 20. Jahrhundert. So hatte auch der Mangel an Brennmaterialien fatale Auswirkungen. Das gesamte Alltagsleben kam zum Erliegen. Die Wasser- und Energieversorgung brach zusammen, seit November fuhren keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr, und Leningrad versank in Dunkelheit. Im Dezember fielen die Heizungen aus, und die Menschen versuchten, ihre Zimmer mit kleinen gußeisernen Öfen selbst zu beheizen. Sie verbrannten ihre Möbel und Bücher, da es schon bald kein Holz mehr in der Stadt gab. Die Bilanz dieser 900 Tage: rund eine Million Tote unter der Leningrader Zivilbevölkerung - das sind rund doppelt so viele Zivilisten wie in Deutschland während des gesamten Kriegs durch die alliierten Luftangriffe umgekommen sind.“

Sofern nicht anders angegeben, stammen die angeführten Zitate aus Jörg Ganzenmüllers Buch „Das belagerte Leningrad 1941 – 1944 – Die Stadt in den Strategien von Angreifern und Verteidigern, 2007“

Hier eine Dokumentation des ORF: