Vor 60 Jahren wurde das Urteil im Eichmann-Prozess gesprochen. Wenig überraschend wurde Adolf Eichmann zum Tode verurteilt.

Hannah Arendt schildert in ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ ihre Eindrücke vom Prozess, von der Person Adolf Eichmann und die Zeitumstände, die zu seinen „Taten“ führte.

So weit nicht anders angegeben, stammen die angeführten Zitate aus diesem Buch.

 

 Adolf Eichmann

 

Aus „Wikipedia“: „Während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges leitete er in Berlin das „Eichmannreferat“. Diese zentrale Dienststelle des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA, mit dem Kürzel IV B 4) organisierte die Verfolgung, Vertreibung und Deportation von Juden und war mitverantwortlich für die Ermordung von schätzungsweise sechs Millionen Menschen im weitgehend vom NS-Staat besetzten Europa.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Eichmann

 

Adolf Eichmann war eine verkrachte Existenz, die durch den Nationalsozialismus nach oben gespült wurde. Allerdings hat er keine Entscheidungen getroffen, sondern das organisatorisch umgesetzt, was ihm gesagt wurde.

Er war alles andere als ein Antisemit, handelte also nicht aus Überzeugung, sondern aus Obrigkeitshörigkeit.

Nach dem Krieg führte er ei genauso jämmerliches Leben wie zu seinen Anfängen. Erst unter falschem Namen lebend, gelang ihm die 1950 die Flucht nach Argentinien, wo er als Elektriker arbeitete.

Hannah Arendt: „Anfang 1960, einige Monate vor seiner Gefangennahme, waren Eichmann und seine älteren Söhne mit dem Bau eines primitiven Ziegelhauses ohne Elektrizität und ohne fließendes Wasser in einem ärmlichen Vorort von Buenos Aires fertig geworden, in dem sich die Familie jetzt niederließ. Es muß ihnen sehr schlecht gegangen sein, ein trübseliges Leben, für das Eichmann auch von seinen Kindern nicht entschädigt wurde, denn sie waren „an geistiger Fortbildung und an Weiterbildung ihrer – ihrer, sagen wir mal. Fähigkeiten so absolut desinteressiert“.

Eichmanns einzige Abwechslung bestand in endlosen Unterhaltungen mit Mitgliedern der großen Nazikolonie, denen er seine Identität bereitwillig zu erkennen gab.“

Durch seine Gefangennahme, das Verfahren, ja sogar der Hinrichtung, kam er auf die Weltbühne, wurde ihm eine Bedeutung zugemessen, die er gar nicht hatte. Aus dem Jammertal auf die große Weltbühne.

Der Fall ist nicht zu vergleichen, aber dennoch ähnlich dem, wie Menschen selbst brutalste Qualen zu erleiden bereit sind, damit ihr Name der Nachwelt erhalten bleibt. Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Unsterbliche Berühmtheit wie beim Hirten Herostratos, der im Jahre 356 vor unserer Zeitrechnung den Tempel der Artemis in Ephesos in Brand setzte und ihn zerstörte. Motiv: unsterblicher Ruhm – sein Name und seine Person sollten ewig bekannt bleiben.

„Sein Name wurde zum Synonym für einen Menschen, der aus Geltungssucht Kulturgüter zerstört oder andere irrationale Taten begeht. Als Herostrat wird dementsprechend ein Mensch bezeichnet, der Untaten begeht, allein um berühmt zu werden.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Herostratos

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/152-leaving-on-a-jet-plane.html

 

Dynamische Entwicklung

 

„Zwar hatte die Naziregierung bereits unmittelbar nach der Machtübernahme im Frühjahr 1933 damit begonnen, Juden vom Staatsdienst auszuschließen (dazu gehörten bekanntlich alle Unterrichtsstätten von der Volksschule bis zur Universität und die meisten Institutionen für Unterhaltung und Kulturmuseen, Theater, Oper, Konzert, Film und Rundfunk) und sie überhaupt aus allen öffentlichen Stellungen zu entfernen. Aber eine Reihe privater Wirtschaftsunternehmungen funktionierte weiter, und obwohl Juden nicht länger zum Universitätsstudium und den Staatsexamina zugelassen wurden, konnten sie gewisse freie Berufe bis 1938 mit Einschränkungen weiter ausüben. Auch die jüdische Auswanderung ging in diesen Jahren ohne Überstürzung und in ziemlich geordneter Weise vor sich, und die Devisenbestimmungen, die es den Juden schwierig, jedoch nicht unmöglich machten, ihr Geld, oder doch den größeren Teil davon, mitzunehmen, galten auch für Nichtjuden; sie datierten aus der Zeit der Weimarer Republik. Zwar kamen zahlreiche Einzelaktionen vor, in denen auf die Juden Druck ausgeübt wurde, ihr Eigentum zu oft lächerlich niedrigen Preisen zu verkaufen, aber sie ereigneten sich gewöhnlich in kleinen Städten und waren tatsächlich zumeist der spontanen, »individuellen« Initiative einzelner, vor allem den geschäftstüchtigeren Mitgliedern der SA, geschuldet, die sich – abgesehen vom Führerkorps – überwiegend aus den unteren sozialen Schichten rekrutierte. Zwar schritt die Polizei gegen solche »Exzesse« niemals ein, und die jüdische Bevölkerung in Deutschland war vom ersten Tag an dem Mob hilflos ausgeliefert, aber die Nazibehörden waren andererseits auch nicht sehr glücklich über Aktionen, die den Wert aller Immobilien im Lande beeinträchtigten. Bis auf die politischen Flüchtlinge waren die Emigranten damals noch meist jüngere Menschen, denen klar war, daß sie in Deutschland keine Zukunft hatten. Und da sie bald herausfanden, daß ihre Zukunft auch in anderen europäischen Ländern nicht viel besser aussah, kehrten einige von ihnen in dieser Periode sogar nach Deutschland zurück. Als Eichmann gefragt wurde, wie er es fertiggebracht hätte, seine persönlichen Gefühle gegenüber den Juden mit dem offenen, gewalttätigen Antisemitismus der Partei in Einklang zu bringen, antwortete er mit dem Sprichwort: »Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird« – und an dieses Sprichwort hielten sich auch viele Juden. Sie lebten in einem Narrenparadies, in dem alle Welt, sogar Streicher, ein paar Jahre lang von einer »legalen Lösung« der Judenfrage sprach. Erst mußten in der »Kristallnacht«, den organisierten Pogromen vom November 1938, 7500 jüdische Schaufensterscheiben zerbrochen, alle Synagogen in Brand gesetzt und 20 000 jüdische Männer in Konzentrationslager gebracht werden, um Juden wie Nichtjuden von dem Legalitätswahn zu heilen. Denn – und das wird heute oft vergessen oder übersehen – die berüchtigten Nürnberger Gesetze vom Herbst 1935 hatten gerade das nicht geschafft, sondern eher das Gegenteil bewirkt.

In Jerusalem gaben die Zeugenaussagen von drei prominenten ehemaligen Vertretern der zionistischen Organisation, die Deutschland kurz vor Kriegsausbruch verlassen hatten, nicht mehr als einen flüchtigen Einblick in die tatsächliche Situation während der ersten fünf Jahre des Naziregimes. Die Nürnberger Gesetze hatten die Juden ihrer politischen, aber nicht ihrer bürgerlichen Rechte beraubt; sie waren nicht mehr Reichsbürger, doch sie blieben deutsche Staatsangehörige. Selbst wenn sie auswanderten, wurden sie nicht automatisch staatenlos. Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Deutschen und Mischehen neu zu schließen war strafbar: auch durfte keine deutsche Frau unter 45 in einem jüdischen Haushalt beschäftigt werden. Praktische Bedeutung besaß nur die letzte dieser Vorschriften; die anderen legalisierten nur eine Situation, die de facto längst existierte. Daher entstand der Eindruck, daß die Nürnberger Gesetze die neue Situation der Juden in Deutschen Reich stabilisierten. Sie waren seit dem 30. Januar 1933, gelinde gesagt, Bürger zweiter Klasse; ihre fast vollkommene Isolierung von der übrigen Bevölkerung war eine Angelegenheit von Wochen, noch nicht einmal von Monaten gewesen – eine Folge des Terrors, aber auch der außergewöhnlichen Bereitschaft ihrer Mitbürger, sie im Stich zu lassen. »Es gab eine Wand zwischen Nichtjuden und Juden«, sagte der Zeuge Dr. Benno Cohn aus Berlin. »Ich kann mich nicht erinnern, daß ich während all meiner Reisen durch Deutschland mit einem Christen gesprochen hätte.« Die Juden glaubten, nun hätten sie eigene Gesetze erhalten und seien nicht länger vogelfrei. Wenn sie für sich blieben, wozu sie ohnehin gezwungen waren, dann würden sie unbelästigt leben können. Die »Reichsvertretung der Juden in Deutschland« (eine Dachorganisation aller Gemeinden und Organisationen, die im September 1933 auf Initiative der Berliner Gemeinde gegründet und keineswegs von den Nazis ernannt worden war) vertrat die Meinung, die Nürnberger Gesetze beabsichtigten, »eine Ebene zu schaffen, auf der ein erträgliches Verhältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volk möglich ist«, und ein Mitglied der Berliner Gemeinde, ein radikaler Zionist, fügte hinzu: »Man kann unter jedem Gesetz leben. Nicht leben kann man aber in völliger Unkenntnis dessen, was erlaubt ist und was nicht. Auch als Mitglied einer Minderheit innerhalb eines großen Volkes kann man ein nützlicher und geachteter Bürger sein« (Hans Lamm, »Über die Entwicklung des deutschen Judentums«, 1951). Da Hitler 1934 anläßlich der Röhm-Affäre die Macht der SA gebrochen hatte, die fast allein für die frühen Pogrome und Grausamkeiten verantwortlich gewesen war, und die Juden von dem Machtzuwachs der SS, die sich für gewöhnlich der von Eichmann so verachteten »Stürmermethoden« enthielt, kaum etwas wußten, glaubten sie allgemein, ein Modus vivendi werde möglich sein; jedenfalls boten sie an, an der »Lösung der Judenfrage« mitzuarbeiten. Als Eichmann seine Lehrzeit in »Judenangelegenheiten« antrat, für die er nach vier Jahren der anerkannte »Fachmann« war, und seine ersten Kontakte mit jüdischen Funktionären aufnahm, redeten sowohl Zionisten wie Assimilanten von »jüdischer Wiedergeburt«, von einer »großen Aufbaubewegung des deutschen Judentums«, wobei sie das Für und Wider jüdischer Auswanderung erbittert diskutierten, als sei dies noch eine innerjüdische Frage, deren Entscheidung von ihnen abhing.“

 

„Längst ehe all dies geschah, erhielt Eichmann die erste Gelegenheit, seine neuen Weisheiten zu betätigen. Nach dem Anschluß, im März 1938, wurde er nach Wien geschickt, um eine Art von Auswanderung zu organisieren, die in Deutschland noch unbekannt war, wo jedenfalls his zum Herbst 1938 die Fiktion aufrechterhalten wurde, daß die Juden freiwillig das Land verließen – falls es ihnen in Deutschland nicht mehr gefiel, konnten sie gehen. Auch die deutschen Juden glaubten an diese Fiktion, nicht zuletzt deswegen, weil sie im Parteiprogramm der NSDAP, das mit der Weimarer Verfassung das merkwürdige Schicksal teilte, niemals offiziell außer Kraft gesetzt zu werden, verankert schien; Hitler hatte die berühmten 25 Punkte ausdrücklich für »unabänderlich« erklärt. Im Licht späterer Ereignisse sind die antisemitischen Pläne dieses Programms in der Tat harmlos: Juden können nicht vollgültige Bürger und daher auch keine Beamten sein, sie müssen aus der Presse verschwinden, und diejenigen, die nach dem 2. August 1914 die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hatten, sollen ausgebürgert werden. Was natürlich hieß, daß sie ausgewiesen werden konnten. (Es ist charakteristisch für die Nazimethoden, daß die Ausbürgerung sofort erfolgte, aber die summarische Ausweisung von etwa 17 000 Juden, die von einem Tag auf den anderen bei Neu-Benschen über die polnische Grenze getrieben wurden, erst fünf Jahre später stattfand, als niemand mehr damit rechnete.) Das Parteiprogramm wurde von den Naziführern niemals ernst genommen; es war ihr Stolz, einer Bewegung –im Unterschied zu einer Partei – anzugehören, und eine Bewegung konnte nicht an ein Programm gebunden sein. Schon vor der Machtergreifung waren die 25 Punkte lediglich eine Konzession an das Parteiensystem gewesen und an Wähler, die so altmodisch waren, sich zu erkundigen, was für ein Programm die Partei besaß, der sie beitreten würden.“

 

Protektorat

 

„Damals, als im September 1939 die deutsche Wehrmacht noch mit der Besetzung Polens beschäftigt war, begannen Eichmann und Dr. Stahlecker »privat« darüber nachzudenken, wie der Sicherheitsdienst im Osten den ihm gebührenden Einfluß bekommen könnte. Zu diesem Zweck gedachten sie ein »möglichst großes Territorium in Polen abzuzweigen und dieses Territorium zu einem autonomen Judenstaat [zu] erklären, zu einem Protektorat … Uns schwebte vor, das wäre die Lösung überhaupt«.

Und prompt begaben sie sich, ohne irgendwelche Befehle, ans Auskundschaften. Sie fuhren ins Gebiet von Radom am San, unweit der russischen Demarkationslinie: »Wir kamen dort hin, sahen eben ein riesiges Gebiet, den San, also Fluß, Dörfer, Märkte, kleine Städtchen – und wir sagten uns, das sei das Gegebene und dann sagten wir uns, warum soll man nicht einmal Polen umsiedeln, wo ja sowieso so viel umgesiedelt wird.«

Hier hatten sie für die Juden, was sie brauchten: »festen Grund und Boden unter ihre Füße« – zumindest eine akzeptable provisorische Lösung.

Zunächst schien alles glattzugehen. Sie gingen zu Heydrich, und Heydrich war einverstanden und sagte, sie sollten so weitermachen. Zufälligerweise – allerdings hatte Eichmann das in Jerusalem vollkommen vergessen – paßte nämlich ihr Plan vortrefflich zu Heydrichs damaligem Generalrezept für die »Lösung der Judenfrage«. Am 21. September 1939 hatte er eine Konferenz aller Amtsleiter des RSHA und der Kommandeure der Einsatzgruppen (die damals schon in Polen operierten) einberufen, auf der allgemeine Richtlinien für die unmittelbare Zukunft ausgegeben wurden: Konzentration der Juden in Gettos, Einsetzung von Judenräten und Deportation aller Juden ins Generalgouvernement. Eichmann war bei dieser Konferenz über die Einrichtung einer Reichszentrale für jüdische Auswanderung dabei gewesen, das wurde im Prozeß durch das Konferenzprotokoll bewiesen, das vom Büro 06 der israelischen Polizei in den National Archives in Washington entdeckt worden war. Also lief die Initiative Eichmanns – oder auch Stahleckers – lediglich auf eine Konkretisierung von Heydrichs Anweisungen hinaus. Und nun wurden Tausende von Menschen, vor allem aus Österreich, Hals über Kopf in diese gottverlassene Gegend deportiert, wo, wie ihnen ein SS-Offizier, Erich Rajakowitsch, der später die holländische Judendeportation leitete, erläuterte, daß »der Führer den Juden eine neue Heimat zugesagt [hat]. Es gibt keine Wohnungen und es gibt keine Häuser. Wenn ihr bauen werdet, werdet ihr ein Dach über dem Kopf haben. Die Brunnen in der ganzen Umgebung sind verseucht; es gibt Cholera, Ruhr und Typhus. Wenn ihr bohren werdet und Wasser findet, werdet ihr Wasser haben«.

Man sieht, alles »war gerade im schönsten Anlaufen«, wenn auch die SS einige der Juden aus diesem Paradies vertrieb und über die russische Grenze jagte und andere gescheit genug waren, aus eigenem Antrieb zu fliehen. Dann jedoch, beklagte sich Eichmann, »begann das große Quertreiben seitens Frank«, den zu informieren sie versäumt hatten, obwohl dies doch »sein« Territorium war:

»Frank lief sofort in Berlin Sturm. Es begann nunmehr ein gewaltiges Tauziehen. Frank wollte seine Judenfrage selbst lösen. Frank verwahrte sich dagegen, Juden in seinen Generalgouvernementsbereich zu bekommen. Diejenigen, die schon da waren, mußten sofort wieder verschwinden.«

Und sie verschwanden auch; einige wurden sogar in ihre Heimatorte zurückgeschickt – das war noch nie dagewesen und sollte auch nie wieder geschehen. In Wien vermerkte man in den Polizeiakten der zurückgekehrten Juden, sie seien »von der Umschulung zurückgekehrt« – ein merkwürdiger Rückfall in das Vokabular jener Zeit, in der die Bewegung den Zionismus begünstigt hatte.

Eichmanns Begierde, ein Stück Territorium für »seine« Juden zu beschaffen, läßt sich am besten im Rahmen seiner Karriere verstehen. Der Nisko-Plan wurde »geboren«, als es mit ihm rasch voranging, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß er damals davon träumte, es selbst bis zum »Generalgouverneur« oder zum »Protektor« eines »Judenstaats« zu bringen, nach den Vorbildern, die Hans Frank in Polen und Heydrich in der Tschechoslowakei boten. Das absolute Fiasko des ganzen Unternehmens muß ihn jedoch eines Besseren belehrt haben. Mit »privater« Initiative war es jedenfalls nicht zu schaffen. Und weil er und Stahlecker ja immerhin im Rahmen von Heydrichs Direktiven und mit dessen ausdrücklicher Billigung gehandelt hatten, muß ihn dieser einzigartige Rücktransport von Juden – unleugbar eine Schlappe für Polizei und SS, wenngleich eine vorübergehende – noch etwas anderes gelehrt haben, nämlich, daß die stetig wachsende Macht seiner eigenen Dienststelle keineswegs auf Allmacht hinauslief, daß die Ministerien und die anderen Parteigliederungen durchaus beabsichtigten, ihre eigene schrumpfende Macht mit allen Mitteln zu verteidigen.

Eichmanns zweiter Versuch, »festen Grund und Boden unter die Füße der Juden zu bekommen«, war das Madagaskar-Projekt. Der Plan, vier Millionen Juden aus Europa nach der französischen Insel vor der südöstlichen Küste Afrikas zu evakuieren – einer Insel mit einer eingeborenen Bevölkerung von 4 370 000 Menschen und einer Ausdehnung von 589.900 qkm kargen Bodens –, war im Auswärtigen Amt entstanden und dann ans RSHA weitergeleitet worden; denn nach Ansicht von Dr. Martin Luther, der in der Wilhelmstraße alle Judenfragen bearbeitete, war das RSHA »die Dienststelle, die erfahrungsmäßig und technisch allein in der Lage ist, eine Judenevakuierung im Großen durchzuführen und die Überwachung der Evakuierten zu gewährleisten«. Der »Judenstaat« sollte dann einem unter der Jurisdiktion Himmlers stehenden Polizeigouverneur unterstellt werden …

Daß außer Eichmann und vielleicht noch ein paar ähnlich verbarrikadierten Gehirnen irgendwer die ganze Sache je ernst genommen hat, ist sehr unwahrscheinlich, denn dieser Plan hätte – abgesehen davon, daß das Gebiet für Kolonisation bekanntlich ungeeignet war und daß es sich schließlich um französischen Besitz handelte – mitten im Krieg Schiffsraum für vier Millionen Menschen erfordert, und zwar zu einer Zeit, da die britische Flotte den Atlantik beherrschte. Der Madagaskar-Plan sollte von vornherein als Deckmantel dienen, unter dem die Vorbereitungen für die physische Vernichtung des westeuropäischen Judentums vorangetrieben werden konnten (die Ausrottung der polnischen Juden war ohnehin beschlossene Sache, für die es keines Deckmantels bedurfte); sein großer Vorteil bestand darin, daß er die unzähligen gelernten und ungelernten Judenexperten der NSDAP, die bei allem ideologischen Eifer immer einen Schritt hinter dem Führer zurückblieben, zunächst einmal an die Vorstellung gewöhnte, daß Sondergesetze, »Dissimilation« und sogar Gettos nur halbe Maßnahmen waren, daß also einzig die vollständige Evakuierung der Juden aus Europa in Frage kam. Als das Madagaskar-Projekt ein Jahr später für »überholt« erklärt wurde, war jedermann psychologisch oder vielmehr logisch auf den nächsten Schritt vorbereitet: da kein Territorium vorhanden war, wohin man »evakuieren« konnte, blieb als einzige »Lösung« die Vernichtung.

 

Wannsee-Konferenz

 

„Nach seiner eigenen Darstellung der Dinge kam der Wendepunkt nicht vier Wochen, sondern vier Monate nach seinem »Entschluß«, den ersten Judentransport ins Getto anstatt zu den Einsatzgruppen zu schicken, nämlich im Januar 1942 auf der von den Nazis als »Staatssekretärkonferenz« bezeichneten und heute meist WannseeKonferenz genannten Geheimsitzung – Heydrich hatte die Teilnehmer in ein Haus eingeladen, das in eben jenem Vorort von Berlin lag. Der amtliche Name der Konferenz weist bereits darauf hin, weshalb das Treffen notwendig geworden war: wenn die »Endlösung« in ganz Europa verwirklicht werden sollte, dann genügte es nicht, daß sie bei den staatlichen Behörden des Reichs auf schweigendes Einverständnis traf; dieses Programm war auf aktive Mitarbeit aller Ministerien und des ganzen Beamtenapparats angewiesen. Die Minister des Deutschen Reichs waren neun Jahre nach Hitlers Machtergreifung sämtlich alteingeschriebene Parteimitglieder – die in den Anfangsstadien des Regimes ziemlich mühelos Gleichgeschalteten hatte man inzwischen durch Nazis ersetzt. Dennoch genossen nur wenige von ihnen Ansehen; sie galten entweder als nicht absolut zuverlässig, weil sie ihre Karriere nicht wie Heydrich oder Himmler einzig der Partei verdankten, oder sie waren, wenn dies nicht zutraf wie etwa im Falle von Joachim von Ribbentrop – einstigem Sektvertreter und derzeitigem Chef des Auswärtigen Amtes –, einfach Nullen. Ganz anders lag die Sache jedoch bei den hohen Beamten, die direkt den Ministern unterstanden, denn diese Männer, in jeder Staatsform das Rückgrat der Verwaltung, konnten nicht leicht ersetzt werden; Hitler hatte sie toleriert, wie Adenauer nach ihm sie tolerieren sollte, soweit sie nicht rettungslos kompromittiert waren. Diese Männer nun stellten die Führung des Dritten Reiches vor ein akutes Problem, denn die Staatssekretäre und die juristischen und sonstigen Fachleute in den verschiedenen Ministerien waren häufig nicht einmal Parteigenossen, und Heydrichs Bedenken, ob er sie zu aktiver Mitarbeit an den Massenmorden würde veranlassen können, waren durchaus verständlich. Heydrich rechnete, Eichmann zufolge, mit den »größten Schwierigkeiten«. Ein großer Irrtum, wie sich zeigen sollte.

Das Ziel der Wannsee-Konferenz war, alle Maßnahmen zur Durchführung der »Endlösung« zu koordinieren. Zunächst drehte sich die Erörterung um »komplizierte juristische Fragen« wie die Behandlung von Halb- und Vierteljuden: sollten sie getötet oder bloß sterilisiert werden? Danach folgte eine offenherzige Diskussion über die »verschiedenen Arten der Lösungsmöglichkeiten«, auf deutsch, über verschiedene Tötungsmethoden, und auch hierbei herrschte nicht allein »eine freudige Zustimmung allseits«, sondern, wie Eichmann sich deutlich erinnerte, darüber hinaus etwas gänzlich Unerwartetes, ich möchte sagen, sie Übertreffendes und Überbietendes im Hinblick auf die Forderung zur ›Endlösung‹«. Den außerordentlichen Enthusiasmus teilte vor allem Dr. Wilhelm Stuckart, Staatssekretär im Ministerium des Innern, der dafür bekannt war, daß er sich gegenüber »radikalen« Parteimaßnahmen sehr zurückhaltend und zögernd verhielt, weil er eben, jedenfalls nach der Aussage von Dr. Hans Globke vor dem Nürnberger Tribunal, ein aufrechter Verfechter von Recht und Gesetz war. Es gab allerdings gewisse Schwierigkeiten. Den Staatssekretär Josef Bühler, damals der zweithöchste Mann im Generalgouvernement, erschreckte die Aussicht, daß Juden vom Westen nach dem Osten evakuiert würden, weil das zusätzliche Juden für die polnischen Gebiete bedeutete, und er schlug vor, diese Evakuierungen hinauszuschieben – es wäre besser, »wenn mit der ›Endlösung‹ dieser Frage im Generalgouvernement begonnen würde, weil hier das … Transportproblem keine übergeordnete Rolle spielt«. Die Herren aus der Wilhelmstraße erschienen mit einem eigenen, sorgfältig ausgearbeiteten Memorandum über »Wünsche und Ideen des Auswärtigen Amtes zur vorgeschlagenen Gesamtlösung der Judenfrage in Europa«, das nicht viel Beachtung fand. Die Hauptsache war, wie Eichmann ganz richtig feststellte, daß die Staatsbeamten der verschiedenen Ressorts nicht nur ihre Meinung äußerten, sondern selbst konkrete Vorschläge machten. Die Sitzung dauerte nicht länger als ein bis anderthalb Stunden, danach wurden Getränke serviert, und man aß gemeinsam zu Mittag – »ein gemütliches Zusammensein«, bei dem sich engere persönliche Kontakte anbahnen sollten.

Dieses Treffen war ein sehr wichtiges Ereignis für Eichmann, der noch nie auf einer Gesellschaft gewesen war, »wo derart hohe Persönlichkeiten daran teilnahmen«. Dienstlich wie gesellschaftlich stand er weit unter allen anderen Anwesenden; er hatte die Einladungen verschickt und einige (mit unglaublichen Fehlern gespickte) statistische Angaben für Heydrichs Einleitungsreferat zusammengestellt – elf Millionen Juden waren zu töten, ein Unternehmen von ziemlichen Ausmaßen also –, und später sollte er dann das Protokoll vorbereiten; kurz, er amtierte als Sekretär der Konferenz. Deshalb durfte er auch, nachdem die Würdenträger des Staates gegangen waren, noch mit seinen Vorgesetzten zusammenbleiben:

»Ich weiß noch, daß im Anschluß an diese ›Wannsee-Konferenz‹ Heydrich, Müller und meine Wenigkeit an einem Kamin gemütlich saßen …, nicht um zu fachsimpeln, sondern uns nach den langen, anstrengenden Stunden der Ruhe hinzugeben«; und noch im Gefängnis erinnerte sich Eichmann an die allgemeine Zufriedenheit, besonders an Heydrichs gute Laune:

»Ich weiß noch … daß ich Heydrich da zum erstenmal habe rauchen sehen …, und ich dachte noch, heute raucht Heydrich, was ich sonst nie sah. Er trinkt Kognak, das ich jahrelang nicht gesehen habe, daß Heydrich irgendein alkoholisches Getränk trank.«

Noch aus einem anderen Grund war der Tag dieser Konferenz für Eichmann unvergeßlich. Zwar hatte er ohnehin alles getan, um die »Endlösung« auf den Weg zu bringen, gewisse Zweifel »an so einer Gewaltlösung« hatten aber immer noch an ihm genagt, nun jedoch waren diese Zweifel zerstreut. »Hier auf der Wannsee-Konferenz sprachen nun die Prominenten des damaligen Reiches, es befahlen die Päpste.« Jetzt sah er mit eigenen Augen und hörte mit eigenen Ohren, daß nicht nur Hitler, nicht nur Heydrich und die »Sphinx« Müller, nicht allein die SS und die Partei, sondern daß die Elite des guten alten Staatsbeamtentums sich mit allen anderen und untereinander um den Vorzug stritt, bei dieser »gewaltsamen« Angelegenheit in der vordersten Linie zu stehen. »In dem Augenblick hatte ich eine Art Pilatusscher Zufriedenheit in mir verspürt, denn ich fühlte mich bar jeder Schuld.« Wer war er, um sich ein Urteil anzumaßen? Von solcher »Arroganz« war er ganz frei. »Was soll ich als kleiner Mann mir Gedanken darüber machen?«“

 

Dem Ende hin

 

„Denn längst ehe der Schrecken des Krieges das Deutsche Reich selber traf, war die Vernichtungsmaschinerie geplant und in all ihren Details perfekt ausgearbeitet worden, und ihre komplizierte Bürokratie funktionierte mit der gleichen unbeirrbaren Präzision in dem Siegestaumel der ersten Jahre wie in den letzten Jahren des »Todeswirbels« und der Niederlagen. Sabotage oder Desertionen aus den Reihen der herrschenden Elite und vornehmlich bei den höheren SS-Führern kamen gerade zu Beginn der Aktion, als die Leute noch ein Gewissen haben mochten, kaum vor; solche Erscheinungen machten sich erst bemerkbar, als offensichtlich geworden war, daß Deutschland den Krieg verlieren würde. Auch dann waren sie niemals umfangreich genug, die ganze Maschinerie aus dem Takt zu bringen; sie waren Aktionen einzelner, die nicht aus Erbarmen handelten, sondern korrumpiert waren, die nicht von ihrem Gewissen getrieben wurden, sondern von dem Wunsch, sich für die bevorstehenden dunklen Zeiten mit Geld und guten Beziehungen einzudecken. Himmlers Befehl vom Herbst 1944, die Vernichtungen zu stoppen und die Anlagen in den Todeslagern zu beseitigen, entsprang seiner absurden, doch ernstgemeinten Überzeugung, die Alliierten würden diese entgegenkommende Geste zu würdigen wissen. Vor einem sehr ungläubigen Eichmann malte Himmler sich aus, wie er auf dieser Basis einen »Hubertusburger Frieden« aushandeln könnte, in dem er, wie weiland Friedrich II. nach dem Siebenjährigen Krieg Schlesien für Preußen, die wichtigsten Eroberungen des Krieges für das Reich würde retten können.

So wie Eichmann die Dinge darstellte, hat kein Faktor so wirksam zur Beruhigung seines Gewissens beigetragen wie die schlichte Tatsache, daß er weit und breit niemanden, absolut niemanden entdecken konnte, der wirklich gegen die »Endlösung« gewesen wäre. Mit einer einzigen Ausnahme, die er mehrfach erwähnte und die einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht haben muß: nämlich Dr. Kastner, dem er in Ungarn begegnete. Mit ihm hatte Eichmann über Himmlers Angebot verhandelt, eine Million Juden im Austausch gegen 10 000 Lastwagen freizulassen. Kastner, durch die neue Entwicklung offensichtlich kühn geworden, bat Eichmann: »Stoppen Sie die Todesmühlen in Auschwitz!« Eichmann antwortete, er würde das »herzlich gern« tun, doch läge das leider außerhalb seiner Kompetenz und auch außerhalb der Kompetenz seiner Vorgesetzten – was ja auch stimmte.“

„Als das Austauschprojekt mit dem voraussehbaren Fehlschlag geendet hatte, war mittlerweile überall bekannt, daß Himmler trotz seines ewigen Schwankens, das hauptsächlich von seiner berechtigten physischen Angst vor Hitler herrührte, den Abbruch der ganzen »Endlösung« beschlossen hatte – ohne Rücksicht auf Geschäfte, ohne Rücksicht auf militärische Notwendigkeiten und ohne daß irgend etwas dabei herauskommen konnte außer den bekannten Illusionen, die er sich über seine künftige Rolle als Friedensbringer für Deutschland zusammengeleimt hatte. Erst damals bildete sich so etwas wie ein »gemäßigter Flügel« in der SS, der teils aus Leuten bestand, die so dumm waren zu glauben, daß ein Mörder nur nachzuweisen brauche, er habe nicht so viele Menschen getötet, wie er hätte töten können, um ein prachtvolles Alibi zu besitzen, teils aus den Schlauen, die eine Rückkehr zu »normalen Verhältnissen« voraussahen, in denen Geld und gute Beziehungen wieder an oberster Stelle rangieren würden.

Eichmann hat sich diesem »gemäßigten Flügel« nie angeschlossen, und es ist auch fraglich, ob er zugelassen worden wäre, wenn er es versucht hätte. Nicht allein war er viel zu kompromittiert und außerdem wegen seines ständigen Kontakts mit jüdischen Funktionären viel zu bekannt, er war auch zu primitiv für diese wohlerzogenen »Herren« aus gutbürgerlichen Kreisen, gegen die er bis zum Schluß das heftigste Ressentiment nährte. Durchaus imstande, Millionen von Menschen in den Tod zu schicken, war er unfähig, in dem angebrachten Stil darüber zu reden, wenn er sich nicht an eine »Sprachregelung« halten konnte. In Jerusalem, wo es keine solchen Regeln gab, sprach er frei weg vom »Töten« und vom »Mord«, er sprach von »durch den Staat legalisierten Verbrechen«; er nahm kein Blatt vor den Mund, im Gegensatz zu seinen Verteidigern, deren gesellschaftliches Überlegenheitsgefühl gegenüber Eichmann mehr als einmal offenkundig wurde. (Der Assistent von Dr. Servatius, Dr. Dieter Wechtenbruch – ein Schüler von Carl Schmitt, der während der ersten Prozeßwochen in Jerusalem war, dann nach Deutschland geschickt wurde, um Entlastungszeugen zu vernehmen, und schließlich im August für die letzte Prozeßwoche zurückkehrte –, stand außerhalb des Gerichtssaals Reportern leicht zur Verfügung; Eichmanns Verbrechen schienen ihn weniger zu schockieren als sein Mangel an Geschmack und Bildung: »Wir müssen sehen, wie wir das Würstchen über die Runden bringen.« Servatius selbst hatte bereits vor dem Prozeß die Persönlichkeit seines Klienten mit der eines gewöhnlichen Briefträgers verglichen.)

Als Himmler »gemäßigt« wurde, sabotierte Eichmann seine Befehle, soweit er es wagen konnte, jedenfalls in dem Maße, in dem er sich von seinen unmittelbaren Vorgesetzten noch »gedeckt« fühlte. »Wieso wagt es Eichmann, Himmlers Befehle zu sabotieren?« – es handelte sich um die Anordnung, die Fußmärsche vom Herbst 1944 abzubrechen – hat Kastner Wisliceny einmal gefragt. Und die Antwort hieß: »Er wird schon irgendein Telegramm aufweisen. Müller und Kaltenbrunner werden ihn dabei decken.« Es ist sehr wohl möglich, daß Eichmann irgendeinen konfusen Plan für die Liquidierung von Theresienstadt vor dem Einrücken der Roten Armee hatte, obgleich wir dies nur durch die zweifelhafte Aussage von Wisliceny wissen (der bereits Monate, wenn nicht Jahre vor dem Ende damit begonnen hatte, sich auf Kosten Eichmanns sorgfältig ein Alibi aufzubauen, das er dann dem Nürnberger Gericht auftischte, wo er als Belastungszeuge vernommen wurde; es half ihm nichts, denn er wurde an die Tschechoslowakei ausgeliefert, dort angeklagt und verurteilt und in Prag, wo er keine Beziehungen hatte und wo Geld ihm nichts nützte, hingerichtet). Andere Zeugen behaupteten, daß Rolf Günther, einer von Eichmanns Leuten, Urheber dieses Plans gewesen sei und daß ganz im Gegenteil ein schriftlicher Befehl von Eichmann existierte, das Getto intakt zu lassen. Auf jeden Fall steht aber fest, daß Eichmann noch im April 1945, als praktisch jedermann ziemlich »gemäßigt« geworden war, einen Besuch von M. Paul Dunand vom Schweizerischen Roten Kreuz zum Anlaß nahm, kundzutun, er selbst billige Himmlers neue Richtlinien in bezug auf die Juden nicht.“

 

Rest-Europa

 

Évian

 

„Hunderttausende von Juden hatten innerhalb weniger Jahre ihre Heimat verlassen, und Millionen standen auf einer unsichtbaren Warteliste. Denn die Regierungen von Polen und Rumänien hatten in wiederholten offiziellen Verlautbarungen keinen Zweifel daran gelassen, daß auch sie ihre Juden los zu sein wünschten. Sie konnten nicht begreifen, warum sich die Welt darüber aufregte, wenn sie es »einer großen Kulturnation« gleichtun wollten. (Wie groß dieses Arsenal potentieller Flüchtlinge war, hatte sich auf der Evian-Konferenz gezeigt, die im Sommer 1938 einberufen worden war, um das Problem des deutschen Judentums in internationaler Zusammenarbeit zu lösen. Die Konferenz war ein eklatanter Fehlschlag und wirkte sich für die deutschen Juden verhängnisvoll aus.) Die Zufluchtsmöglichkeiten innerhalb Europas waren ohnehin längst erschöpft, aber jetzt hatten sich auch die Kanäle für die Auswanderung nach Übersee verstopft, so daß Eichmann, selbst wenn der Krieg sein Programm nicht über den Haufen geworfen hätte, wohl kaum imstande gewesen wäre, das »Wiener Wunder« in Prag zu wiederholen.“

Aus „Wikipedia“: „Auf der Konferenz von Évian, die vom 6. bis 15. Juli 1938 auf Initiative des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt zusammenkam, berieten die Vertreter von 32 Staaten und 24 Hilfsorganisationen über das Problem der rapide ansteigenden Flüchtlingszahlen von Juden aus Deutschland und Österreich.

Da die Schweiz befürchtete, ein Treffen am Sitz des Völkerbunds in Genf könne ihr Verhältnis zum nationalsozialistischen Deutschland belasten, trafen sich die Delegierten im nahegelegenen Évian-les-Bains in Frankreich. Die Konferenz endete weitgehend ergebnislos, da sich außer der Dominikanischen Republik alle Teilnehmerstaaten weigerten, mehr jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Das nationalsozialistische Regime Adolf Hitlers schlachtete das Scheitern der Konferenz für seine antisemitische Propaganda aus. Viele Zeitzeugen und Historiker sehen in Évian ein moralisches Versagen der westlichen Demokratien, da ein anderer Ausgang viele Juden vor der Ermordung im Holocaust hätte bewahren können.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_%C3%89vian

So traurig das Ergebnis der Konferenz auch gewesen sein mag – von „Ermordung im Holocaust“ war da noch lange nicht die Rede.

 

Service-Kosten

 

Weiter mit Hannah Arendt: „Als Eichmann von dieser »Schweinerei« erfuhr, tobte er; das Geschäft drohte seine guten Beziehungen zu den Ungarn zu verderben, die natürlich erwarteten, das auf ihrem Boden beschlagnahmte jüdische Vermögen selbst in Besitz zu nehmen. Er hatte einigen Grund, sich zu ärgern, da diese Geschäfte im Gegensatz zu der regulären Nazipolitik standen, die in dieser Hinsicht stets recht großzügig gewesen war. Für ihre Hilfe bei der Lösung der Judenfrage hatten die Deutschen noch in keinem Land Beteiligung an dem Besitz der Juden verlangt, nur die Kosten für Deportation und Ausrottung ließen sie sich bezahlen, die sie von Land zu Land sehr verschieden ansetzten, je nach Zahlungsfähigkeit – von den Slowaken verlangte man zwischen 300 und 500 Reichsmark pro Jude, von den Kroaten nur 30, die Franzosen mußten 700 und die Belgier 250 Reichsmark bezahlen. (Es scheint, daß außer den Kroaten niemand je bezahlt hat.) In Ungarn forderten die Deutschen in dieser späten Phase des Krieges Bezahlung in Waren – die Lieferung von Lebensmitteln nach dem Reich in Quantitäten, die auf der Basis des Verbrauchs der deportierten Juden errechnet wurden.“

Noch einmal: ausländische Regierungen zahlten bzw. waren dazu bereit, für den „Service“ des Abtransports und der Tötung einheimischer Juden zu zahlen.

 

Reaktionen in den Ländern

 

Hannah Arendt geht auf die Reaktionen in den einzelnen besetzten oder mit Deutschland verbündeten Ländern ein, die dazu aufgefordert wurden, ihre Juden der „Endlösung" zuzuführen.

Polen existierte nicht mehr und Finnland wurde in Ruhe gelassen.

Trotz aller Unterschiede waren die meisten Reaktionen in den jeweiligen Ländern mehr oder weniger so, dass die ins Land geflüchteten „staatenlosen“ Juden gerne abgegeben wurden, die einheimischen Juden jedoch nur gegen Widerstand, wenn überhaupt.

„In Frankreich verlief die Sache sogar noch befriedigender: die Vichy-Regierung steckte die neuen »Flüchtlinge« kurzerhand in das berüchtigte Konzentrationslager Gurs am Fuß der Pyrenäen, dessen Baracken ursprünglich für die flüchtende republikanische Armee aus dem Spanischen Bürgerkrieg im Jahre 1939 gebaut worden und seit dem Mai 1940 zur Internierung des weiblichen Teils der sogenannten »réfugiés provenant d’Allemagne«, die natürlich zum größten Teil Juden waren, benutzt worden waren. (Als die »Endlösung« in Frankreich in Kraft trat, wurden alle Insassen des Lagers Gurs nach Auschwitz gebracht.) Die Nazis, die zu Verallgemeinerungen neigten, sahen in dem Verhalten der Vichy-Regierung den klaren Beweis dafür, daß Juden überall »unerwünscht« waren und daß jeder Nichtjude, wenn nicht ausdrücklich, so doch potentiell, ein Antisemit ist. Kein Hahn würde danach krähen, wenn sie das Problem »radikal« anpackten, man konnte ja sehen, wie andere die Juden behandelten! Immer noch im Banne solcher Kurzschlüsse, äußerte sich Eichmann in Jerusalem sehr bitter darüber, daß kein Land zur Aufnahme von Juden bereit gewesen sei und daß dies, ja dies allein die große Katastrophe verursacht habe. Als ob die fest strukturierten europäischen Nationalstaaten anders reagiert hätten, wenn irgendeine andere Gruppe von Ausländern plötzlich in Scharen vor ihren Toren gestanden hätte – ohne Geld, ohne Papiere, ohne Kenntnisse der Landessprache! Zum unaufhörlichen Erstaunen der Nazibeamten über einen so frappanten Mangel an Logik waren sogar überzeugte Antisemiten in anderen Ländern nicht bereit, die »Konsequenz« aus ihrer Gesinnung zu ziehen, sondern zeigten eine »bedauerliche« Tendenz, vor »radikalen« Maßnahmen zurückzuschrecken. Nur wenige haben das so unverblümt ausgedrückt wie ein Mitglied der spanischen Botschaft in Berlin – »wenn man nur sicher sein könnte, daß sie nicht ermordet würden«, sagte er mit Bezug auf 600 Juden, die, ohne je in Spanien gewesen zu sein, auf Grund ihrer spanischen Abstammung spanische Pässe bekommen hatten und die die Franco-Regierung eigentlich gern unter deutsche Jurisdiktion gebracht hätte –, aber gedacht haben die meisten in sehr ähnlicher Weise.“

 

Negativ: Rumänien

 

„Eichmann behauptete mehr als einmal, sein Organisationstalent, die in seinem Amt geleistete Koordination von Evakuierungen und Deportationen, sei in Wahrheit den Opfern zugute gekommen und habe ihr Schicksal erleichtert. »Wenn diese Sache einmal gemacht sein mußte«, meinte er, »dann war es besser, wenn Ruhe und Ordnung herrschten und alles klappte.« Nicht einmal sein Verteidiger kam während des Prozesses auf diese Behauptung zurück, die offensichtlich in die gleiche Kategorie gehörte wie seine alberne und eigensinnig festgehaltene Behauptung, er habe Hunderttausenden von Juden das Leben durch »forcierte Auswanderung« gerettet. Dennoch kann man angesichts der Ereignisse in RUMÄNIEN stutzig werden, ob an dieser mörderischen Ordnungsliebe nicht vielleicht doch etwas dran sei. Hier befinden wir uns ebenfalls in einer verkehrten Welt, jedoch im entgegengesetzten Sinne wie in Dänemark, wo sogar Gestapoleute die Befehle aus Berlin zu sabotieren begannen. Die unaussprechlichen Greuel eines spontanen Pogroms gigantischen Ausmaßes waren sogar für die SS zuviel, ja versetzten sie in einen gewissen Schrecken; sie griffen ein, um die schiere Schlächterei zu stoppen, damit das Morden in der Art und Weise vor sich gehen konnte, die sie für zivilisiert hielten.

Es hat in Europa vor dem Kriege schwerlich ein antisemitischeres Land gegeben als Rumänien, das schon im 19. Jahrhundert für seine infame Behandlung der Juden notorisch war …

Zwei Jahre später, im Spätsommer 1940, einige Monate vor Rumäniens Eintritt in den Krieg an der Seite Hitlerdeutschlands, erklärte Marschall Ion Antonescu, der sich gerade mit Hilfe der Eisernen Garde zum Diktator des Landes gemacht hatte, alle Juden für staatenlos, die nicht bereits vor Abschluß der Friedensverträge rumänische Bürger gewesen waren. Die im gleichen Monat erlassene antijüdische Gesetzgebung war die radikalste Europas, Deutschland nicht ausgeschlossen. Die privilegierten Kategorien, Kriegsveteranen und Juden, die bereits vor 1918 rumänische Staatsbürger gewesen waren, umfaßten nicht mehr als 10.000 Menschen, kaum mehr als 1 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung. Hitler fiel auf, daß Deutschland von den Rumänen übertroffen zu werden drohte, und er sagte ausdrücklich im August 1941, also wenige Wochen nachdem der Befehl zur »Endlösung« offiziell erlassen worden war, zu Goebbels, »daß ein Mann wie Antonescu in dieser Frage viel radikaler vorgeht, als wir es bisher getan haben«.

Im Februar 1941 trat Rumänien in den Krieg ein, und die rumänische Legion entwickelte von vornherein eine militärische Schlagkraft, die in dem Krieg gegen Rußland von Bedeutung war. Allein in Odessa war rumänisches Militär verantwortlich für ein Massaker an 60.000 Menschen. Im Gegensatz zu den Regierungen anderer Balkanländer besaß die rumänische Regierung von Anfang an genaue Kenntnis von den Vorgängen im Osten, und selbst als die Eiserne Garde nach einigen Putschen und sehr blutigen Pogromen aus der Regierung entfernt war, begannen rumänische Soldaten im Sommer 1941 eine Serie von »illegalen« Deportationen und Schlächtereien, deren nacktes Grauen in dieser ganzen grauenvollen Geschichte nicht seinesgleichen hat und auch den Bukarester Pogrom der Eisernen Garde im Januar des gleichen Jahres in den Schatten stellte. Deportation im rumänischen Stil bedeutete, daß 5.000 Menschen in Güterwagen gepfercht und dem Erstickungstod ausgeliefert wurden, während der Zug tagelang ohne Ziel und Plan durch die Gegend fuhr; ein beliebtes Nachspiel der Mordoperationen war es, die Leichen in jüdischen Fleischerläden auszustellen. Auch die Methoden der rumänischen Konzentrationslager, die errichtet wurden, weil Deportationen noch nicht »bewilligt« waren, waren auf ausgeklügeltere und grausamere Weise schrecklich als irgend etwas, was wir aus deutschen Lagern kennen. Als Eichmann den üblichen »Judenberater«, Hauptsturmführer Gustav Richter, nach Bukarest schickte und dieser berichtete, daß Antonescu jetzt 110.000 Juden in »zwei Wälder jenseits des Bug«, also in deutsch besetztes russisches Gebiet, zur Liquidierung zu transportieren beabsichtige, waren die Deutschen ob solcher Unordnung entsetzt, und alle möglichen Stellen intervenierten: die Wehrmachtskommandeure, Rosenbergs Ministerium für die besetzten Ostgebiete, das Auswärtige Amt, der Gesandte in Bukarest, Freiherr Manfred von Killinger – der letztere als ehemaliger hoher SA-Führer und persönlicher Freund Röhms in den Augen der SS verdächtig, wurde vermutlich von Richter, der ihn in jüdischen Fragen »beriet«, überwacht. Doch in dieser Angelegenheit herrschte allgemeine Einigkeit. Eichmann selbst beschwor in einem Brief vom April 1942 das Auswärtige Amt, diese unorganisierten und verfrühten »Entjudungsbestrebungen« Rumäniens für den Augenblick abzustoppen; man müsse den Rumänen klarmachen, daß »die bereits in Gang befindliche Evakuierung der deutschen Juden« Priorität habe, und er schloß mit der ominösen Formel: »Für den Fall jedoch, daß die rumänische Regierung dem Ersuchen um Einstellung der illegalen Judentransporte nicht entsprechen … sollte, behalte ich mir sicherheitspolizeiliche Maßnahmen vor.«

So ungern die Deutschen auch den Rumänen bei der »Endlösung« eine höhere Priorität einräumen mochten, als ursprünglich für Balkanländer geplant, sie mußten einlenken, wenn die Situation nicht in ein einziges blutiges Chaos ausarten sollte, und wie sehr Eichmann seine Drohung mit der Sicherheitspolizei auch genossen haben mag, Juden zu retten war schließlich nicht ihre Aufgabe. Also schloß das Auswärtige Amt Mitte August – zu diesem Zeitpunkt hatten die Rumänen fast 300.000 ihrer Juden bereits fast ohne deutsche Hilfe umgebracht – ein Abkommen mit Antonescu, demzufolge »die deutschen Dienststellen … die Aussiedlung aus Rumänien selbst durchführen und sofort mit dem Abtransport der Juden« aus bestimmten Bezirken beginnen sollten. Eichmann verhandelte sogleich mit den deutschen Eisenbahnbehörden wegen der erforderlichen Anzahl Waggons für den Abtransport von 200.000 Juden nach den Lubliner Vernichtungslagern. Aber jetzt, da die »Planlosigkeit« ein Ende hatte und die Deportation unter großen Konzessionen organisiert war, entschlossen die Rumänen sich plötzlich zu einem Frontwechsel. Ein Brief des zuständigen Vertrauensmanns Richter wirkte in Berlin wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Marschall Antonescu habe es sich anders überlegt; er zöge es jetzt vor, wie Botschafter Killinger berichtete, sich seiner Juden »auf bequeme Weise zu entledigen«. Die Deutschen hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht und außer acht gelassen, daß Rumänien nicht nur einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz regelrechter Mörder hatte, sondern auch das korrupteste Land auf dem Balkan war. In ungenierter Parallelität mit den Massakern war ein blühender Handel mit Ausnahmerechten (»Freizetteln«) entstanden, den jeder Zweig der Bürokratie, ob staatlich oder kommunal, mit Feuereifer betrieb. Die Regierung hatte sich darauf spezialisiert, gewissen Gruppen oder ganzen Gemeinden von Juden aufs Geratewohl riesige Sondersteuern aufzuerlegen. Nun entdeckte sie, daß man Juden gegen Devisen ins Ausland verkaufen konnte, und damit wurden die Rumänen zu glühenden Anhängern jüdischer Auswanderung – für 1.300 Dollar pro Kopf. So kam es, daß in Rumänien mitten im Kriege eine der wenigen Schleusen für jüdische Auswanderung nach Palästina entstand. Als die Rote Armee heranrückte, wurde Antonescu noch »gemäßigter«, jetzt war er sogar bereit, die Juden ohne Entgelt ziehen zu lassen.“

 

Italien

 

„ITALIEN, Deutschlands einziger wirklicher Verbündeter in Europa, wurde als gleichberechtigter Partner betrachtet und als souveräner, unabhängiger Staat respektiert. Das Bündnis beruhte anscheinend auf der höchsten Form gemeinsamer Interessen, das zwei ähnliche, wenn auch nicht identische neue Herrschaftsformen miteinander verband, und Mussolini war in der Tat in deutschen Nazikreisen einstmals sehr bewundert worden. Doch zu dem Zeitpunkt, als der Krieg ausbrach und Italien sich nach einigem Zögern dem deutschen Unternehmen anschloß, gehörte das bereits der Vergangenheit an. Die Nazis wußten recht gut, daß sie mit Stalins Form von Kommunismus mehr gemein hatten als mit dem italienischen Faschismus, und Mussolini seinerseits blickte weder mit großem Vertrauen auf Deutschland noch mit großer Bewunderung auf Hitler. Das alles gehörte jedoch, besonders in Deutschland, zu den gut gehüteten Geheimnissen der Führungsschicht, und die tiefen, entscheidenden Unterschiede zwischen totalitärer und faschistischer Herrschaftsform sind von der Außenwelt his auf den heutigen Tag nicht völlig begriffen worden. Nirgends traten sie so deutlich zutage wie in der Behandlung der Judenfrage.

Eichmann und seine Leute hatten vor dem Staatsstreich Badoglios im Sommer 1943 und der deutschen Besetzung von Rom und Norditalien keinerlei Befugnis, sich in Italien zu betätigen, und in den italienisch besetzten Teilen von Frankreich, Griechenland und Jugoslawien, in die verfolgte Juden ständig flohen, weil sie dort des vorübergehenden Asyls sicher sein konnten, wurden sie mit dem italienischen Stil, Dinge nicht zu lösen, bekannt. In wesentlich höheren Regionen als auf der Ebene, auf der Eichmann operierte, hatte die Sabotage der »Endlösung« durch die Italiener bedenkliche Formen angenommen, hauptsächlich wegen Mussolinis Einfluß auf andere faschistische Regierungen in Europa – auf die Regierung Pétains in Frankreich, Horthys in Ungarn, Antonescus in Rumänien und sogar auf das Franco-Regime in Spanien. Wenn Italien sich gegenüber dem Achsenpartner halten konnte, ohne seine Juden zu ermorden, dann würden die Satellitenländer des Reichs womöglich das gleiche versuchen. So wollte z. B. Dörre Sztójai, der ungarische Premierminister, den die Deutschen Horthy aufgezwungen hatten, bei antijüdischen Maßnahmen immer wissen, ob die gleiche Regelung für Italien zuträfe. Eichmanns Chef, Gruppenführer Müller, wies in einem langen Brief über diesen Gegenstand das Auswärtige Amt auf all diese Schwierigkeiten hin, doch konnten die Herren im Auswärtigen Amt nicht viel dagegen tun, da ihnen überall der gleiche, geschickt verschleierte Widerstand begegnete, die gleichen Versprechungen und die gleiche Nichteinhaltung dieser Versprechen. Die Sabotage muß die Nazis um so mehr irritiert haben, als sie ganz offen ausgeübt wurde, auf beinahe spöttische Manier. Die Versprechungen wurden von Mussolini selbst oder von anderen hohen Würdenträgern abgegeben, und wenn die Generäle sie dann einfach nicht wahrmachten, fand Mussolini Entschuldigungen für sie mit der Begründung, sie hätten nun einmal eine »andere geistige Haltung«. Nur ganz gelegentlich trafen die Nazis auf strikte Ablehnung, etwa, als General Roatta ihnen erklärte, es sei »mit der Ehre der italienischen Armee nicht vereinbar«, die Juden in der italienisch besetzten Zone Jugoslawiens an die zuständigen deutschen Dienststellen auszuliefern.

Noch schlimmer konnte es kommen, wenn die Italiener ihre Versprechen einmal zu halten schienen. Ein solcher Fall ereignete sich nach der Landung der Alliierten im französischen Nordafrika, nach der die Deutschen ihre Besatzung über ganz Frankreich ausdehnten, mit Ausnahme der italienischen Zone im Süden, wo etwa 50.000 Juden Sicherheit gefunden hatten. Unter erheblichem deutschen Druck wurde ein italienisches »Kommissariat für jüdische Angelegenheiten« errichtet, dessen einzige Funktion darin bestand, alle Juden in dieser Gegend zu registrieren und sie aus dem Küstengebiet am Mittelmeer auszuweisen. 22.000 Juden wurden tatsächlich festgenommen und ins Innere der italienischen Zone gebracht – mit dem Erfolg, laut Reitlinger, daß »etwa tausend der ärmsten Juden ›in den besten Hotels in Isère und Savoyen‹ lebten«. Nun schickte Eichmann einen seiner härtesten Leute, Alois Brunner, nach Nizza und Marseille, doch bei dessen Ankunft hatte die französische Polizei schon alle Listen der registrierten Juden vernichtet. Im Herbst 1943, als Italien Deutschland den Krieg erklärte, konnte die deutsche Armee endlich in Nizza einrücken, und Eichmann selber eilte zur Côte d’Azur. Dort wurde ihm gesagt – und er hat es tatsächlich geglaubt –, daß 10.000 bis 15.000 Juden sich in Monaco verborgen hielten (in diesem winzigen Fürstentum mit seinen rund 25.000 Einwohnern), was das RSHA veranlaßte, eine Art Forschungsprogramm einzuleiten. Es klingt wie ein typisch italienischer Witz. Die Juden waren jedenfalls längst nicht mehr dort; sie waren nach Italien selbst weitergeflohen, und diejenigen, die sich noch in den umliegenden Bergen versteckt hielten, fanden den Weg nach der Schweiz oder nach Spanien. Als die Italiener ihre Zone in Jugoslawien aufgeben mußten, passierte das gleiche; die Juden zogen mit der italienischen Armee ab und fanden Zuflucht in Fiume.

Selbst Italiens ernsthafteste Bemühungen, sich dem mächtigen Freund und Verbündeten anzupassen, entbehrten nicht der Komik. Als Mussolini unter deutschem Druck in den späten dreißiger Jahren antijüdische Gesetze einführte, sah er darin die üblichen Ausnahmen vor – Kriegsveteranen, hoch dekorierte Juden, »Verdienstjuden« und dergleichen –, aber er fügte noch eine Kategorie hinzu, nämlich ehemalige Mitglieder der Faschistischen Partei einschließlich ihrer Eltern und Großeltern, ihrer Geschwister, Frauen, Kinder und Enkel. Meines Wissens existieren über diese Angelegenheit keine Statistiken, doch muß infolge dieser Klausel die große Mehrheit der italienischen Juden zu den Ausnahmekategorien gehört haben. Es kann kaum eine jüdische Familie ohne wenigstens einen Angehörigen in der Faschistischen Partei gegeben haben, denn als die antijüdischen Gesetze erlassen wurden, waren Juden, wie andere Italiener, bereits zwanzig Jahre lang der faschistischen Bewegung zugeströmt; staatliche Stellen standen nur Parteimitgliedern offen. Und die wenigen Juden, die prinzipiell gegen den Faschismus waren, in erster Linie Sozialisten und Kommunisten, waren nicht mehr im Lande. Sogar überzeugte italienische Antisemiten konnten die Sache scheinbar nicht recht ernst nehmen. Roberto Farinacci z. B., der Führer der antisemitischen Bewegung in Italien, beschäftigte einen jüdischen Sekretär … Dieses Rätsel war nicht schwer zu entschlüsseln – Italien war eines der wenigen Länder in Europa, wo alle antijüdischen Maßnahmen wirklich unpopulär waren, weil sie, wie es Ciano ausdrückte, »ein Problem aufwarfen, das glücklicherweise nicht existierte«.

Assimilation, dieses oft mißbrauchte, ideologisch so belastete Wort, war einfach eine Tatsache in Italien, das eine Gemeinde von nicht mehr als 50.000 einheimischen Juden besaß, deren Geschichte bis in die Jahrhunderte des Römischen Imperiums zurückreicht. In Italien war Assimilation keine Form der Lebenslüge, keine Sache, an die man zu glauben oder für die man sich einzusetzen hatte, wie in allen deutschsprachigen Ländern, noch war sie ein Mythos und offenkundiger Selbstbetrug wie vornehmlich in Frankreich. Der italienische Faschismus, um es an »rücksichtsloser Härte« nicht fehlen zu lassen, hatte vor Ausbruch des Krieges die ausländischen und staatenlosen Juden im Lande loszuwerden versucht. Das war kein großer Erfolg geworden wegen allgemein mangelnder Bereitschaft zum »harten Durchgreifen« bei den unteren italienischen Beamten, und als das Ganze dann zu einer Sache von Leben und Tod wurde, berief man sich auf die italienische Souveränität und weigerte sich einfach, selbst diesen nichtitalienischen Teil der Juden auszuliefern; statt dessen kamen die staatenlosen und ausländischen Juden in italienische Lager, wo sie völlig sicher waren, bis die Deutschen das Land besetzten. Dieses Verhalten läßt sich kaum aus den objektiven Verhältnissen allein – dem Fehlen einer »Judenfrage« – erklären, denn natürlich schufen diese Ausländer in Italien das gleiche Problem wie in jedem europäischen Nationalstaat, der auf die ethnische und kulturelle Homogenität seiner Bevölkerung gegründet ist. Was in Dänemark das Ergebnis eines echten Sinnes für Politik war, eines anerzogenen Verständnisses für die Voraussetzungen und die Verpflichtungen, die Bürgertum und Unabhängigkeit garantieren, das war in Italien Ausfluß einer fast automatisch gewordenen, alle Schichten erfassenden Humanität eines alten und zivilisierten Volkes.

Die Humanität der Italiener hielt auch den Prüfungen des Terrors stand, der in den letzten anderthalb Jahren des Krieges über das Volk hereinbrach. Im Dezember 1943 richtete das deutsche Auswärtige Amt ein formelles Ersuchen um Unterstützung an Eichmanns Chef Müller: »Bei dem in den letzten Monaten gezeigten mangelnden Eifer italienischer Dienststellen zur Durchführung der vom Duce empfohlenen antijüdischen Maßnahmen hält es das Auswärtige Amt für dringend wünschenswert, daß die Durchführung der Maßnahmen gegen die Juden nunmehr laufend von deutschen Beamten überwacht wird.« Daraufhin wurden berüchtigte Judenmörder, wie etwa Odilo Globocnik von den Todeslagern bei Lublin, eilends von Polen nach Italien beordert; sogar die Leitung der Militärverwaltung wurde nicht einem Wehrmachtsoffizier übertragen, sondern dem ehemaligen Gouverneur Galiziens, SS-Gruppenführer Otto Wächter. Jetzt war es aus mit Spott und listigen Streichen. Eichmanns Büro verschickte an all seine Nebenstellen ein Rundschreiben, daß »Juden italienischer Staatsangehörigkeit« umgehend den »notwendigen Maßnahmen« zu unterziehen seien; der erste Schlag war gegen die 8.000 Juden in Rom geplant, die von deutschen Polizeiregimentern verhaftet werden sollten, da die italienische Polizei nicht zuverlässig war. Sie wurden rechtzeitig gewarnt, oft von alten Faschisten, und 7.000 entkamen. Die Deutschen gaben, wie üblich, wenn sie auf Widerstand trafen, nach und erklärten sich jetzt damit einverstanden, daß italienische Juden, einschließlich der Nichtprivilegierten, nicht deportiert, sondern lediglich in italienischen Lagern konzentriert würden; für Italien wollte man diese »Lösung« als zureichend »endgültig« ansehen. Ungefähr 35.000 Juden wurden in Norditalien ergriffen und nahe der österreichischen Grenze in Lager gebracht. Als im Frühjahr 1944 die Rote Armee Rumänien besetzt hatte und die Alliierten vor Rom standen, brachen die Deutschen ihre Zusagen und begannen mit dem Abtransport von Juden aus Italien nach Auschwitz. Von den rund 7.500 Betroffenen sind nicht mehr als 600 zurückgekommen. Trotz allem waren das wesentlich weniger als 10 Prozent aller Juden, die damals in Italien lebten.“

 

Bulgarien

 

„Mehr als irgendein anderes Balkanland hatte BULGARIEN Anlaß, dem nationalsozialistischen Deutschland dankbar zu sein, denn es hatte auf Kosten Rumäniens, Jugoslawiens und Griechenlands sein Territorium beträchtlich erweitern können. Bulgarien aber war nicht dankbar; weder die Regierung noch das Volk brachten für die Politik »rücksichtsloser Härte« das entsprechende Verständnis auf. Das zeigte sich nicht nur in der Judenfrage. Die bulgarische Monarchie brauchte sich über die einheimische Faschistenbewegung der Ratnizi keine Sorgen zu machen, denn sie war zahlenmäßig klein und politisch einflußlos, und das Parlament blieb eine allenthalben angesehene Institution, die reibungslos mit dem König zusammenarbeitete. So wagten die Bulgaren die von ihnen verlangte Kriegserklärung an Rußland glatt zu verweigern und nicht einmal pro forma eine Legion von »Freiwilligen« an die Ostfront zu schicken. Am erstaunlichsten ist aber, daß sie allein, mitten in dieser Zone gemischter Bevölkerungen, wo der Antisemitismus in allen Volksgruppen grassierte und lange vor Hitler zur offiziellen Regierungspolitik geworden war, nicht das mindeste »Verständnis für die Judenfrage« besaßen. Zwar hatte sich die bulgarische Armee damit einverstanden erklärt, daß aus den neuerworbenen Gebieten, die unter militärischer Verwaltung standen und deren Bevölkerung antisemitisch war, alle Juden – es waren ungefähr 15.000 – deportiert würden; ob sie jedoch damals bereits wußten, was »Umsiedlung nach dem Osten« tatsächlich bedeutete, ist fraglich. Etwas früher, im Januar 1941, hatte die Regierung sich auch bereit gefunden, einige antijüdische Gesetze zu erlassen, doch diese waren vom Gesichtspunkt der Nazis aus einfach lächerlich: etwa 6.000 arbeitsfähige Männer wurden zum Arbeitsdienst eingezogen; getaufte Juden waren ohnehin ungeachtet des Zeitpunkts ihrer Konversion ausgenommen, was natürlich eine »Taufepidemie« zur Folge hatte; weitere 5.000 Juden – etwa 10 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung – erhielten besondere Vergünstigungen; und für jüdische Ärzte und Geschäftsleute wurde ein sehr günstiger Numerus clausus eingeführt, der nach dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in den Städten und nicht nach dem Landesdurchschnitt berechnet war. Nachdem diese Maßnahmen in Kraft getreten waren, erklärten bulgarische Regierungsbeamte öffentlich, daß nunmehr die Dinge zu jedermanns Zufriedenheit endgültig geregelt seien. Die Bulgaren bedurften, wie man sieht, nicht nur der Aufklärung durch die Nazis, wie man »die Judenfrage zu lösen« habe, sondern hatten offenbar keine Ahnung, wie unvereinbar stabile Rechtsverhältnisse mit den Erfordernissen einer totalitären Bewegung sind.

Die deutschen Behörden müssen eine gewisse Witterung von kommenden Schwierigkeiten gehabt haben. Eichmann schrieb im Januar 1942 einen Brief an das Auswärtige Amt, in dem es hieß, daß »ausreichende Möglichkeiten zur Unterbringung der Juden aus Bulgarien bestehen«, er schlug vor, man solle an die bulgarische Regierung herantreten, und versicherte, daß der Polizeiattaché in Sofia »für die technische Durchführung der Abschiebung sorgen« würde. (Dieser Polizeiattaché scheint nicht sehr begeistert bei der Sache gewesen zu sein, denn kurz darauf schickte Eichmann einen seiner eigenen Leute nach Sofia als »Berater«: Theodor Dannecker, der bis dahin in Paris stationiert gewesen war.) Interessanterweise steht dieses Schreiben in genauem Gegensatz zu einer nur wenige Monate zuvor nach Serbien geschickten Benachrichtigung, in der Eichmann versichert, daß Möglichkeiten zur Aufnahme von Juden zur Zeit nicht vorhanden seien und selbst Juden aus dem Reich nicht deportiert werden könnten. Die Dringlichkeit, mit der man auf einmal Bulgarien »judenrein« zu machen suchte, läßt sich nur damit erklären, daß in Berlin genaue Informationen eingetroffen waren, die größte Eile nahelegten, wenn man überhaupt etwas erreichen wollte. Jedenfalls trat die deutsche Botschaft an die bulgarische Regierung mit der Bitte um »radikalere« Maßnahmen in der Judenfrage heran, woraufhin es immer noch sechs Monate dauerte, bis die Regierung sich zu einem ersten Schritt in dieser Richtung, der Einführung des Judensterns, entschloß. Aber auch dies führte nur zu weiteren Enttäuschungen, zunächst deshalb, weil das Abzeichen, wie pflichtschuldig nach Berlin gemeldet wurde, »ein allerdings nur kleiner Judenstern« war, ferner, weil die meisten Juden ihn einfach nicht trugen, und schließlich, weil diejenigen, die ihn trugen, »soviel Sympathiekundgebungen seitens der irregeleiteten Bevölkerung erhielten, daß sie jetzt direkt stolz auf ihr Abzeichen sind« (wie ein von Walter Schellenberg, dem Abwehrchef im RSHA, im November 1942 an das Auswärtige Amt weitergeleiteter SD-Bericht notiert). Woraufhin die bulgarische Regierung die Verordnung einfach aufhob. Unter starkem deutschen Druck wurde schließlich beschlossen, alle Juden aus Sofia auszuweisen und auf dem Lande anzusiedeln – aber diese Maßnahme war ganz entschieden nicht im Sinne der Nazi-Politik, denn sie zerstreute die Juden, statt sie zu konzentrieren. Zudem provozierte die Ausweisung der Juden aus der Hauptstadt unerwartete und sehr unerwünschte Vorkommnisse. Die Bevölkerung von Sofia versuchte nämlich, die Juden auf ihrem Weg zum Bahnhof aufzuhalten, und als ihr das nicht gelang, demonstrierte eine große Menschenmenge anschließend vor dem königlichen Palast. Die Deutschen hatten bis dahin gemeint, daß König Boris der Hauptverantwortliche für den Schutz war, den Bulgarien seinen Juden angedeihen ließ, und es ist ziemlich sicher, daß deutsche Geheimagenten ihn ermordet haben. Doch weder der Tod des Monarchen noch das Eintreffen Danneckers zu Beginn des Jahres 1943 haben die Situation im geringsten geändert, da Parlament wie Bevölkerung eindeutig auf seiten der Juden blieben. Zwar gelang es Dannecker, mit dem bulgarischen Kommissar für Judenangelegenheiten ein Übereinkommen zu treffen, demzufolge 6.000 »führende Juden« nach Treblinka deportiert werden sollten, aber keiner dieser Juden hat je das Land verlassen. Das Abkommen selbst ist bereits bemerkenswert, denn es zeigt, daß die Nazis nicht damit rechnen konnten, die jüdischen Funktionäre für ihre Zwecke einzuspannen. Der Oberrabbiner von Sofia war unerreichbar, ihn hielt der Metropolit Stephan von Sofia verborgen, der öffentlich erklärt hatte, daß »Gott das jüdische Schicksal vorbestimmt hat und Menschen kein Recht haben, die Juden zu foltern und zu verfolgen« (Hilberg) – das war erheblich deutlicher als alles, was man aus dem Vatikan gehört hat. Und zum Schluß geschah in Bulgarien das gleiche, was ein paar Monate später in Dänemark geschehen sollte – die in Bulgarien stationierten deutschen Beamten wurden unsicher und waren nicht mehr zuverlässig. Das galt sowohl für den Polizeiattaché, ein Mitglied der SS, der eigentlich die Juden aufgreifen und verhaften sollte, als auch für den deutschen Botschafter in Sofia, Adolf Beckerle, der im Juni 1943 dem Auswärtigen Amt mitteilte, die Situation sei aussichtslos, weil den Bulgaren »die ideologische Aufklärung fehlt, die bei uns vorhanden ist. Mit Armeniern, Griechen und Zigeunern groß geworden, findet der Bulgare an dem Juden keine Nachteile, die besondere Maßnahmen gegen ihn rechtfertigen« – was natürlich reiner Unsinn war, da sich das gleiche mutatis mutandis von allen Völkern Ost- und Südosteuropas sagen ließ. Beckerle war es auch, der dem RSHA in merklich gereiztem Ton mitteilte, daß nichts weiter zu machen sei. Das Ergebnis war, daß nicht ein einziger bulgarischer Jude deportiert worden oder eines unnatürlichen Todes gestorben war, als im August 1944 beim Heranrücken der Roten Armee die antijüdischen Gesetze annulliert wurden.

Bisher hat meines Wissens niemand versucht, die gerade in dieser Gegend ganz und gar einzigartige Haltung Bulgariens zu erklären. Unwillkürlich denkt man an jenen bulgarischen Kommunisten namens Dimitroff, der zur Zeit von Hitlers Machtergreifung zufällig gerade in Deutschland war und den sich die Nazis aussuchten, als sie einen Täter für den mysteriösen Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 suchten. Im Reichstagsbrandprozeß vor dem Reichsgericht in Leipzig wurde Dimitroff mit Göring konfrontiert, den er so erfolgreich ins Kreuzverhör nahm, daß es war, als führe er die Verhandlungen, und nur ihm war es zu verdanken, daß alle Angeklagten außer van der Lubbe freigesprochen werden mußten. Sein Verhalten gewann ihm die Bewunderung der ganzen Welt, Deutschland nicht ausgeschlossen. »In Deutschland gibt es immerhin noch einen Mann«, sagten die Leute, »aber er ist ein Bulgare.«“

 

Dänemark

 

„In DÄNEMARK schließlich bekamen die Deutschen zu spüren, wie begründet die Bedenken des Auswärtigen Amts gewesen waren. Die Geschichte der dänischen Juden ist sui generis; im Kreise der Länder Europas – ob besetzt, Achsenpartner oder neutral und wirklich unabhängig – war das Verhalten des dänischen Volkes und seiner Regierung einzigartig. Diese Geschichte möchte man als Pflichtlektüre allen Studenten der politischen Wissenschaft empfehlen, die etwas darüber erfahren wollen, welch ungeheure Macht in gewaltloser Aktion und im Widerstand gegen einen an Gewaltmitteln vielfach überlegenen Gegner liegt. Gewiß hat es auch in anderen europäischen Ländern am rechten »Verständnis für die Judenfrage« gefehlt, ja die Mehrzahl von ihnen waren gegen »radikale« und »endgültige Lösungen«. Ebenso wie Dänemark zeigten sich auch Schweden, Italien und Bulgarien nahezu immun gegen den Antisemitismus, doch von diesen drei in der deutschen Einflußsphäre befindlichen Nationen wagten es nur die Dänen, den deutschen Herrschern gegenüber den Mund aufzumachen. Italien und Bulgarien sabotierten die deutschen Vorschriften, sie trieben ein kompliziertes Falsch- und Doppelspiel, retteten ihre Juden durch eine wahre Parforcetour von durchtriebener Geistesgegenwart, doch gegen die Politiker der »Endlösung« selbst sind sie niemals aufgetreten. Die Dänen taten das genaue Gegenteil. Als die Deutschen wegen der Einführung des gelben Sterns an sie herantraten, sehr vorsichtig, sagte man ihnen ganz kühl, als erster werde sich der König den Judenstern anheften; die Mitglieder der dänischen Regierung kündigten vorsorglich an, daß antijüdische Maßnahmen ihren sofortigen Rücktritt zur Folge haben würden. In der ganzen Sache war entscheidend, daß es den Deutschen nicht einmal gelang, die unerläßliche Unterscheidung zwischen den etwa 6.400 einheimischen dänischen Juden und den 1.400 deutschen Juden herbeizuführen, die vor dem Krieg in Dänemark Asyl gefunden hatten und die von der deutschen Regierung nun für staatenlos erklärt wurden. Diese Weigerung muß die Deutschen völlig verblüfft haben, schien es doch »unlogisch« zu sein, daß eine Regierung Leute schützte, denen sie Einbürgerung und sogar Arbeitserlaubnis kategorisch verweigert hatte. (Rechtlich war vor dem Kriege die Situation von Flüchtlingen in Dänemark ähnlich wie die in Frankreich gewesen, aber dank der allgemeinen Korruption in der Bürokratie der Dritten Republik konnte man sich in Frankreich besser durchschlagen; eine Handvoll deutscher Juden mit Geld oder »Beziehungen« war naturalisiert worden, und die meisten Flüchtlinge konnten zumeist illegal, ohne Arbeitsgenehmigung, arbeiten. Dänemark war wie die Schweiz oder Holland kein geeignetes Land, »pour se débrouiller«.) Doch die Dänen erklärten den deutschen Behörden, daß sie ohne dänische Zustimmung keinen Anspruch auf die Flüchtlinge hätten, die ja staatenlos und keine deutschen Bürger mehr seien. Das war einer der ganz seltenen Fälle, in denen Staatenlosigkeit zum Vorteil gereichte, obwohl natürlich nicht die Staatenlosigkeit per se die Juden rettete, sondern der Entschluß der dänischen Regierung, sie unter diesem Vorwand zu schützen. So kam keine einzige der für den Verwaltungsmassenmord so unerläßlichen Vorbereitungsmaßnahmen zustande, und alle Aktionen wurden bis zum Herbst 1943 hinausgeschoben.

Was dann geschah, war wahrhaft erstaunlich; verglichen mit dem »normalen« Gang der Dinge in anderen Ländern, war es wie eine verkehrte Welt. Im August 1943 – nach dem Scheitern der deutschen Offensive in Rußland, nach der Kapitulation des Afrikakorps in Tunis und der Landung der Alliierten in Sizilien – kündigte die schwedische Regierung das Abkommen von 1940, das deutschen Truppen den Durchmarsch durch Schweden gestattet hatte. Daraufhin beschlossen die dänischen Arbeiter, ihrerseits die Dinge ein wenig zu beschleunigen; in dänischen Werften brachen Unruhen aus, die Werftarbeiter weigerten sich, deutsche Schiffe zu reparieren, und traten in Streik. Der deutsche Wehrmachtskommandeur proklamierte den Ausnahmezustand und führte das Standrecht ein; das hielt Himmler für den geeigneten Augenblick, um die Judenfrage zu erledigen, deren »Lösung« längst überfällig war. Aber Himmler hatte mit einem wichtigen Faktor nicht gerechnet, nämlich daß – ganz abgesehen von dänischem Widerstand – die deutschen Beamten, die nun jahrelang in diesem Land gelebt hatten, nicht mehr die gleichen waren. Nicht genug damit, daß sich der Wehrmachtskommandeur, General von Hannecken, weigerte, dem Reichsbevollmächtigten Dr. Best Truppen zur Verfügung zu stellen, Best hat noch als Zeuge in Nürnberg betont, »daß gerade die dort [in Dänemark] eingesetzten Kräfte [der SS] sich sehr häufig gegen Weisungen von Zentralstellen gewendet haben«. Best selber, ein alter Gestapomann und früherer Rechtsberater Heydrichs, Autor eines damals berühmten Buchs über die Polizei, der bei der Militärregierung in Paris zur vollen Zufriedenheit der Gestapo gearbeitet hatte, war nicht mehr zuverlässig, und in Berlin ist wohl das volle Ausmaß seiner Unzuverlässigkeit niemals bekanntgeworden. Dennoch war von Anfang an klar, daß da etwas nicht in Ordnung war, und Eichmanns Dienststelle schickte einen ihrer besten Männer nach Dänemark – Rolf Günther, dem niemand einen Mangel an »rücksichtsloser Härte« je vorgeworfen hat. Auf seine Kollegen in Kopenhagen machte Günther keinen Eindruck, und er erreichte nur, daß von Hannecken sich nun sogar weigerte, eine Verordnung zu erlassen, auf Grund deren sich alle Juden zur Arbeit melden mußten.

Best reiste nach Berlin und erhielt die Zusage, daß alle Juden aus Dänemark ohne Rücksicht auf Kategorien nach Theresienstadt geschickt werden würden – vom Gesichtspunkt der Nazis aus ein großes Entgegenkommen. Als Datum für die Festnahme und den sofortigen Abtransport wurde die Nacht des 1. Oktober festgesetzt – im Hafen lagen Schiffe bereit –, und da man sich für die notwendige Unterstützung weder auf die Dänen noch auf die Juden, noch auf die in Dänemark stationierten deutschen Truppen verlassen konnte, trafen Polizeieinheiten aus Deutschland ein, um die Stadt von Haus zu Haus nach Juden zu durchsuchen. Ihnen sagte Best im letzten Augenblick, mit Gewalt in Wohnungen einzudringen sei verboten, da sich sonst womöglich die dänische Polizei einmischen könnte, und mit den Dänen dürfe es nicht zu Handgreiflichkeiten kommen. Infolgedessen konnten sie nur Juden, die ihre Tür freiwillig öffneten, verhaften. Von insgesamt mehr als 7.800 Juden fanden sie genau 477, die zu Hause waren und sie einließen. Einige Tage vor dem verhängnisvollen Datum hatte der deutsche Speditionskaufmann Georg F. Duckwitz – vermutlich von Best selbst mit dem Tip versehen – dänischen Regierungsbeamten den ganzen Plan eröffnet, die ihrerseits schleunigst die Leiter der jüdischen Gemeinde informierten. Und diese gaben dann, in auffallendem Gegensatz zu jüdischen Funktionären in anderen Ländern, die Nachricht öffentlich bekannt – beim Neujahrsgottesdienst in den Synagogen. Den Juden blieb gerade genügend Zeit, ihre Wohnungen zu verlassen und sich zu verstecken, was in Dänemark sehr einfach war, denn »alle Kreise des dänischen Volkes, vom König bis zum einfachen Bürger«, standen, wie es im Urteil hieß, bereit, sie aufzunehmen.

Sie hätten bis zum Ende des Krieges »untergrund« bleiben müssen, hätten sie nicht zum Glück Schweden als Nachbarn gehabt. Die Juden nach Schweden zu bringen schien das vernünftigste zu sein, und mit Hilfe der dänischen Fischereiflotte ist das auch gelungen. Die Überfahrt der mittellosen Juden – der Preis betrug ca. 100 Dollar pro Person – wurde weitgehend von wohlhabenden dänischen Bürgern bezahlt, und das war vielleicht das bezeichnendste Faktum dieser verkehrten Welt überhaupt; denn dies war die Zeit, in der Juden ihre eigene Deportation finanzieren mußten, in der die Reichen Vermögen bezahlten für Ausreisegenehmigungen (in Holland, in der Slowakei und später in Ungarn), sei es durch Bestechung einheimischer Beamter, sei es durch »legale« Geschäfte mit der SS, die nur harte Währung nahm (in Holland z. B. hielten sich Ausreisepapiere in der Preislage zwischen 5.000 und 10.000 Dollar). Selbst in Ländern, wo die Juden auf echte Sympathien und aufrechte Hilfsbereitschaft stießen, mußten sie dafür bezahlen – für arme Leute war die Chance des Entkommens gleich null.

Es dauerte fast den ganzen Oktober, bis all die Juden über die fünf bis fünfzehn Seemeilen gebracht waren, die Dänemark von Schweden trennen. Die Schweden nahmen 5.919 Flüchtlinge auf, von denen wenigstens 1.000 deutscher Herkunft waren. 1.310 waren Halbjuden, und 686 waren mit Juden verheiratete Nichtjuden. (Fast die Hälfte der dänischen Juden scheint im Lande geblieben zu sein und den Krieg im Versteck überlebt zu haben.) Die nichtdänischen Juden waren besser dran als vorher, denn sie bekamen alle Arbeitserlaubnis. Die wenigen hundert Juden, die die deutsche Polizei hatte verhaften können, wurden nach Theresienstadt gebracht. Es waren alte oder arme Leute, die entweder die Nachricht nicht rechtzeitig bekommen oder ihre Bedeutung nicht richtig verstanden hatten. Im Getto genossen sie größere Privilegien als irgendeine andere Gruppe wegen des ewigen »Getues«, das dänische Behörden und Privatpersonen ihretwegen machten. 48 Personen starben, eine angesichts des Durchschnittsalters dieser Gruppe nicht ungewöhnlich hohe Zahl. Rückblickend faßte Eichmann seine Meinung dahingehend zusammen, »daß das danebengegangen ist aus irgendeinem Grund« und daß es »sich ja eigentlich gar nicht gelohnt« habe, all die Schwierigkeiten für rund 7.000 Juden! – während der merkwürdige Dr. Best erklärte, daß »das Ziel der Operation nicht die Festnahme einer großen Anzahl von Juden war, sondern die Säuberung Dänemarks von Juden, und dieses Ziel ist jetzt erreicht«.

Politisch und psychologisch ist der interessanteste Aspekt dieser ganzen Geschichte wohl das merkwürdige Doppelspiel der Nazibehörden in Dänemark, die ganz offenbar die Befehle aus Berlin sabotierten. Dieses einzige uns bekannte Beispiel von offenem Widerstand einer Bevölkerung scheint zu zeigen, daß die Nazis, die solchem Widerstand begegneten, nicht nur opportunistisch nachgaben, sondern gewissermaßen ihre Meinung änderten: unter Umständen haben offenbar auch sie die Ausrottung eines ganzen Volkes nicht mehr so selbstverständlich gefunden. Sie waren auf prinzipiellen Widerstand gestoßen, und ihre »Härte« schmolz wie Butter an der Sonne – sie brachten sogar schüchterne Anfänge echten Mutes auf. Daß das Ideal der »Härte« – wenn auch nicht das der Rücksichtslosigkeit –, von ein paar halbirren Rohlingen abgesehen, nichts weiter war als die Lebenslüge, hinter der sich ein hemmungsloses Bedürfnis nach Konformität um jeden Preis verbarg, trat aufs deutlichste in den Nürnberger Prozessen zutage, wo die Angeklagten einander beschuldigten und verrieten und der Welt versicherten, daß sie »immer dagegen gewesen« seien, oder – wie später Eichmann – behaupteten, ihre besten Eigenschaften seien von ihren Vorgesetzten »mißbraucht« worden. (»Ich klage die Regierenden an, daß sie meinen Gehorsam mißbraucht haben«, sagte Eichmann in Jerusalem, und ein andermal erklärte er: »Bei einer guten Staatsführung hat der Untergebene Glück, bei einer schlechten Unglück. Ich hatte kein Glück.«) In der völlig veränderten Atmosphäre nach dem Ende des Krieges besaß nicht einer von ihnen den Schneid, die nationalsozialistische Weltanschauung zu verteidigen, obgleich fast jeder sich darüber klar sein mußte, daß er für sich selbst nichts zu hoffen hatte. Werner Best behauptete, er habe ein kompliziertes Doppelspiel gespielt, und es sei ihm zu danken gewesen, daß die dänischen Behörden vor der bevorstehenden Katastrophe gewarnt wurden –, dokumentarisch konnte nur das Gegenteil bewiesen werden, nämlich, daß er selbst die dänische Aktion in Berlin vorgeschlagen hat, doch das, erklärte er, sei alles Bestandteil seines Spiels gewesen. Er wurde an Dänemark ausgeliefert und dort zum Tode verurteilt, aber sein Revisionsgesuch brachte ein überraschendes Resultat: wegen »neuen Beweismaterials« wurde sein Urteil zu 5 Jahren Gefängnis reduziert, aus dem er bald danach entlassen wurde. Er muß wohl zur Zufriedenheit des dänischen Gerichts bewiesen haben, daß er wirklich sein Bestes getan hatte.“

 

Juden in der Zeit

 

Es gibt Schlimmeres als den Tod

 

„Was hätte den Gegensatz zwischen israelischem Heldentum und jüdischer Ohnmacht wohl besser illustrieren können als die furchtbaren Tatsachen – wie Tausende und aber Tausende, schließlich Millionen von Menschen sich pünktlich an den Transportstellen einfanden, um in den Tod geschickt zu werden, wie sie Schritt für Schritt selbst zur Hinrichtungsstätte gingen, dort sich ihre Gräber schaufelten, sich die Kleider auszogen und säuberlich zusammenfalteten, gehorsam Seite an Seite sich niederlegten, um erschossen zu werden. Und der Staatsanwalt hat auf diesem Punkt denn auch gehörig insistiert, indem er Zeugen um Zeugen immer wieder die gleichen Fragen stellte: »Warum habt ihr nicht Widerstand geleistet?«, »Warum seid ihr in den Zug eingestiegen?«, »Also da stehen 15.000 Leute gegen einige hundert Mann Bewachungspersonal, warum habt ihr sie nicht angegriffen? Warum habt ihr nicht rebelliert und euch auf sie gestürzt?« Das klang alles sehr schön und einleuchtend und war doch grundfalsch. Denn keine nichtjüdische Gruppe und kein anderes Volk haben sich unter den gleichen Umständen anders verhalten. David Rousset, der französische Schriftsteller und ehemalige Insasse von Buchenwald, hat vor sechzehn Jahren, noch unter dem direkten Einfluß der Ereignisse, beschrieben, was sich in allen Konzentrationslagern gleichermaßen zugetragen hat: »Der Triumph der SS verlangt, daß das gemarterte Opfer sich ohne Protest zum Galgen führen läßt, daß es auf Widerstand verzichtet und sich selbst so weit aufgibt, daß es die eigene Identität verliert. Und das geschieht nicht ohne Grund. Nicht umsonst, nicht einfach aus Sadismus bestehen die SS-Leute auf dieser Unterwerfung. Sie wissen, ein System, das sein Opfer zu zerstören vermag, ehe es aufs Schafott steigt …, ist unvergleichlich besser geeignet als jedes andere, ein ganzes Volk zu versklaven und in der Sklaverei zu halten. Nichts ist schrecklicher als diese Prozessionen menschlicher Wesen, die wie Gliederpuppen in den Tod gehen.« (»Les Jours de notre Mort«, 1947.) Das Gericht bekam von keinem der befragten Zeugen eine Antwort auf die törichten und grausamen Fragen des Staatsanwalts, die er sich leicht selbst hätte beantworten können, etwa bei der Erinnerung an das Schicksal von 425 jungen holländischen Juden, die im Februar 1941 nach dem Kampf einer jüdischen Widerstandsgruppe mit deutschen Sicherheitspolizisten im alten Judenviertel von Amsterdam verhaftet und zunächst nach Buchenwald gebracht wurden, um dann in dem österreichischen Konzentrationslager Mauthausen buchstäblich zu Tode gefoltert zu werden. Durch Monate hin starben sie tausend Tode, und jeder einzige von ihnen hätte allen Grund gehabt, seine Brüder in Auschwitz oder selbst in Riga und Minsk zu beneiden. Es gibt Schlimmeres als den Tod, und die SS hat zu allen Zeiten dafür gesorgt, daß ihre Opfer diese Tatsache niemals vergaßen. In dieser wie in anderer Hinsicht wurde die Wahrheit und wurden gerade auch die für Juden relevanten Tatsachen dadurch entstellt, daß die Darstellung des Gerichts sich so hartnäckig und ausschließlich nur mit den Leiden des jüdischen Volkes befaßte. Denn die Größe des Aufstandes im Warschauer Getto und das Heldentum der wenigen, die kämpfend in den Tod gingen, besteht darin, daß sie einen verhältnismäßig leichten Tod ausschlugen, den Tod vor dem Erschießungskommando oder in der Gaskammer, den ihnen die Nazis offerierten. Und die Zeugen, die in Jerusalem über Widerstand und Rebellion aussagten, daß »der Platz, den der Aufstand in der Geschichte der Katastrophe einnimmt, … nur klein ist«, bestätigten aufs neue, daß nur die ganz Jungen fähig gewesen sind zu dem »Entschluß, nicht einfach wie eine Herde zur Schlachtbank zu gehen«."

 

Jüdische Zusammenarbeit mit Eichmann

 

„So war das, was sich im März 1938 in Wien anbahnte, etwas gänzlich Neues. Eichmanns Aufgabe war als »forcierte Auswanderung« bezeichnet worden, was nichts weniger hieß, als daß alle Juden, ohne Rücksicht auf ihre Absichten und ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit, zur Auswanderung gezwungen werden sollten. Es handelte sich also um die Austreibung der Juden aus dem Reich, mit der man in Österreich begann. Sooft Eichmann sich an die zwölf besten Jahre seines Lebens erinnerte, hob er hervor, daß dieses Jahr in Wien als Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung aus Österreich seine glücklichste und erfolgreichste Zeit gewesen sei. Kurz zuvor war er zum Untersturmführer, das heißt in den Offiziersrang befördert und für seine »umfassende Kenntnis der Organisationsformen und Weltanschauung des Gegners Judentum« zitiert worden. Der Auftrag in Wien war die erste wichtige Aufgabe, die ihm übertragen wurde. Seine Karriere, die so langsam vorangeschritten war, war endlich in Gang gekommen. Er muß sich überschlagen haben, um sich zu bewähren, und sein Erfolg war glänzend: innerhalb von acht Monaten verließen 45.000 Juden Österreich, während nicht mehr als 19.000 in der gleichen Zeit aus Deutschland weggingen; in weniger als 18 Monaten war Österreich von annähernd 150.000 Menschen – etwa 60 Prozent der jüdischen Bevölkerung, wenn man die in Österreich recht zahlreichen getauften Juden mit einschließt – »gereinigt«, und sie alle hatten das Land »legal« verlassen; noch nach Kriegsausbruch konnten einige 60.000 entkommen.

Wie hat Eichmann das geschafft? Das Grundkonzept: die jüdische Auswanderung mit Hilfe der bestehenden lokalen und internationalen jüdischen Organisationen, die sowohl das Geld aufzubringen als auch den bürokratischen Apparat zu stellen hatten, staatlich zu organisieren, stammte natürlich nicht von ihm, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach von Heydrich, der ihn ja nach Wien geschickt hatte. Eichmann ließ sich auf die geistige Urheberschaft dieser »Idee« nicht festlegen, versuchte aber, sie wenigstens indirekt für sich in Anspruch zu nehmen. Seiner ohnehin beträchtlichen Neigung, sich mit fremden Federn zu schmücken, kamen die israelischen Behörden zu Hilfe, da sie von der phantastischen »Hypothese einer allumfassenden Verantwortung Adolf Eichmanns« ausgingen und dazu die noch phantastischere Vermutung hegten, »daß ein Gehirn [ausgerechnet das seine] hinter all dem steckte« (so in dem halboffiziellen Bulletin des israelischen Archivs Yad Waschem). Jedenfalls hat Heydrich unmittelbar nach der »Kristallnacht« in einer Besprechung mit Göring klipp und klar auseinandergesetzt, wie man zu den erstaunlichen Wiener Erfolgen gekommen war: »Wir haben das in der Form gemacht, daß wir den reichen Juden, die auswandern wollten, bei der jüdischen Kulturgemeinde eine gewisse Summe abgefordert haben. Mit dieser Summe und Devisenzuzahlungen konnte dann eine Anzahl der armen Juden herausgebracht werden. Das Problem war ja nicht, die reichen Juden herauszukriegen, sondern den jüdischen Mob.« Und dieses »Problem« hat nicht Eichmann gelöst, sondern – wie man erst nach dem Prozeß von dem Niederländischen Staatlichen Institut für Kriegsdokumentation erfuhr – Erich Rajakowitsch, ein »glänzender Jurist« und Erfinder des »Auswanderungsfonds«, den Eichmann seinem eigenen Zeugnis nach »zur Bearbeitung juristischer Fragen bei den Zentralstellen für jüdische Auswanderung in Wien, Prag und Berlin verwendet« hat und der später, im April 1941, von Heydrich nach Holland geschickt wurde, um dort »eine Zentralstelle zu errichten, die als Vorbild für die ›Lösung der Judenfrage‹ in allen besetzten europäischen Ländern gelten« sollte.

Immerhin blieben genügend Probleme übrig, die nur im Verlauf der Operation selbst gelöst werden konnten, und es besteht kein Zweifel, daß Eichmann hier zum erstenmal in seinem Leben gewisse besondere Fähigkeiten entwickelte. Zwei Dinge konnte er besser als andre: er konnte organisieren, und er konnte verhandeln. Sofort nach seiner Ankunft nahm er Verhandlungen mit den Vertretern der jüdischen Gemeinde auf, die er zunächst aus Gefängnissen und Konzentrationslagern herausholen mußte, da der »revolutionäre Eifer«, der in Österreich die anfänglichen »Ausschreitungen« in Deutschland bei weitem übertraf, zur Verhaftung praktisch aller prominenten Juden geführt hatte. Nach diesem Erlebnis erkannten die jüdischen Beamten auch ohne Eichmanns Nachhilfe die Vorteile der Emigration, und sie unterrichteten ihn vor allem über die enormen Schwierigkeiten, die einer Massenauswanderung im Wege standen. Abgesehen von finanziellen Problemen, die ja bereits »gelöst« waren, bestand die Hauptschwierigkeit in der Unzahl von Papieren, die jeder Emigrant zusammenbekommen mußte, ehe er das Land verlassen konnte. Jedes dieser Papiere war nur für begrenzte Zeit gültig, so daß die Gültigkeit des ersten meistens abgelaufen war, ehe er in den Besitz des letzten gelangen konnte. Eichmann ließ sich alles erklären, bis er begriffen hatte, wie die ganze Angelegenheit funktionierte oder vielmehr weshalb sie nicht funktionierte: »Ich ging mit mir zu Rate, und noch am selben Nachmittag hatte ich die Idee geboren, von der ich glaubte, daß es wiederum beiden Stellen recht wäre. Und zwar stellte ich mir ein laufendes Band vor, vorne kommt das erste Dokument drauf und die anderen Papiere, und rückwärts müßte dann der Reisepaß abfallen.« Das ließ sich verwirklichen, wenn alle in Frage kommenden Beamten und Funktionäre – das Finanzministerium, die Leute von der Einkommensteuer, die Polizei, die jüdische Gemeinde etc. – unter demselben Dach untergebracht würden und gezwungen wären, ihre Arbeit an Ort und Stelle in Gegenwart des Antragstellers zu erledigen. Der brauchte dann nicht mehr von Büro zu Büro zu rennen, und ein Teil der demütigenden Schikanen und Bestechungsgelder würde ihm wahrscheinlich auch erspart. Als alles bereit war und das laufende Band auf vollen Touren lief, beeilte sich Eichmann, die jüdischen Funktionäre aus Berlin zur Besichtigung »einzuladen«. Sie waren entgeistert: »… es ist wie ein automatisch laufender Betrieb, wie eine Mühle, in der Getreide zu Mehl zermahlen wird und die mit einer Bäckerei gekoppelt ist. Auf der einen Seite kommt der Jude herein, der noch etwas besitzt, einen Laden oder eine Fabrik oder ein Bankkonto. Nun geht er durch das ganze Gebäude, von Schalter zu Schalter, von Büro zu Büro, und wenn er auf der anderen Seite herauskommt, ist er aller Rechte beraubt, besitzt keinen Pfennig, dafür aber einen Paß, auf dem steht: ›Sie haben binnen 14 Tagen das Land zu verlassen, sonst kommen Sie ins Konzentrationslager.‹«

So sah natürlich die Wahrheit über diese Prozedur im wesentlichen aus, doch war es nicht die ganze Wahrheit. Man konnte nämlich diese Juden gar nicht allen Geldes berauben, weil kaum ein Land sie zu jenem Zeitpunkt ohne Geld aufgenommen hätte. Sie brauchten und bekamen ihr »Vorzeigegeld«, die Summe, die sie vorzeigen mußten, um ihre Visen zu erhalten und um die Einwanderungskontrollen der Aufnahmeländer zu passieren. Für diese Summe brauchten sie ausländische Währung, und das Reich hatte nicht die geringste Neigung, Devisen an Juden zu verschwenden. Diesem Mangel konnte nicht mit jüdischen Guthaben im Ausland abgeholfen werden, an die man in jedem Falle nur schwer herankam, da sie seit vielen Jahren illegal waren; so schickte Eichmann jüdische Funktionäre ins Ausland, um Fonds bei den großen jüdischen Organisationen zusammenzubringen, und diese Fonds wurden dann von der jüdischen Gemeinde mit beträchtlichem Profit an die künftigen Emigranten verkauft – 1 Dollar wurde zum Beispiel für 10 oder 20 Mark verkauft, während sein Marktwert nur 4,20 Mark betrug. Diese Methode verschaffte auch der Gemeinde das Geld, das für die armen Juden und für die Leute ohne ausländische Konten erforderlich war, und bestritt obendrein die laufenden Ausgaben, die die Gemeinde für ihren eigenen enorm erweiterten Betrieb brauchte. Eichmann konnte dieses Arrangement nicht in Gang bringen ohne beträchtliche Opposition von seiten der deutschen Finanzbehörden, des Finanzministeriums und der Reichsbank, denn es war ja klar, daß diese Transaktionen auf eine Abwertung der Mark hinausliefen.“

„Danach verlief, wie Eichmann sich erinnerte, alles mehr oder weniger reibungslos und wurde rasch zur Routine. Er selbst wurde bald zum Fachmann für Judenaussiedlung, so wie er früher ein Fachmann für »forcierte Auswanderung« gewesen war. In einem Land nach dem anderen ereignete sich das gleiche: die Juden mußten sich registrieren lassen, wurden gezwungen, als auffallendes Kennzeichen den gelben Stern zu tragen; sie wurden zusammengetrieben und deportiert, die verschiedenen Transporte wurden nach dem einen oder anderen der Vernichtungslager im Osten dirigiert, je nach deren augenblicklicher Kapazität; wenn ein Zug voller Juden in einem Lager ankam, wurden die kräftigeren zur Arbeit selektiert, oft genug zur Bedienung der Vernichtungsanlagen, und die übrigen sofort umgebracht … Die Judenräte wurden von Eichmann oder seinen Leuten darüber informiert, wie viele Juden man für die jeweils bewilligten Züge benötigte, und sie stellten danach die Listen der zu Deportierenden auf. Und die Juden ließen sich registrieren, sie füllten zahllose Formulare aus, beantworteten unendlich ausführliche Fragebogen über ihren Besitz, damit die Beschlagnahme ohne Komplikationen erfolgen konnte, und dann fanden sie sich pünktlich an den Sammelstellen ein und kletterten in die Güterwagen. Die wenigen, die sich zu verbergen oder zu entfliehen suchten, wurden von besonderen jüdischen Polizeitruppen ausfindig gemacht. Eichmann sah nur, daß keiner protestierte, daß alles klappte, weil alle »zusammenarbeiteten«. »Immerzu fahren hier die Leute zu ihrem eigenen Begräbnis«, schrieb eine Berliner Jüdin im Jahre 1943. Sie wußten alle Bescheid.“

 

„Natürlich verlangte er nicht, daß die Juden selbst die allgemeine Genugtuung über ihre Vernichtung teilten, aber mehr als bloßes Sich-Fügen verlangte er zweifellos, er verlangte Kooperation – und erhielt sie in wahrhaft erstaunlichem Maße. Daß er die jüdischen Funktionäre auch jetzt noch dazu bewegen konnte, »mitzuarbeiten«, war das A und O seiner Organisations- und Verhandlungskünste, wie es bereits bei seiner Tätigkeit in Wien der Fall gewesen war. Ohne diese Hilfe bei Verwaltungs- und Polizeimaßnahmen – die endgültige Festnahme der Juden in Berlin lag, wie bereits erwähnt, ausschließlich in den Händen von jüdischer Polizei – wäre entweder das völlige Chaos ausgebrochen, oder man hätte mehr deutsche Arbeitskräfte heranziehen müssen, als man zu diesem Zweck einsetzen konnte. (»Ob Widerstand oder auch nur die Weigerung mitzumachen etwas genützt hätte, steht dahin. Ganz ohne Zweifel aber wäre es ohne die Mitarbeit der Opfer schwerlich möglich gewesen, daß wenige tausend Menschen, von denen die meisten obendrein in Büros saßen, viele Hunderttausende andere Menschen vernichteten … Auf dem ganzen Weg in den Tod bekamen die polnischen Juden kaum mehr als eine Handvoll Deutsche zu sehen.« [So R. Pendorf in der oben erwähnten Schrift.] Und das gleiche trifft in sogar noch verstärktem Ausmaß für die Juden zu, die man nach Polen in den Tod transportierte.) Deshalb wurden parallel mit der Errichtung von Quisling-Regierungen in den besetzten Ländern jüdische Zentralbehörden eingesetzt – wo die Nazis keine Marionettenregierung einsetzen konnten, vermochten sie es auch nicht, die Mitarbeit der Juden zu mobilisieren (wie wir später sehen werden). Doch während die Mitglieder der Quisling-Kabinette für gewöhnlich aus bisherigen Oppositionsparteien genommen wurden, waren die Mitglieder der Judenräte in der Regel die anerkannten jüdischen Führer des Landes, in deren Hände die Nazis eine enorme Macht legten, die Macht über Leben und Tod – so lange, bis sie selbst auch deportiert wurden, immerhin gewöhnlich »nur« nach Theresienstadt oder Bergen-Belsen, wenn sie aus Mittel- und Westeuropa kamen, jedoch nach Auschwitz, wenn es sich um Ostjuden handelte.

Diese Rolle der jüdischen Führer bei der Zerstörung ihres eigenen Volkes ist für Juden zweifellos das dunkelste Kapitel in der ganzen dunklen Geschichte. Wohl sind diese Dinge nicht unbekannt gewesen, aber die furchtbaren und erniedrigenden Einzelheiten dieser Arbeit sind erst jetzt in Raul Hilbergs grundlegendem Buch »The Destruction of the European Jews« so zusammengestellt worden, daß sie ein einheitliches Bild ergeben. In dieser Frage der Kooperation gab es keinen Unterschied zwischen den weitgehend assimilierten jüdischen Gemeinden in Mittel- und Westeuropa und den jiddisch sprechenden Massen des Ostens. In Amsterdam wie in Warschau, in Berlin wie in Budapest konnten sich die Nazis darauf verlassen, daß jüdische Funktionäre Personal- und Vermögenslisten ausfertigen, die Kosten für Deportation und Vernichtung bei den zu Deportierenden aufbringen, frei gewordene Wohnungen im Auge behalten und Polizeikräfte zur Verfügung stellen würden, um die Juden ergreifen und auf die Züge bringen zu helfen – bis zum bitteren Ende, der Übergabe des jüdischen Gemeindebesitzes zwecks ordnungsgemäßer Konfiskation. Auch verteilten sie den gelben Stern, und zuweilen wurde, wie z. B. in Warschau, »der Verkauf von Armbinden zum regelrechten Geschäftsunternehmen; da gab es gewöhnliche Armbinden aus Stoff und abwaschbare Luxusarmbinden aus Kunststoff«. Noch heute bezeugen ihre von den Nazis beeinflußten, aber nicht diktierten Manifeste, wie sie ihre neue Macht genossen – »der jüdische Zentralrat ist mit der Vollmacht ausgestattet, über den gesamten geistigen und materiellen Besitz der Juden und über die vorhandenen jüdischen Arbeitskräfte zu verfügen«, kündigte die erste Verlautbarung des Budapester Rats an. Wir wissen, wie den jüdischen Funktionären zumute war, als man sie zu Werkzeugen des Mordens machte – wie Kapitänen, »die das sinkende Schiff doch noch sicher in den Hafen bringen, weil sie einen großen Teil der kostbaren Ladung über Bord geworfen hatten«, wie Rettern des jüdischen Volkes, die »mit hundert Opfern tausend Menschen retten, mit tausend Opfern zehntausend«. (Die Wirklichkeit sah noch erheblich anders aus: Dr. Kastner z. B. erkaufte in Ungarn die Rettung von genau 1.684 Menschen mit ungefähr 476.000 Opfern.) Da man noch nicht einmal mit »tausend Opfern hundert Menschen« rettete, durfte man in der Meinung der Judenräte auf keinen Fall die Auswahl »dem blinden Zufall« überlassen; und diejenigen, die dem Zufall zuvorkamen, waren der Meinung, sie seien im Besitz »wahrhaft heiliger Grundsätze« als »Lenker der schwachen menschlichen Hand, die den Namen des Unbekannten aufs Papier schreibt und damit über Leben und Tod entscheidet«. Und wen schrieben die »heiligen Grundsätze« zur Rettung vor? Diejenigen, »die zeitlebens für den Zibur (die Gemeinschaft) gewirkt hatten«, also die Funktionäre, und die »prominentesten Juden« – wie im KastnerBericht nachzulesen ist.

Niemand hielt es für notwendig, den jüdischen Funktionären ein »Schweigegelübde« abzunehmen; sie waren freiwillige »Geheimnisträger«, entweder, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten und Panik zu vermeiden wie in Dr. Kastners Fall, oder aus der »menschlichen« Erwägung, daß »in Erwartung des Todes durch Vergasung zu leben nur noch härter wäre«, wie Dr. Leo Baeck, der ehemalige Oberrabbiner von Berlin, meinte. Die Aussage einer Zeugin im Eichmann-Prozeß machte deutlich, was diese Art von »Menschlichkeit« unter ganz und gar unmenschlichen Umständen für Folgen haben konnte – in Theresienstadt meldeten sich die Menschen freiwillig zur Deportation nach Auschwitz, und wer ihnen die Wahrheit zu sagen versuchte, den brandmarkten sie als »nicht recht bei Trost«. Wir kennen die Männer, die zur Zeit der »Endlösung« an der Spitze der jüdischen Gemeinden standen – die Skala reicht von Chaim Rumkowski, genannt ChaimI., dem Judenältesten von Lodz, der Geldscheine mit seiner Unterschrift und Briefmarken mit seinem Porträt drucken und sich in einer Art Karosse durch die Straßen kutschieren ließ, über den gelehrten, milden und hochkultivierten Leo Baeck, der ernsthaft meinte, daß jüdische Polizisten »sanfter und hilfreicher« sein und »die Qual erträglicher machen« würden (wohingegen sie in Wirklichkeit natürlich härter und weniger bestechlich waren, weil für sie selbst so viel mehr auf dem Spiel stand), bis zu den wenigen, die Selbstmord begingen – wie Adam Czerniakow; er war Vorsitzender des Warschauer Judenrats, kein Rabbiner, sondern ein Freidenker, ein polnisch sprechender jüdischer Ingenieur, der wissentlich oder unwissentlich im Sinne des rabbinischen Spruches handelte: »Laßt euch töten, aber überschreitet nicht die Grenze.«

Daß die Anklage, die schon der Adenauer-Regierung Verlegenheit zu ersparen suchte, gewichtigere und einleuchtendere Gründe hatte, dieses Kapitel nicht zu beleuchten, lag auf der Hand. (Offenbar scheute man sich, vor der ganzen Welt das zu erörtern, was in den israelischen Geschichtsbüchern für die Schulen mit erstaunlicher Freimütigkeit gelehrt wird – wie man unschwer dem Artikel von Mark M. Krug »Young Israelis and Jews Abroad – a Study of Selected History Textbooks« in der »Comparative Education Review« vom Oktober 1963, entnehmen kann.) Es muß aber hier mit herangezogen werden, denn nur so erklären sich gewisse sonst unerklärliche Lücken in der Dokumentation eines im allgemeinen überdokumentierten Rechtsfalles. Ein Beispiel dafür haben die Richter ausdrücklich erwähnt, das Fehlen von H. G. Adlers »Theresienstadt 1941 – 45« (1955) im Prozeßmaterial – die Anklage räumte mit einer gewissen Verlegenheit ein, daß dieses Buch »authentisch, auf unwiderlegbaren Quellen aufgebaut« ist. Der Grund für diese Unterlassung war klar. Das Buch beschreibt im Detail, wie in Theresienstadt die gefürchteten »Transportlisten« vom Judenrat zusammengestellt wurden, nachdem die SS in allgemeinen Richtlinien vorgeschrieben hatte, wie viele Menschen zu verschicken seien, mit Angaben über Alter, Geschlecht, Beruf und Ursprungsland der »Auszukämmenden«. Die Beweisführung der Anklage wäre abgeschwächt worden durch das Eingeständnis, daß die Namhaftmachung der Personen, die jeweils in den Untergang geschickt wurden, mit wenigen Ausnahmen Aufgabe der jüdischen Verwaltung war. Als der stellvertretende Staatsanwalt Ya’akov Baror auf die Zwischenfrage nach Adlers Buch von der Richterbank aus antwortete, bestätigte er das in gewisser Hinsicht: »Wir bemühen uns, diese Dinge, die irgendwie mit dem Angeklagten in Beziehung stehen, so vorzutragen, daß das Bild in seiner Gesamtheit nicht beeinträchtigt wird.« Das Bild wäre in der Tat wesentlich beeinträchtigt worden, hätte man Adlers Buch als Prozeßmaterial hinzugezogen, denn sein Bericht hätte der Aussage des Hauptzeugen widersprochen, den die Anklagevertretung zum Komplex Theresienstadt geladen hatte, daß nämlich Eichmann die für Auschwitz bestimmten Personen selbst einzeln ausgesucht habe. Vor allem aber hätte das Gesamtbild der Anklage insofern gelitten, als es durchgängig eine scharfe Trennungslinie zwischen Verfolgern und Opfern zog, obwohl die Rolle des Kaposystems in allen Lagern und die Funktion der jüdischen Sonderkommandos vor allem in Auschwitz ja allgemein bekannt sind. Beweismaterial zugänglich zu machen, das die Argumentation der Anklage widerlegt, ist für gewöhnlich Aufgabe des Verteidigers, und die Frage, weshalb Dr. Servatius, der einige unwesentliche Widersprüchlichkeiten dieser Zeugenaussage aufgriff, sich eines so leicht zugänglichen und weitbekannten Werkes nicht bediente, ist schwer zu beantworten. Er hätte sich z. B. darauf berufen können, daß Eichmann gleich nach seiner Verwandlung aus dem »Auswanderungs«- in den »Evakuierungs«-Experten seine alten jüdischen Verbindungsmänner aus der Emigrationsperiode zu »Judenältesten« in Theresienstadt ernannte: Dr. Paul Eppstein, den Leiter der Berliner Emigrationsstelle, und Rabbi Benjamin Murmelstein, der die gleiche Stellung in Wien innegehabt hatte. Das hätte die Atmosphäre, in der Eichmann arbeitete, besser rekonstruiert als all die unerfreulichen, oft geradezu empörenden Reden der Verteidigung über Eid und Treue und die Vorteile des Kadavergehorsams für das gesunde Leben der Staaten. Die Aussage von Frau Charlotte Salzberger (aus der ich bereits zitierte) erlaubte uns wenigstens einen flüchtigen Blick auf diesen vernachlässigten Aspekt dessen, was die Anklage ihr »Gesamtbild« nannte. Dem vorsitzenden Richter gefiel weder dieser Ausdruck noch das Bild selbst. Er ermahnte den Generalstaatsanwalt mehrfach, daß »wir hier keine Bilder malen«, es handle sich »um eine Anklage, und diese Anklage ist der Rahmen für unser Verfahren«, das Gericht habe sich »seine eigene Ansicht über dieses Verfahren auf Grund der Anklage« gebildet, und die Staatsanwaltschaft müsse »sich an die Richtlinien halten, die das Gericht festlegt« –beherzigenswerte Ermahnungen zur Einhaltung eines korrekten strafrechtlichen Verfahrens, die alle nicht beachtet wurden. Ja, die Staatsanwaltschaft unterließ es sogar, ihre Zeugen überhaupt zu vernehmen; wenn die Richter einmal gar zu nachdrücklich mahnten, warf sie den Zeugen gesprächsweise ein paar Fragen hin – mit dem Ergebnis, daß sich die Zeugen verhielten, als seien sie Versammlungsredner auf einem Meeting unter dem Vorsitz des Generalstaatsanwalts. Sie durften fast so lange reden, wie sie wünschten, und nur bei seltenen Gelegenheiten wurden ihnen überhaupt spezifische Fragen gestellt.“

 

„Abgesehen von allen juristischen Überlegungen, war es eine ausgesprochene Wohltat, auf dem Zeugenstand dieses Gerichtssaales den ehemaligen jüdischen Widerstandskämpfern zu begegnen. Ihr Auftreten verjagte das Gespenst einer allseitigen Gefügigkeit und brachte in den erstickenden, vergiftenden Dunstkreis der »Endlösung«, der sich in diesem Prozeß noch einmal ausbreitete, ein wenig Luft. Daß in den Todeslagern die direkten Handreichungen zur Vernichtung der Opfer im allgemeinen von jüdischen Kommandos verrichtet wurden, diese an sich bekannte Tatsache hatten die von der Anklage geladenen Zeugen klipp und klar bestätigt – wie die »Sonderkommandos« in Gaskammern und Krematorien gearbeitet, wie sie den Leichen die Goldzähne gezogen und die Haare abgeschnitten hatten, wie sie die Gräber gegraben und später die gleichen Gräber wieder aufgegraben hatten, um die Spuren des Massenmords zu beseitigen, wie jüdische Techniker die später nicht benutzten Gaskammern in Theresienstadt gebaut hatten, wo die jüdische »Autonomie« so weit getrieben wurde, daß selbst der Henker ein Jude war. Das alles war zwar grauenhaft, aber ein moralisches Problem war es nicht. Die Selektion und Klassifikation der Arbeiter in den Lagern wurde von der SS getroffen, die eine ausgeprägte Vorliebe für kriminelle Elemente hatte; es konnte sich da in jedem Fall nur um die Auswahl der Schlechtesten handeln. (Das galt besonders für Polen, wo die Nazis einen großen Prozentsatz der jüdischen Intelligenz schon in den ersten Kriegsjahren umgebracht hatten, als sie die polnischen Intellektuellen und Angehörigen der freien Berufe töteten – in direktem Gegensatz übrigens zu ihrer Politik in Westeuropa, wo sie prominente Juden eher als Tauschobjekte aufbewahrten, um mit ihnen deutsche Zivilinternierte oder Kriegsgefangene auszulösen; Bergen-Belsen war ursprünglich ein Lager für »Austauschjuden« gewesen.) Das moralische Problem lag in dem Gran von Wahrheit, der in Eichmanns Darstellung seiner Zusammenarbeit mit den jüdischen Funktionären selbst unter den Bedingungen der »Endlösung« enthalten war:

»Der Judenrat, wie er sich zusammensetzte und … wie sie sich verteilten und welche Geschäfts-, sagen wir mal, Sektoren die einzelnen übernahmen, das war dem Judenrat überlassen. Aber die Leitung, wer der Leiter ist, das selbstverständlich [hing von uns ab]. Aber wie gesagt … es ist nicht in Form einer, sagen wir mal, diktatorischen Entscheidung vorgegangen worden, sondern man hat das mit diesen Funktionären, mit denen man dauernd zu tun hatte, hatte man das mehr oder weniger, wie soll ich sagen, wie eine – ein Spiel mit rohen Eiern behandelt, um es mal so auszudrücken … es wurde also nicht angeordnet, aus dem ganz einfachen Grund, Herr Hauptmann, wenn bei den Spitzenfunktionären irgend etwas, sagen wir mal gesagt würde, so in der Form – du mußt, du hast, usw. usw. – dann ist ja damit die Sache – der Sache auch nicht gedient. Denn wenn es nicht – nicht –, wenn der Betreffende es nicht – nicht gern macht, dann leidet ja die gesamte Arbeit darunter … es wurde alles irgendwie versucht mundgerecht zu machen.«

Zweifellos haben sie »alles versucht« – das Problem ist nur, wie es ihnen hat gelingen können.

Und so entstand in Herrn Hausners »Gesamtbild« gerade an dieser bedenklichsten Stelle ein leerer Fleck dadurch, daß kein Zeuge über die Zusammenarbeit zwischen nationalsozialistischen und jüdischen Behörden vernommen wurde, daß also kein Anlaß bestand, die schwerwiegende Frage zu stellen: Warum habt ihr die Mitarbeit an der Zerstörung eures eigenen Volkes und letztlich an eurem eigenen Untergang nicht verweigert? Unter den Zeugen war nur ein einziger, der seinerzeit prominentes Mitglied eines Judenrats gewesen war: Pinchas Freudiger alias Baron Philipp von Freudiger aus Budapest, und nicht von ungefähr kam es während seiner Vernehmung zu dem einzigen schwerwiegenden Zwischenfall im Publikum: die Menschen schrien auf ungarisch und jiddisch auf den Zeugen ein, und das Gericht mußte die Sitzung unterbrechen. Freudiger, ein orthodoxer Jude, war heftig erregt: »Hier gibt es Leute, die sagen, daß niemand ihnen geraten hat zu fliehen. Aber von den Leuten, die geflohen sind, wurden 50 Prozent wieder eingefangen und getötet!« – dagegen stehen 99 Prozent Todesopfer unter denen, die nicht zu fliehen versuchten. »Wohin hätten sie denn gehen können? Wohin hätten sie fliehen können?« – er selbst aber war nach Rumänien geflohen, denn er war reich, und Wisliceny hatte ihm geholfen. »Was konnten wir denn tun? Was sollten wir denn tun?« Die einzige Antwort darauf kam von der Richterbank: Richter Landau sagte: »Ich glaube nicht, daß die Frage damit beantwortet ist« – jene Frage, die nicht vom Gericht, sondern von der Galerie gestellt worden war.

Zweimal berührten die Richter die Frage der Kooperation. Richter Yitzak Raveh holte aus einem der Widerstandszeugen das Zugeständnis heraus, daß die »Gettopolizei ein Instrument in der Hand von Mördern« gewesen sei und daß es eine »Politik der Zusammenarbeit des Judenrats mit den Nazis« gegeben habe; und aus Richter Halevis Kreuzverhör mit Eichmann ergab sich, daß die Nazis jene Zusammenarbeit als die eigentliche Grundlage ihrer Judenpolitik betrachtet hatten. Doch die Frage, die der Ankläger regelmäßig an alle Zeugen, mit Ausnahme der Widerstandskämpfer, richtete, die so einleuchtend klang, wenn man den tatsächlichen Hintergrund des Prozesses nicht kannte, die stereotype Frage »Warum habt ihr nicht rebelliert?«, diente in Wirklichkeit der Vernebelung der Frage, die nicht gestellt wurde. Und so geschah es, daß alle Antworten auf die unbeantwortbare Frage, die Hausner seinen Zeugen vorlegte, wesentlich weniger ans Licht brachten als die »Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit«. Zwar war das jüdische Volk als Ganzes nicht organisiert; Juden hatten kein Territorium, keinen Staat, keine Armee und daher in der Stunde ihrer größten Not keine Exilregierung, die sie bei den Alliierten hätte vertreten können (die Jewish Agency for Palestine unter dem Vorsitz von Dr. Weizmann war bestenfalls ein armseliger Ersatz); sie hatten keine versteckten Waffenvorräte, keine militärisch ausgebildete Jugend. Dies aber heißt nicht, daß das jüdische Volk gänzlich unorganisiert und führerlos gewesen wäre. Außer in der Sowjetunion gab es überall die Gemeinden mit ihrem Presse- und Nachrichtenwesen, das von den Nazis umgeschaltet und gleichgeschaltet werden konnte, die Parteien und die internationalen Wohlfahrtsorganisationen. Von Polen bis Holland und Frankreich, von Skandinavien bis zum Balkan gab es anerkannte jüdische Führer, und diese Führerschaft hat fast ohne Ausnahme auf die eine oder andere Weise, aus dem einen oder anderen Grund mit den Nazis zusammengearbeitet. Wäre das jüdische Volk wirklich unorganisiert und führerlos gewesen, so hätte die »Endlösung« ein furchtbares Chaos und ein unerhörtes Elend bedeutet, aber angesichts des komplizierten bürokratischen Apparats, der für das »Auskämmen« von Westen nach Osten notwendig war, wäre das Resultat nur in den östlichen Gebieten, die ohnehin der Kompetenz der »Endlöser« nicht unterstanden, gleich schrecklich gewesen, und die Gesamtzahl der Opfer hätte schwerlich die Zahl von viereinhalb bis sechs Millionen Menschen erreicht. (Nach Freudigers Rechnung hätte etwa die Hälfte sich retten können, wenn sie den Anweisungen des Judenrats nicht gefolgt wäre. Dies ist natürlich eine leere Schätzung, aber man wird doch nachdenklich, wenn man sieht, daß sie mit annähernd exakten Zahlen übereinstimmt, die wir aus Holland haben und die ich der Freundlichkeit von Herrn Dr. L. de Jong verdanke, dem Leiter des Niederländischen Staatlichen Instituts für Kriegsdokumentation. In Holland nämlich, wo der Joodsche Rad sehr rasch wie alle anderen holländischen Behörden zu einem »Werkzeug der Nazis« wurde, sind insgesamt 103.000 Juden auf die übliche Weise, also unter Mitarbeit des Judenrats, deportiert worden. Von ihnen sind 519 übriggeblieben. Hingegen sind von den etwa 20.000 – 25.000 Juden, die sich dem Zugriff der Nazis, und das hieß auch des Judenrats, entzogen und untertauchten, immerhin 10.000 am Leben geblieben.)

Mein Bericht hat sich bei diesem Kapitel aufgehalten, das der Jerusalemer Prozeß der Welt nicht in seinem wahren Ausmaß vor Augen führte, weil es den tiefsten Einblick in die Totalität des moralischen Zusammenbruchs gewährt, den die Nazis in allen, vor allem auch den höheren Schichten der Gesellschaft ganz Europas verursacht haben – nicht allein in Deutschland, sondern in fast allen Ländern, nicht allein unter den Verfolgern, sondern auch unter den Verfolgten. Eichmann hatte, im Gegensatz zu anderen Elementen in der Nazibewegung, vor der »guten Gesellschaft« stets den größten Respekt, und wenn er deutsch sprechenden jüdischen Funktionären nicht selten höflich gegenübertrat, dann vornehmlich in dem Bewußtsein, daß seine Gesprächspartner ihm gesellschaftlich überlegen waren. Er war ganz und gar nicht eine »Landsknechtsnatur«, als die ihn einer der Zeugen hinstellte, er war kein Abenteurer, kein Zyniker, kein Nihilist. Das Kredo, an das er inbrünstig und bis zu seinem Ende glaubte, war der »Erfolg«, der Wertmaßstab dessen, was er als »gute Gesellschaft« kannte. Ganz typisch dafür ist sein Resümee zum Thema Adolf Hitler, den Sassen und er aus ihrer Geschichte »herauszuhalten« beschlossen. Hitler, so sagte Eichmann, »mag hundertprozentig unrecht gehabt haben, aber eins steht jenseits aller Diskussion fest: der Mann war fähig, sich vom Gefreiten der deutschen Armee zum Führer eines Volkes von fast 80 Millionen emporzuarbeiten … Sein Erfolg allein beweist mir, daß ich mich ihm unterzuordnen hatte«.“

 

Privilegien für deutsche Juden

 

„Genauer noch als die Frage von Dr. Servatius traf den Sachverhalt, was Eichmann selbst in seinem Schlußwort vor Gericht über diese Episode sagte: »Niemand«, wiederholte er, »ist an mich herangetreten und hat mir Vorhaltungen gemacht wegen meiner Amtstätigkeit. Dies behauptet selbst der Zeuge Propst Grüber nicht von sich. Er kam zu mir und wünschte nur Erleichterung, ohne sich gegen meine Amtstätigkeit selbst zu wenden.« Nach seiner eigenen Aussage scheint Propst Grüber weniger um »Erleichterung« des allgemeinen Leidens ersucht zu haben als um Ausnahmen, die sich im Rahmen der früher von den Nazis anerkannten Kategorien bevorzugter Juden hielten. Diese Kategorien waren von dem deutschen Judentum von Anbeginn ohne Protest akzeptiert worden. Und mit dem Akzeptieren von Privilegien für deutsche Juden gegenüber Ostjuden, für Kriegsteilnehmer und Juden mit Orden gegenüber gewöhnlichen Juden, für Familien, deren Vorfahren in Deutschland geboren waren, gegenüber Zugewanderten und Naturalisierten fing der moralische Zusammenbruch des deutschjüdischen Bürgertums an. (Angesichts der Tatsache, daß diese Dinge heute oft so behandelt werden, als sei es das Natürlichste von der Welt, sich in katastrophalen Situationen unwürdig zu benehmen, sei an die Haltung der jüdischen Kriegsteilnehmer Frankreichs erinnert, die, als ihre Regierung ihnen die gleichen Privilegien anbot, erwiderten: »Wir erklären feierlich, daß wir alle besonderen Vorteile zurückweisen, die uns aus unserem Status als ehemalige Soldaten erwachsen mögen« [»American Jewish Yearbook«, 1945].) Daß die Nazis selbst diese Unterscheidungen niemals ernst nahmen, versteht sich von selbst; für sie war ein Jude ein Jude, doch die Kategorien spielten bis zum Schluß insofern eine Rolle, als sie ein gewisses Unbehagen in der deutschen Bevölkerung besänftigten: es wurden ja nur polnische Juden deportiert, nur Leute, die sich vor dem Wehrdienst gedrückt hatten, und so weiter. Für diejenigen, die sehen wollten, mußte von Anfang an klar sein, daß es »allgemeine Praxis war, gewisse Ausnahmen zuzulassen, um die allgemeine Regel desto leichter aufrechterhalten zu können« (in den Worten von Louis de Jong in einem aufschlußreichen Artikel über »Jews and Non-Jews in Nazi-Occupied Holland«).

Moralisch war dies Akzeptieren von privilegierten Kategorien deshalb so verhängnisvoll, weil jeder, der für seinen Fall eine »Ausnahme« beanspruchte, damit indirekt die Regel anerkannte, doch offenbar hat keiner von denen, die, ob Juden oder Nichtjuden, zweifellos das Beste wollten, wenn sie sich für »Sonderfälle« einsetzten, bei denen die Bitte um Vorzugsbehandlung zulässig war, dies jemals begriffen. Nichts wirft wohl ein so grelles Licht auf das Ausmaß, in dem selbst die jüdischen Opfer die noch bei der »Endlösung« geltenden Kategorien akzeptierten, wie der in Deutschland veröffentlichte Kastner-Bericht, aus dem hervorgeht, daß Kastner sogar nach Beendigung des Krieges noch stolz auf seinen Erfolg bei der Rettung »prominenter Juden« war, einer von den Nazis offiziell 1942 eingeführten Kategorie – als verstünde es sich auch seiner Meinung nach von selbst, daß ein berühmter Jude mehr Recht darauf hatte, am Leben zu bleiben, als ein gewöhnlicher. »Prominente oder Meterware«, in den von Kastner berichteten Worten des SS-Standartenführers Kurt Becher, das war die Frage. Und wenn er den Herren von der SS dabei half, die Berühmten aus der anonymen Masse auszusortieren, so hatte er seiner Meinung nach nur die wirklichen Interessen des jüdischen Volkes vertreten. Denn: »Mehr als Mut zum Tod hieß es Mut zur Verantwortung zu haben.« Wozu nur zu bemerken ist, daß dieser »Mut zur Verantwortung« mit der berechtigten Hoffnung gekoppelt war, den »Mut zum Tode« nicht unter Beweis stellen zu müssen. Wenn auch die jüdischen und nichtjüdischen Befürworter von »Sonderfällen« sich ihrer unfreiwilligen Komplizität nicht bewußt gewesen sein mögen, denjenigen, die das Mordgewerbe betrieben, kann diese indirekte stillschweigende Anerkennung der Regel, die eben für alle nicht-besonderen Fälle den Tod bedeutete, nicht entgangen sein. Um Ausnahmen gebeten zu werden, gelegentlich Ausnahmen zu gewähren und sich so den Dank ihrer Opfer zu verdienen, das mußte ihnen zumindest das Gefühl verschaffen, daß selbst ihre Gegner an der Rechtsgültigkeit ihres Tuns nicht zweifelten.“

 

Zionisten und Nazis

 

„Denn »fest steht …, daß sich während der ersten Phasen der nationalsozialistischen Judenpolitik nicht selten eine Situation entwickelte, in welcher es den Nationalsozialisten angebracht erschien, eine prozionistische Haltung einzunehmen oder vorzugeben« (Hans Lamm), und während dieser frühen Zeit hatte Eichmann seine Weisheit über die Juden erworben. Er war auch keineswegs der einzige, der diesen »Pro-Zionismus« ernst nahm; die deutschen Juden selbst meinten, daß es genügen würde, die »Assimilation« durch einen neuen Prozeß der »Dissimilation« rückgängig zu machen, und strömten den zionistischen Organisationen zu. (Es gibt keine zuverlässige Statistik für diese Entwicklung, man schätzt aber, daß die Auflage des zionistischen Wochenblatts »Die Jüdische Rundschau« während der ersten Monate des Hitlerregimes von ca. 5.000 – 7.000 auf beinahe 40.000 sprang, und es ist belegt, daß die zionistischen Organisationen im Jahre 1935/36 an Beiträgen und Spenden von einer beträchtlich verkleinerten und verarmten Bevölkerungsgruppe dreimal soviel erhielten wie 1931/32.)

Das brauchte nicht unbedingt zu bedeuten, daß die Juden nach Palästina auszuwandern wünschten; es war eher eine Frage des Stolzes: »Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!« war zu Recht die populärste Parole jener Jahre, geprägt von Robert Weltsch, dem Chefredakteur der »Jüdischen Rundschau«, als Antwort auf den Boykott vom 1. April 1933; sie entsprach genau der damals einzig möglichen Haltung. Die polemische Pointe der Parole richtete sich gegen die »Assimilanten« und all jene, die es ablehnten, der neuen »revolutionären Entwicklung« zu folgen, gegen die »ewig Gestrigen«. Zeugen aus Deutschland beschworen während des Prozesses die Erinnerung an dieses Schlagwort wieder herauf. In der Rührung, die sie dabei überfiel, vergaßen sie zu erwähnen, daß Robert Weltsch, auch heute noch ein sehr angesehener Journalist, vor einigen Jahren gesagt hat, er hätte niemals diese Parole ausgegeben, wenn er hätte voraussehen können, daß die Juden nur sechs Jahre später wirklich gezwungen werden würden, den sechszackigen gelben Stern zu tragen. Aber ganz abgesehen von allen Parolen und den innerjüdischen ideologischen Auseinandersetzungen, war es in jenen Jahren einfach eine Erfahrungstatsache, daß nur Zionisten Aussichten hatten, mit deutschen Behörden erfolgreich zu verhandeln. Das lag daran, daß ihr hauptsächlicher innerjüdischer Gegner, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem damals 95% der organisierten Juden Deutschlands angehörten, laut Statuten vor allem um des »Kampfes gegen den Antisemitismus« willen existierte, was nun den Verband automatisch zu einer »staatsfeindlichen Organisation« machte, die unweigerlich von Staats wegen verfolgt worden wäre, wenn sie ihren Statuten treu geblieben wäre – was nicht geschah. Den Zionisten aber erschien in den ersten Jahren Hitlers Machtergreifung hauptsächlich als »eine entscheidende Niederlage der Assimilation«. Deshalb konnten sie sich, zumindest eine Zeitlang, auf eine von ihrem Standpunkt aus ganz legitime Zusammenarbeit mit den Nazibehörden einlassen; sie glaubten ja wirklich, daß »Dissimilation«, verbunden mit der Emigration junger Juden und, wie sie hofften, jüdischer Kapitalisten nach Palästina, eine für »beide Teile tragbare Lösung« sein werde. Viele deutsche Beamte waren damals der gleichen Meinung, und unverbindliche Redensarten dieser Art haben offenbar bis zum Schluß eine Rolle gespielt. So berichtet ein gut unterrichteter deutscher Jude, der als Schwerkriegsverletzter nach Theresienstadt kam und den Krieg überlebte, daß alle führenden Positionen in der von den Nazis im Jahre 1939 erzwungenen Reichsvereinigung von Zionisten besetzt wurden, und zwar ausdrücklich »mit der Begründung, daß diese die ›anständigen‹ Juden seien, da sie genau wie die Nazis ›national‹ dächten«. Natürlich hat sich kein prominenter Nazi je öffentlich in diesem Sinne geäußert; die Nazipropaganda war von Anfang bis Ende unzweideutig auf fanatischen und kompromißlosen Antisemitismus abgestellt; und letzten Endes zählten eben nur die Dinge, die Menschen ohne Erfahrung mit einem totalitären Herrschaftsapparat als »bloße Propaganda« abtaten. In jenen ersten Jahren entstand ein scheinbar gegenseitig höchst zufriedenstellendes Übereinkommen zwischen den Nazibehörden und der Jewish Agency for Palestine, das sogenannte Ha’-avarah oder Transferabkommen, das es Emigranten, die nach Palästina gingen, ermöglichte, ihr Geld in Form deutscher Waren zu transferieren; was sie in Deutschland eingezahlt hatten, wurde ihnen bei der Ankunft in Pfund zurückgezahlt. Dies erwies sich bald als die einzige legale Möglichkeit für jüdische Auswanderer, ihr Geld mitzunehmen, es sei denn, sie eröffneten ein Sperrkonto, das man vom Ausland aus nur mit einem Verlust von 50 % bis schließlich 95 % realisieren konnte. Das Ergebnis war, daß in den dreißiger Jahren, als das amerikanische Judentum sich bemühte, einen Boykott deutscher Waren zu organisieren, ausgerechnet Palästina mit allen möglichen Erzeugnissen »made in Germany« überschwemmt war.

Von größerer Bedeutung als diese offiziellen Abkommen waren jedoch für Eichmann die Emissäre aus Palästina, die aus eigener Initiative und ohne sich von den deutschen Zionisten oder der Jewish Agency viel dreinreden zu lassen, an Gestapo und SS herantraten. Sie verhandelten um die Unterstützung der illegalen jüdischen Einwanderung in das englische Mandatsgebiet und fanden bei der Gestapo ebenso wie bei der SS Gehör. Mit Eichmann hatten sie in Wien zu tun und berichteten später darüber, daß er »höflich« gewesen sei, »nicht der Typ, der die Leute anschnauzt«; er habe ihnen sogar Bauernhöfe und landwirtschaftliche Geräte für die Umschulung künftiger Emigranten zur Verfügung gestellt. (»Bei einer Gelegenheit vertrieb er eine Gruppe von Nonnen aus einem Kloster, um ein Auswandererlehrgut für junge Juden bereitzustellen«, und ein anderes Mal sei »ein Sonderzug [bereitgestellt] und von Naziposten begleitet« worden, um eine Gruppe von Emigranten, die angeblich nach zionistischen Schulungslagern in Jugoslawien unterwegs waren, sicher über die Grenze zu bringen.) Wenn man sich an den Bericht von Jon und David Kimche hält – der »voll und ganz auf der großzügigen Mitarbeit aller Hauptbeteiligten« basiert und unter dem Titel »The Secret Roads: The ›Illegal‹ Migration of a People, 1938 – 1948« in London im Jahre 1954 veröffentlicht worden ist –, dann sprachen diese Juden aus Palästina eine Sprache, die von Eichmanns eigenem damaligen Sprachgebrauch keineswegs total verschieden war. Sie waren von den Gemeinschaftssiedlungen in Palästina nach Europa geschickt worden, für Rettungsaktionen interessierten sie sich nicht: »das war nicht ihre Aufgabe«. Vielmehr wollten sie »brauchbares Material« auswählen, und im Rahmen dieses Unternehmens betrachteten sie – da ja das Ausrottungsprogramm noch nicht in Gang gekommen war – als ihren Hauptgegner nicht diejenigen, die den Juden das Leben in der alten Heimat, in Deutschland und Österreich, unerträglich machten, sondern jene anderen, die den Zugang zur neuen Heimat versperrten; ihr Feind war ganz eindeutig nicht Deutschland, sondern England. Dabei konnten sie im Unterschied zu den einheimischen Juden natürlich mit den Nazibehörden nur deshalb auf annähernd gleichem Fuß verhandeln, weil sie den Schutz der Mandatsmacht genossen; vermutlich waren sie die ersten Juden, die offen von gemeinsamen Interessen sprachen – jedenfalls waren sie die ersten, denen es erlaubt wurde, unter den Juden in den Konzentrationslagern »junge jüdische Siedler auszusuchen«. Selbstverständlich konnten sie nicht ahnen, was diese Art der Auslese einmal bedeuten würde, immerhin glaubten auch sie, daß, wenn die Dinge wirklich so lagen und nur ein Rest überleben würde, die Juden selbst die Auswahl treffen sollten. Dieser fundamentale Trugschluß hat schließlich dazu geführt, daß die nicht ausgewählte Mehrheit der Juden sich unausweichlich von zwei Feinden bedrängt sah: von den Nazibehörden einerseits und von den jüdischen Behörden auf der anderen. Was aber die Wiener Episode anlangt, so wird Eichmanns empörende Behauptung, Hunderttausende von jüdischen Leben »gerettet« zu haben, die im Gerichtssaal mit Hohngelächter quittiert wurde, aufs merkwürdigste unterstützt durch den oben erwähnten Bericht der beiden jüdischen Historiker:

»Was damals geschah, muß man für eine der paradoxesten Episoden in der ganzen Epoche der Naziherrschaft halten: der Mann, der als einer der Erzhenker des jüdischen Volks in die Geschichte eingehen sollte, trat zunächst als aktiver Mitarbeiter an der Rettung der Juden aus Europa auf.«“

 

Erschreckende Normalität

 

„Als Eichmann im Polizeiverhör gefragt wurde, ob die Direktive, »unnötige Härten zu vermeiden«, nicht einen ironischen Klang habe, angesichts der Tatsache, daß die Bestimmung dieser Menschen sowieso der sichere Tod war, verstand er die Frage gar nicht, so fest verankert war in ihm die Überzeugung, daß nicht Mord, sondern einzig die Zufügung unnötiger Schmerzen eine unverzeihliche Sünde sei. Er zeigte während des Prozesses unverkennbare Anzeichen aufrichtiger Empörung, wenn Zeugen über Grausamkeiten und Greueltaten der SS berichteten – allerdings entging diese Empörung dem Gericht und vielen Zuhörern, die seine krampfhafte Bemühung um Haltung als Gleichgültigkeit mißverstanden und daraus schlossen, daß er »durch nichts zu rühren« sei. In echte Erregung versetzte ihn nicht die Beschuldigung, Millionen von Menschen in den Tod geschickt zu haben, sondern allein die (vom Gericht zurückgewiesene) Beschuldigung eines Zeugen, er habe einen jüdischen Jungen zu Tode geprügelt.“

 

„Eichmann war nicht Jago und nicht Macbeth, und nichts hätte ihm ferner gelegen, als mit Richard III. zu beschließen, »ein Bösewicht zu werden«. Außer einer ganz ungewöhnlichen Beflissenheit, alles zu tun, was seinem Fortkommen dienlich sein konnte, hatte er überhaupt keine Motive; und auch diese Beflissenheit war an sich keineswegs kriminell, er hätte bestimmt niemals seinen Vorgesetzten umgebracht, um an dessen Stelle zu rücken. Er hat sich nur, um in der Alltagssprache zu bleiben, niemals vorgestellt, was er eigentlich anstellte. Es war genau das gleiche mangelnde Vorstellungsvermögen, das es ihm ermöglichte, viele Monate hindurch einem deutschen Juden im Polizeiverhör gegenüberzusitzen, ihm sein Herz auszuschütten und ihm wieder und wieder zu erklären, wie es kam, daß er es in der SS nur bis zum Obersturmbannführer gebracht hat und daß es nicht an ihm gelegen habe, daß er nicht vorankam. Er hat prinzipiell ganz gut gewußt, worum es ging, und in seinem Schlußwort vor Gericht von der »staatlicherseits vorgeschriebenen Umwertung der Werte« gesprochen; er war nicht dumm. Es war gewissermaßen schiere Gedankenlosigkeit – etwas, was mit Dummheit keineswegs identisch ist –, die ihn dafür prädisponierte, zu einem der größten Verbrecher jener Zeit zu werden. Und wenn dies »banal« ist und sogar komisch, wenn man ihm nämlich beim besten Willen keine teuflisch-dämonische Tiefe abgewinnen kann, so ist es darum doch noch lange nicht alltäglich. Es dürfte gar nicht so oft vorkommen, daß einem Menschen im Angesicht des Todes und noch dazu unter dem Galgen nichts anderes einfällt, als was er bei Beerdigungen sein Leben lang zu hören bekommen hat, und daß er über diesen »erhebenden Worten« die Wirklichkeit des eigenen Todes unschwer vergessen kann. Daß eine solche Realitätsferne und Gedankenlosigkeit in einem mehr Unheil anrichten können als alle die dem Menschen vielleicht innewohnenden bösen Triebe zusammengenommen, das war in der Tat die Lektion, die man in Jerusalem lernen konnte.“

 

„Das beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, daß er war wie viele und daß diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind. Vom Standpunkt unserer Rechtsinstitutionen und an unseren moralischen Urteilsmaßstäben gemessen, war diese Normalität viel erschreckender als all die Greuel zusammengenommen, denn sie implizierte – wie man zur Genüge aus den Aussagen der Nürnberger Angeklagten und ihrer Verteidiger wußte –, daß dieser neue Verbrechertypus, der nun wirklich hostis generis humani ist, unter Bedingungen handelt, die es ihm beinahe unmöglich machen, sich seiner Untaten bewußt zu werden. In dieser Hinsicht war das Beweismaterial im Fall Eichmann sogar noch überzeugender als in den Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher, deren Aussage, sie hätten ein reines Gewissen gehabt, leichter abgetan werden konnte, da sie es infolge ihres Ranges mit dem Argument des Gehorsams gegenüber »Befehlen von oben« nicht bewenden ließen und sich auch noch rühmten, gelegentlich den Gehorsam verweigert zu haben.“

 

Bruder Eichmann

 

Heinar Kipphardt 1982 über sein Theaterstück „Bruder Eichmann“: „Das Stück zeigt auch, wie in der Eichmann-Haltung die Soldatenhaltung und die funktionale Haltung des durchschnittlichen Bürgers überhaupt steckt, die Haltung, Gewissen sei an die Gesetzgeber und an die Befehlsgeber delegiert. Genauer gesehen zeigt sich, daß die Eichmann-Haltung die gewöhnliche Haltung in unserer gewöhnlichen Welt geworden ist, im Alltagsbereich wie im politischen Leben, wie in der Wissenschaft - von den makabren Planspielen moderner Kriege, die von vornherein in Genozid-Größen denken, nicht zu reden. Deshalb heißt das Stück BRUDER EICHMANN."

Das große Problem sind nicht die relativ wenigen bösen Menschen - es sind die vielen, vielen Eichmänner, Eichfrauen und Gutmenschen. In Zeiten der Krise wird es sich erweisen, wie sie sich verhalten, wozu sie fähig sind.

 

Fazit

 

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich in ferner Zukunft staatliche Willkür gegen einzelne oder Gruppen von Menschen richten sollte, gibt der Fall Eichmann bzw. Hannah Arendts Aufarbeitung einige Lehren:

 

- niemals noch so kleine Einschnitte akzeptieren: die Gefahr eines Dammbruchs ist sehr groß

- niemals darauf vertrauen, dass „nichts so heiss gegessen wie gekocht wird“

- niemals offiziellen, auch noch so wortgewaltigen, Beteuerungen Glauben schenken, immer auf Wortbruch, immer auf das Schlimmste vorbereitet sein

- niemals über die Organisation des Unrechts verhandeln, niemals Kompromisse schließen

- niemals über Privilegien oder Ausnahmen verhandeln

- niemals sich aufteilen lassen: was auch nur dem Geringsten angetan wird, wird jedem angetan

- niemals sich auf „Respektspersonen“ der eigenen Gruppe verlassen, die verhandeln

- niemals hoffen auf „gute“ Menschen innerhalb des Systems

- immer klare Kante zeigen: NEIN von Anfang an, vollster Widerstand gegen vollstes Unrecht - wie das Beispiel Dänemark zeigt, ist dagegen kein Ankommen

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

11. Dezember – Wochenkommentar von Ferdinand Wegscheider

„Wegscheider muss weg!“ - Im neuen Wochenkommentar geht es heute um eine hochnotpeinliche Beschwerde elitärer Journalisten gegen ServusTV bei der Medienbehörde, es geht um die neue Dialogbereitschaft der Regierung Teilen der Bevölkerung und natürlich um die Gefährlichkeit der neuen Omikron-Variante.

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa-293f5w9hs2111/

 

Katzen an der Macht | Wurden wir die ganze Zeit von Pussys regiert? | Strippenzieher

https://de.rt.com/programme/strippenzieher/128236-katzen-an-macht-wurden-wir/

 

Sind Bratwurstverweigerer egoistisch?

https://www.youtube.com/shorts/mU75Px8z6Qo

 

Das passiert, wenn eine Faktencheckerin gecheckt wird (heftig!)

https://www.youtube.com/watch?v=-FaWhzWvC6E

 

SIE LACHEN ÜBERS VOLK/THEY LAUGH AT THE PLEBS!IT’S TIME WE SAY:NO MASKSNO LOCKDOWNS&NO DEATHS JABS!

https://www.bitchute.com/video/brxDwV01UYGw/

 

Rima-Spalter mit Marco Rima: Erklär-Bär

https://www.youtube.com/watch?v=4lBQhpbNamw

 

HallMack Der Blitz-Booster

https://www.frei3.de/post/829feb2f-e489-4def-9b84-91290c0ff346

 

HallMack Viren-Dealer

https://www.frei3.de/post/f4df36d1-928f-439a-8adf-7cc6f756a346

 

HallMack Telegram soll weg

https://www.frei3.de/post/8bd8956e-f3c9-4687-a9a6-1af68e345d5e