Vor 550 Jahren wurde Albrecht Dürer geboren.

Nicht nur deshalb, weil er mit „Das große Rasenstück“ ein wunderbares Werk geschaffen hat, das die Welt der Bewohner des Erdreichs zeigt, ist er für diese einer der ganz Großen.

Kia Vahland für den ersten Überblick: „Albrecht Dürer, geboren vor 550 Jahren, ist der große Menschenfreund unter den Künstlern. Sein selbstbewusstes Werk feiert die Schöpfung und die eigene Freiheit. Es ist Zeit, den Realisten und Fantasten für die Gegenwart neu zu entdecken.

Die Italiener haben Leonardo da Vinci, die Niederländer Rembrandt, die Norweger Edvard Munch, und alle sind sie überzeugt, das Talent dieser Künstler repräsentiere die Genialität des ganzen Volkes. Und die Deutschen? Tun sich mit nationalen Mythen aus verständlichen historischen Gründen schwer. So feiern sie auch den 550. Geburtstag Albrecht Dürers, geboren am 21. Mai 1471 in Nürnberg, eher verhalten.

Im kollektiven Gedächtnis hallt zu laut nach, wie sehr der Renaissancemeister aus Franken schon vereinnahmt wurde: im Kaiserreich als Anti-Franzose, im Nationalsozialismus als Garant einer vermeintlichen arischen Überlegenheit, in der DDR als Ahnherr aus der Reformationszeit, von Katholiken seit jeher dagegen als Strenggläubiger und in der frühen Bundesrepublik als unpolitischer Hasenzeichner und harmloser Maler bürgerlicher Frauen, deren Abbilder sich gut auf den Geldscheinen im Wirtschaftswunderland machten.

Nichts davon stimmt. Es hat aber ausgereicht, Generationen von Deutschen einen ihrer wirklichen kulturellen Weltstars zu verleiden, einen Mann, der als Sohn eines ungarischen Goldschmieds in Franken zum allseits gebildeten Künstler aufstieg - was so vielleicht am besten in Nürnberg gelingen konnte, der reichen Patrizierstadt, die formal dem Kaiser unterstand, aber weitgehend selbständig war. Verblendet von späteren Projektionen auf die Person Dürers wird heute oft übersehen, wie frei, wie menschenfreundlich, wie naturbewusst, kosmopolitisch und fantastisch die Gedankenwelt dieses Künstlers und Denkers ist.

Sein Feldhase etwa. Der sitzt da einfach nur, mit seinen schmalen, fein gestrichelten Ohren und dem flauschigen Winterfell, getupft in Braun und Ocker und mit etwas Deckweiß an den Spitzen zum Schimmern gebracht. Doch seine dunklen Augen schauen uns an, die feine Nase erschnuppert uns womöglich, die spitzen Krallen sind in Habachtstellung. Sollten wir seinen langen Schnurrhaaren noch näher rücken, wir bekämen es mit ihm zu tun. Keinen potenziellen Braten hat Dürer seinem Publikum aufgetischt, sondern ein Gegenüber auf Ohrenhöhe. Dabei verhehlt der Zeichner aufmerksamen Betrachtern nicht, dass so viel Natürlichkeit, ganz im Sinne der Renaissance, das Resultat von Kunstfertigkeit ist: In den Augen des Hasen spiegelt sich keine Feldlandschaft, sondern das Fensterkreuz des Künstlerateliers.

Oder Dürers gemaltes Bildnis einer Venezianerin, das einst den Fünfmarkschein zierte. In einer Zeit, als die venezianischen Kollegen idealisierte Liebesbilder junger Frauen entwarfen, betrachtete Dürer sein Modell auf einer Reise in die Lagunenstadt genau, so wie er auch männliche Modelle nach dem Leben porträtierte: die ausladenden Ärmel der jungen Frau, festgebunden auf Höhe der Schlüsselbeine, ihre hellen Locken, die sich aus dem züchtigen Haarnetz befreit haben, ihre bebenden Nasenflügel, ihr versonnener, nachdenklicher Blick, der die Betrachter lieber nicht streift.

Sie ist eine Schönheit - aber eine von dieser Welt.

Oder sein Holzschnitt mit den vier apokalyptischen Reitern, die über die sündige Menschheit herfallen. Der Himmel bricht auf, Gewänder, Mähnen und Schweife flattern im Wind, Pfeil und Bogen sind gespannt, Schwert und Dreizack gezückt. Die Pferde trampeln über dahingeraffte Menschenleiber; irre lacht der Tod auf seinem ausgemergelten Gaul. Es ist, als könne man das Klappern der Hufe hören und riechen, wie das Höllenviech unten links aus dem Maul stinkt. Dürer nimmt die Erzählung des Johannes vom Zeitenende wörtlich und zeigt genau, was in der Bibel beschrieben wird. Auch, auf einem anderen Blatt, den Johannes selbst, wie er schmatzend sein eigenes Buch herunterwürgt.

Darüber staunten schon damals die Europäer in dieser Epoche des Aufbruchs, die das Wissen und die Kunst so wertschätzte: Wie Dürer, dieser weit gereiste Aufsteiger und Selbstvermarkter, das Schöne und das Hässliche, den Glauben und die Naturkunde zusammenbrachte. Wie er die sinnliche Farbigkeit der norditalienischen Malerei nach Nürnberg importierte und die deutschen Drucktechniken und bizarren Bilderfindungen südlich der Alpen populär machte. Seine von einem Freund in Übergröße verlegten Holzschnitte der Apokalypse, begleitet vom Bibeltext, wurden schnell zum internationalen Bestseller und begehrten Sammlerstück. In Italien war Dürer bald so erfolgreich, dass er sich mit Plagiatoren herumschlagen musste.

Derweil betörten neben seinen religiösen Gemälden vor allem seine nahbaren, empfindsamen Porträts die Deutschen. Sie atmeten den Geist von Pico della Mirandolas 1496 posthum erschienener "Rede über die Würde des Menschen". Der italienische Philosoph, der Dürers Nürnberger Humanistenfreund Willibald Pirckheimer geprägt hatte, pries den Menschen als Ebenbild Gottes. Was meint: Gott hat dem Menschen einen freien Willen geschenkt, nun ist es an ihm, etwas daraus zu machen und sich seines Schöpfers würdig zu erweisen. Er kann animalisch werden oder engelsgleich, das liegt in seiner Hand.

Dieser bis dahin undenkbare Glaube an die menschliche Schaffenskraft und Entscheidungsfreude hatte um 1500 in Italien bereits die Renaissance beflügelt. Viele Künstler dort hatten sich konsequent von den Konventionen des Mittelalters gelöst und sahen sich sehr selbstbewusst als zweite Schöpfer, die es in ihren Werken dem Herrn gleichtaten. Keiner von ihnen aber trieb diesen Gedanken so weit wie der Italienliebhaber Albrecht Dürer.

Früh verlegte der sich auf die Kunst des mal schonungslosen, mal euphorischen Selbstporträts - ganz im Geist der neuen Zeit, die so viel Wert auf Individualität legte. Schon als 13-Jähriger - er machte gerade eine Goldschmiedelehre bei seinem Vater - zeichnete er sich mit Silberstift als so pausbackigen wie ernsthaften und neugierigen Knaben.

Als Erwachsener nahm er einmal einen Handspiegel und betrachtete sich. Er kam wohl gerade aus dem Bad, ein Haarnetz fing seine langen Locken auf. Ansonsten war er nackt. Dann griff er zu Feder, Pinsel und grün grundiertem Papier. Und zeichnete sein waches, schon etwas runzliges Gesicht, den baumelnden Penis, den trainierten, aber verdrehten Oberleib - ganz aufrecht stehend hätte er sich in dem kleinen Spiegel nicht komplett sehen können. Wissbegierig und sehr aufmerksam erkundete Dürer dieses eine Ebenbild Gottes, das da im Spiegel erschien.

Zu übertriebenen Selbstzweifeln neigte er nicht - wenn auch einer seiner berühmtesten Kupferstiche eine Trübsal blasende Frauenfigur, "Melencolia I", darstellt, schließlich galt in der Zeit auch die Melancholie als Eigenheit kreativer Denker. Doch Dürers Selbstporträts strahlen zumeist Optimismus aus. Ihnen ist die Freude anzusehen, es als Sohn eines Zuwanderers geschafft zu haben in der Stadt der Kaufleute.

1498 malte er sich vor einer Bergkulisse als junger Edelmann in modisch gestreiftem Outfit, die Hände in elegante Handschuhe gehüllt - als wäre er kein Maler, der mit den Fingern arbeitet und diese entsprechend beschmutzt. So begehrte er auf, wie vor ihm Leonardo da Vinci, gegen die überholte Behandlung von Künstlern als niedere Handwerker.

Sein Statusbewusstsein verleitete ihn schließlich dazu, sich einen mit Marderpelz gefütterten Mantel zuzulegen. Er brauchte den Umhang für sein gewagtestes Porträt: das des Malers als Jesus Christus. Oder andersherum.

Sorgsam muss Dürer dieses Selbstbildnis als Heiland vorbereitet haben. Er zwirbelte seinen Schnäuzer, wie er es gerne tat - einer seiner Freunde lästerte einmal: "Sein Schnabelbart hindert ihn, den er gewiss täglich dreht und kräuselt, dass er gleich Eberzähnen von ihm absteht." Dann drehte er seine ungewöhnlich langen Locken, bis sie ihm fein gewellt über die Schulter fielen. Auch die Finger pflegte er, feilte die Nägel. Schließlich posierte er vor dem Spiegel. Und malte sich in Nahsicht. Frontal. Ohne eine Miene zu verziehen. So wie bis dahin nur Jesus Christus dargestellt worden war.

Dürers rechte Hand scheint sich auf dem Gemälde zum Segen zu heben, dann aber stoppt sie auf halber Strecke und streichelt am Kragen das kostbare Fell. Vielleicht spielt der Maler darauf an, dass diese Hand normalerweise einen Pinsel, ebenfalls aus Marderhaar, umgreift. Oder er wollte sein Publikum wissen lassen, dass er als Handwerker einen so kostbaren Mantel trägt, wie es Ratsmitgliedern und hohen Herren vorbehalten war (tatsächlich wurde Dürer trotz seiner nicht noblen Herkunft im Jahr 1509 in den Großen Rat Nürnbergs berufen).

Vor allem aber feiert das Bild die kreative und intellektuelle Freiheit, die Gott den Menschen geschenkt hat - eben weil sie sein Ebenbild sind. Dürer bedankte sich für das Geschenk beim Herrn, indem er dessen Geschöpfe und Gewächse beobachtete. So entstanden Zeichnungen wie das "Große Rasenstück", bei dem eine Wiese wie ein Dschungel erscheint - betrachtet aus Höhe eines Käfers. Wie vor ihm schon der Empathiker Leonardo da Vinci zollte auch Dürer jedem Lebewesen Respekt.

Was nicht ausschloss, Lücken des Wissens mit wilder Fantasie zu füllen. So hatte Dürer nie ein Panzernashorn gesehen - wie die meisten anderen Europäer auch nicht. Im Jahr 1515 landete schließlich ein Nashorn als indischer Import in Lissabon und erregte auf dem ganzen Kontinent Aufmerksamkeit. Beobachter schickten Beschreibungen auch nach Nürnberg. Das genügte Dürer für eine Zeichnung, nach deren Vorlage ein Holzschnitt entstand.

In seinem Panzerkörper wirkt Dürers Tier ein bisschen wie ein Ritter, zudem trägt es im Nacken ein zweites kleines Horn, das es in der Natur nicht gibt. Doch die günstigen Abzüge des Holzschnitts wurden auf den Märkten ein Kassenschlager; auch nach Dürers Tod musste der Druckstock für weitere Auflagen herhalten. Überprüfen konnte die Naturnähe niemand, denn das Nashorn hatte auf seinem Weitertransport nach Rom Schiffbruch erlitten und war ertrunken.

Erst Dürers Druckgrafiken, die Holzschnitte und Kupferstiche, machten ihn europaweit auch im Volk bekannt - und finanziell unabhängig von Bestellern einzelner Gemälde. Zugleich mehrten Dürers Nürnberger Humanistenfreunde seinen Ruhm als Meister der Renaissance, der es mit der Natur aufzunehmen verstünde. Der Dichter Conrad Celtis etwa behauptete, Dürers Hund habe sich an eines der Selbstporträts angeschmiegt und sein Herrchen mit der Schnauze berührt, so realistisch wirke das Werk. Was nicht nur Dürers Kunst lobt, sondern auch sein elegantes, beinahe höfisches Erscheinungsbild.

Als Albrecht Dürer am 6. April 1528 in Nürnberg starb, dauerte es nur wenige Tage, und Verehrer gruben den Sarg auf dem Johannisfriedhof wieder aus, um dem Leichnam eine Totenmaske abzunehmen. Auch eine Locke kam in Umlauf; Dürers Lieblingsschüler Hans Baldung Grien bewahrte sie für die Nachwelt auf. Später, im 19. Jahrhundert, feierten Künstler eine Dürermesse, in der sie aus der Vita des Meisters lasen; auch die Literaten der Romantik verehrten Dürer wie einen Heiligen der Kunst.

Nur die Moderne fremdelte und fremdelt hierzulande mit dem alten Franken. Während er international in einer Reihe mit Michelangelo und Raffael gesehen wird, tun sich die Deutschen trotz ihrer gut sortierten Dürer-Sammlungen, etwa in Nürnberg, immer noch schwer mit der Grandiosität dieses Mannes. Dabei verkörpert er wie kein anderer Deutscher einen Renaissancehumanismus, der den Menschen als Ganzes erkennt - als Mischwesen aus Körper und Geist, das erst durch seine unbändige Fantasie zum Gestalter wird, im produktiven, nicht im zerstörerischen Sinne.

Dürers Œuvre zeigt, wie gut Leichtigkeit und Ernst, Fantasie und Wissensdurst, Selbstbewusstsein und Sensibilität, Internationalität und Heimatgefühl harmonieren, wenn man nur will. All das also, was in der Gegenwart als unvereinbar gilt. Es ist an der Zeit, sich mit dem Hasen wieder zu vertragen.“

https://www.sueddeutsche.de/leben/kunst-albrecht-duerer-gott-natur-1.5299731

 

Zur rechten Zeit am rechten Ort

 

Da hilft alles Genie nichts: wer zur falschen Zeit am falschen Ort lebt, nicht gefördert oder gar behindert wird, kann noch so gut sein – er kann die in ihm steckenden Qualitäten nicht zeigen und kurz nach seinem Tod wird sich keiner mehr an ihn erinnern.

Bei Albrecht Dürer hätte es nicht besser sein können. Sein Vater war gut betuchter Goldschmied, der in Nürnberg lebte.

Kia Vahland in „GEO EPOCHE EDITION – Die Geschichte der Kunst – Dürer und der Aufstieg der deutschen Kunst 1400 – 1600“: „Nürnberg ist neben Köln und Augsburg die größte deutsche Metropole. Rund 40.000 Menschen leben auf engem Raum, etwa so viele wie in Rom. Vor allem aber ist die Stadt ein Handelszentrum. Ihre Kaufleute haben sich auf das Geschäft mit Italien spezialisiert, sie schaffen Stoffe, Bernstein und Pelze über die Alpen, tauschen sie gegen Lebensmittel, Gewürze, Glas und Seide.

Viele von ihnen residieren zeitweise in Venedig oder entsenden Vertreter dorthin. Wer in Nürnberg zur besseren Gesellschaft gehören will, der sollte wie die gebildeten Italiener klassische Literatur gelesen haben. Und zudem deren Land besucht, vielleicht durch die Lagunenstadt gegondelt sein, muss deren Lebensstil und Geschmack, Kunst und Kulinarik genossen haben.“

Norbert Wolf in seinem Buch „Albrecht Dürer – Das Genie der deutschen Renaissance“: „Der Pate Anton Koberger (um 1445 bis 1513) mag den Jungen zu seiner Entscheidung ermuntert haben. Koberger, ursprünglich ebenfalls Goldschmied, betrieb in Nürnberg die größte und modernste Buchdruckerei Europas, mit Niederlassungen in Basel, Krakau, Lyon, Paris, Straßburg, Venedig und Wien. Zusätzlich engagierte er sich im Verlagsgeschäft und initiierte Holzschnittaufträge für internationale Buchprojekte. An seinen angeblich 24 Druckerpressen arbeiteten am Ende des Jahrhunderts rund 100 Gesellen.“

Albrecht Dürer hatte so die Möglichkeit unter anderem für seine Holzschnitte und Grafiken nicht nur als Künstler, sondern auch als sein eigener Verleger tätig zu sein. Und natürlich quasi vom Beginn seiner Geburt an zahlreiche internationale Kontakte zu haben.

 

Neue Zeit

 

„Am 25. Oktober 1518 schrieb Ulrich von Hutten an Willibald Pirkheimer:

O saeculum, o litterae … O Jahrhundert, o Wissenschaften, es ist eine Lust zu leben, wenn auch noch nicht, sich zur Ruhe zu setzen. Willibald. Es blühen die Studien, die Geister regen sich! Du, nimm den Strick, Barbarei, und mache Dich auf Verbannung gefasst!“

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11623-014-0263-x.pdf

Ulrich von Hutten gibt damit das Lebensgefühl seiner humanistisch gebildeten Zeitgenossen wider.

Da sehr viele Menschen nicht wissen, wie die einzelnen Epochen benannt wurden und von wann bis wann sie gingen bzw. noch gehen: die allgemein übliche Einteilung der Epochen ist sehr grob, sehr willkürlich und sehr euro-zentristisch:

- Vorgeschichte (Zeit vor dem Gebrauch der Schrift im jeweiligen Kulturraum)

- Altertum bzw, Antike (Zeit seit dem Gebrauch der Schrift bis Ende des Weströmischen Reiches 476 unserer Zeitrechnung)

- Mittelalter (Ende des Weströmischen Reiches bis 1500 – leichter zu merken von 500 bis 1500; in den Jahren von 476 bis 500 ist ohnehin nichts Großartiges passiert)

- Neuzeit (ab 1500)

Aus „Wikipedia“: „Die Neuzeit ist einem gängigen Periodisierungsschema zufolge nach Altertum und Mittelalter die dritte der historischen Großepochen und reicht bis in die Gegenwart. In der Geschichtswissenschaft wird als Beginn der Neuzeit die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert angesetzt, die mit einer gewissen zeitlichen Bandbreite – und vor allem aus europäischer Sicht – in mehrerer Hinsicht als Einschnitt wahrgenommen wird.

Als epochale Zäsuren angeführt werden zum Beispiel die osmanische Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453, die Entdeckung Amerikas 1492 und die 1517 von Martin Luther auf den Weg gebrachte Reformation. Unter kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten außerdem als Wendemarken anzusehen sind Renaissance, Humanismus und die Entwicklung des Buchdrucks in Europa mit beweglichen Schriftzeichenstempeln. Im Sinne einer Vereinheitlichung der unterschiedlichen Betrachtungsebenen ist das runde Jahr 1500 von der Geschichtswissenschaft für die Datierung des Neuzeitbeginns üblich geworden …

Die Vorstellung von einer neuen Zeit oder Neuzeit als geschichtlicher Epoche am Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert geht auf die Renaissance-Humanisten zurück, die zwischen ihrer Gegenwart und den überlieferten Zeugnissen der Antike, an die sie als vorbildlich anzuknüpfen suchten, ein mittleres Zeitalter setzten. Jenseits dieses Mittelalters begann mit ihren Wiederentdeckungen für sie also eine neue Ära.

Eine Gliederung der Menschheitsgeschichte in Altertum, Mittelalter und Neuzeit legte 1702 erstmals der Hallenser Gymnasialdirektor und Historiker Christoph Cellarius im lateinischen Titel seines dreibändigen Lehrbuches vor: Historia universalis, in antiquam et mediaevi ac novam divisa. Ein entsprechendes Schema hatte jedoch bereits Justus Lipsius verwendet, der 1601 die römische Geschichte in historia romana vetus, historia romana media, historia romana nova gliederte.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Neuzeit

„Der Begriff Mittelalter wurde in der Form medium aevum („mittleres Zeitalter“) erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten eingeführt, die damit dann in den beiden folgenden Jahrhunderten zugleich auch das Verständnis der eigenen Epoche als Epoche der Wiedergeburt (Renaissance) begründeten. In der humanistischen Geschichtsbetrachtung wurde der christliche Glaube nicht in seiner allgemeinen Verbindlichkeit, sondern in seiner Gültigkeit als Maßstab für die Bewertung der weltgeschichtlichen Entwicklung abgelöst und durch ein profangeschichtliches, nicht mehr primär von Theologen, sondern von Dichtern und Philologen konstruiertes Ideal der griechisch-römischen Antike ersetzt. Aus humanistischer Sicht war das Mittelalter ein „dunkles Zeitalter“ (aetas obscura), eine Epoche des Zerfalls und des Niedergangs, in der der sprachliche, literarische, technologische und zivilisatorische Entwicklungsstand der griechisch-römischen Antike bedingt durch den Zusammenbruch des Weströmischen Reiches verloren ging, um erst in der eigenen Zeit durch die Wiederentdeckung antiker Quellen und die Wiederbelebung antiker Stilnormen zum Gegenstand der Nachahmung (imitatio) oder sogar Überbietung (aemulatio) zu werden …

Der Begriff des Mittelalters etablierte sich in der Folgezeit als Epochenbegriff mit tendenziell abwertender Bedeutung, wobei die Epochengrenzen meist einerseits mit dem Ende des weströmischen Kaisertums im Jahr 476 und andererseits mit dem Ende des Oströmischen Reiches durch die osmanische Eroberung Konstantinopels von 1453 angesetzt wurden, letzteres auch im Hinblick darauf, dass byzantinische Gelehrte bei ihrer Flucht in den Westen wichtige griechische Handschriften mitbrachten, die dem lateinischen Mittelalter unbekannt geblieben oder nur durch arabische Übersetzungen bekannt geworden waren.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter

 

Humanismus in seiner Zeit

 

Matthias Corvinus

 

Albrecht Dürers Vater stammt aus Ungarn. Norbert Wolf: „Das Land war im 15. Jahrhundert ein Vielvölkerstaat. Außer den Ungarn selbst betrachteten andere Volksgruppen „Hungaria“ als ihre Heimat: Kroaten und Deutsche, Slowaken und Rumänen. Zahlreiche Handwerker, Künstler und Gelehrte aus Böhmen, Polen, dem Reich, Italien waren hierher geströmt, boten doch der Königshof des Matthias Corvinus (1443 – 1490) in Ofen, aber auch kommunale Subzentren glänzende Karrieremöglichkeiten. Das spätmittelalterliche Europa war kosmopolitisch eingestellt, lebhafte Fluktuation in den ökonomisch und produktionstechnisch tonangebenden Bevölkerungsschichten war nichts Ungewöhnliches.

Dürer der Ältere war als 17-Jähriger aus Ungarn nach Nürnberg gezogen, wo er sich anscheinend noch bessere Berufschancen ausrechnete. Das Schriftstück, das 1444 seine Anwesenheit in der Freien Reichsstadt notiert, vermeldet außerdem, er habe vorher längere Zeit in den Niederlanden sein Handwerk vervollkommnet. Sein gesellschaftlicher Aufstieg verläuft kontinuierlich.“

Aus „Wikipedia“: „Kulturhistorisch ist die Herrschaft von Matthias Corvinus vor allem durch seine Rezeption der italienischen Renaissance und des Renaissance-Humanismus bedeutsam. Bereits sein Erzieher Johann Vitez war durch diese neue Geistesströmung geprägt. Als Katalysator wirkte schließlich die Eheschließung mit seiner zweiten Frau, der neapolitanischen Prinzessin Beatrix von Aragón, 1476 in der Matthiaskirche. Buda und auch Wien profitierten sehr stark von den Renaissancekünstlern, die er an seinen Hof holte und den engen Beziehungen, der er zu Florenz und Lorenzo il Magnifico aus der Medicifamilie unterhielt.

Seine Bibliotheca Corviniana war in den 1480er Jahren eine der größten Sammlungen wissenschaftlicher und philosophischer Schriften dieser Zeit. Sie umfasste etwa 5000 Bände, die teilweise über 1000 Golddukaten gekostet haben, darunter auch die so genannten Corvinen. Corvinus hat Wesentliches dazu beigetragen, die Kultur der Renaissance und deren Weltsicht nördlich der Alpen heimisch werden zu lassen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Corvinus

Gerne verweist der Wurm auf zwei Reiseberichte über seinen Stammsitz in Hunedoara und den Streit um sein Denkmal in Cluj:

http://www.edwin-grub-media.de/reiseberichte/europa/rumaenien/siebenbuergen/mal-was-fuer-burgenfreunde-hunedoara.html

http://www.edwin-grub-media.de/reiseberichte/europa/rumaenien/siebenbuergen/cluj.html

 

Schedelsche Weltchronik

 

Thomas Schauerte in seinem Buch „Dürer – Das ferne Genie“: „Auch eine der wichtigsten Quellen für den Nürnberger Blick auf die Welt dieser Jahre, die Schedelsche Weltchronik von 1493, die ja in der Wolgemut-Werkstatt gleichsam vor Dürers Augen und vermutlich unter seiner Mitarbeit entsteht, eröffnet für das Ende der Zeiten eine eher optimistische Perspektive …“

 

Schätze der Bayerischen Staatsbibliothek: Die Schedelsche Weltchronik

https://www.youtube.com/watch?v=UKwvI3w16pQ

 

„Das Narrenschiff“ von Sebastian Brant

 

Aus „Wikipedia“: „Sebastian Brant oder Sebastian Brandt (latinisiert Titio; geboren 1457 oder 1458 in Straßburg; gestorben am 10. Mai 1521 ebenda) war ein deutscher Humanist, Jurist, Professor für Rechtswissenschaft an der Universität Basel (1489–1500) und von 1502 bis zu seinem Tod 1521 Stadtsyndikus und Kanzler der Freien Reichsstadt Straßburg. Er war einer der produktivsten Autoren lateinischer Andachtslyrik und Herausgeber von antiken Klassikern und Schriften italienischer Humanisten. Seine 1494 veröffentlichte Moralsatire Das Narrenschiff begründete seinen Ruhm als Autor des deutschen Humanismus …

Das Narrenschiff gilt gemeinhin als Brants Hauptwerk und dominierte lange die hauptsächlich germanistisch geprägte Beschäftigung mit Brant. Das reich bebilderte und aufwendig gestaltete humanistische Buch mit didaktisch-satirisch dargestellten Lebensweisheiten und die Missstände, Torheiten und Laster der Welt des 15. Jahrhunderts allegorisch glossierend, erschien 1494 bei Johann Bergmann von Olpe in Basel …

Zur Bebilderung des Werks engagierten Brant und Bergmann von Olpe mindestens vier Reißer, darunter auch den jungen Albrecht Dürer, dem gut zwei Drittel der Holzschnitte zugeschrieben werden.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Brant

 

Hier „Das Narrenschiff“ im Original und in heutzutagiger Sprache:

http://www.fh-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/15Jh/Brant/bra_n000.html

https://www.projekt-gutenberg.org/brant/narrens/narrens.html

 

Im Auftrag der Humanisten

 

Neben seinen Beiträgen zur „Schedelschen Weltchronik“ und dem „Narrenschiff“ wurde Albrecht Dürer direkt von den Humanisten beauftragt und sie vermittelten ihn weiter.

Norbert Wolf: „Unter den Malern, Bildschnitzern und Erzgießern nahm Dürer eine „avantgardistische“ Sonderstellung ein. Die Nürnberger Oberschicht, Humanisten wie Sebald Schreyer (1446 – 1520), Hartmann Schedel (1440 – 1514) und Conrad Celtis (1459 – 1508), vor allem aber der mit Dürer gleichaltrige und eng befreundete Patrizier Willibald Pirckheimer (1470 – 1530), wurden nicht müde, dies zu betonen. Letzterer war es vermutlich auch, der den frühen Porträtauftrag seitens des sächsischen Kurfürsten Friedrichs des Weisen (1463 – 1525) an Dürer vermittelte.“

Kia Vahland: „Dürer sieht sich nicht als farbverschmierten Handwerker. Sondern, wie er selbst einmal schreibt, als gentiluomo, als Edelmann mit italienischen Gepflogenheiten.

Darin bestärken ihn seine Verehrer. Ein Zirkel gebildeter, italienkundiger Nürnberger trifft sich regelmäßig in der Herrentrinkstube unweit des Hauptmarkts sowie im Haus des Gelehrten Willibald Pirckheimer. Der Generationsgenosse Dürers hat in Padua und Pavia studiert, bevor er nach Nürnberg zog, um die Stadt militärisch und politisch zu beraten. Nebenbei übersetzt er antike Texte aus dem Griechischen nicht nur ins Lateinische, sondern auch ins Deutsche: Er will, dass seine Landsleute genauso kultiviert werden wie die in der Antike bewanderten Italiener.

Neben der Liebe zu Literatur und Philosophie eint Pirckheimer und seine Freunde ein Ziel: Sie wollen diesen selbstbewussten bis selbstverliebten Landsmann Albrecht Dürer humanistisch bilden und berühmt machen. Bald werden sie ihn als „neuen Apelles“ verehren – als Wiedergänger also des berühmtesten der antiken Künstler.

Er soll offenbar nicht nur Fürsten und Kirchenmännern zu Diensten sein, wie andere Maler, sondern mit seinen Einfällen die mitteleuropäische Malerei umwälzen.

Vielleicht hat Pirckheimer in Italien zu hören bekommen, wie „mittelalterlich“ und altmodisch die Deutschen seien. Zwar gibt es nördlich der Alpen bereits Männer des Wortes wie die des Nürnberger Kreises, die den Ideen des Humanismus folgen – aber es fehlen noch ambitionierte Maler, die der neuen Weltanschauung anhängen.

Und so soll Dürer den Deutschen jene Lehre vor Augen führen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der Künstler soll seinen Landsleuten zeigen, dass auch sie von Gott geschaffene Einzelwesen sind und stolz darauf sein dürfen.

Der Dichter Konrad Celtis wird Dürer einmal sogar direkt auffordern: „Mach dich an die Arbeit, male unsere Philosophie, die dir alles Wissen der ganzen Welt vermittelt.“

Und den Italienern soll er beweisen, dass nicht alle Deutschen Ignoranten oder Trunkenbolde sind – ja, dass auch in Nürnberg Menschen leben, die Gottes Schöpfung zu deuten verstehen, wie in Norditalien der Künstler Leonardo da Vinci oder der kürzlich gestorbene Denker Pico della Mirandola, der Pirckheimer in Padua geprägt hatte.

Mirandolas „Rede über die Würde des Menschen“ ist gerade posthum erschienen: ein Manifest auf die Großartigkeit des Menschen, der Gottes Ebenbild ist und sich dessen würdig erweisen muss. Animalisch kann er im Laufe seines Lebens werden oder aber engelsgleich, das liegt in seiner Hand. Die Anhänger des Humanismus leugnen Gottes Einfluss nicht, aber sie glauben fest an die Kraft des freien Willens, den der Allmächtige seinen Geschöpfen schenkte …

So etwas hat noch niemand gewagt, in ganz Europa nicht. Dürers überbordende Fantasie sprengt jede Vorstellung, vor allem die der Italiener. Ihre Kunst wirkt neben diesem Furor etwas zu aufgeräumt. Die Holzschnitte der Apokalypse werden in Europa zum Bestseller – und zum begehrten Stück unter Künstlern und Sammlern.

Der Erfolg bestätigt die Nürnberger Intellektuellen um Pirckheimer. Dürer habe seine Landsleute kultiviert und das Ansehen der Deutschen gemehrt, meinen sie. Mehr noch: „Keinen wie Dich hat Italien oder das feuchte Frankreich je gesehen, nie wird man einen wie Dich in Spanien erblicken“, schreibt der mit dem Maler befreundete Dichter Konrad Celtis.

So überwältigend sind Dürers Drucke, dass sich führende Denker der Renaissance dem Lob anschließen. Erasmus von Rotterdam, der vielleicht berühmteste Künder der neuen Lehre vom Menschen, begeistert sich: „Dürer hingegen – obschon er auch in anderer Beziehung zu bewundern ist -, was drückt er nicht mit einfarbigen Bildern aus, das heißt mit schwarzen Strichen? Schatten, Licht, Glanz, Erhöhungen, Vertiefungen, Feuer, Lichtstrahlen, Gewitter, Wetterleuchten, alle Gefühle und Empfindungen, endlich die ganze Seele des Menschen.“

Und im späteren 16. Jahrhundert wird der ansonsten von Nationalstolz zerfressene italienische Kunstkritiker Giorgio Vasari einräumen müssen, Dürers Apokalypse sei „für viele von unseren Künstlern ein helles Licht gewesen“.“

 

Thomas Schauerte zum Holzschnitt „Ercules“ aus dem Jahr 1496: „Das Jahr 1496 bringt nach einer mühevollen Vorgeschichte die institutionelle Verankerung der neuesten humanistischen Errungenschaften auch in Nürnberg mit sich: Die „Poetenschule“ wird gegründet, ihrer Funktion nach die damals modernste Art, um auf ein späterhin auch für die Stadt nützliches Fachstudium – tunlichst also Theologie, Jurisprudenz oder Medizin – an einer Universität vorzubereiten; ihren Inhalten nach ist sie dem humanistischen Gymnasium mit Ausrichtung auf Latein und Griechisch vergleichbar. Federführend sind in Nürnberg Anton Tucher und Sebald Schreyer, denen wir während Dürers Jugend bereits begegnet sind; engagiertester Betreiber von außen her aber ist der deutsche „Erzhumanist“ Conradus Celtis Protucius (1459 – 1508), der zunächst selbst für die Leitung der Schule vorgesehen war. Seine Beziehungen zu Nürnberg sind eng, denn 1487 – Dürer hat seine Malerlehre bei Wolgemut gerade begonnen – vollzieht sich auf der Nürnberger Burg Denkwürdiges: Am 18. April wird mit Celtis, dem führenden Dichter und Gelehrten des deutschen Frühhumanismus, erstmals ein deutscher Literat zum poeta laureatus, zum lorbeerbekränzten Dichter gekrönt, und es ist Kaiser Friedrich III. selbst, der ihm dieses Requisit des antiken Triumphs aufs Haupt drückt. Bemerkenswert ist dabei nicht nur das Anknüpfen an eine im humanistischen Italien neu belebte Tradition, sondern ebenso ein sozialgeschichtlicher Aspekt: Der nur undeutlich definierte und entsprechend ungesicherte Berufsstand des Dichters – eines „Künstlers“ also im erweiterten Wortsinne – findet jenseits der herkömmlichen akademischen Grade oder der Verleihung des Adelstitels eine hochrangige Verortung im sozialen Gefüge seiner Zeit. Trotz einfacher Geburt ist es damit dem „Wanderhumanisten“ Celtis dank seiner herausragenden philologischen Bildung, seines dichterischen Ingeniums und seiner Umtriebigkeit gelungen, Ehrung und Standeserhöhung jenseits der Kirchenlaufbahn durch niemand geringeres als das Reichsoberhaupt selbst zu erlangen …

Für die Nürnberger Schulleitung wäre Celtis vor allen Dingen deshalb geeignet gewesen, weil er schon früh als Herausgeber antiker Texte hervorgetreten war: 1492 mit seinen Auszügen aus Ciceros Rhetorik, doch bereits 1487 mit der Edition von zwei Tragödien des römischen Dichters Lucius Annaeus Seneca, der Coena Thyestis und dem Rasenden Hercules (Hercules furens). Das Projekt, alle zehn Dramen Senecas herauszubringen, war gescheitert, aber da die neue Schule ja nun dringend Lehrmaterial braucht, geht Celtis noch einmal in die Offensive. Wirft man von dieser Ausgangslage her erneut den Blick auf Dürers Holzschnitt, dann erweist er sich als erstaunlich genaue Umsetzung des merkwürdigen Dramenstoffes … So eng hält sich Dürers Holzschnitt an die Dramenhandlung, dass er ihn nur mit Celtis gemeinsam entworfen haben kann, und sein mythologisches Sujet und die moralische, leicht ins christliche umzudeutende Botschaft scheint deutlich auf die Bedürfnisse der Schuljugend zugeschnitten – fast eine Art Werbeblatt für die neue Humanistenausbildung also, in deren Umfeld die potentiellen Abnehmer des Holzschnitts zu suchen wären.

Interessant ist aber auch das Verhältnis, das Celtis hier dem Bild gegenüber seinem Dramentext zuweist: Was die Bühnenhandlung nur durch indirekten Bericht darstellen kann, übernimmt nun der Holzschnitt. Doch auch er benötigt den Kunstgriff der hinzuerfundenen Furie, um die entscheidende Wendung zu veranschaulichen; und begreifen kann das Blatt ohnehin nur, wer die Textvorlage  - tunlichst in der Edition des Celtis – gelesen hat. Diesem elitären Kreis auch gilt es klar zu machen, mit wem sie es bei dem Schöpfer des Holzschnitts zu tun haben, indem hier Dürers alsbald berühmtes Monogramm vor dem weißen Blattgrund unübersehbar ins Bild gesetzt wird – deutlich links der Mittelachse, doch genau im Lot mit dem Kopf des Hercules.

Dürer war jedenfalls prädestiniert für diese anspruchsvolle literarisch-künstlerische Aufgabe: Wenn Celtis seine Illustrationen zu Sebastian Brants berühmten Narrenschiff nicht ohnehin schon kannte, dann mag es beider Freund Sebald Schreyer gewesen sein, der die baldige Empfehlung aussprach. Dieser Vorgang beleuchtet einen wichtigen Aspekt für Dürers Karriere, die in den 1490er Jahren ihre intellektuellen Weichenstellungen erfährt: Humanismus ist nicht nur das Bestreben einer gleichgesinnten, reformfreudigen Bildungselite, es ist zugleich auch das Ergebnis einer immer dichter werdenden, europaweiten Vernetzung, deren tragendes Element die ausgreifende humanistische Buch- und Briefkultur ist. Hier nun sitzt Dürer als intelligenter, ideenreicher und anpassungsfähiger Illustrator gewissermaßen an der Quelle.“

 

Intellektueller in seiner Zeit

 

Albrecht Dürer hat für Menschen und Institutionen gearbeitet, die ihn bezahlen konnten. Darunter viele kirchliche Werke, Werke für Herrscher wie Kaiser Maximilian I., Werke für reiche Bürger wie Jakob Fugger oder auch einfach so wie das Porträt von Erasmus von Rotterdam.

Er hat sich aus den Händeln seiner Zeit heraus gehalten und hat sowohl für Katholiken als auch Protestanten gearbeitet.

Was ihn nicht davon abhielt, eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten. So begrüßte er den Protestantismus mit seinen intellektuellen Vertretern, von denen er einige persönlich kannte, war entsetzt über zwischenzeitlich auftretenden Radikalismus wie die Bilderstürmerei, die unersetzliche Kunstwerke zerstörten und somit auch ihm selbst gefährlich wurden – und war letztlich doch enttäuscht vom Protestantismus, deren Vertreter, nachdem sie erstmal an den Fleischtöpfen der Macht waren, doch genauso korrupt waren wie die Katholiken.

 

Deutschester aller deutschen Künstler?

 

Vor allem im 19. Jahrhundert galt Albrecht Dürer mit dem aufsteigenden Nationalismus als eine Art National-Ikone.

Norbert Wolf: „Reichsparteitage der NSDAP finden nicht zufällig ab 1933 in der „deutschesten aller Städte" (Hitler) statt. In einer Kaiserstadt, die zudem Heimat des „deutschesten aller deutschen Künstler“ war.“

Albrecht Dürer als „deutsch“ vereinnahmen zu wollen, ist völlig daneben. Mal davon abgesehen, dass Albrecht Dürers Vater aus Ungarn nach Nürnberg eingewandert ist, wurde Albrecht Dürer zu dem, was er war durch seine Reisen nach Italien und die Niederlande und den ständigen Austausch mit der Welt.

Nicht anders war es mit der Stadt Nürnberg: nur durch den ständigen Austausch und Handel mit der Welt, konnte Nürnberg zu seiner geistigen Größe gelangen.

Deutschtümelei ist sowohl bei Dürer als auch bei Nürnberg fehl am Platz.

Gerade seine letzten 3 Selbstporträts zeigen eine Größe und Weltgewandtheit, die alles andere als „deutsch“ sind.

 

Dürer als Künstler

 

Albrecht Dürer hat für mehrere Neuerungen gesorgt, die bedeutend für die Kunstwelt waren und sind. Allerdings kam er nicht aus dem Nichts und konnte auf den Leistungen Anderer aufbauen.

Kia Vahland: „Genau das aber hatten die Maler des Mittelalters nicht einmal versucht. Sie eiferten dem Himmlischen nach, dem Unsichtbaren, den Schwingungen der Engelsflügel, der Aura einer Muttergottes, die wie eine höhere, schützende Instanz wirkt und nicht wie eine Frau aus Fleisch und Blut.

Pflanzen, Insekten, alles was lebt, bis hin zum Menschen, und angeschaut werden will. Das war lange Zeit zweitrangig.

Umso moderner, fast schon niederländisch, und zugleich der antiken Traditionen bewusster muss es wirken, dass mit Schongauer ein zeitgenössischer Maler hinzugucken und die Details der göttlichen Schöpfung zu feiern versteht.

… Seinen präzisen Blick hat Schongauer im Kupferstich geschult, und das ist der Grund, warum Dürer ihn unbedingt treffen will. Er kennt Stiche des Meisters, mancher fromme Bürger heftet die schwarz-weißen Blätter mit christlichen Szenen an die Wand seiner Stube. Und sie finden sich in Dürers Lehrwerkstatt, zur Augenschulung. Nur: Wie man sie anfertigt, das hat er nicht gelernt. Vielleicht kann Schongauer ihn einweisen in die Geheimnisse der Technik …

Was aber Schongauer wie kein anderer beherrscht, das sind die Tricks, seine Figuren, Bäume und Landschaften aus filigranen, schwarzen Linien dreidimensional erstehen zu lassen …

Colmar jedenfalls erreicht er erst 1492. Und da ist Schongauer bereits seit einem Jahr tot.

Immerhin erlauben dessen Brüder dem Besucher, die hinterlassenen Stiche und Zeichnungen zu studieren. In diesem Moment mag Dürer zu sich selbst gefunden haben. Er nimmt, was er braucht, und formt dann daraus etwas Eigenes.

Vielleicht sieht er die Naturstudien Schongauers und denkt: Das ließe sich noch weitertreiben. Träumt davon, den Leuten vor Augen zu führen, wie außergewöhnlich das Gewöhnliche ist. Etwa mit einem Stück Rasen voller minutiös nachgebildeter Halme und Löwenzahnblätter, gesehen nicht von oben, sondern aus der Perspektive einer Maus, die über den Boden huscht?“

 

Albrecht Dürer half, dass die Stellung des Künstlers sich allmählich wandelte. Kia Vahland: „Freilich können sich die berühmten italienischen Künstler eine solche vornehme Zurückhaltung auch leisten – sie sind ja schon wer, sie gelten nicht mehr, wie ihre deutschen Kollegen als Befehlsempfänger, sondern wirken als Berater, Mitarbeiter, Inspiratoren von Päpsten. Diesen Ausnahmegestalten verzeiht man fast alles, da sie unersetzbar scheinen, als Künstler wie als intellektuelle Gesprächspartner.

Die Deutschen aber sind Genies bei sich zu Hause nicht gewohnt. „Oh wie wird mich noch nach der Sonne frieren“, seufzt Dürer, als er an seine Rückkehr denkt. „Hier bin ich ein Herr, daheim ein Schmarotzer.“

 

Und gerade durch seine Kunsttheorie wollte er der Nachwelt erhalten bleiben. Norbert Wolf: „Dürer wurde zum Hauptverfechter einer solchen von göttlichen Harmonien und Proportionen bestimmten Ästhetik, der freilich nie die künstlerisch-praktische Anwendbarkeit aus dem Auge verlor: „Ich will hier ein kleines Feuerchen anzünden. Wenn ihr alle euren Beitrag mit kunstfertiger Vervollkommnung dazu tut, so kann … ein Feuer daraus geschürt werden, das durch die ganze Welt leuchtet“.

Die Humanisten seiner Zeit wollten nicht nur leben, sondern auch durch ihre Meme weiter leben.

So steht im von Albrecht Dürer gefertigten Kupferstich mit dem Porträt von Willibald Pirckheimer: „Man lebt durch den Geist; die übrigen (Dinge) werden des Todes sein“.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

22. Mai – Wochenkommentar von Ferdinand Wegscheider

„Baby, lass uns impfen!“ - Im neuen Wochenkommentar geht es heute um vielfältigen Dank, den ich an die Regierung und an alle Verantwortlichen richte, die uns jetzt eine teilweise Rückkehr zu einem freien Leben ermöglichen! Wir werfen einen Blick auf die tollen Lockerungen, die uns von Regierungs Gnaden ermöglicht werden.

https://www.servustv.com/videos/aa-26yu5rbgw1w11/

 

Rima-Spalter mit Marco Rima Ep1.: Corona Unser

https://www.youtube.com/watch?v=pQq4QvF8Bjg

 

Besonders wichtig ist mir das regelmäßige #testen ...

https://www.youtube.com/watch?v=tsVEkapl8mQ

 

POLENTE HEUTE #2 - V-Männer*Innenen - Alien's Best Friend - Satire Show

https://www.youtube.com/watch?v=944COWXacww

 

RAPBELLIONS - ICH MACH DA NICHT MIT (OFFICIAL VIDEO) - MIT XAVIER NAIDOO

https://www.bitchute.com/video/IIOOOxzoLu2M/

 

"THEY TRY TO MAKE US TAKE THE VACCINE, BUT WE SAY: NO,NO,NO!" PAULA P'CAY (FREI NACH AMY WINEHOUSE)

https://www.bitchute.com/video/TCML0fGJpk0c/

 

"BABY LASS UNS IMPFEN" - DAS PROMO-VIDEO DER ÖSTERREICHISCHE GESUNDHEITSKASSE ALS ZOMBIE-TANZ

https://www.bitchute.com/video/a5JG8HtgeGPs/

 

#allesdichtmachen #niewiederaufmachen #lockdownfürimmer: Nadja Uhl

 

https://www.youtube.com/watch?v=3yENiy9TnuE

 

Steimles Aktuelle Kamera / Ausgabe 27

https://www.youtube.com/watch?v=SKgX2RP2LmM

 

Impfperium | Ärmel hoch für die illegale Heilung | Strippenzieher

https://www.youtube.com/watch?v=6Zf49780LRA

 

HallMack Gedanke

https://www.frei3.de/article/a635a309-5054-4389-8bb0-04d66d3e4542

 

HallMack Auftrittsverbot für Xavier Naidoo

https://www.frei3.de/article/5a1179c2-043d-43bf-848f-410bdf283bf5

 

HallMack Bald 100.000 Einzelhändler pleite?

https://www.frei3.de/article/ec207789-cf15-4c60-a4ca-f9ebf8dbe5c8