Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Die politische Korrektheit geht weiter, der Fanatismus und die Radikalität von Gutmenschen und Pseudo-Linken wird sich verstärken, wenn diesen nicht entschieden entgegen getreten wird.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/445-bildersturm.html

Alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, muss nieder gemacht oder gleich vernichtet werden.

Ziel der unterschiedlichen Attacken in den letzten Tagen waren unter anderem Helmut Schleich, Boris Reitschuster und Bettina Jarasch.

Der Auftraggeber von Helmut Schleich lässt diesen nicht im Stich; Boris Reitschuster ist den Kampf „David gegen Goliath“ gewöhnt und kämpft weiter; Bettina Jarasch wurde zur Selbstkritik gezwungen.

 

Nikolai Binner: Wie Antirassismus immer rassistischer wird

https://www.youtube.com/watch?v=Y_pWv0yVQ2E

 

Bettina Jarasch und der Indianer-Häuptling

 

Boris Reitschuster: „Grüne geißelt sich selbst, weil sie als Kind davon träumte, Indianerhäuptling zu werden - Aussage sogar aus Video entfernt

Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die mehr über den Zustand einer Gesellschaft aussagen, als die längsten Analysen.

Die „Indianerhäuptling-Affäre“ der Berliner Grünen ist so ein Fall.

In zwei Sätzen: Grünen-Landeschef Werner Graf hatte die Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl, Bettina Jarasch, in einer Vorstellungsrunde gefragt, was sie als Kind gern geworden wäre. Jarasch antwortete daraufhin: „Indianerhäuptling“.

Damit löste sie massives Entsetzen aus, sie musste sich entschuldigen, die Stelle wurde aus einem Video vom Parteitag entfernt.

Mehr muss eigentlich nicht gesagt werden über den Zustand unserer Gesellschaft 2021. Oder genauer gesagt: Von Teilen unserer Gesellschaft.

Das besonders Verrückte: Wie kommt man darauf, dass es Indianer beleidigen könnte, wenn jemand in seiner Kindheit Indianerhäuptling werden wollte?

Das erschließt sich mir nicht.

Dass Jarasch für ihren Kindheitswunsch eine Selbstanklage abgeben musste, die an den Geist der Selbstanklagen in der Sowjetunion unter Stalin erinnert, ist schlichtweg mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar. Genauso wenig, wie die Entlassung eines Sportmoderators dafür, dass er Japan als „Land der Sushis“ bezeichnete – was es zweifelsohne ist.

Es habe sich um eine „unreflektierte Kindheitserinnerung“ gehandelt, schämte sich Jarasch laut Tagesspiegel. „Auch ich muss noch viel lernen.“ Weil doppelt gebüßt besser hält, setzte sie auf Twitter noch einen drauf bei der Selbstgeißelung: Sie erklärte, sie habe mit einem Parteimitglied gesprochen, das von dem Indianer-Ausspruch persönlich betroffen und „tatsächlich verletzt“ sei. Damit ihre Aussage aus der Vorstellungsrunde „nicht uneingeordnet im Livestream“ stehenbleibe, sei diese nachträglich gelöscht worden.

Dort, wo vorher die Aussage Jaraschs im Parteitagsvideo zu hören war, ist nun zu lesen, dass „an dieser Stelle ein Begriff benutzt“ wurde, „der herabwürdigend gegenüber Angehörigen indigener Bevölkerungsgruppen ist“. Weiter heißt es: „Auch wir lernen ständig dazu und wollen weiter daran arbeiten, unser eigenes Handeln und Sprechen auf diskriminierende Denkmuster zu hinterfragen.“

Die Partei, in der dies passiert, könnte ab Herbst den Bundeskanzler stellen und dieses Land regieren.

PS: Ich habe versucht, russischen Freunden den Sachverhalt zu erläutern. Sie haben mich mit großen Augen angestarrt und wollten es mir nicht glauben. Was sie sagten, als ich ihnen glaubhaft machen konnte, dass der Sachverhalt sich tatsächlich so zugetragen hat, kann ich hier nicht wiedergeben, weil es nicht druckreif ist.

PS: Der Kommentar meines Korrektors: Ist es aufgrund der Diversität nicht so, dass jeder sein kann, was er möchte? Also auch Indianerhäuptling?

PS: Kommentar von Arne Ausländer: Hier muß wohl ausführlicher erklärt werden, was so erschreckend an diesem kleinen Skandal ist. Sonst ist die Reaktion der russischen Freunde in der Schärfe unverständlich und auch nicht, warum es auch für uns ein großes Alarmsignal sein sollte, wenn derartiges geschieht.

Der Hintergrund ist der Stalinismus um 1930, als Menschen oft willkürlich beschuldigt wurden, nicht selten wegen absurder Dinge. Ilf-Petrow prägten dazu den Ausdruck „Land der unerschrockenen Idioten“. Solche Beschuldigungen mußten stets ernst genommen werden, es folgte das Ritual von „Kritik und Selbstkritik“, ein zentrales Element stalinistischer Machtpraxis. Der Beschuldigte durfte sich nämlich ganz grundsätzlich nicht gegen die Kritik verteidigen, sondern mußte sie sich zu eigen machen und durch möglichst extreme Selbstkritik noch bestärken. Ob daraufhin Begnadigung oder Verdammung (bis hin zur Erschießung) folgte, war reine Willkür, eine Logik war nicht erkennbar. Die Verweigerung des Rituals dagegen war das sichere Ende, mindestens der Karriere, wenn nicht des Lebens. Die Feinheiten veränderten sich in den Jahren bis zu Stalins Tod, mal wurde es strenger, mal etwas entspannter. Das Prinzip aber blieb dasselbe, auch in den Ostblockstaaten nach 1945 wurde es eingeführt.

Vielleicht versteht man nun das Erschrecken, wenn im Deutschland des Jahres 2021 ein Bilderbuch-Exemplar des Rituals von Kritik und Selbstkritik allen Ernstes durchexerziert wurde. Wie von vielen nicht-stalinistischen Genossen um 1950 im Ostblock muß es als Vorzeichen schlimmster Repressionen verstanden werden. Damals folgten z.B. die Schauprozesse gegen Slansky u.v.a., die oft mit Todesurteilen endeten.

Es ist wieder so weit!

Wenn wir es nicht jetzt – in letzter Minute – stoppen“

https://reitschuster.de/post/gruene-geisselt-sich-selbst-weil-sie-als-kind-davon-traeumte-indianerhaeuptling-zu-werden/

 

Helmut Schleich und Blackfacing

 

„Ein fiktiver Sohn von Franz Josef Strauß als afrikanischer Machthaber: In seiner BR-Sendung tritt Kabarettist Helmut Schleich schwarz angemalt auf. Am Sender gibt es heftige Kritik.

Der Bayerische Rundfunk (BR) hat in der Satiresendung Schleich Fernsehen Blackfacing verwendet und damit heftige Kritik ausgelöst. Der Kabarettist Helmut Schleich war in einem Sketch dunkel angemalt zu sehen. Er sollte einen heimlichen Sohn des CSU-Politikers Franz Josef Strauß und Chef des fiktiven Staats Mbongalo darstellen, der Deutschland Ratschläge im Umgang mit der Pandemie erteilt.

Blackfacing gilt als rassistische Praxis, die einst im Theater eingesetzt wurde, damit weiße Darsteller sich über Schwarze lustig machen und Ressentiments verbreiten konnten. Seit Jahren gibt es Kritik an derartigen Szenen, zuletzt etwa beim WDR, der in einer Karnevalssendung Blackfacing gezeigt und sich anschließend entschuldigt hatte. Auch auf die BR-Sendung reagierten in sozialen Medien zahlreiche Menschen mit Empörung und Unverständnis.

Der BR sieht dagegen kein Problem. "Die Diskussionen zum Thema ,Blackfacing' und der damit verbundenen Problematik waren der Redaktion bewusst, und deshalb wurde im Vorfeld der Sendung über diesen Beitrag intensiv mit Helmut Schleich diskutiert", schreibt der Sender auf Anfrage. "In einem Satireformat muss dem Künstler aber auch ein bestimmter Freiraum für satirische Überhöhungen zugebilligt werden." Die künstlerische Freiheit lote manchmal Grenzen aus, heißt es vom BR weiter. Die Figur Maxwell Strauß sei eine Karikatur und "nicht losgelöst vom Text zu beurteilen". Inhalt seien "autoritäres Machtverständnis" und "absolutistisches Machtdenken".“

https://www.sueddeutsche.de/medien/br-blackfacing-schleich-1.5254445

 

Die Parodie von Franz Josef Strauß ist die Parade-Rolle von Helmut Schleich. Die Figur des Maxwell Strauß ist ein weiteres Format zum Thema „autoritäres Machtverständnis" und „absolutistisches Machtdenken".

In der deutschen Politik gibt es kaum jemanden, den Helmut Schleich nicht parodiert hätte – bis hin zu Angela Merkel. Auch vor ausländischen Machthabern wie Nordkoreas Kim Jong-un schreckt er nicht zurück, siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/141-feuerwerk.html ; gerne parodiert er auch den bayerischen König Ludwig II..

Es ist nicht bekannt, dass Royalisten, die Erben von Franz Josef Strauß, Politiker oder Staatsoberhäupter je einen größeren Scheiss-Sturm gegenüber Helmut Schleich entfacht hätten.

Aber die immer Beleidigten, die haben es jetzt geschafft.

Es ist zu erwarten, dass das Bayerische Fernsehen und die YouTube-Zensoren den Beitrag früher oder später löschen werden, weshalb der Wurm diesen erst gar nicht verlinkt.

 

Monika Gruber und Helmut Schleich in einem „Merkur“-Interview: „… Sie beide haben sich ja kritisch mit der Corona-Politik auseinandergesetzt – kann man das, was Sie da gesagt haben, in den Öffentlich-Rechtlichen noch uneingeschränkt sagen?

Gruber: Sagen kannst du alles. Du musst halt damit rechnen, dass du dann einen Shitstorm bekommst. Die Empfindlichkeiten werden größer. Wodurch sich manche Leute inzwischen beleidigt fühlen – Wahnsinn!

Schleich: Ich bin ja beim BR, und beim „Schleichfernsehen“ ist es unproblematisch...

Da hat man diese Narrenfreiheit noch?

Schleich: Ja. Und das ist auch wichtig, weil ich wirklich das Kritische bei manchem Kollegen vermisse. Wir müssen doch auch mal querschießen. Querdenken...

Vorsicht!

Schleich: Darf ich daran erinnern, dass der große Karl Valentin als Querdenker bezeichnet wurde, als das noch eine Auszeichnung war? Querdenken ist ja die ureigenste Aufgabe des Kabaretts. Mit den sogenannten Querdenkern haben wir nichts zu tun. Aber, was die Narrenfreiheit betrifft – bei einem anderen öffentlich-rechtlichen Sender, bei dem ich vor Weihnachten mein aktuelles Programm fürs Radio aufgezeichnet habe, kamen zwei Tage vor der Sendung Anrufe aus der Redaktion, obwohl die den Text längst kannte. Es ging unter anderem um die Stelle, an der ich sage: Markus Söder bekommt viele Hass-Mails. Ich habe das recherchiert, die sind alle vom Horst Seehofer. Da kam tatsächlich die Frage: „Was möchtest Du damit sagen? Möchtest Du damit Hass-Mails verharmlosen?“ So ging das Satz für Satz. Da habe ich die gefragt: Wir kennen uns jetzt seit 15 Jahren, was geht hier ab?

Was ist das? Vorauseilender Gehorsam?

Schleich: Es ist die Angst vor den Kolleginnen und Kollegen im eigenen Sender. Die Angst davor, dass es in Konferenzen heißt: Du winkst solche Programme durch, bist Du auch so einer? Übrigens – nach der Ausstrahlung gab’s nur begeisterte Zuschriften.

Gruber: Ja. Das würden die einem nur nie ins Gesicht sagen. Die Szene ist letztlich aber doch eine große Familie, und so erfährt man immer, wer was über wen geäußert hat. Und deshalb weiß ich, dass jemand zu meinem Co-Autor gesagt hat: Die Texte, die die Gruber da bringt, die könnte sie auch bei Pegida bringen. Abgesehen davon, dass das eine infame Behauptung ist, lasse ich mich in keine Schublade stecken, sondern nehme mir nur das Recht heraus, den Finger in manche Wunden zu legen. Und i steh dazua! Kabarett hat die Aufgabe, kritische Fragen zu stellen. Und auch wenn das jetzt etwas deftig formuliert ist: Viele Kollegen, die vermeintlich Kabarett machen, sind nur mehr Zeitgeistnutten.

Woher kommt das, dass es plötzlich zwei unversöhnliche Lager zu geben scheint?

Schleich: Der Riss, der durch die Gesellschaft geht, zwischen vermeintlich „gut“ und vermeintlich „böse“, bildet sich eben auch in der Kabarettszene ab. Und jeder, der sich falsch – und damit meine ich auch formal falsch – ausdrückt, bekommt den Stempel „Nazi“ oder zumindest „Steigbügelhalter“. Aber wer definiert das eigentlich? Ist es nicht so, dass eine Partei wie die AfD ihren Aufstieg auch der Tatsache zu verdanken hat, dass andere sich weggeduckt haben, wenn’s brisant wurde?

Gruber: Die sind in die Lücke rein, die entstanden ist, weil niemand bestimmte Themen offen ansprechen wollte.

Schleich: Wir haben im Kabarett, und da sehe ich eine gewisse Parallele zum Journalismus, alles erst mal infrage zu stellen und alles erst mal Scheiße zu finden, was so passiert politisch und gesellschaftlich. Wenn sich dann aber Künstler zum verlängerten Arm der Regierung machen, indem sie sich über die Kritik an der Regierung lustig machen, dann finde ich das sehr bedenklich. Wer Corona-Maßnahmen infrage stellt, ist noch kein Corona-Leugner, genauso wie jemand, der die EU kritisch sieht, noch kein Europagegner ist.

Gruber: Das sind genau die Schubladen, in die man die Leute reinsteckt.

Viele Kabarettisten und Komiker leben davon, dass sie bestimmte Stereotypen parodieren, man denke an Kaya Yanar, der ja selbst einen Migrationshintergrund hat. Jetzt distanzieren sich einige Künstler von ihren Parodien und sagen, sie spielten sie nicht mehr, weil sie rassistisch oder sexistisch seien...

Schleich: Dazu gibt es den wunderbaren Satz eines Schweizer Kollegen, der gesagt hat: „Über einen rassistischen Witz darf man nicht lachen – aber man muss.“ Und von Sigmund Freud stammt das Wort: „Witze dienen dazu, das zu sagen, was man nicht sagen darf.“ Was soll das, dass sich da jetzt manche versuchen reinzuwaschen? Da kann es ja nur darum gehen, einer von den Guten sein zu wollen.

Aber was geht dann noch an Parodien?

Schleich: Gute Frage. Ich spiele in „Schleichfernsehen“ immer wieder einmal die Figur des Maxwell Strauß, eines von mir erfundenen unehelichen Sohns von Franz Josef Strauß, der in Afrika Diktator ist. Und plötzlich fragst du dich, ob du diese Figur noch spielen kannst mit schwarz angemaltem Gesicht. Stattdessen einen sterilen Vortrag über Kolonialismus zu halten, ist ja beileibe nicht lustiger.

Sind wir Deutsche vielleicht besonders empfänglich für die viel zitierte „Political Correctness“?

Gruber: Ich glaube schon. Das war ja 2015 schon so, als die Menschen Teddybären schmeißend am Hauptbahnhof gestanden sind, um die Flüchtlinge zu begrüßen. Nur um der Welt zu zeigen: Den bösen Deutschen gibt’s nicht mehr. Aber diese sogenannte Political Correctness ist oft weltfremd. Außerdem behauptet sie, tolerant zu sein, ist aber im Gegenteil intolerant. Wenn viele Menschen sich fragen, was man noch sagen oder gar denken darf, dann wird’s gefährlich. Das Zigeunerschnitzel, der Mohr im Hemd oder die Russenhalbe sind jedenfalls nicht unsere größten Probleme, wenn es um die Bekämpfung von Rassismus geht …“

https://www.merkur.de/bayern/monika-gruber-helmut-schleich-interview-bayern-kabarettisten-kult-corona-social-media-zr-90240382.html?

 

Boris Reitschuster auf YouTube zensiert

 

Youtube hat mich gesperrt – wegen Stuttgart -Livestream!! Bitte auf meinen Ersatzkanal wechseln!

https://www.youtube.com/watch?v=wOJ7NDHMej4

 

Die neuerliche Sperrung  des YouTube-Kanals von Boris Reitschuster hatte mit der „Querdenken“-Veranstaltung in Stuttgart zu tun. Was dort tatsächlich geschah und wie sehr der politisch-mediale Komplex mal wieder manipulierte, ist hier nachzulesen:

https://reitschuster.de/post/corona-demo-in-stuttgart-ein-steinwurf-und-seine-vor-geschichte/

https://reitschuster.de/post/wie-man-eine-friedliche-demo-geschickt-zur-gefahr-fuer-die-demokratie-framed%e2%80%a8/

 

Boris Reitschuster: „Youtube sperrt mich wegen Livestream von Stuttgart-Demo - Zustände wie in autoritären Staaten

Eigentlich sollte in Kürze mein Video erscheinen über die Demonstration in Stuttgart heute. Aber der Journalist denkt, und Youtube bzw. Google lenkt: Der Internet-Riese hat heute erneut meinen Kanal blockiert und mich gesperrt. Auslöser: Mein zweiter, kurzer Livestream von der Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart, in dem ich knapp eine Stunde lang die Reden von der Bühne dokumentierte. Nach dieser Entscheidung ist es einem als Journalisten eigentlich nicht mehr möglich, von Großveranstaltungen zu berichten und zu übertragen. Eine eklatantere Einschränkung der Pressefreiheit ist eigentlich kaum noch vorstellbar. Eine Schließung meines Kanals mit mehr als 216.000 Abonnenten geht faktisch schon in Richtung Berufsverbot. Zumal ich auf dem Kanal regelmäßig auch von der Bundespressekonferenz berichte, was nun ebenfalls eine Woche lang nicht mehr möglich ist.

Die Begründung für die Löschung und Sperrung: Angebliche Verbreitung medizinischer Fehlinformationen. Nach dieser Logik könnte kein Journalist mehr live von einer Veranstaltung berichten, weil ja immer die Gefahr bestünde, dass irgendein Redner irgendetwas sagte, was gegen die Youtube-Regeln verstößt. Hinter der strikten Zensur-Politik des Internet-Konzerns steht auch das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“. Nie werde ich die Antwort von Merkels Sprecher Steffen Seibert auf der Bundespressekonferenz vergessen, als ich ihn nach der Zensur auf Youtube fragte: Ich weiß nicht, welche Probleme Sie mit Youtube haben, sagte er sinngemäß. Und für mich klang es, als ob er durchaus Bescheid wüsste. Kommt jetzt der Versuch der Aushebelung über Youtube, nachdem es ja zuvor Versuche gab, meinen Ausschluss aus der Bundespressekonferenz zu lancieren?

Besonders bizarr: Nach aktuellem Stand ist das Landgericht Berlin nicht bereit, gegen Youtube wegen solcher Zensur einstweilige Verfügungen zu erlassen. Letztes Jahr war es dazu noch bereit, auch in meinem Fall. Offenbar hat es seine Linie nun geändert. Es ginge dann nur noch ein normales Verfahren statt des Eilverfahrens, das sich so lange hinzieht, dass es oft nicht mehr relevant ist: Was hätte man davon, wenn eine Sperre beispielsweise nach zwei Jahren aufgehoben würde? Hintergründe finden Sie hier in diesem Video. Einstweilen weiche ich auf meinen Ersatzkanal aus, den Sie hier abonnieren können.

Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich in Deutschland massiv unter Zensur leiden werde und mein Recht, als Journalist frei zu berichten, weitaus stärker eingeschränkt würde, als es in Russland jemals war – ich hätte ihn für verrückt erklärt. Ich komme mir vor wie in einem Roman von Kafka. In einem Albtraum. Und hoffe nur, dass mich jemand aufweckt.

PS: Kurz nach Schreiben dieses Textes lud ich ein Interview mit Fußball-Weltmeister Thomas Berthold auf meinem Ersatzkanal hoch. Dieses wurde bereits nach wenigen Minuten, während des Hochladens, gelöscht. Mit dem Hinweis: „Medizinische Fehlinformationen“. Damit droht nun auch dem Ersatzkanal die Sperrung. Zustände wie in – Sie dürfen sich selbst das Land aussuchen, mit dem Sie all das vergleichen wollen.“

https://reitschuster.de/post/youtube-sperrt-mich-wegen-livestream-von-stuttgart-in-demo/

Boris Reitschuster: „Zensur und Unfreiheit: Die Abschaffung der Demokratie im Outsourcing - Autoritäre Mechanismen schleichen sich immer durch die Hintertür ein

Mir ist nicht mehr geheuer, was in diesem Land passiert. Ich habe 16 Jahre in Russland gelebt und gearbeitet, in einem autoritären System. Ich habe dort Schlimmes erlebt. Aber ich habe mich dort nie einer Zensur unterworfen gesehen wie heute hier im selbsternannten „besten Deutschland aller Zeiten“. Selbst im russischen Staatsfernsehen konnte ich das System Putin als korrupt kritisieren. Ich wurde dabei überschrien, es war höchst unfair, aber ich konnte sagen, was ich wollte, und es wurde nicht zensiert. Könnte ich heute in ARD oder ZDF Merkel kritisieren?

Anders als in Putins gesteuerter Demokratie und Medienwelt, in der ich als Ausländer natürlich auch privilegiert war, muss ich mir heute in Deutschland jedes Wort dreimal überlegen, wenn ich etwa meine Videos für Youtube mache. Schlimmer noch: Jedes Wort eines Interview-Partners kann zu schwerwiegenden Folgen für mich führen. Gestern tat ich das, was für einen Journalisten selbstverständlich ist: Ich übertrug live von der Corona-Maßnahmen-Gegner-Demonstration in Stuttgart. Presse-Alltag. Wenige Stunden später war das Video gelöscht und mein Kanal mit 218.000 Abonnenten gesperrt. Für eine Woche. Mit einem Interview mit Fußball-Weltmeister Thomas Berthold, das ich am Rande der Demonstration aufzeichnete, ging ich auf einen zweiten Kanal auf Youtube. Kein einziger Zuschauer konnte das Video zu Ende ansehen: Es wurde mitten in der Premiere gelöscht (unten können Sie es ansehen und sich selbst ein Bild machen).

Die Pressefreiheit in Deutschland wird im Stundentakt erdrosselt. Nicht einmal einen halben Tag nach den beiden Zensur-Fällen wurden beide Beschwerden von mir dagegen zurückgewiesen. Die Tragweite der Entscheidung ist erheblich: Damit kann ich etwa meinen Abonnenten diese Woche nicht von der Bundespressekonferenz berichten. Es ist ganz egal, wie man zu den Corona-Maßnahmen steht, ob man rechts oder links, konservativ oder liberal ist, ob man meine Arbeit mag oder nicht: Jeder aufrichtige Demokrat müsste angesichts solcher Zensur seine Stimme erheben, aufstehen und protestieren. Was geschieht stattdessen: Im besten Fall Wegducken, im schlimmsten Schadenfreude über und Applaus für die Youtube-Zensur auf Twitter. Nichts könnte besser verdeutlichen, wie weit unsere Gesellschaft von den Idealen einer freiheitlichen Demokratie abgedriftet ist in Richtung Meinungs-Totalitarismus.

Neben Bösartigkeit ist Dummheit und Naivität dabei ein wichtiger Wegbegleiter der neuen Zensoren: Youtube habe doch ein „Hausrecht“, ist immer wieder zu hören. Und man könne doch anderswo seine Meinung sagen. Das ist absurd: Zum einen ist Youtube als Quasi-Monopolist laut deutscher Rechtsprechung an die Grundrechte gebunden – also auch an das Grundrecht auf Meinungsfreiheit. Zum anderen ist der Verweis auf andere Wege so absurd, als wenn ein Diktator Verlegern sagt, sie dürften zwar ihre Zeitung nicht mehr in den Druckereien drucken lassen, weil die das alle ablehnen als Privatunternehmer, aber sie könnten sie schließlich auf Papier schreiben. Oder Radiosender einen Lautsprecher statt Radiofrequenzen nutzen. Viele in Deutschland scheinen nicht den feinen Unterschied in Sachen Meinungsfreiheit zu erkennen, den der Diktator Idi Amin einst so definiert haben soll: „Ich garantiere völlige Freiheit beim Reden, allerdings nicht danach.“

Der Staat macht seine Hände nicht schmutzig

Ebenso erschreckend wie die Zensur selbst ist, wie viele Menschen sie nicht einmal verstehen. Und der Nebelgranate auf den Leim gehen, es seien doch Privatfirmen, die da agieren. Sind es. Aber kann eine Telefongesellschaft die Inhalte von Telefonaten zensieren? Der Staat hat die sozialen Netzwerke unter Druck gesetzt zu zensieren. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz wurde sogar in der russischen Duma als Vorbild angeführt. Unser Staat hat bei der Einführung von autoritären, demokratiefeindlichen Schritten das Outsourcing eingeführt. Kritische Meinungen? Darf man haben! Aber wenn man sie verbreitet, droht eine Sperre, faktisches Reklame-Verbot etc. Einschränkungen für Nicht-Geimpfte? Würde der Staat nie machen! Aber wenn es die Firmen tun…. Restaurant-Verbote, Rausschmisse aus Banken für Andersdenkende? Nicht der Staat macht das bei uns, sondern formell private Firmen. Und der Staat schafft die Atmosphäre, in der diese privaten Firmen das tun, ja beinahe tun müssen.

Unfreiheit und autoritäre Mechanismen schleichen sich immer durch die Hintertür ein. Während die deutsche Gesellschaft auf die Gewaltherrschaft des Dritten Reiches fixiert ist mit ihren Schrecken, ist sie völlig blind geworden für die Untergrabung der Demokratie durch die Hintertür. Nicht à la Orwell mit offener Unterdrückung, sondern so, wie es Huxley vorhersagte: Dass die neuen Diktaturen nicht auf Gewalt bauen werden, sondern darauf, das Denken der Menschen zu manipulieren. Nur daraus lässt sich die fast schon panische Angst vor anderen Meinungen erklären, das Abschalten von Videofilmen noch während der Premiere, das Abschmettern von Beschwerden binnen Stunden. In freiheitlichen Demokratien wäre das undenkbar. Sie hätten es vor allem gar nicht nötig. Wie viel muss ein Staat zu verbergen haben, wenn er sich genötigt sieht, so eine Atmosphäre der Angst und der Zensur zu schaffen?

Die Geschichte zeigt: Die, die zensierten, hatten eher selten recht. Und gingen noch seltener als die „Guten“ in die Geschichte ein. Da, wo zensiert wurde, war der Zusammenbruch der jeweiligen Systeme immer eine Frage der Zeit. Doch leider ist das keine gute Nachricht: Denn egal wie abgewirtschaftet ein System sein mag – ein Zusammenbruch ist nie erbaulich. Und wie die Geschichte der Sowjetunion zeigt, kann es zudem auch Jahrzehnte dauern, mit einer ewigen Phase des Dahinsiechens. Damals haben Leute ihr Leben und ihre Freiheit riskiert für den Kampf gegen die Unfreiheit. Heute müsste man eigentlich gar nicht so viel riskieren. Es wäre die Sache wert.“

https://reitschuster.de/post/zensur-und-unfreiheit-die-abschaffung-der-demokratie-im-outsourcing/

 

Klaus Kelle: „„Wie bei Lenin damals: Wer nicht mitmacht, der wird halt aussortiert“ - Wie unsere Gesellschaft ins Totalitäre zurückfällt

Der Hauptstadtjournalist Boris Reitschuster ist derzeit das Maß aller Dinge – unter den alternativen Medien in Deutschland bricht sein gleichnamiger Blog Tag für Tag neue Zugriffsrekorde, auf Twitter war er vorhin lange Zeit der top “Trend”. Boris ist in aller Munde, seit er dahin geht, wo es wehtut – auf Berlins Straßen, wenn Polizei und Antifa aneinandergeraten und Tränengasschwaden zwischen den Häuserzeilen der Hauptstadt-Kieze wabern. Oder zu den Querdenkern, wo einige linke Krawalltypen in Schwarz ihm das Smartphone aus der Hand schlagen und den Livestream auf seinem Blog unterbrechen. Oder er nervt Regierungssprecher Seibert in der Bundespressekonferenz derart, dass die Süddeutsche Zeitung Reitschuster eine ganze Seite widmet, um zu begründen, er müsse aus der Bundespressekonferenz ausgeschlossen werden, weil er da immer so …Fragen stellt. Weil es doch bei den wohlfühligen Mainstream-Korrespondenten immer so gemütlich war, bevor dieser Typ da rumnervte mit seinen Fragen.

Und jetzt Querdenker in Stuttgart – 15.000 – und Boris macht das, was Medien machen sollten: Berichten, live und ungeschnitten, damit die Menschen sich selbst ein Bild davon machen können, was da passiert und wer da was redet auf der Bühne. 218.000 Abonnenten hat Reitschusters Youtube-Kanal – eine stolze Zahl, und jetzt hat Youtube Reitschuster abgestellt – gesperrt für sieben Tage. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen das feiern in den sozialen Netzwerken, wie viel Hass und persönliche Beleidigungen da sichtbar werden; von Leuten, von denen man doch annehmen sollte, dass sie – da links – tolerant und bunt und vielfältig sind.

Aber aus vielen Tweets dort spricht der alte, totalitäre Geist, der die düstersten Kapitel des 20. Jahrhunderts überhaupt erst möglich gemacht hat. Leute, bereit, auf Knopfdruck zu hassen, wen immer man ihnen zum Fraß vorwirft. Der mittelalterliche Pranger ist zurück im besten Deutschland, in dem wir gut und gerne leben oder so. Eine dumpfe Meute, aufgehetzt, bereit alles zu bejubeln oder zu negieren, was dem eigenen kruden Weltbild entspricht. Wie bei Lenin damals: Wer nicht mitmacht, der wird halt aussortiert. Bisher noch nicht abgeholt an der Haustür von Stasi-Typen mit grauen Anzügen und grauen Gesichtern, aber ich bin sicher, wenn es so weit wäre, gäbe es auf Twitter sofort viele Leute, die ins Geheule der Wolfsmeute freudig einstimmten – den machen wir fertig.

Es gibt viele Beispiele aus den vergangenen Jahren, wo Menschen für ihre Meinungen gesellschaftlich hingerichtet wurden. Und der Mainstream kommt durch damit, immer.

Dabei ist der entscheidende Punkt nicht, WAS jemand denkt oder sagt. Der entscheidende Punkt ist, DASS man es in diesem Land denken und sagen darf – ohne Konsequenzen für den Job, die Familie und im schlimmsten Fall Leib und Leben haben zu müssen. Politiker der AfD haben das erlebt, konservative Publizisten, mit denen man nicht auf einer Bühne stehen will. Untadelige Staatsdiener, die in die Politik gehen wollen und nicht den Wünschen des Justemilieus entsprechen. Besonders widerwärtig auch eine Kaste von Wichtigtuern, die sich mit vermeintlich verdächtigen Screenshots an Arbeitgeber von gehassten Persönlichkeiten wenden, damit die raus sind aus dem Spiel. Um ihre Existenz beraubt. Endgültig weg. Ein guter Freund sagte mir letztens, ich solle doch vorsichtig sein, mit wem ich Interviews führe. Damit ich nicht auch zur Zielscheibe werde. Aber in meiner kleinen Welt sollte ein Journalist mit jedem sprechen, mit dem er will.

Ich habe schon ein paar Mal über all das geschrieben, viele Bürger haben das gelesen, viele auch ihre Gedanken selbst in eine Mail an mich gepackt. Und dennoch frage ich mich immer häufiger, auf welchem Trip diese Gesellschaft gerade ist. Werde ich zum Verschwörungstheoretiker, weil ich immer mehr Dinge wahrnehme, die ich von Orwells und Huxleys Büchern kenne? Das kann doch alles gar nicht sein, wir leben doch in einer Demokratie, einem Rechtsstaat. Und wir haben doch aus der Geschichte gelernt, und die wiederholt sich doch nicht.

Und wir sind doch immun gegen “sowas”.

Sind wir das wirklich?“

https://reitschuster.de/post/wie-bei-lenin-damals-wer-nicht-mitmacht-der-wird-halt-aussortiert/

 

Generation beleidigt

 

Udo Brandes: „Generation beleidigt – Ein neues Buch über eine Generation mit totalitärem Machtanspruch

„Generation beleidigt“ – treffender kann man die jüngeren Generationen, die eine „linke“ Identitätspolitik auf ihre Fahnen geschrieben haben, nicht charakterisieren. Die Französin Caroline Fourest betitelt ihr Buch zur Identitätspolitik so. Der Untertitel lautet: „Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluss linker Identitärer. Eine Kritik“.

Caroline Fourest ist eine französische Intellektuelle. Sie arbeitet als Journalistin, Autorin und Filmemacherin unter anderem für Charlie Hebdo, als Kolumnistin für Zeitungen und lehrt am Sciences Po (das ist das „Institut für politische Studien in Paris“; das Institut genießt in Frankreich ein sehr hohes Ansehen und gilt als Eliteeinrichtung). Im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten hat sie sich viel mit dem Thema Identitätspolitik beschäftigt. Sie gehört selbst einer Minderheit an (sie ist lesbisch) und hat sich politisch gegen die Diskriminierung von Homosexuellen engagiert bzw. für deren Gleichberechtigung gekämpft. Sie beschreibt das so:

„Ich habe das Recht zu lieben gegen homophobe Beschimpfungen behaupten müssen, die ich meine Kindheit und Jugend lang zu hören bekam. Meine ersten Schlachten schlug ich gegen Sexismus, Homophobie und Rassismus. Als Vorsitzende des Centre gay et lesbien habe ich für den Stammvater der ‚Ehe für alle‘ gekämpft. Um ihn zu verteidigen ließ ich mich von irgendwelchen Schergen unter dem Ruf ‚dreckige Lesbe‘ verprügeln. Der Kampf für die Gleichheit hat mich geprägt, doch dem für die Freiheit bleibe ich innigst verbunden. Wegen meiner Arbeit als Regisseurin und Journalistin, frühere Mitarbeiterin von Charlie Hebdo, fürchte ich um die Freiheit, schöpferisch tätig zu sein, zu denken, zu zeichnen und zu spotten. Sämtliche Facetten meiner Identität haben meiner Analyse des Gleichgewichts genährt, das es in Sachen Redefreiheit und Gleichheit zu finden gilt“ (S. 10).

Man kann also wahrlich nicht behaupten, dass die Autorin gegenüber Minderheiten und ihrem Engagement voreingenommen wäre. Das Gegenteil ist der Fall, wie in ihrem Buch auch immer wieder deutlich wird. Sie sagt es auch selbst noch einmal ausdrücklich:

„Es geht nicht darum, die guten alten Zeiten zu bedauern, in denen man sich an Homosexuellen, Schwarzen oder Juden auslassen durfte; noch darum, denjenigen Rückendeckung zu geben, die das Verlangen nach Gleichheit mit einer phantasierten ‚Tyrannei der Minderheiten‘ verwechseln“ (S.10).

„Ohne einen Aufschrei wird ihr kultureller Sieg vollständig sein“

Fourests Buch beschäftigt sich vor allem mit der Praxis der Identitätspolitik in Frankreich, den USA und Kanada. Trotzdem ist es auch für deutsche Leser interessant. Zum einen, weil in Deutschland die Verhältnisse ähnlich sind und auch hier immer wieder Cancel Culture und Zensurversuche bzw. totalitäre Machtansprüche von Minderheiten an der Tagesordnung sind. Zum anderen werden die im Buch beschriebenen hysterischen identitätspolitischen Exzesse, sofern sie hier noch nicht derartig schlimm ausgeprägt sein sollten, über kurz oder lang garantiert auch in Deutschland zu beobachten sein. Für Frankreich diagnostiziert Fourest Folgendes:

„Frankreich hält sich noch ziemlich gut. Doch gehen auch in diesem Land bereits Gruppen von Studenten gegen Ausstellungen und Theaterstücke vor, um deren Aufführung zu unterbinden oder einen Redner, der ihnen missfällt, am Reden zu hindern. Manchmal zerreißen sie auch seine Bücher. Autodafés, die an das Schlimmste erinnern. Diese Kulturpolizei geht von keinem autoritären Staat aus, sondern von der Gesellschaft und insbesondere einer Jugend, die ‚aufgeweckt‘ sein will, weil ultraempfindlich gegen jedwede Ungerechtigkeit. Was großartig wäre, wenn sie dabei nicht auf Unterstellungen und inquisitorische Methoden verfiele. Die Millenials gehören weitgehend einer identitären Linken an, die den wesentlichen Teil der antirassistischen Bewegungen und der LGBTI-Szene beherrscht und sogar den Feminismus spaltet. Ohne einen Aufschrei wird ihr kultureller Sieg vollständig sein“ (S. 8-9).

Diese Diagnose könnte man im Wesentlichen auch auf Deutschland übertragen. Lediglich in einem Punkt liegt Fourest meiner Meinung nach falsch: Diese identitäre Bewegung besteht nicht aus „den“ Millenials, sondern aus Millenials, die entweder den Minderheiten entstammen oder aus gut situierten bürgerlichen Schichten kommen – und meistens in Städten leben. Millenials aus der Arbeiterschicht und dem Kleinbürgertum, die vielleicht auch noch auf dem Land aufgewachsen sind, sind meiner Erfahrung nach nicht oder nur selten Anhänger der Identitätspolitik.

Dürfen zukünftig nur noch Alkoholiker einen Alkoholiker spielen?

Im Kapitel „Castings auf der Grundlage von DNA-Tests“ (Castings = Besetzungen von Rollen) beschreibt Fourest wunderbar und mit bitterem Spot die Absurditäten, die inzwischen in der amerikanischen Filmindustrie Einzug gehalten haben:

„Häufig werden Verleumdungskampagnen von Organisatoren initiiert, die den betreffenden Film nie gesehen haben. Begründet wird die Ablehnung dann ausschließlich mit der DNA derjenigen, die im Film mitspielen oder ihn gedreht haben. Selbst dem so begabten Spike Lee, dem wohl berühmtesten afroamerikanischen Regisseur, warf man vor, dass er einen Film über Gewalt in Chicago drehte, wo er doch aus Brooklyn kommt. Das Politibüro begnügt sich nun nicht mehr damit, anhand der ‚Rasse‘ zu urteilen, es geht jetzt auch um die Meldeadresse und die Nachbarschaft. Man kann die Schauspielerinnen und Schauspieler, die auf eine Rolle verzichten mussten, weil sie für nicht schwarz genug befunden wurden, schon gar nicht mehr zählen“ (S. 87-88).

Auch die berühmte Hollywoodschauspielerin Scarlet Johansson traf es. Sie verzichtete aufgrund des öffentlichen Drucks von Transgender-Aktivisten darauf, Dante Gill, einen transsexuellen Zuhälter in den siebziger Jahren, zu spielen. Fourest fragt zu recht, warum eine große Hollywood-Schauspielerin davon abgehalten wird, eine Rolle zu spielen, die dazu beiträgt, Vorurteile abzubauen. Der Film würde ohne Scarlet Johansson schwieriger in die Kinos zu bringen sein und geringere Mittel haben – und ein geringeres Publikumsecho bekommen. Einige Zeilen vorher benennt sie eine Motivation, die ihre Frage zumindest teilweise beantwortet:

„Solche Anschuldigungen werden bisweilen von Schauspielerinnen erhoben, die selbst die Rolle nicht bekommen haben. In diesem Falle (gemeint ist der Film über den transsexuellen Zuhälter; UB) kamen die Aufschreie von Tracy Lysette (die in ‚Transparent‘ mitspielt) und von Jamie Clayton, also von zwei Schauspielerinnen, die es hassen, auf die Rolle von Transsexuellen reduziert zu werden, und dennoch diesen Anspruch erheben, wenn es darum geht, eine Konkurrentin zu kritisieren“ (S. 88).

Wenn man die Forderungen identitätspolitischer Aktivisten konsequent umsetzen würde, dann würde dies letztlich bedeuten, dass der Beruf des Schauspielers ad absurdum geführt würde, weil nur noch ein echter Alkoholiker einen Alkoholiker spielen dürfte, echte Mörder einen Mörder im Film. Ober eben nur noch Heterosexuelle einen Heterosexuellen:

„Man muss auch die Kehrseite der Medaille sehen: Wenn diese Regeln im Film durchgesetzt werden, dann dürfen Schauspieler, die einer Minderheit angehören, auch nur noch Angehörige von Minderheiten darstellen und keine anderen Rollen mehr spielen“ (S. 89).

Genau dagegen wehrt sich Fourest:

„Als Filmemacherin möchte ich Filme für die kommenden Generationen machen. Ich käme jedoch nie auf die Idee, einer heterosexuellen Frau zu verbieten, eine Lesbe zu spielen, wenn sie es glaubwürdig und gut macht. Ganz im Gegenteil, es beweist, dass unsere Kämpfe Erfolge zeitigen und die Barrieren allmählich verschwinden“ (S. 84).

Diese Beispiele allerdings sind noch vergleichsweise harmlos gegen das, was im Kapitel „Der Alptraum von Evergreen“ von Fourest geschildert wird. Evergreen ist eine sehr linke Universität im Bundesstaat Washington. Was dort geschah, erinnert mich an sozialpsychologische Experimente, die gezeigt haben, wie Menschen plötzlich zu gefährlichen Sadisten werden, wenn sie plötzlich Macht ausüben können.

Als der Universitätspräsident während einer Auseinandersetzung mit Studenten, bei der die Studenten hochaggressiv waren, auf einen Studenten zeigte, rastete, so Fourest, die Menge aus:

„’Das macht man nicht, du Hurensohn! Nimm deine Hand runter, George!‘ Eine schwarze Studentin näherte sich ihm auf eine bedrohliche Art. Der Universitätspräsident senkte seine Hand und versteckte sie hinter seinem Rücken. Sklavisch entschuldigte er sich bei ihnen für noch die geringste Bewegung: ‚Ich gebe mir Mühe‘. Die Studenten lachten ihn dafür aus. Erfreut darüber, die neuen Herren zu sein, führten sie sich auf wie Sklavenhalter. Studenten war es gelungen, sich antirassistische Professoren zu unterwerfen. Eine Umkehrung, die sie sichtlich genossen“ (S. 124).

Diese Vorfälle, so Fourest, seien nicht einfach so vom Himmel gefallen. Der Universitätspräsident habe nur geerntet, was er selbst gesät habe. George Summer Bridges, so sein Name, habe die Studenten nämlich darin bestärkt, sich so aufführen zu dürfen:

„Beseelt von guten antirassistischen Ansichten, zwang er Anfang des Jahres sein Lehrpersonal, sich öffentlich auf einer Bühne mit ihrer ‚Rasse’ vorzustellen, ihre Privilegien einzugestehen und sich für diese zu entschuldigen. (…) Ihre Stimmen zitterten. Und nicht nur derjenigen, die gezwungen worden waren, sich als ‚weiß, heterosexuell und cis-gender’ vorzustellen. Lesbische Lehrerinnen, Frauen, die oftmals die ersten ihrer Klasse waren, die eine Universität besuchten, mussten ihren Blick senken und sich für privilegiert erklären!“ (S. 124).

Quelle für diese Beschreibungen sind offenbar Filmaufnahmen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Fourest die Quelle exakter angegeben hätte, wie sie es ansonsten in ihrem Buch auch getan hat.

Resümee

Selbst wenn man sich mit dem Thema „Politische Korrektheit“ bzw. „Identitätspolitik“ schon länger kritisch beschäftigt und auch einiges dazu gelesen hat: Das Buch von Caroline Fourest kann einen mit der Fülle seiner Beispiele an unglaublichen Absurditäten auch dann noch vom Hocker hauen (z. B. wenn selbst das Praktizieren von Yoga von kanadischen Aktivisten als „kulturelle Aneignung“ gebrandmarkt wird). Wenn man ihr Buch gelesen hat, dann ist einem klar, dass die identitätspolitischen Aktivisten eine echte Gefahr für die Demokratie und unserer aller Freiheit sind. Diese Aktivisten, die sich selbst links verorten, stellen totalitäre Machtansprüche und sind genauso gefährlich für die Demokratie wie Rechtsextremisten. Wir sollten solchen scheinheiligen Tugendwächtern nicht das Feld überlassen, sondern uns gegen deren ebenso infantil-narzisstischen wie totalitären Machtansprüche zur Wehr setzen. Deshalb möchte ich allen Lesern das Buch von Caroline Fourest ganz besonders ans Herz legen. Die Lektüre lohnt sich.“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=71281

 

Der Wurm möchte noch 2 Stellen aus dem Buch von Caroline Fourest zitieren:

„… Manchmal verfolgen diese Prozesse die Künstler bis ins Grab. Man denke an Johnny Clegg, den afrikanischsten der weißen südafrikanischen Sänger. Der Autor des mythischen „Asimbonanga“ – ein Lied gegen Apartheid, bei dem Nelson Mandela zu swingen begann -, bekam bei seiner Beerdigung lauter Blumen. Als der ANC ihm eine ergreifende Hommage darbrachte, fanden sich französische und amerikanische Aktivisten ein, um ihn anzuklagen, er habe von kultureller Aneignung gelebt.“

Es gibt kaum einen Menschen, der mehr zur Menschen-Verständigung getan hätte als Johnny Clegg. Nicht nur der ANC hat ihm eine Hommage dargebracht, sondern auch der Wurm: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/396-weisser-zulu.html

„Mitunter wird sogar der Vorwurf des Sexismus – und die Anzeige einer Vergewaltigung oder eines Vergewaltigers – untersagt aus Angst, dem Rassismus zu schmeicheln …

Die Frage lautet nicht mehr, ob ein Mann eine Frau vergewaltigt, sondern ob er einer bedrängten Minderheit angehört oder nicht. Sollte dies der Fall sein, so hat die Verteidigung der vermeintlich bedrängten Minderheit Vorrang vor der Anzeige der Vergewaltigung.“

 

Zum Schluss

 

Die wahren Rassisten sind die immer Beleidigten, die Gutmenschen und Pseudo-Linken. Überspitzt ausgedrückt, suchen sie sich ihre Neger selbst aus, mit denen sie dann hausieren gehen und beweisen können, wie gut sie sind.

Das Schicksal eines deutschen Hartz IV-Empfängers interessiert sie genauso wenig wie jenes von in Deutschland lebenden türkischen Bauarbeitern, rumänischen Schlachthaus-Arbeitern, russischen Pflegekräften, polnischen Erntehelfern.

Wie es ihren Schutzbefohlenen in deren Heimatländern geht, interessiert sie nicht im Entferntesten. Wenn es darum geht, ob ein von westlichen Ländern entfesselter Krieg Millionen ins Elend stürzt oder tötet, sind sie es, die an vorderster Front fordern, die entsprechenden Länder zu bombardieren.

Vor dem Jahr 2015 hat es sie einen Dreck interessiert, wie es ihnen geht; erst als sie zu Millionen nach Deutschland und seine Nachbarländer kamen, waren es ihre Lieblinge – diejenigen Menschen aus den osteuropäischen Ländern, die vorher nach Deutschland kamen, um Billigjobs zu machen, gingen und gehen ihnen am Arsch vorbei.

Wenn ein türkisches Staatsoberhaupt (und mit ihm Millionen in Deutschland lebender Türken) von einem deutschen Satiriker publikumswirksam in vollster Absicht unter anderem als „Ziegenficker“ beleidigt wird, so ist das in deren Augen lustig und eben Satire. Siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/217-darf-satire-alles.html

Sofern es sie nicht selbst und ihre Schutzbefohlenen betrifft, dürfen in ihren Augen alle Menschen bis auf‘s Tiefste diffamiert und beleidigt werden. Siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/479-querdenker-muessen-sterben.html

Aber wehe, es besteht auch nur der Hauch des Verdachtes, dass es sie selbst treffen könnte oder es gibt Menschen, die eine andere Meinung als sie selbst haben – dann sind sie zutiefst beleidigt, treten einen Scheiss-Sturm los und versuchen, ihre vermeintlichen Gegenspieler auf die eine oder andere Art und Weise zu vernichten.

Das Treiben dieser Kultur-Taliban wird so weitergehen und sich verstärken.

Die Frage wird sein, ob sich die Mitte der Gesellschaft, die moderaten Rechten oder die tatsächlichen Linken das gefallen lassen. Und wenn nicht, wie dann die Gegenwehr ausfallen wird.

Die nahe Zukunft wird nicht gemütlich werden.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm

 

 

Das Böse verlachen

- Satire, Realsatire, ernst Gemeintes -

 

HYSTERIE IN ZEITEN VON ANGST, PROPAGANDA UND HYGIENE-DIKTATUR

https://www.bitchute.com/video/Wk10xW2INuF1/

 

FRIEDENS-MINISTER LAUTERBACH: DEIN BEWEGUNGSPROTOKOLL IST UNS WOHLBEKANNT

https://www.bitchute.com/video/PB2AdXDkg6av/

 

SPANISCHE EXPERTENRUNDE - DIE DEUTSCHEN GEBEN IHREM LOCKDOWN KOSENAMEN

https://www.bitchute.com/video/GQEsOxHKPF6f/

 

Alant Jost: Komödie in E-moll

https://www.youtube.com/watch?v=GTYqoAUpypo

 

Tamara Wernli: Corona: Wer darf SO ETWAS entscheiden? (unfassbar!)

https://www.youtube.com/watch?v=yP1Is4jwhYg&t=2s

 

Überlebt der Mittelstand? | Wohlstandsprobleme | Strippenzieher

https://www.youtube.com/watch?v=0v6fMsz1Zpc&list=PLucp1DNwwZfUv7fd7k8xHrMCRpllBY7iJ&index=1

 

HallMack ArschtraZeneca

https://www.frei3.de/article/4837b6ae-7f97-4520-827c-a4bf07d9faf6

 

HallMack Nordmazedonien, Unterhosen und die CDU

https://www.frei3.de/article/243631f7-97ab-4e74-b50f-3ae46f223a31

 

HallMack Thunberg-Statue

https://www.frei3.de/article/ff2d8dc8-0feb-4d8f-bb81-39b26dfd451f

 

HallMack Die Krise macht Deutsche glücklich

https://www.frei3.de/article/eea69cf2-4cf4-4eb8-90f4-f0e77c8d3ec5

 

HallMack Bald Geldbonus fürs Impfen?

https://www.frei3.de/article/ee76aad9-7fbe-4cb2-a572-73926c39d0a0