Der Kinder-Chor des WDR, also einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, singt folgendes Lied:

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motorrad, Motorrad. Das sind 1000 Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ne alte Umweltsau!

Meine Oma sagt Motorradfahren ist voll cool, echt voll cool, echt voll cool. Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma fährt im SUV beim Arzt vor, beim Arzt vor, beim Arzt vor. Sie überfährt dabei zwei Opis mit Rollator, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert, geläutert, geläutert. Stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ne Kreuzfahrt, meine Oma ist doch keine Umweltsau.

Es folgt ein Audiozitat von Greta Thunberg: „We will not let you get away with this“ (Deutsch: „Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen!“)“

https://www.merkur.de/politik/kinderchor-wdr-oma-umweltsau-lied-text-video-zr-13391381.html

Was den Machern des Liedes auch immer vorzuwerfen sein mag: es war nicht böse gemeint. War sogar ursprünglich eine gute Satire (was der Wurm noch zeigen wird) – was aber aus dem Lied des Kinder-Chors nicht unbedingt hervorgeht.

Allerdings zeigen die Reaktionen auf dieses Lied die Verworfenheit der Gegenwart.

 

Im Vorfeld

 

Jung gegen Alt

 

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „„… Sonst entscheiden Rentner über eure Zukunft und geil ist das nicht.“

Rezo hält sich noch zurück – aber im Raum steht der Vorwurf, dass „die Jungen“ nur edel und „die Alten“ für den ganzen Schlamassel verantwortlich seien. Es jenen also auch egal ist, was die Zukunft bringen wird ...“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/390-auf-dem-weg-in-die-oeko-diktatur.html

Es lohnt sich, die ganze Passage dieses Beitrags zu lesen, um zu sehen, wie sehr die junge Generation gegen die alte aufgehetzt wird.

Am 23. Dezember (also unmittelbar vor Verbreitung des „Umwelt-Sau“-Liedes) verbreitet „Fridays for Future Germany“ folgende Nachricht: „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei. #weihnachtenundklimakrise“

https://twitter.com/FridayForFuture/status/1209036827212025856

 

Ernst oder Satire?

 

Die Klima-Aktivisten sind mit einem dermaßen Ernst bei der Sache, dass nicht immer klar ist, ob etwas satirisch zu betrachten oder ernst gemeint sei.

André Mielke im November 2019: „Människokött – auch darüber müsse reden, wer ernährungstechnisch „in Bezug auf Klima- und Nachhaltigkeitsfragen nichts unversucht lassen will“. So hat der Stockholmer Handelshochschulprofessor Magnus Söderlund jüngst auf einer Gastronomiemesse impulsreferiert. Människokött ist schwedisch für Menschenfleisch …

Meint der Mann das ernst? Eher dagegen spricht, dass er über Marketingstrategien forscht. Es könnte ein Feldversuch sein: Wie reagiert das Publikum auf Blödsinn, wenn er ihm mit modernen, wie die Manipulationsfuzzis sagen, Framings und Narrativen serviert wird? …

Doch es könnte sich eben auch um einen seriös gemeinten Diskussionsbeitrag handeln. Immerhin werden gerade kaskadenartig Gedanken zur Kohlendioxidvermeidung vorgebracht, die ähnlich verwegen wirken, aber enorm inbrünstig sind: Man müsse sofort aus allen zuverlässigen Energiequellen aussteigen. Klimabewusste Frauen sollten keine Kinder mehr gebären. Wozu noch Großindustrie? Wieso den Gütertransport nicht auf Lastenfahrräder umstellen? Warum noch neue Häuser errichten? Bauscham statt Bauschaum …

Das kann doch nur ein Scherz sein. Vielleicht will er gewisse Exzesse der Klimadebatte karikieren. Oder er betreibt eine Studie darüber, welche Besitzstände und Konventionen Menschen zu opfern bereit sind, wenn man ihnen nur streng genug mit der Apokalypse droht.“

https://archiv.berliner-zeitung.de/politik/meinung/kolumnen/menschenfleisch-als-nahrung--die-idee-eines-schwedischen-professors-zur-nachhaltigkeit-33217538

Mittlerweile ist schon ein solcher Schwachsinn verbreitet worden, dass denen so ziemlich alles zuzutrauen ist.

 

Politische Korrektheit

 

Dieses bislang gängige Wort darf nicht mehr gesagt werden, jenes Fest darf so nicht mehr gefeiert werden, übliche Verhaltensweisen dürfen nicht mehr ausgeübt werden …

Das Eine oder das Andere mag ja durchaus sinnvoll und angebracht sein – aber durch ihre überzogene politische Korrektheit haben sich die Moral-Apostel der Gutmenschen und Pseudo-Linken den Zorn der restlichen Bevölkerung zugezogen (siehe unter anderem http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/189-ein-gutmensch-ist-ein-schlechter-mensch.html ).

Sie selbst dürfen aber andere beleidigen bis hin zu Kriege beginnen, wenn es sich um moralisch edle Dinge handelt. Klima-Schutz gehört dazu.

 

 

Mensch beachte diese drei Dinge. Junge (oder sich jung Fühlende) politisch Korrekte halten das „Umwelt-Sau“-Lied für harmlose Satire und halten jedwede Kritik daran für maßlos überzogen. Wenn, dann kann diese Kritik nur von „Rechten“ kommen, denen nicht nachgegeben werden darf.

Die Anderen empfinden das Lied als weitere Zumutung. Nach all dem Ärger, den sie von den Gutmenschen über sich ergehen lassen mussten, ist das nur ein weiteres Glied in der Kette. Dabei handelt es sich nicht nur um „Rechte“.

Buhrow erklärte, der WDR habe die Mechanismen der rechten Mobilisierung erkannt, „aber wir konnten auch unterscheiden zwischen dem, was orchestriert ist, und dem, was echte Gefühlsäußerungen von ansonsten wohlmeinenden Hörern sind. Und da hatten wir wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon. Uns war sofort klar, diese Menschen waren nicht Teil einer orchestrierten Sache".“

https://www.spiegel.de/kultur/tv/umweltsau-video-wdr-redakteure-kritisieren-intendant-buhrow-a-1303634.html

 

Ursprünglich gute Satire

 

Stefan Niggemeier: „Der Hinweis auf entsprechend eindeutig gekennzeichnete Satiresendungen ist interessant, denn das „Umweltsau“-Lied war in einer etwas kürzeren Version tatsächlich zunächst in einer solchen Sendung zu hören: Bei der Bühnenshow zur Show „Satire Deluxe“, die am 9. November auf WDR 5 ausgestrahlt wurde.

Ausgangspunkt sind da die Worte von Greta Thunberg beim Klima-Gipfel: „We will not let you get away with it. The eyes of all future generations are upon you.“ Die Satiriker reden danach über diesen O-Ton:

Das klingt ziemlich unheimlich. „Die Augen der künftigen Generationen kleben auf euch.“ Kann man das so übersetzen? Das ist doch ein Aufruf, oder? Kinder bespitzeln ihre Eltern.

Ja, darauf wird’s rauslaufen. Irgendwann wenn du mit dem Auto nach Hause kommst, stehen deine Kinder bei dir in der Hofeinfahrt, wie die Zwillinge aus „Shining“, und dann machen sie so Notizen. Und dann melden sie das Ganze dann bei der „Fridays for Future“-Hotline, wo du deine nächsten Verwandten dann denunzieren kannst.

Aber du wirst lachen, so’ne Hotline gibt’s tatsächlich schon. Und da landen ungefähr solche Sprachnachrichtern drauf:

(dann folgen die ersten Strophen des „Umwelt-Sau“-Liedes (nicht vom Kinder-Chor gesungen))

Im Kontext der „Satire Deluxe“-Show richtet sich das Lied also eher satirisch gegen angebliche Auswüchse der Klimaschutzbewegung und das „Denunzieren“ von Angehörigen.“

https://uebermedien.de/44946/eklatante-verletzung-der-rundfunkfreiheit-wdr-redakteure-kritisieren-buhrow/

35. - 38. Minute: https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/unterhaltung-am-wochenende/satiredeluxe-live-100.html

In diesem Kontext ist der Inhalt des Liedes also völlig in Ordnung. Leider kommt das beim Kinder-Chor aber nicht so rüber. Es ist durchaus denkbar, dass die Macher des Liedes bei der Aufnahme mit dem Kinder-Chor nicht wussten, was sie taten.

Der Chorleiter Zeljo Davutovic im Gespräch mit der SZ am 29.12.2019: https://www.sueddeutsche.de/medien/wdr-kinderchor-leiter-drohung-1.4739887

 

Chronologie der „Umwelt-Sau“

 

Jeder möge selbst entscheiden, was er als Satire, Real-Satire oder blutigen Ernst ansieht.

 

19.10.2019: „„Am Samstag, den 19. Oktober 2019 um 19 Uhr gastiert der WDR Kinderchor im Rahmen seiner Konzertreise durch Südkorea im Sejong Center in Seoul. Das Konzert in Seoul, in dem der WDR Kinderchor Dortmund und der Metropolitan Children´s Chorus Seoul gemeinsam im Sejong Center auftreten werden, wird von Daniel Lindemann moderiert. Der Fernsehsender MBC wird das Konzert aufzeichnen und zu einem späteren Zeitpunkt ausstrahlen. Die beiden Kinderchöre werden sich im Rahmen dieses Projektes nicht nur als Klangkörper begegnen, sondern auch die Gelegenheit bekommen, sich persönlich kennen zu lernen.“

https://www.wdr-kinderchor.de/de/

 

27.12.2019: Das Lied mit dem Kinder-Chor wird veröffentlicht.

 

28.12.2019: Danny Hollek, freier Mitarbeiter des WDR: „Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die jetzt sich über #Umweltsau aufregen. Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau.“ (mit über 3.000 „Gefällt mir“)

Und: „Haha. Wie jetzt alle ausrasten.“

https://twitter.com/dannytastisch/status/1210892743729451008?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1210892743729451008&ref_url=https%3A%2F%2Fde.sputniknews.com%2Fgesellschaft%2F20191229326292020-wdr-mitarbeiter-provoziert-weiter%2F

 

30.12.2019: „Im Zusammenhang mit dem heftig kritisierten "Umweltsau"-Lied des WDR hat sich der Intendant Tom Buhrow in einer internen E-Mail an die Mitarbeiter des Senders gewandt. "WDR-Mitarbeiter*innen erhalten Morddrohungen. Wir bieten diesen Kolleg*innen Personenschutz an und gehen mit allen juristischen Mitteln dagegen vor. Wir werden alles tun, um unsere Mitarbeiter*innen zu schützen", heißt es in dem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt.“

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/wdr-intendant-tom-buhrow-bietet-mitarbeitern-polizeischutz-an-a-1303199.html

 

02.01.2020: Der Ministerpräsident des Landes des WDR-Senders: „Als er das Video des Kinderchors zum ersten Mal sah, erzählte Laschet am Telefon, habe er gedacht: "Wie kann man nur?" Die Kinder hätten "sehr pointiert" gesungen, das habe ihn "erschreckt". Der CDU-Politiker twitterte zwischen den Jahren achtmal zu dieser Sache. Das Argument des WDR, wonach das Lied Satire gewesen sei, will Laschet nicht gelten lassen. Für ihn steht stattdessen fest: Hinter dem Stück des Chors steckte die Absicht zuzuspitzen, einen Punkt zu setzen gegen die Älteren. Kurzum: zu spalten.

Laschet ist der Meinung, dass es in der Klimadebatte die Unart gebe, Menschen zu tribunalisieren, zu sagen: Du bist böse, und wir sind gut. "Es schadet dem Klimaschutz, wenn wir ihn zum Generationenkonflikt hochspielen", sagte Laschet dem SPIEGEL. Er kenne 80-Jährige, die sich seit 30 Jahren für eine bessere Klimapolitik stark machten.

"Und ich erlebe junge Leute, die das Thema überhaupt nicht interessiert. Sie verursachen mehr CO2 als ihre Großeltern, sie streamen Filme, genießen Früchte aus der ganzen Welt und reisen um den Globus wie keine Generation zuvor." Klimaschutz, sagte Laschet, sei keine Generationenfrage. Er gehe "uns alle" an.

Es gibt Politiker, die es inzwischen bedauern, den WDR öffentlich kritisiert zu haben, unter anderem weil Mitarbeiter des Senders bedroht wurden und weil rechte Gruppen vor dem WDR-Gebäude in Köln demonstrierten. Laschet bereut keine seiner Äußerungen auf Twitter.

"Demokraten dürfen wichtige Debatten unserer Zeit nicht den Populisten überlassen", sagte er, "sonst verstärken sich die gesellschaftlichen Spannungen." Die Frage, wie man mit den Älteren umgehe, habe "nichts mit links, rechts, progressiv oder konservativ zu tun".

In einem Gastbeitrag für die "Zeit" schreibt Laschet: "Wenn wir die Debatten, die jetzt anstehen, tribunalisieren, wird die Gesellschaft daran zerbrechen." (...) "Warum nur kann man nicht für Klimaschutz eintreten, ohne daraus einen Generationenkonflikt zu konstruieren?" 2020 müsse das Jahr der "Renaissance unserer Debattenkultur" werden, wünscht er sich laut dem Gastbeitrag. Dies bedeute auch: "Wer eine andere Auffassung vertritt, ist keine Sau und auch kein Schwein."“

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/wdr-satirevideo-umweltsau-armin-laschet-warnt-vor-tribunalisierung-a-1303368.html

 

03.01.2020: Stefan Niggemeier über Tom Buhrow: „Intendant Buhrow hat in einem Interview mit dem „Spiegel“ auf die Frage, ob sich WDR-Redakteure Sorgen über fehlenden Rückhalt machen müssen, geantwortet:

Wir haben jede Woche zuhauf Beiträge, die kontrovers sind, die Mächtige kritisieren, die Missstände aufspießen. Da braucht sich niemand Gedanken zu machen. Ich erlebe auch den WDR nicht so, dass hier eingeschüchterte Redakteure herumlaufen. Wir wollen weiter unbequem sein. Im Übrigen kommt mir die Debatte etwas konstruiert vor. Man wird doch noch mal Entschuldigung sagen dürfen, ohne dass einem gleich Zensur vorgeworfen wird.

Als ich mich zu Wort gemeldet habe, hatten die zuständigen Programmverantwortlichen das Video bereits aus dem Netz entfernt. Ich habe im Grunde genommen nur wiederholt, was die Programmverantwortlichen auch gesagt haben. Und dazu stehe ich. Wir müssen für Fehler geradestehen und sagen, es tut uns leid.

Satire darf weiter wehtun. Wir haben zig Sendungen, die ganz klar als Satire gekennzeichnet sind, und Satire muss auch frech sein. Aber Satire muss vor allem den Mächtigen wehtun. In diesem Fall aber hat sich eine Gruppe von Menschen an den Pranger gestellt gefühlt. Ob das jetzt übersensibel war oder nicht, ist unerheblich.“

https://uebermedien.de/44946/eklatante-verletzung-der-rundfunkfreiheit-wdr-redakteure-kritisieren-buhrow/

 

03.01.2020: Stefan Niggemeier über WDR-Redakteure: „Die Redakteursvertretung des WDR macht dem Intendanten Tom Buhrow und der Geschäftsleitung des Senders im Zusammenhang mit dem „Umweltsau“-Video schwere Vorwürfe. „Wir sind außerordentlich irritiert über diese eklatante Verletzung der inneren Rundfunkfreiheit und das schlechte Krisenmanagement der Geschäftsleitung, das Kolleg*innen und Kollegen beschädigt und dem Ansehen des WDR zudem schadet“, heißt es in einem Schreiben des Gremiums, das gestern im Intranet des Senders veröffentlicht wurde. Die Redakteursvertretung werde „zeitnah“ eine außerordentliche Redakteursversammlung einberufen, um „die Ereignisse und die Fehler der vergangenen Tage“ offen zu diskutieren. (Nachtrag: Die Redakteursversammlung findet am 7. Januar statt. Tom Buhrow hat alle Mitarbeiter dazu eingeladen.)

Der Brief beginnt so:

Liebe Kolleg*innen und Kollegen,

wir sind – wie sicher viele von Euch – fassungslos: natürlich nicht über eine Satire, die Geschmackssache sein darf, nein, wir sind fassungslos, dass Intendant Tom Buhrow einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm so leicht nachgibt, sich vorschnell redaktionell distanziert und das (WDR2)-Video mit dem satirischen Kinderlied nicht nur löschen lässt, sich nicht nur persönlich entschuldigt, sondern dabei mehrfach öffentlich (u. a. live bei WDR2) Redakteurinnen und Redakteuren in den Rücken fällt, statt ihnen in Zeiten inszenierter Empörungswellen gegen den WDR und den ÖRR den Rücken zu stärken.

Die Redakteursvertretung sei „empört“, dass man sich von einem bestimmten Kollegen, „weil er nur ‚Freier‘ ist, öffentlich distanziert und – zunächst – mit der direkten Bedrohung durch Rechtsextreme allein lässt“. Viele WDR-Kolleginnen und Kollegen stellten sich die Frage, welchen Rückhalt sie in ihrer täglichen Arbeit vom Intendanten und der Geschäftsführung erwarten könnten:

Wer so handelt wie der Intendant, der schwächt unsere Position in der Öffentlichkeit und darf sich nicht über die Instrumentalisierung der Debatte um so ein Satire-Stückchen beklagen. Was, wenn es wirklich um was Wichtiges in unser aller Arbeit geht?

Gemeinsam müsse man dringend Antworten auf Fragen finden, wie man mit sozialen Medien und „inszenierten Empörungswellen“ umgehe:

Haben wir die Kompetenz und ausreichend Personal, um mit solchen Situationen umzugehen? Müssen wir über die von der Geschäftsleitung gepredigte „Digitale Dividende“ und die Folgen für journalistische Inhalte und Strukturen kritischer nachdenken? Und: wie ist es um unsere innere Rundfunkfreiheit bestellt?"

https://uebermedien.de/44946/eklatante-verletzung-der-rundfunkfreiheit-wdr-redakteure-kritisieren-buhrow/

(später nehmen die Redakteure zwei Vorwürfe zurück: „Lieber Stefan Niggemeier, Du zitierst in ÜberMedien aus einer internen Mail der WDR-Redakteursvertretung, in der wir Kritik u.a. an Tom Buhrow üben. Zwei der Vorwürfe halten wir nicht mehr aufrecht: 1. Tom Buhrow hat nicht das Video löschen lassen.

2. der Vorwurf, der freie Kollege, der von Rechtsextremen bedroht wurde, sei vom WDR alleine gelassen worden, lässt sich ebensowenig widerspruchsfrei aufrecht erhalten. Die entspr. Passagen in unserem Text haben wir verändert.“

https://uebermedien.de/44946/eklatante-verletzung-der-rundfunkfreiheit-wdr-redakteure-kritisieren-buhrow/

 

06.01.2020: TV-Autoren stellen sich gegen WDR-Chef Buhrow

Solidaritätserklärung

Wir als FernsehautorInnen erklären uns solidarisch mit den KollegInnen vom WDR, die von ihrem Arbeitgeber aufs Fahrlässigste allein gelassen werden, und fordern die sofortige Onlinewiedereinstellung des „Umwelt-Sau“-Beitrags.

Der Streit um das Lied entbehrt jeder rationalen Grundlage. Selbst das Wort „Satirefreiheit“ scheint unangemessen, wenn die Empörungsschwelle so niedrig liegt, dass sie auch von jedem zweiten Popsong gerissen wird. Eine (!) fiktionale Oma diskriminiert genauso wenig eine ganze Generation wie der Alkoholiker-Vater aus „Papa Was a Rollin‘ Stone“ nicht alle Männer für untauglich erklärt.

Der Skandal ist ein anderer: die Skandalisierung des Liedes folgt gut bekannten Mustern rechter Trolle. Diese wissen um die Absurdität solcher Vorwürfe und missbrauchen den eigentlich sinnvollen Reflex unserer Zivilgesellschaft, andere nicht verletzen zu wollen. Sie „hacken“ damit den Diskurs, bekommen Aufmerksamkeit und sorgen für eine Verschiebung des Denk- und Sagbaren in ihre Richtung. Eine inhaltliche Debatte ist deshalb nicht nur unnütz – sie ist gar nicht möglich.

Tom Buhrow ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt. Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und der nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit vor seine MitarbeiterInnen zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten. Er sollte die Konsequenzen ziehen.“

https://twitter.com/ebonyplusirony/status/1214116474274697216?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1214116474274697216&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fkultur%2Ftv%2Ftom-buhrow-und-das-umweltsau-lied-kritik-von-tv-autoren-a-1303783.html

 

Sie kapieren es einfach nicht.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm