Die letzte Woche stand im Zeichen des Klimas: „Globaler Klimastreik“, Greta Thunbergs Auftritt beim UN-Klimagipfel und das „Klimapaket“ der Bundesregierung wurde beschlossen.

Der Wurm ist bislang nicht überzeugt, hat aber noch ein wenig Hoffnung.

 

Klimapaket

 

Angela Ulrich: „Es geht um das Überleben des Planeten - doch das Klimapaket ist ein mutloses Stück Papier. Die Physikerin und einstige Klima-Kanzlerin Merkel hat ihre letzten Chancen nicht genutzt.

Gestern vorm Kanzleramt: Schülerinnen und Schüler von "Fridays for Future" halten ein langes, selbstgemaltes Transparent in die Höhe. "Rückkehr der Klimakanzlerin" ist da zu lesen. Mit einem großen Fragezeichen dahinter, und einem - kleinen - Ausrufezeichen. Es war ein Hoffnungsschrei, gerichtet an die Frau hinter den dicken Mauern.

Dass sie endlich wieder loslegen möge wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren, als Angela Merkel auf Klimakonferenzen glänzte. Als sie einem überrumpelten US-Präsidenten Bush das Maximal-zwei-Grad-Ziel bei der Erderwärmung aus den Rippen leierte. Als sie sogar 2015 noch einiges tat, damit das Paris-Abkommen zustande kam.

Aber die Klima-Kanzlerin hat abgedankt. Mit Pauken und Trompeten. National hatte Merkel das schon lange. Deutschland kommt zu langsam voran beim Kohleausstieg. Frühere Klimaziele wurden gerissen, Klima-Pakete verhallten fast wirkungslos. Und jetzt hat sie auch noch die Hoffnungen der Klima-Jugend böse enttäuscht.

Das, was die Koalition als Klimaprogramm 2030 verkauft, ist ein Flop. Ein mutloses Stück Papier, das niemandem wehtun will. Das gar nicht ernsthaft versucht, die Menschen zu klimafreundlicherem Verhalten zu lenken - oder wer bitte soll bei drei Cent teurerem Benzin in drei Jahren das Auto stehen lassen?

Selbst den eigentlich guten neuen Mechanismus im Klima-Papier, den CO2-Preis, vergeigen die Koalitionäre. Sie setzen ihn so niedrig an, mit so geringer Steigerung in den nächsten Jahren, dass er wohl de facto wirkungslos bleiben wird.

Und dabei war die Hoffnung da: Da ist die Physikerin Merkel, die eigentlich weiß, worum es da draußen in der Atmosphäre geht. Dass man mit dem Klima nicht verhandeln kann. Dazu die Stimmung im Land, der Druck von Fridays for Future. Und, die drohenden Strafzahlungen, die Klimaschutz jetzt, statt Bußgelder später, auch noch finanziell lukrativ werden lassen.

Merkel hätte den Klimaschutz zu ihrem Vermächtnis machen können. Als Klima-Kanzlerin am Ende ihrer Amtszeit wieder auferstehen können. Aber jetzt fährt sie als gerupfte, ja fast nackte Kanzlerin zum UN-Klimagipfel nach New York.

"Politik ist, das Mögliche auszuloten", hat Merkel das Klimaprogramm beschrieben. Aber es gab immer Momente, wo Politik über das vermeintlich Mögliche hinaus Zukunftsvisionen entwickelt hat. Willy Brandts Ostpolitik. Die Wiedervereinigung. Der Klimaschutz wäre so ein Moment gewesen. Denn es geht um viel mehr als um Koalitionskompromisse. Es geht um das Überleben des Planeten. Entweder Merkel hat das aus dem Blick verloren. Oder sie ist inzwischen zu schwach, um das durchzusetzen. Es war ihre letzte Chance, die sie nicht genutzt hat.“

https://www.tagesschau.de/kommentar/klimakanzlerin-merkel-ende-101.html

 

Klimastreik

 

Svea Wenderoth und Jan Koch: „Rund 1,4 Millionen Menschen demonstrierten laut der Bewegung "Fridays-for-Future" deutschlandweit für das Klima. In Köln zog es 70.000 auf die Straße - längst sind es nicht mehr nur Schüler und Studenten.

Aus den Lautsprechern dröhnt das Lied "Hurra, die Welt geht unter". Dann eine Durchsage: "Es ist unglaublich! Die Demo platzt aus allen Nähten."

Darauf, dass allein in Köln laut Veranstalter 70.000 Demonstranten teilnehmen, ist keiner vorbereitet: Auf den Treppen zur U-Bahn bilden sich lange Schlangen, einige versuchen sogar, Rolltreppen entgegen der Fahrtrichtung hoch zu laufen.

Achim Lebrun aus Köln geht seit knapp 50 Jahren demonstrieren und findet: "An solchen organisatorischen Stellen merkt man, dass die Aktion von jungen Menschen gestartet wurde. Aber es ist toll, dass sie das überhaupt organisieren."

Lebrun ist 64 Jahre alt und bei weitem nicht der einzige Erwachsene, der am weltweiten Klimastreik teilnimmt. Anfang August hatte Carla Reemtsma, eine der bekannten "Fridays For Future"-Aktivistinnen auf dem Kongress der Klimaaktivisten in Dortmund nochmals betont: "Wir wollen, dass nicht mehr nur Schülerinnen und Schüler und Studierende auf die Straße gehen, sondern, dass alle gegen die Klimakrise demonstrieren kommen."

Dieser Appell war erfolgreich. Viele Erwachsene sind - wie auch die 52-jährige Susanna Welsch - zum ersten Mal auf einer "Fridays for Future"-Demonstration. Das Besondere sei, dass sie als Erwachsene dieses Mal explizit eingeladen wurden. "Vorher habe ich das als eine Schüler-Bewegung wahrgenommen", stellt sie fest.

Dass mehr Erwachsene demonstrieren gehen, liegt wohl auch daran, dass einige Firmen ihre Mitarbeiter dafür freigestellt haben. Viele Demonstranten erzählen aber auch, dass sie Überstunden abfeiern, selbstständig sind oder extra für die Demonstration Urlaub beantragt haben. Ein politisches Streikrecht, das eine Teilnahme ohne Konsequenzen ermöglicht, gibt es in Deutschland nämlich nicht.

Neben unterschiedlichen Altersgruppen ziehen in Köln auch verschiedene Interessengruppen durch die Stadt. Klimagerechtigkeit wird mit Antirassismus, Feminismus, Antimilitarismus und Antikapitalismus kombiniert. Auch die Gewerkschaften beteiligen sich an der Demonstration.

Johannes Wiesner (27) aus Leipzig hinterfragt kritisch, wie vielfältig die Demonstration wirklich ist: "Es sind zwar nicht mehr nur Links-Grüne, aber ich nehme schon wahr, dass die Mehrheit einen akademischen Hintergrund hat und aus Mittelschichtsverhältnissen stammt. Es wäre schöner, wenn wir in Zukunft eine buntere Vielfalt erreichen könnten", erklärt er.

Als die ersten Informationen aus Berlin kommen, was das Klimapaket beinhalten wird, reagieren die Demonstranten kritisch. Das Klimapaket sei schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, meint die 27-jährige Caro Pering. "Wie transparent das tatsächlich ist, wird man aber erst sehen, wenn es durchgesetzt wird. Es erhöht aber zumindest den Druck."“

https://www.tagesschau.de/inland/klimastreik-koeln-101.html

 

Greta Thunberg

 

Aus „Wikipedia“: „Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg (* 3. Januar 2003 in Stockholm) ist eine schwedische Klimaschutzaktivistin. Ihr Einsatz für eine konsequente Klimapolitik findet weltweit Beachtung. Die von ihr initiierten „Schulstreiks für das Klima“ sind inzwischen zur globalen Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) gewachsen. Mit den Schulstreiks möchte sie erreichen, dass Schweden das Übereinkommen von Paris einhält.

Thunberg ist eine Repräsentantin der internationalen Klimaschutzbewegung. Sie wurde vom amerikanischen Magazin Time in die Liste der 25 einflussreichsten Teenager des Jahres 2018 und in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2019 aufgenommen. Im Jahr 2019 wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Ihr Beispiel zeige, dass jeder die Macht habe, etwas zu verändern, so die Begründung der Jury. Auch habe sie der politischen Forderung nach Klimaschutzmaßnahmen weltweit Gehör verschafft und Menschen unterschiedlicher Lebensbereiche dazu ermuntert, politische Maßnahmen zum Klimaschutz einzufordern.

Greta Thunberg ist die ältere von zwei Töchtern der Opernsängerin Malena Ernman und des Schauspielers Svante Thunberg. Zu ihren Großeltern zählen die Schauspieler Olof Thunberg (* 1925) und Mona Andersson (* 1936). Nach einer depressiven Phase wurde bei ihr das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Ihr Engagement für den Klimaschutz begann zunächst damit, zur Energieeinsparung im Haus die Beleuchtung auszuschalten. Später beschloss sie, nicht mehr zu fliegen und sich vegan zu ernähren, und sie überzeugte auch ihre Familie davon.

Im Mai 2018 wurde die damals fünfzehnjährige Thunberg Preisträgerin eines Schreibwettbewerbs zur Umweltpolitik, der vom Svenska Dagbladet initiiert worden war. Durch die Veröffentlichung ihres Beitrags entstanden gemäß Angaben Thunbergs Kontakte zu verschiedenen Personen, die sie zu ihrem Engagement inspirierten. Kurz darauf begann sie, sich aktiv in der Öffentlichkeit für den Klimaschutz einzusetzen. Gegenüber The New Yorker erklärte sie: „Ich sehe die Welt etwas anders, aus einer anderen Perspektive. Ich habe ein besonderes Interesse. Es ist sehr verbreitet, dass Menschen im Autismus-Spektrum ein besonderes Interesse haben.“ Gegenüber dem ZDF ergänzte sie: „Und ich mag es nicht, wenn Menschen das eine sagen und das andere machen“ …

Thunberg war im Schuljahr 2018/2019 im Abschlussjahrgang der 9-jährigen Grundschule, die sie trotz ihres Schulstreiks mit hervorragenden Noten abschloss. Am 31. Mai 2019 kündigte sie am Rande der Demonstration in Wien an, nach dem Abschluss zunächst ein Jahr die Schule auszusetzen (Gap Year), da sie Klimaaktivismus und Schulbesuch nicht vereinbaren könne. Eine Schulpflicht gilt für sie nicht mehr, diese endet in Schweden nach neun Jahren. Ab dem Schuljahr 2020/2021 will Greta Thunberg nach eigenen Angaben ein Gymnasium besuchen.

Kernposition Thunbergs ist, dass die Politik viel zu wenig für Klimaschutz tue und damit unverantwortlich handle, insbesondere gegenüber jungen Menschen. Sie fordert eine erhebliche Intensivierung der Klimaschutzbemühungen weltweit und will so lange weiterstreiken, bis ihr Heimatland Schweden die Treibhausgasemissionen um 15 % pro Jahr reduziert. Hierbei argumentiert sie, Schweden als reiches Land habe die Verpflichtung, die Emissionen schneller zu senken als andere Staaten.

Thunberg argumentiert, dass die Biosphäre geopfert werde, damit reiche Menschen in Ländern wie Schweden in Luxus leben können. Sie verweist auf globale Ungerechtigkeit und das durch den Menschen verursachte Artensterben. Sie fordert, dass Staaten wie Schweden und das Vereinigte Königreich anfangen, ihre Emissionen aus Verbrennung fossiler Energieträger um jährlich 15 % zu senken. Um globale Gerechtigkeit gemäß dem Pariser Klimaabkommen anzustreben, sollten reiche Länder ihre Emissionen innerhalb von sechs bis zwölf Jahren auf null reduzieren und so Ländern wie Indien und Nigeria den Aufbau von Infrastruktur ermöglichen. Die Menschen sollten durch zivilen Ungehorsam einen Systemwechsel erwirken, so dass kein Öl mehr gefördert werde.

Mit Verweis auf die seit 1995 jährlich stattfindenden Klimakonferenzen und die trotzdem steigenden Treibhausgasemissionen sieht sie Politikversagen. Unter anderem sprach sie auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 und betonte die Schwere der Klimakrise, die noch nicht verstanden sei: Politiker verhielten sich unverantwortlich und wie kleine Kinder, daher sei es nun an der jungen Generation, ihre Zukunft selbst in die eigenen Hände zu nehmen und das zu tun, was die Politik schon lange hätte tun müssen. Es sei die Aufgabe der Jugend, zu verstehen, was ihr die ältere Generation mit dem Klimawandel angetan habe, und das Chaos aufzuräumen, mit dem ihre Generation leben müsse. Daher müssten junge Menschen nun selbst dafür sorgen, dass ihre Stimmen gehört würden. Hingegen werde sie die Spitzenpolitiker nicht weiter anflehen, sich um die Zukunft der jungen Generation zu kümmern. Vielmehr werde sie ihnen klarmachen, dass es zu Änderungen komme, ob sie wollten oder nicht. Ihr eigener Protest, der rasch Nachahmung in aller Welt gefunden habe, zeige, dass niemand zu unbedeutend sei, um etwas zu bewegen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Greta_Thunberg

  

https://www.youtube.com/watch?v=SfCUcDAlSKk

 

Florian Kirner: „Wann, liebe KenFM-Community, wurden den versammelten Regierungschefs der Welt derartig die Leviten gelesen, wie am Dienstag von Greta Thunberg? Ihre kurzen Rede von 4 Minuten und 41 Sekunden vor den Vereinten Nationen erinnert an die Ohrfeige, die Beate Klarsfeld 1968 dem Nazi-Kanzler Kurt Georg Kiesinger verpasst hat: auf der ganz großen Bühne einmal kräftig durchgezogen.

Wie könnt Ihr es wagen?“, „Ihr habt versagt!“, „Wir haben Euren Verrat durchschaut!“ und „Wir werden Euch niemals vergeben!“ Das ist die Sprache, die die Herrschenden hören müssen. Greta Thunberg spricht diese Sprache, nicht erst seit Dienstag. Aber dieser Auftritt in New York ist wahrlich sehenswert.

Wäre es jetzt nicht an der Zeit, dass einige, die seit Monaten regelrechten Hass über diesem 16-jährigen Mädchen ausgekübelt haben, mal ein bisschen herunterfahren? Immerhin sind ja einige Prognosen nicht eingetroffen. Oder galt diese junge Frau etwa nicht vielen als naiv? Vermuteten sie nicht, sie werde sich in nullkommanix von den Herrschaften vereinnahmen lassen? Sei nur ein Spielball der Mächtigen?

Dieser Spielball ist den Mächtigen am Dienstag in New York City kräftig in die eigene Fresse geflogen. Schon zuvor aber hat Greta diese Vereinnahmungsversuche regelmäßig mit großer Sicherheit abgewehrt. Ja, sie redet mit den Herrschenden. Mit Obama oder Merkel oder Jean-Claude Junker. Aber lässt sie sich einwickeln? Wird sie dadurch zahm?

Wer das immer noch behauptet, pflegt einen Mythos. Aber er hört nicht zu.

Denn es ist schon seit langem eher unwahrscheinlich, dass sich Greta Thunberg von ihrem Weg abbringen lässt. Als sie etwa, bei einem ersten, besonders lächerlichen Versuch der Einseifung, mit der ohnehin albernen „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet wurde, widmete Greta diese Ehrung im allerersten Satz: den Besetzerinnen und Besetzern im Hambacher Wald, der militantesten Besetzung Europas. Anschließend nahm sie in scharfen, wenig freundlichen Worten die anwesenden Jet-Set-Prominenten in die Pflicht. Es sei eben nicht akzeptabel, wenn diese zu ihrem bevorzugten Hair-Stylisten nach Paris oder für einen Yoga-Retreat um die halbe Welt düsen.

Überhaupt konnte nur, wer Gretas Reden vor zahlreichen Landesparlamenten und Gremien nicht angehört hat, von ihrer jetzigen Wutrede vor den Vereinten Nationen überrascht sein. Auch in Davos, London, Paris und Washington hatte Greta die Einladung genutzt, um den volksvertretenden Umweltversagern die Meinung zu geigen. Noch weniger zornig, als jetzt vor der UN. Dass ihre Ungeduld von mal zu mal wuchs, war aber deutlich zu spüren …

Nun gibt es aktuell bei RussiaToday eine kurze Reportage über „die Hintermänner“ der Greta Thunberg. Ich muss sagen: auch dieser Bericht hat einmal mehr wenig Skandalöses enthalten, außer vielleicht der nicht sehr sensationellen Erkenntnis, dass Greta und ihre Familie in diesem Kampf für die Umwelt zusammenhalten und zusammenarbeiten, dass professionelle Medienleute das Projekt Greta unterstützen, sowie dass es auch einige Leute mit richtig viel Geld gibt, die die Zeichen erkannt haben und entsprechend investieren.

Natürlich kann man, was RT übrigens in diesem durchaus sachlich gehaltenen Beitrag nicht tut, wilde Theorien aus der Tatsache spinnen, dass es auch Medienleute und extrem Reiche gibt, die begriffen haben, dass wir eine Rebellion gegen den Ökozid brauchen. Selbstverständlich gibt es auch Leute, die mit ökologischen Investitionen und Projekten Geld verdienen. Einige von ihnen, sind durchaus dubios. Andere aber nicht ...

Die Borniertheit unserer Oligarchie aus der Dinosaurierzeit von Öl, Stahl und Kohle und ewigem Krieg wird solange unüberwindlich bleiben, wie wir dieses kranke System nicht überwunden haben. Greta sagte es in New York so:

Ihr kommt hierher und behauptet, Ihr tätet genug, während die Politik und die Lösungen, die notwendig sind, nirgends in Sicht sind. Ihr sagt: „Ihr hört uns…“ und dass Ihr die Dringlichkeit versteht. Aber egal wie traurig und wütend ich bin: das will nicht glauben. Denn wenn Ihr die Situation wirklich begriffen hättet und ihr weigert Euch, zu handeln, dann wärt Ihr bösartig. Und das möchte ich nicht glauben.““

https://kenfm.de/tagesdosis-25-9-2019-danke-greta/

 

Klimawandel: altes Thema, sehr wenig passiert

 

Jens Berger: „Politik und Medien tun gerne so, als sei das Thema Klimawandel ein neues Thema, das erst von den jungen Aktivisten von Fridays for Future oder gar Greta Thunberg aufs Tableau gehoben wurde. Dabei sind die grundlegenden Erkenntnisse zum menschgemachten Klimawandel älter als alle im Bundestag sitzenden Abgeordneten und selbst die Erkenntnis, dass global auf politischer Ebene eine Reduzierung der Emission von Treibhausgasen eingeleitet werden muss, wurde bereits vor 40 Jahren auf der ersten Weltklimakonferenz formuliert. Niemand kann behaupten, man hätte nichts gewusst.

In privaten Debatten über das Thema „Klimawandel“ stelle ich immer gerne die Frage, wann mein Gegenüber zum ersten Mal etwas von der Erderwärmung durch Treibhausgase, die unter anderem bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen, gehört haben. Die Antworten sind zumindest im Kontext zur aktuellen Aufgeregtheit erstaunlich. Oft war es der Schulunterricht, oft ältere TV-Dokumentationen wie die Querschnitte-Sendungen des ZDF aus den späten 1970ern und manchmal werden sogar noch ältere Quellen, wie der Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972, genannt. Ich selbst kam mit dem Thema – zumindest bewusst – das erste Mal intensiver in Berührung, als ich 1992 oder 1993 im Schulunterricht das Buch „Wege zum Gleichgewicht“ von Al Gore vorstellen durfte. Und allerspätestens seit der Klimakonferenz von Kyoto im Jahre 1997 sollten die konkreten Zusammenhänge, die heute als akut und oft gar als neu dargestellt werden, als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Das ist nun aber auch schon mehr als zwanzig Jahre her. Greta Thunberg war noch nicht einmal geboren.

Was auf internationaler und nationaler Ebene folgte, war eine große Ankündigungspolitik von Zielen, die allesamt verfehlt wurden. Der Telepolis-Autor Wolfgang Pomrehn hatte dazu 2007 einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben. Und selbst dieser Artikel ist nun schon zwölf Jahre alt und auch seitdem hat sich nichts zum Besseren verändert Im Gegenteil – der Klimagipfel vom letzten Freitag ist sogar ein Eingeständnis, dass man die selbst in internationalen Verträgen zugesagten Ziele gar nicht mehr einhalten will.

Mehr noch – die Vorschläge, die schon vor 40 Jahren diskutiert wurden, wie eine Einführung des Tempolimits, eine schrittweise Abkehr vom Verbrauch fossiler Energieträger, die Transformation unserer Wirtschaft in eine Kreislaufwirtschaft oder die Energiewende, werden heute, 40 Jahre später, immer noch größtenteils als neue Themen aufgefasst, über die man erst einmal gründlich nachdenken sollte. Nur nichts übereilen. Man muss die Menschen und die Wirtschaft mitnehmen. Kein Wunder, dass den Jugendlichen von heute der Geduldsfaden gerissen ist.

Die NachDenkSeiten haben versucht, eine – sicher nicht vollständige – kurze historische Übersicht zu einigen Eckpunkten der Klimaforschung und der gesellschaftlichen und politischen Debatte aufzuzeichnen, die sich bereits vor der dritten Weltklimakonferenz in Kyoto abgespielt haben; also in einer Zeit, in der ein Umsteuern noch relativ problemlos möglich gewesen wäre und die meisten Aktivisten von Fridays for Future noch gar nicht geboren waren.

1896

Der schwedische Physiker und Chemiker und spätere Nobelpreisträger Svante Arrhenius sagt als erster Forscher eine globale Erwärmung aufgrund der menschgemachten Kohlendioxidemissionen durch Verbrennung fossiler Energieträger voraus. Damals sah man diese Entwicklung übrigens positiv und versprach sich davon bessere Ernten.

1938

Der Brite Guy Stewart Callendar wertet die Temperaturdaten der letzten 50 Jahre aus und entwirft als erster Forscher ein sehr grobes lineares Klimamodell, das die globale Erwärmung auf Basis des Kohlendioxidausstoßes prognostizierte. Die von Callendar für das Jahr 2100 prognostizierte CO2-Konzentration von 396ppm wurde übrigens bereits 2013 erreicht.

1956

Der kanadische Physiker Gilbert Plass setzt erstmals Computer zur Berechnung der globalen Erwärmung ein. Er prognostiziert einen Temperaturanstieg von 3,6 °C bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration.

1957

David Keeling nimmt auf dem Mauna Loa auf Hawaii das erste wissenschaftlich präzise Observatorium zur dauerhaften Messung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre in Betrieb. Die Messreihe belegt eindrucksvoll bis heute den Anstieg durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe.

1961

SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt fordert „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden“ und markiert damit den Beginn der umweltpolitischen Debatte in Deutschland.

1965

Ein von US-Präsident Lyndon B. Johnson eingesetztes Expertengremium bestätigt den Effekt der Klimaerwärmung durch die Verbrennung fossiler Energieträger.

1968

Forscher des „American Petroleum Institute“ sagen aufgrund der Verbrennung fossiler Energieträger für das Jahr 2000 eine Erhöhung der CO2-Konzentration auf 400ppm voraus und warnen vor signifikanten Temperatursteigerungen, schmelzenden Polkappen und einer Erhöhung des Meeresspiegels. Das Papier landet im Giftschrank der Erdöllobby.

1971

Der Parteitag der SPD verabschiedet, dass umweltfeindliche Produkte stärker besteuert werden.

1972

In Stockholm findet die Weltumweltkonferenz UNCHE statt, die als weltweit erste globale Konferenz der Vereinten Nationen zum Thema Umwelt gilt. Im Abschlussbericht wird u.a. ein weltweites Monitoring des Einflusses der Umweltverschmutzung auf das Klima empfohlen. Chronisten zufolge hat die Delegation der Bundesregierung, die damals von Ehrhard Eppler angeführt wurde, bei der Konferenz eine progressive Rolle eingenommen.

Im ersten Bericht des Club of Rome wird der menschgemachte Treibhauseffekt als Ursache für die globale Erwärmung diskutiert.

Der sowjetische Klimaforscher Mikhail Budyko berechnet, dass ein 50%-Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration durch die Nutzung fossiler Energieträger in „wahrscheinlich nicht mehr als einhundert Jahren“ zu einem vollständigen Abschmelzen der Polkappen führen würde.

Die SPD startet eine Kampagne mit Motiven von Tomi Ungerer, um auf die Umweltverschmutzung durch Lärm und Abgase und die Belastungen durch den Verkehr aufmerksam zu machen.

1977

US-Präsident Jimmy Carter gibt eine Studie in Auftrag, die die grundlegenden Entwicklungen der Umweltbedingungen und ihre Auswirkungen auf die Zukunft der Menschheit bis zum Jahr 2000 bestimmen soll. Später wird „Global 2000“ veröffentlicht und verkauft sich weltweit 1,5 Millionen Mal. Auch das Thema Klimaerwärmung durch menschgemachte Emissionen wird in der Studie behandelt.

1978

Der Wissenschaftler und Fernsehmoderator Hoimar von Ditfurth erläutert in seiner zusammen mit Volker Arzt produzierten zweiteiligen TV-Dokumentation „Der Ast auf dem wir sitzen“ sehr anschaulich die Ursachen des menschgemachten Klimawandels und greift dabei zahlreiche Themen auf, die auch heute die Klimadebatte bestimmen (CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre, CO2-Ausstoß, CO2-Speicher, Regenwaldrodung).

1979

Auf Initiative von Klimaforschern, wie dem Deutschen Hermann Flohn, wird in Genf die Erste Weltklimakonferenz abgehalten. Beschlossen wird die Schaffung eines Klimaprogramms zur Untersuchung und zum Austausch der Klimadaten und zur gemeinsamen Arbeit an besseren Klimamodellen. Der neun Jahre später gegründete Weltklimarat IPPC geht aus dieser Initiative hervor.

Der SPIEGEL notiert: „Daß der Treibhaus-Effekt die Erde, zumindest theoretisch, dereinst bedrohen könnte, mochte die Mehrheit der in Genf versammelten Wissenschaftler nicht mehr ausschließen. Differenzen gab es nur über das Ausmaß der Gefahr. (…) Fast einmütig aber empfahlen die Forscher, den Verbrauch fossiler Brennstoffe drastisch einzuschränken und die irdischen Waldreserven nicht noch weiter abzuholzen.“

Ein weiterer Expertenbericht der US-Regierung beziffert den Temperaturanstieg bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration auf 2°C bis 4°C und warnt einmal mehr vor der Folgen.

Zeitgleich startet das „American Petroleum Institute“ (siehe 1968) eine weitere groß angelegte Forschungsreihe, die die negativen Auswirkungen der Nutzung fossiler Energieträger zweifelsfrei belegt und auch quantifiziert. Auch diese Studien landen jedoch im Giftschrank der Ölkonzerne, die zehn Jahre später massiv in die Debatte eingreifen, indem sie sogenannte „Skeptiker“ finanzieren, die bis heute die Debatte torpedieren. Ans Licht kamen diese und vergleichbare unter Verschluss gehaltene Studien der Ölkonzerne erst 2015 im Rahmen einer für den Pulitzer-Preis nominierten Recherche der Internetseite InsideClimate News.

1980

Die Nord-Süd-Kommission unter dem Vorsitz von Willy Brandt empfiehlt in ihrem Abschlussbericht die Stärkung regenerativer Energien und die Abkehr von der Nutzung fossiler Energieträger und die Fokussierung auf die Nachhaltigkeit bei der globalen Entwicklungspolitik.

1985

Der Meeresforscher Veerabhadran Ramanathan erweitert die Debatte, indem er in einer Studie 30 Spurengase identifiziert, die als Treibhausgase wirken und zusammengenommen dasselbe Treibhauspotential wie Kohlendioxid haben.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) veranstaltet gemeinsam mit dem Umweltprogramm (UNEP) und dem Internationalen Wissenschaftsrat (ICSU) eine Klimakonferenz in Villach. In der Abschlusserklärung heißt es, dass „in der ersten Hälfte des nächsten Jahrhunderts mit einer Erderwärmung zu rechnen sei, die größer ist als je zuvor in der Geschichte der Menschheit“.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft warnt vor einer „drohenden Klimakatastrophe“ und fordert die Politik auf, Maßnahmen zu ergreifen, dass die Erwärmung unterhalb von 1°C bleibt. Aktuelle Messungen der NASA besagen, dass die Erwärmung 2018 bereits 0,83°C beträgt. Die Basis ist übrigens das Mittel von 1951 bis 1980.

1986

In einer Studie beziffern die Klimaforscher Dickinson und Cicerone die Klimaerwärmung durch Treibhausgase in den kommenden 65 Jahren auf mindestens 1°C und möglicherweise sogar mehr als 5°C.

Der SPIEGEL titelt „Das Weltklima gerät aus den Fugen“ und gibt einen Überblick über den Stand der Forschung.

1987

In seinem Buch „Die gespeicherte Sonne“ entwirft der SPD-Politiker Hermann Scheer einen umfassenden Plan zur Substitution fossiler Energieträger durch regenerative Energien.

In einem Interview mit dem SPIEGEL warnt der Klimaforscher Hartmut Graßl vor den Folgen der globalen Klimaerwärmung und fordert die Politik zum sofortigen Handeln auf.

1988

Es ist zwingend geboten, unverzüglich zu handeln“ – so endet das Schlussprotokoll der Weltklimakonferenz von Toronto. Empfohlen wird eine Reduktion der Treibhausgase bis 2005 um 20% und später auf 50%.

Im SPIEGEL mahnt der Atmosphärenforscher Paul Josef Crutzen die Politik, schnell zu handeln. Der Klimawissenschaftler Wilfrid Bach nennt konkrete Forderungen an die Politik – keine dieser Forderungen wurde ernsthaft umgesetzt.

1989

In seiner kurz vor seinem Tod erschienenen Autobiografie „Innenansichten eines Artgenossen“ widmet Hoimar von Ditfurth dem Thema „Klimawandel“ gleich mehrere Seiten und stellt die Reduktion der Treibhausgase als eine der wichtigsten Menschheitsaufgaben dar.

1990

Beim G7-Gipfel in Paris steht erstmals auch die „drohende Klimakatastrophe“ auf der Agenda.

1992

Mit der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen wird auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro das erste völkerrechtliche Abkommen verabschiedet, das sich zum Ziel gesetzt hat, die menschgemachte Störung des Klimasystems zu verhindern und die globale Erwärmung zu verlangsamen. Auf der Konferenz hält auch die damals 12jährige kanadische Klimaaktivistin Severn Suzuki eine engagierte Rede. Heute bedauert sie, dass die Politiker nichts aus ihrer Rede gelernt haben.

In seinem Buch „Wege zum Gleichgewicht“ widmet sich der spätere US-Vizepräsident Al Gore ausführlich dem Treibhauseffekt und der Klimaerwärmung und bringt das Thema damit einer breiten Masse nahe.

Zum ersten Mal taucht der Begriff „Klimapolitik“ im gedruckten SPIEGEL auf.

1995

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung befürwortet die Einrichtung eines Zwei-Grad-Ziels, da man befürchtet, dass bei einer höheren Erwärmung sogenannte Kipppunkte erreicht werden, die unumkehrbare und in ihren Konsequenzen kaum einschätzbare negative Folgen nach sich ziehen.

Auf der ersten Weltklimakonferenz (COP1) in Bonn einigen sich die Staaten auf die Erstellung eines gemeinsamen Protokolls zur Verringerung der Treibgasemissionen.

1997

Auf der dritten Weltklimakonferenz (COP3) in Kyoto wird erstmals ein verbindliches Ziel für die Emissionshöchstmengen der Industrieländer formuliert. Nach langwierigen Verhandlungen und zahlreichen weiteren Weltklimakonferenzen trat das Kyoto-Protokoll jedoch erst 2005 in Kraft. Außer den USA, Kanada, Süd-Sudan und Andorra haben alle UN-Mitglieder das Abkommen ratifiziert.“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=55110

 

… und Michael Jackson veröffentlicht 1995 seinen „Earth Song“ mit sehr eindringlichen Bildern:

 

https://www.youtube.com/watch?v=XAi3VTSdTxU

 

„What about sunrise

What about rain

What about all the things

That you said we were to gain...

What about killing fields

Is there a time

What about all the things

That you said was yours and mine...

Did you ever stop to notice

All the blood we've shed before

Did you ever stop this notice

 

This crying Earth this we make sure?

What have we done to the world

Look what we've done

What about all the peace

That you pledge your only son...

What about flowering fields

Is there a time

What about all the dreams

That you said was yours and mine...

 

Did you ever stop to notice

All the children dead from war

Did you ever stop to notice

This crying Earth this we make sure?

 

I used to dream

I used to glance beyond the stars

Now I don't know where we are

Although I know we've drifted far

 

Hey, what about yesterday

(What about us)

What about the seas

(What about us)

The heavens are falling down

(What about us)

I can't even breathe

(What about us)

What about everything

(What about us)

We're ravaging the seas

(What about us)

What about forest trails

(ooo, ooo)

Burnt despite our pleas

(What about us)

What about the holy land

(What about it)

Torn apart by creed

(What about us)

Where did we go wrong

(ooo, ooo)

Someone tell me why

(What about us)

What about babies

(What about it)

What about the days

(What about us)

What about all their joy

Do they give a damn“

https://www.songtexte.com/songtext/michael-jackson/earth-song-73da7269.html

 

„Was ist mit dem Sonnenaufgang

Was ist mit dem Regen

Was ist mit allen Dingen

Von denen Du sagtest, dass wir sie erben würden...

Was ist mit den Schlachtfeldern

Kommt diese Zeit noch

Was ist mit all den Dingen

Von denen Du sagtest, sie wären Dein und mein...

Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen

Wie viel Blut wir schon vergossen haben

Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen

Wie diese Erde schreit, diese Küsten weinen?

 

Was haben wir der Welt angetan

Schau was wir getan haben

Was ist mit all dem Frieden

Welchen Du Deinem einzigen Sohn versprachst...

Was ist mit den Blumenfeldern

Kommt diese Zeit noch

Was ist mit all den Träumen

Von denen Du sagtest, sie wären Dein und mein...

Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen

Wie viele Kinder im Krieg starben

Hast Du jemals innegehalten, um wahrzunehmen

Wie diese Erde schreit, diese Küsten weinen?

 

Ich träumte immer

Ich blickte immer jenseits der Sterne

Jetzt weiß ich nicht mehr, wo wir sind

Obwohl ich weiß, dass wir weit abgetrieben sind

 

Hey, was ist mit dem Gestern

(Was ist mit uns)

Was ist mit den Meeren

(Was ist mit uns)

Der Himmel stürzt ein

(Was ist mit uns)

Ich bekomme kaum noch Luft

(Was ist mit uns)

Was ist mit der Teilnahmslosigkeit

(Was ist mit uns)

Von der ich gar nicht einmal wusste

(Was ist mit uns)

Was ist mit dem Wert der Natur?

 

Es ist das Innerste unseres Mutterplaneten

(Was ist mit uns)

Was ist mit den Tieren

(Was ist mit uns)

Wir haben Königreiche zu Staub verwandelt

(Was ist mit uns)

Was ist mit den Elefanten

(Was ist mit uns)

Haben wir ihr Vertrauen verloren

(Was ist mit uns)

Was ist mit weinenden Walen

(Was ist mit uns)

Wir verwüsten die Meere

(Was ist mit uns)

Was ist mit den Waldpfaden?

 

Niedergebrannt trotz unserer Einsprüche

(Was ist mit uns)

Was ist mit dem geheiligten Land

(Was ist mit ihm)

Zerrissen durch Glaubensüberzeugungen

(Was ist mit uns)

Was ist mit dem kleinen Mann

(Was ist mit uns)

Können wir ihn nicht befreien

(Was ist mit uns)

Was ist mit Kindern, die sterben

(Was ist mit uns)

Kannst du sie nicht weinen hören

(Was ist mit uns)

Wo sind wir falsch abgebogen?

 

Kann mir das einer erklären

(Was ist mit uns)

Was ist mit dem Baby-Jungen

(Was ist mit uns)

Was ist mit den Tagen

(Was ist mit uns)

Was ist mit ihren sämtlichen Vergnügungen

(Was ist mit uns)

Was ist mit dem Mann

(Was ist mit uns)

Was ist mit dem weinenden Mann

(Was ist mit uns)

Was ist mit Abraham

(Was ist mit uns)

Was ist denn mit dem Tod schon wieder?

 

Kümmert es uns eigentlich einen Scheißdreck?“

https://www.songtexte.com/uebersetzung/michael-jackson/earth-song-deutsch-33d6b891.html

 

Hauptprobleme werden ignoriert

 

Hoimar von Ditfurth schildert 1978 eindrücklich die Problematik in zwei Teilen „Der Ast, auf dem wir sitzen“ aus der Reihe „Querschnitt“.

Wer sich mit dem von Menschen gemachten Klimawandel nicht abfinden kann, möge es als Thema „Zerstörung der Umwelt" bezeichnen.

 

https://www.youtube.com/watch?v=rtluPMxhdjk

 

https://www.youtube.com/watch?v=TETCYuxRNC4

 

Im 2. Teil ab der 27. Minute nennt Hoimar von Ditfurth unmissverständlich die Ursache aller Umwelt-Probleme:

Ein weiterer Ratschlag, den man oft noch hört, der heisst „Wachstum einschränken, sparen, Gürtel enger schnallen“. Ein sehr ehrenwerter Standpunkt, sympathisch und deshalb, weil er mal die Verantwortung nicht anderen zuschiebt, sondern damit anfängt, dass man selber zum Verzicht aufgerufen wird. Sehr sympathisch. Aber: bei Betrachtung der wirklichen Verhältnisse vollkommen sinnlos.

Betrachten wir diese wirklichen Verhältnisse einmal an einem einfachen Beispiel. Ein US-Amerikaner belastet die Umwelt in gleichem Maße wie etwa zwei West-Europäer, also etwa zwei West-Deutsche. Nun heisst aber Umwelt-Belastung natürlich nicht nur weggeworfene Bier-Flaschen und Konserven-Dosen. Umwelt-Belastung, das ist auch das Maß des Benzins, das man als Kohlendioxid in die Luft pustet mit seinen Autos, das ist das Ausmaß an Erdöl, das man verbraucht, das ist die Menge an Kunst-Dünger, die verbraucht wird, um die eigene Nahrung sicherzustellen und so weiter. Mit anderen Worten: Umwelt-Belastung ist ein Maßstab für den eigenen Lebens-Standard.

Ein US-Amerikaner soviel wie zwei West-Europäer. Jetzt schauen wir uns die Verhältnisse auf der übrigen Welt mal an. Die verbrauchen so viel wie 60 Inder. Und diese 60 Inder belasten die Umwelt in gleichem Maße wie 160 Tansanier. Und die belasten die Umwelt in gleicher Weise wie 1.000 Einwohner des ärmsten Landes der Erde, in Ruanda nämlich in Afrika.

Und nun reden Sie bitte mal von Einschränken, von Sparen, um diesen Menschen zu helfen. Es ist schizophren, auf der einen Seite auf die moralische Verantwortung, die wir alle haben, für ein menschen-würdiges Dasein auch für diese Menschen zu erinnern und gleichzeitig zu sagen „Wachstum einschränken, sparen“.

Dieser Amerikaner da hinten oder auch die West-Deutschen, die können sich einschränken und sparen, bis sie selbst verhungern – bei den zahlenmäßigen Relationen ist denen da (zeigt auf die dargestellten Ruander) kein Deut geholfen. Im Gegenteil: die Situation der 3. Welt verlangt eine Vervielfachung des augenblicklichen Energie-Aufwandes. Sie verlangt eine Vervielfachung der Anlage von Anbauflächen zur Erzeugung von Nahrung …

Die Antwort ist furchtbar einfach: weil alle diese Formen der Umwelt-Belastung oder der Erschöpfung der natürlichen Vorräte der Erde alle nur Symptome sind einer einzigen dahinter stehenden Ursache: nämlich der Tatsache, dass unsere Erde schon heute überbevölkert ist, dass sie überbesetzt ist mit einer einzigen biologischen Spezies, die allen anderen Lebensformen mehr und mehr den Lebens-Faden abzuschneiden droht. Nämlich mit uns selbst ...

Das heisst, dass in der kurzen Zeit von 25 Jahren, von 1975 bis zur Jahrtausend-Wende im Jahre 2000, die Zahl der Menschen um genau den Betrag zunehmen wird, wie es Menschen insgesamt 1950 auf der Erde gab. Das heisst praktisch Verdoppelung in 30, 35 Jahren – da sind wir inzwischen nämlich angelangt. Und das ist die Wurzel aller Übel, aller Umwelt-Probleme.

Ob es zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre gibt, ob unsere Wälder kaputt gehen, ob immer neue Tierarten bedroht sind und aussterben, ob unsere Rohstoffe knapper werden oder unsere Flüsse verdrecken – nennen Sie welche Umwelt-Schädigung Ihnen auch immer einfällt: all das sind Symptome dieser einen Ursache. Und wer an den Symptomrn herumdoktert, der provoziert nur immer neue Krankheits-Erscheinungen an gänzlich unerwarteten Stellen; der benimmt sich wie ein medizinischer Stümper, der das Fieber senkt ohne sich um die zugrunde liegende Infektion zu kümmern.

Die einzige Rettung, die einzige Rettung, die uns bleibt vor der sonst mit Sicherheit bevorstehenden Katastrophe, ist eine Verringerung der Zahl der Menschen insgesamt. Nicht nur in Tansania, nicht nur in Ruanda oder in Südamerika – dort natürlich auch und dort vordringlichst rasch im eigenen Interesse der Menschen dort. Aber genauso gilt das für uns, denn auch unsere Flüsse sind ja verdreckt, auch unsere Atmosphäre ist schon verseucht, auch bei uns hat die Biosphäre in Wirklichkeit längst schon ihr natürliches Gleichgewicht verlassen.

Stellen Sie sich vor, was das heisst, wenn man mit der gleichen Intensität, mit der man bisher Entwicklungs-Hilfe betrieben hat, global, weltweit, Aufklärung treibt in diesem Sinne und den Menschen klar macht, dass es in seinem eigenen Interesse ist, seine Fruchtbarkeit den bestehenden Verhältnissen anzupassen.

Wenn die Menschheit sich gesund schrumpfen würde und die Biosphäre wieder Gelegenheit bekäme, sich zu erholen: nicht ein Mensch bräuchte dabei zu sterben, nicht ein einziger Mensch, was sonst unausweichlich wäre. Und gleichzeitig wären alle Probleme, von denen wir hier gesprochen haben, die Sackgassen, sämtliche Ausweglosigkeiten, innerhalb weniger Generationen verschwunden; sie hätten sich in Luft aufgelöst, also ob sie es nie gegeben hätte.“

 

Die Bewohner des Erdreichs können sich selbst noch nach 41 Jahren an diesen Teil der Sendung erinnern, weil er so einleuchtend beschrieben war. Nichtsdestotrotz haben Hoimar von Ditfurths Worte bei den Menschen so gut wie gar keine Wirkung gehabt. Es wurde so weiter gemacht und gerade bei Gutmenschen gelten weltweit viele Kinder als segensreich.

In einigen seiner Beiträge hat der Wurm Hoimar von Ditfurths Gedanken aufgenommen und Folgendes geschrieben:

Wie auch immer es in Ägypten weiter gehen mag: Es wird nicht gut ausgehen. Wir Regenwürmer haben das seit Jahrzehnten vorausgesehen, denn das eigentliche Problem Ägyptens (und vieler anderer Länder) ist die Bevölkerungsexplosion. In den letzten 50 Jahren hat sich die Bevölkerung Ägyptens verdreifacht. Das heisst für den Staat: Es werden 3x so viele Lebensmittel, 3x so viel Wasser, 3x so viele Arbeitsplätze, 3x so viel Wohnraum, 3x so viele Rohstoffe gebraucht und 3x so viel wird die Umwelt belastet. Theoretisch. Praktisch sind in den letzten 50 Jahren auch die Ansprüche gestiegen: Es werden bessere Lebensmittel und Arbeitsplätze sowie mehr Wohnfläche für den Einzelnen gewünscht, es gibt mehr Verkehr und mehr Möglichkeiten, die Umwelt zu verdrecken.

Welches auch immer die Wünsche und Bedürfnisse sein werden: Es werden nicht genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Wer keine Arbeit hat, hat kein Geld. Und wer Arbeit hat, hat wenig Geld und schlechte Arbeitsbedingungen: Wenn genügend Reserven da sind, haben Arbeitgeber (und Vermieter) keinen Anlass, ihre Arbeiter bzw. Mieter gut zu behandeln. Wenn im Umkehrschluss mehr Arbeitsplätze als Arbeiter bzw. mehr Wohnungen als Mieter da sind, wird mensch sich aber wundern, wie freundlich er auf einmal von Arbeitgeber und Vermieter behandelt wird.

Keine Arbeit, kein Geld. Oftmals heisst das auch keine Ehe. Und es gibt eine Gruppe von Menschen, bei denen sich das nicht gut auswirkt: junge Männer. Sagen wir mal, im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Diese unzufriedenen, hoffnungslosen Männer, die wenig bis nichts zu verlieren haben, neigen dazu, sich zu radikalisieren und auf die eine oder andere Art und Weise Rabbatz zu machen. Mit den neuen technischen Möglichkeiten, in denen mensch sieht, wie es in reicheren Ländern so zugeht, werden zusätzliche Begehrlichkeiten geweckt und die Verärgerung wird zunehmen.

Bei zwischenzeitlich sieben Milliarden Menschen werden staatlicherseits immer mehr Konflikte um Land, Wasser und Energie kommen. Und Staaten werden sich immer unangreifbarer machen wollen, vor allem dann, wenn sie sehen, was mit solchen Ländern passiert, die keine Massenvernichtungswaffen zur Abschreckung haben. Auf nicht-staatlicher Ebene wird es eine größere Fanatisierung von Menschen geben, die vor Terrorakten in den reichen Ländern nicht zurückschrecken.

Eine Entwicklung, die seit Jahrzehnten vorhersehbar war. Hat denn gar niemand darauf reagiert? Wundersamerweise gibt es zwei Staaten, die sehr gut etwas gegen die Bevölkerungsexplosion getan haben. Der eine Staat ist China mit seiner im Westen verteufelten „Ein-Kind-Politik“ (böse, böse Diktatur!) – mensch stelle sich vor, was los wäre, wenn es eine Milliarde zusätzlicher Chinesen auf der Welt gäbe (ohne diese Politik wäre das der Fall).

Wer es nicht weiss, wird nicht drauf kommen, welches der zweite erfolgreiche Staat in der Bekämpfung der Bevölkerungsexplosion ist. Dessen Erfolge werden nämlich gerne totgeschwiegen. Denn es gibt viele Länder, die können diesen Staat nicht leiden, unabhängig davon, von wem er gerade regiert wird, und zeichnen ein sehr schlechtes Bild von diesem Land und seinen Menschen. Es handelt sich um den Iran.

Es gibt sehr gute Gründe, etwas gegen die aktuelle Führung des Iran zu haben. Eines muss man ihr aber lassen: Sie hat es geschafft, seit den 1980er Jahren die Geburtenrate (= Anzahl der Geburten pro Frau) von 6,9 auf 1,8 zu senken. Zum Vergleich (aktuelle Zahlen): China 1,8, Türkei 2,1, Ägypten 2,8, Saudi-Arabien 3,0, Pakistan 3,8, Afghanistan 6,4.

Wie haben die das bloß geschafft? Im Wesentlichen dürfte es drei Gründe geben:

1. Große Anstrengungen zur Bildung, die letztendlich dazu führten, dass ca. 60% aller Studierenden weiblichen Geschlechts sind (und bei höherer Bildung gerade der Frauen sinkt die Geburtenrate automatisch)

2. Paare, die heiraten wollen, müssen an einem Kurs zur Sexual-Aufklärung teilnehmen, wobei ihnen ausführlich Methoden der Verhütung erklärt werden (ein sehr interessanter YouTube-Film zeigt für einen Europäer lustige Szenen: www.youtube.com/watch?v=Xm_KLyi9W9U )

3. Verhütungsmittel werden vom Staat in ausreichender Zahl zur Verfügung gestellt, der auch kostengünstige Sterilisationen durchführt

Menschen, die davon noch nichts gehört haben, mögen sich einmal Gedanken darüber machen, woran das liegen könnte ?

Wurm hat auf jeden Fall den Eindruck, dass die meisten Staaten sehr wenig (wenn überhaupt) agieren. Warum sind ausgerechnet China und der Iran dermaßen erfolgreich? Unabhängig vom aktuellen System und der aktuellen Regierung haben sie eine Gemeinsamkeit, die sie von vielen anderen Staaten unterscheidet. Es ist der Gemeinsinn: Mensch schließt sich zusammen zu immer größeren Einheiten und fühlt sich als Teil desselben. Letztendlich also als Teil des Staates. Im Umkehrschluss fühlt sich der Staat verantwortlich für seine Bevölkerung. Das mag vielleicht nicht immer gut sein, aber wirksame Maßnahmen können greifen.

In solchen Staaten, in denen sich die Menschen nicht mit dem Staat, sondern mit der eigenen Familie identifizieren (also innerhalb der Familie nicht die Argumente zählen, sondern der jeweilige Rang, der sich wiederum nach Alter und Geschlecht richtet), werden die Menschen sich sehr wenig um den Staat kümmern und der Staat wird sich sehr wenig um die Menschen kümmern. Und solche Staaten gibt es mehr, als mensch denkt.

Es gibt jetzt schon über sieben Milliarden Menschen. Die Entwicklung dieser Wesen und das, was sie mit der Erde und ihren Mitbewohnern tun, wird nicht gut sein.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/24-arabischer-winter.html

Die Bevölkerungs-Politik der meisten afrikanischen Länder kann wurm nicht als verfehlt ansehen - es gab sie schlichtweg nicht. Das Problem wurde schlichtweg ignoriert, auch von den westlichen Ländern, die nicht darauf hingewiesen hatten geschweige denn auf eine Änderung der Politik gedrängt hatten. Eine Umkehr wäre möglich gewesen, wie die äußerst erfolgreichen Beispiele China und Iran zeigen.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/154-krokodilstraenen-der-internationalen-verbrecherbande.html

„Nun nimmt Rupert Neudeck kein Blatt vor den Mund. Auch, wenn Rupert Regenwurm das, was er von sich gibt, größtenteils für richtig hält, gibt es doch einige Punkte, wo es unterschiedliche Meinungen gibt. Darauf wird der Wurm bei seinen jeweiligen Büchern zu schreiben kommen. In erster Linie gibt es jedoch einen Punkt, bei dem es einen fundamentalen Widerspruch gibt: nämlich der Anzahl der Menschen auf der Erde.

Zuerst Rupert Neudeck aus seinem Afrika-Buch:

1990 hatten wir 5,3 Milliarden Menschen auf der Erde, 2025 werden es geschätzt wohl an die 8,5 Milliarden sein. 95 Prozent der Zunahme gehen auf das Konto der Dritten Welt.“

Aber die Schätzungen sprechen nicht mehr von Hunderttausenden, sondern von Millionen. 18 Millionen junger Menschen sollen in ganz Afrika unterwegs sein, um nach Norden oder Süden zu kommen.“

Das mag ein übertriebenes Szenario sein, aber die Realität des demographisch weiter wachsenden Afrikas wird uns überrennen. Aus der Migration ist längst eine Völkerwanderung geworden. Das Problem der Migration wird quälender werden als al-Qaida.“

Das stimmt alles, was er da schreibt. Dann kommt’s aber:

Wir könnten in den nächsten Jahrzehnten einiges von den Afrikanern lernen, Freundschaft, Zusammenhalt, Trauer- und Schmerzverarbeitung, mehr Kinder zu bekommen“ …

Das Beispiel Iran zeigt auch, dass selbst extrem religiöse Menschen zur Vernunft kommen können: Ruholla Chomeini gehört dazu und er konnte von vernünftigen Menschen davon überzeugt werden, eine aktive Bevölkerungs-Politik in Gang zu setzen. Mit großem Erfolg.

Rupert Neudeck schreibt in seinem Syrien-Buch, dass die dortige Jugend keine Perspektive hätte. Ja, wie soll sie denn auch? In keinem Land mit hoher Geburtenrate hat die Jugend eine Perspektive. Wenn die 18 Millionen, von denen er schreibt, dass sie in Afrika „unterwegs“ seien, gar nicht erst geboren wären, müssten sie auch nicht aus ihrer Perspektivlosigkeit aufbrechen.

Einige Male beschwert er sich (wenn dies auch nicht zu seinen Hauptthemen gehört), dass in Deutschland zu wenige Kinder geboren würden und dies schlecht für den Generationen-Vertrag sei.

Auch hierzu hatte sich der Wurm bereits geäußert – es gibt keinen Generationen-Vertrag: das Geld für die heutigen Rentner wird nicht von deren Kindern bezahlt, sondern von denjenigen, die einer sozialversicherungs-pflichtigen Arbeit nachgehen. Vollkommen egal, in welchem Land diese geboren wurden"

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/170-dem-kanzler-ein-kind-schenken.html

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/230-menschen-fischer.html

Es gibt hauptsächlich zwei Klima-Zerstörer.

Der eine ist die Menschheit selbst mit ihren hohen Geburtenraten …

Je mehr Menschen es gibt und je höheren Lebens-Standard diese haben wollen, umso mehr wird von allem verbraucht werden. Weltweit. Was da in Deutschland und Europa konsumiert oder nicht konsumiert wird, ist weitgehend uninteressant.

Der andere Klima-Zerstörer ist das Militär …

Wie äußern sich die Klima-Aktivisten gegenüber Militär und Krieg?

Gar nicht? Dann sollten sie es aber bleiben lassen, ihre Mitbürger zu Konsum-Verzicht anzuhalten.

Entweder handelt es sich bei den Klima-Aktivisten in ihrer derzeitigen Form um Heuchler oder um Dumme. Oder um beides.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/390-auf-dem-weg-in-die-oeko-diktatur.html

 

Möglichkeiten

 

Die „ Klima-Aktivisten in ihrer derzeitigen Form“ können sich durchaus ändern und in eine oder mehrere Richtungen gehen, die dem System dann doch nicht so passend sein wird.

Florian Kirner: „Der Buchautor, Förster und normalerweise so gut gelaunte Waldaktivist Peter Wohlleben beendete sein gestriges Video anlässlich des bevorstehenden „Waldgipfels“ der völlig überforderten Julia Klöckner zum Beispiel mit den genervten Worten: „Es reicht jetzt mal.“

Auch innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung gibt es erkennbare Verschiebungen. Es verschiebt sich weg von einem klassischen NGO-Ansatz. Dass man mit Petitionen. Latschdemos, Symbolaktionen und dem Versuch, die Herrschenden sachlich aufzuklären, nicht weiterkommt gegen Leute, die gekaufte Lakaien der ewigen, alten, naturvernichtenden Industrielobby sind, dürfte spätestens jetzt deutlich geworden sein.

Da wird am selben Tag, an dem 1,4 Millionen Menschen in Deutschland für effektiven Klima- und Naturschutz demonstrieren, ein sogenanntes „Klimapaket“ von der Bundesregierung beschlossen, dass einfach nur zeigt: die haben nichts verstanden, die haben keinen Plan, die haben es nicht drauf und die sind von denen gekauft, die aus der Zerstörung der Umwelt ihren Profit ziehen.

Prompt haben ausnahmslos alle Organisationen, die zum großen Klimastreik aufgerufen hatten, diese Regierungsbeschlüsse in schärfsten Worten verdammt.

Zur Rede von Angela Merkel vor dem Klimagipfel ließ sich dann Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund Naturschutz, so vernehmen:

„Angela Merkel wird den klimapolitischen Totalausfall der Bundesregierung verantworten müssen.“

Merkel habe keinerlei Bereitschaft gezeigt, Verantwortung zu übernehmen. Ihr Verhalten grenze an Realitätsverweigerung. Hubert Weiger weiter:

„Kurz nachdem Greta Thunberg die Staats- und Regierungschefs dafür kritisiert hat, nur über Geld zu reden anstatt die Klimakrise zu lösen, tut Angela Merkel genau das: Sie spricht über Geld, wo es tatsächlich darum geht, den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas umzusetzen, um die Emissionen insbesondere der Industriestaaten als Hauptverursacher der Klimakrise schnellstmöglich herunterzufahren.“

Die Aktivisten von „Ende Gelände“ haben auf den sogenannten „Klimapakt“ der Regierung – eine peinliche Ansammlung hilfloser, allerdings sozial extrem ungerechter Kleinstmaßnahmen! – auf ihre Art reagiert: sie haben für den 29. November bis zum 1. Dezember eine weitere Aktion gegen die Kohleindustrie ausgerufen, diesmal in der Lausitz.

Auch innerhalb von Fridays For Future lassen die Illusionen, ein bisschen Druck und Aufklärung würden die Borniertheit der herrschenden Oligarchie aufweichen können, laufend nach. Seit einem Jahr wird jetzt Freitags gestreikt und demonstriert. Was ist ökologisch Sinnvolles von oben gekommen in dieser Zeit? Nichts? Fast nichts?

Auch der Glaube, die Grünen würden es richten, ist in der Bewegung stark rückläufig. Das ist kein Wunder angesichts der umweltpolitischen Performance dieser Partei. Siehe Baden-Würtemberg, wo der Grüne Ministerpräsident Winfried Kretschman vor allem als Freund der Autoindustrie glänzt.

Überhaupt ist diese Vorstellung, die Umweltbewegung sei Feuer und Flamme für die Grünen und setze großartigste Hoffnungen in diese Partei, ein weitgehender Mythos. Das durften die Bremer Grünen bereits im März des Jahres erfahren:

„Auf der Landesmitgliederversammlung der Bremer Grünen hat es einen Eklat gegeben. Eine Gastrednerin der Bewegung „Fridays for Future“ warf den Grünen Versagen in der Umweltpolitik vor:

„Ihr seid nicht die Antwort auf unsere Bewegung“, sagte die Studentin Frederike Oberheim, die „Fridays for Future“ in Bremen mitorganisiert. „Hättet ihr eure Arbeit richtig gemacht“, so die Aktivistin, müssten nicht 8.000 bis 10.000 Schülerinnen und Studierende auf die Straße gehen.“

Auch die Fridays-For-Future-Aktivistin Carla Reemtsma zeigt in einem aktuellen Gespräch bei Richard David Precht eine deutliche Distanz zu allen Parteien und wenig Hoffnung auch auf die Grünen. Sie setzt darauf, die Parteien durch eine Massenbewegung vor sich her zu treiben, sie von unten zu zwingen. Auf die Frage, was sie zu tun gedenke, wenn das alles nichts nütze, hat sie freilich keine konkrete Antwort außer „Weitermachen.“ Aber das kann ja noch kommen und sie verweist bereits darauf, dass die Umweltbewegung ja vielfältig sei und es verschiedene Akteure gebe.

In der Tat gibt es unterschiedliche Akteure in dieser Bewegung, speziell in Deutschland. Dieses Land hat von Gorleben und der Startbahn West bis hin zum Hambacher Wald eine jahrzehntelange, ungebrochene Traditon des entschlossenen Umweltaktivismus. Viele der heute Aktiven sind nicht 14, 16 oder 18 Jahre alt. Sie sind schon lange im Geschäft. Ihre Illusionen in die Rechtsstaatlichkeit der Bundesrepublik haben sie vor Jahrzehnten verloren und ihre Überzeugung, dass es nur mit zivilem Ungehorsam geht, vielleicht schon 1987 am Bauzaun von Wackersdorf gewonnen oder bei einem Castor-Transport in den 90er Jahren. Diese Leute wissen, wie man kämpft und sie wissen, wie man gewinnt. Die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf wurde nicht gebaut. Und die Castortransporte rollen nicht mehr ins Wendland.

Diese Veteranen der Bewegung vermischen sich kontinuierlich mit der neuen Generation von Aktivisten. Anstatt am Rand zu stehen, und die Jugend zu belehren, kämpfen sie gemeinsam mit der Jugend. Bei der Gelegenheit lässt es sich dann viel besser reden etwa über die Rolle des Krieges in der Naturzerstörung, den Öl-Verbrauch der US-Army oder die auch ökologisch verheerenden Konsequenzen uranummantelter Munition, wie sie die NATO so gerne einsetzt.

Nur so, im gemeinsamen, solidarischen Aktivismus, geht es dann eben auch inhaltich voran. Etwa, wenn die die Leute von Fridays for Future auf die Leute von Ende Gelände oder aus dem Hambi treffen.

Oder aber wenn Greta Thunberg bei ihrem Besuch in London, als Extinction Rebellion seine erste große Aktionswelle startete, George Monbiot kennenlernt. Monbiot ist einer der besten, radikalsten Denker unserer Zeit. Er ist einer der prominentesten intellektuellen Vertreter des „Rewilding“ und der globalen Wiederbewaldung. Monbiot ist auch ein unversöhnlicher Kritiker des Neoliberalismus und der Religion des ewigen Wachstums. Er ruft regelmäßig dazu auf, das System zu stürzen.

Mit diesem George Monbiot – „meinem Freund George“ – hat die angeblich naive, vom System gekaufte Greta Thunberg vor wenigen Tagen ein eindrückliches Video veröffentlicht. Es ist extrem gut gemacht. Aber die Fusion von Thunberg und Monbiot zeigt vor allem, dass sich Greta keineswegs in Richtung System bewegt hat im letzten Jahr, sondern auf einen Systembruch zu …

Die Krise des Ökosystems und der Wahnwitz unseres Wirtschaftssystems ist eben inzwischen so existenzbedrohend geworden sind, dass es keinen Bereich der Gesellschaft mehr gibt, wo nicht einige Leute herumlaufen würden, die eine radikale, ökologische Wende zu ihrer sehr persönlichen Mission gemacht haben. Vielleicht haben diese Leute Kinder. Vielleicht haben sie ein schlechtes Gewissen, weil sie auf ihrem Weg zum Reichtum die Natur geschändet haben. Und sicher wird es auch Leute geben, die von weniger als edlen Motive getrieben sind. Klar. Da muss jede Bewegung vorsichtig sein. Aber ich befürchte auch, im Moment können wir nicht allzu wählerisch sein.

Denn ohnehin wird all das nicht ausreichen. Die Borniertheit unserer Oligarchie aus der Dinosaurierzeit von Öl, Stahl und Kohle und ewigem Krieg wird solange unüberwindlich bleiben, wie wir dieses kranke System nicht überwunden haben …

Böse oder nicht, jeder glaube da, was er will: die Damen und Herren Regierungschefs und ihre Bürokratien werden weiterhin versagen. Und deswegen wird die Bewegung von unten nicht nur weitergehen: sie wird sich auch verändern. Entschlossene Aktionsformen des zivilien Ungehorsams gewinnen laufend an Anziehungskraft. Und das ist gut so.

Ab dem 7. Oktober beginnt beispielsweise die zweite Aktionswelle von Extinction Rebellion in Berlin. Das ist das Ziel. In koordinierten, strategischen Aktionswellen den Systemwechsel erzwingen. Das Jahr 2020 ist die Zielzone: 2020WeRiseUp lautet die Parole.

Ob es gelingt? Nichts genaues weiß man nicht.

Aber versuchen müssen wir es.“

https://kenfm.de/tagesdosis-25-9-2019-danke-greta/

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm