Die Sommerferien sind vorbei und gleichzeitig wird immer deutlicher, welch katastrophale Zustände in den Schulen herrschen: Investitions-Rückstände im zweistelligen Milliarden-Bereich und Lehrer-Mangel im fünfstelligen Bereich.

 

Investitions-Rückstand

 

„Der Investitionsrückstand der Kommunen in Deutschland ist laut KfW-Kommunalpanel 2018 auf einen neuen Höchststand von knapp 159 Mrd. EUR geklettert. Darunter machen die Schulen mit rd. 47,7 Mrd. EUR mittlerweile den größten Anteil aus, wie eine aktuelle Sonderauswertung von KfW Research zu Beginn des neuen Schuljahres zeigt. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Investitionsstau bei den Schulen damit um 14,9 Mrd. EUR vergrößert. Betroffen sind insbesondere größere Städte und Gemeinden. Regional lässt sich der Anstieg vor allem in Nordrhein-Westfalen und Süddeutschland verorten. Auch für Kindertagesstätten fehlen den Kommunen zunehmend die Investitionsmöglichkeiten. Der Investitionsrückstand bei der Kleinkindbetreuung liegt aktuell bei 7,6 Mrd. EUR (+ 2,9 Mrd. EUR). Im gesamten Bereich der kommunalen Bildungsausgaben beziffert sich der Rückstand somit auf 55 Mrd. EUR (Vorjahr: 37,4 Mrd. EUR).

Die Zunahme ist auf wachsende Bedarfe bei gleichzeitig begrenzten Investitionskapazitäten der Kommunen zurückzuführen. „Die Zahl der Kinder unter 6 Jahren hat in den letzten 8 Jahren um 450.000 zugenommen. Das treibt die Ausbaubedarfe bei Kitas und Schulen gerade in wachsenden Ballungszentren“, sagt KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner. Neben steigenden Kinder- und Schülerzahlen erhöhen auch qualitative Ambitionen wie der flächendeckende Ausbau der Ganztagsbetreuung die kommunalen Investitionsbedarfe im Bereich Bildung.

Zwar steigen auch die kommunalen Investitionsausgaben für Schulen und Kitas seit einigen Jahren wieder langsam an, dadurch wird aber nicht unbedingt mehr und bessere Bildungsinfrastruktur bereitgestellt: „Ein Großteil der Ausgaben wird durch steigende Baupreise regelrecht ‚aufgefressen‘. Darüber hinaus behindern Kapazitätsengpässe in der Kommunalverwaltung und besonders der Bauwirtschaft die Planung und Umsetzung weiterer Investitionen“, sagt Dr. Jörg Zeuner. „Das ist das Ergebnis einer haushaltspolitischen Prioritätensetzung der letzten Jahrzehnte, die sich nicht am Unterhalt und Ausbau der Infrastruktur orientiert hat. Hier ist ein Umdenken nötig.“

Mit dem jetzigen Investitionsniveau würde der Abbau des Investitionsrückstands bei Schulen und Kitas fast sieben Jahre dauern. Dabei sind zusätzliche Bedarfe wie der Ausbau von Ganztagsschulen und der Unterhalt der bestehenden Infrastruktur noch nicht berücksichtigt. „Wir brauchen strukturelle Verbesserungen der kommunalen Investitionsfähigkeiten, damit wir langfristig die benötigten Investitionen in Schulen und Kitas gewährleisten können“ so Jörg Zeuner weiter. „Gute Schulen und Kitas sind das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und die persönlichen Entwicklungschancen der Kinder. Schlechte Bildung heute heißt höhere Sozialausgaben morgen – das ist ein mieser Tausch. Gute Bildung setzt neben einem modernen Schulangebot, engagierten Lehrern und intelligenten Unterrichtsinhalten auch ordentliche Gebäude voraus. Es ist dringend an der Zeit, nach Jahren des Stillstands hier zu echten Fortschritten zu kommen.“

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_483392.html

Martin Greive und Donata Riedel: „Nach den Sommerferien müssen so viele Kinder wie nie in reparaturbedürftigen Schulen lernen …

In vielen Berliner Schulen sind auch nach den Sommerferien vor allem die Toiletten marode. Oft scheitert die Sanierung nicht mehr an fehlendem Geld, sondern am Mangel an Sanitärhandwerkern. Wenn es denn die zuständigen Bezirke überhaupt geschafft haben, den Sanierungsbedarf exakt zu ermitteln und Aufträge zu schreiben …

Die Probleme sind seit Jahren bekannt: Ärmeren Kommunen fehlt Geld, und fast allen Gemeinden fehlen Bauplaner, um die Schulen zu sanieren. Und in Stadtstaaten wiederum sorgt föderaler Kompetenzwirrwarr dafür, dass trotz Daueraufschwung viel zu wenig in Schulen investiert wird. Hinzu kommt: Anders als lange erwartet steigen die Schülerzahlen. Es gibt allein 450.000 Kinder unter sechs Jahren mehr als vor acht Jahren. Dazu verschärfen kleine Gebäude und Lehrermangel die Misere …

„Viele wachsende Städte können gar nicht so schnell neue Schulen oder Kitas bauen, wie sie das selbst gern möchten“, sagt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, dem Handelsblatt. Das liegt nicht am Geld. Nach neuen Daten der kommunalen Spitzenverbände dürften alle Städte und Gemeinden allein in diesem Jahr einen Überschuss von 7,6 Milliarden Euro erwirtschaften.

Dazu hat der Bund finanzschwachen Kommunen milliardenschwere Fördertöpfe bereitgestellt. Nur: Die Nachfrage ist gering. Aus einem vor einem Jahr aufgelegten Topf für Schulsanierungen ist bislang kein einziger Euro abgeflossen. Ähnlich ist es bei einem Fördertopf für den Kita-Ausbau: Hier wurden 2017 von den bereitgestellten 519 Millionen Euro lediglich 151 Millionen abgerufen.

Der Grund: In den kommunalen Bauverwaltungen fehlt schlichtweg Personal, Bauvorhaben zu planen. Weil der Staat sich viele Jahre mit Investitionen zurückgehalten hat, haben die Kommunen die Bauverwaltungen kaputtgeschrumpft. So sank laut Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Zahl der Beschäftigten in den kommunalen Bauverwaltungen seit Mitte der 1990er-Jahre von 55.000 auf unter 40.000.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher glaubt deshalb nicht an eine schnelle Lösung. „Es ist leider so, dass sich die Folgen von zwei Jahrzehnten extremer Sparpolitik nicht über Nacht lösen lassen“, sagt er und verlangt eine Reform des Föderalismus. Ergänzend zur Schuldenbremse gehöre eine Investitionspflicht in die Haushaltsgesetze, fordert Fratzscher.

Auch eine Expertenkommission des Bundeswirtschaftsministeriums setzte einst auf mehr Zentralisierung. In einem Bericht „Zur Stärkung der Investitionen“ schlug sie 2015 vor, Kommunen bei Bauprojekten durch eine zentrale Agentur zu unterstützen. Angedacht waren auch ein „Nationaler Investitionspakt für Kommunen“ und eine stärkere Zusammenarbeit von Staat und Privatinvestoren. Doch viele der Ideen scheiterten am Bund-Länder-Kompetenzgerangel oder am Parteienstreit.

Und so besteht seit Jahren das bizarre Problem unvermindert fort: Deutschland, eines der reichsten der Länder der Welt, schafft es trotz Rekordüberschüssen nicht, seine Schulen, Schienen und Brücken zu sanieren. Und daran wird sich nach Einschätzung von Werner Backeberg aufgrund des Baubooms auch so schnell nichts ändern.“

https://amp.handelsblatt.com/politik/deutschland/investitionsstau-volle-kassen-marode-schulen/22915982.html

 

Dazu kommt noch, dass ein Viertel aller Grundschulen keinen Zugang zu einem Lehrschwimmbecken hat. Mit der Folge, dass es laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) immer mehr Badeunfälle gibt.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/badeunfaelle-experten-beklagen-mangelnden-schwimmunterricht-a-1223223.html

Es sind aber nicht nur die Schulen in den Kommunen: auch die Universitäten, die den Bundesländern unterstehen, sind oft in einem maroden Zustand und müssen bei „Sponsoren“ betteln, dass die ihre Hörsäle und Gebäude renovieren: http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/276-mietbare-zwerge.html

 

Befristete Lehrer

 

Und da ja nun mal „gespart werden muss“, gibt es Lehrer, die nur befristet angestellt werden. Die sind billiger und müssen während der Sommerferien nicht bezahlt werden.

Jonas Weyrosta: „Die Sommerferien sind für viele Lehrerinnen und Lehrer die entspannteste Zeit im Jahr. Allerdings nicht für Vertretungslehrer, die nur befristet angestellt sind. Tausende von ihnen wissen nicht, ob sie im kommenden Schuljahr noch eine Stelle haben – oder an welcher Schule sie unterrichten werden. Bei manchen endete der Vertrag sogar schon am letzten Schultag. Einige Bundesländer entlassen die Vertretungskräfte während der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit, um Kosten zu sparen.

Zwei Lehrerinnen haben uns erzählt, wie unterschiedlich sie die schulfreie Zeit erleben: Katrin Stickel ist verbeamtet. Der Vertrag von Meike Wohl endet dagegen in wenigen Wochen. Noch weiß sie nicht, ob sie danach in die Schule zurückkehren wird.

Meike Wohl, Lehrerin aus Nürnberg, 40 Jahre:

Ich unterrichte Sport. Eigentlich bin ich Realschullehrerin für Englisch und Sport. Das letzte Schuljahr habe ich aber in Nürnberg an einer Grundschule unterrichtet, weil es für Realschullehrer immer weniger Jobs gibt. Mein Vertrag läuft nur noch bis zum 9. September, dem letzten Tag der Sommerferien in Bayern. Dann muss ich mir eine neue Schule suchen.

In meinen sechs Jahren als Lehrerin konnte ich nur zweimal mit einem sicheren Gefühl in die Sommerferien gehen. Die meisten Verträge laufen immer nur über ein Schuljahr. Ob es nach den Ferien weitergeht, erfahre ich meistens im Urlaub

Manchmal erfahre ich aber auch erst an einem der letzten Ferientage oder sogar in der ersten Schulwoche, ob ich noch irgendwo als Vertretungslehrerin eingesetzt werde. Viele Schulen können nicht einschätzen, wie viele Schüler sich neu anmelden werden. Also wissen sie auch nicht, wie viele Lehrer sie brauchen. Das ist auch für die Schulleitungen eine schwierige Situation, das weiß ich.

Trotzdem fühle ich mich als immer wieder befristete Lehrerin oft nicht wertgeschätzt. Wenn ich überflüssig werde, kann man mich schnell wieder loswerden. Eine Kündigung erhielt ich vor lauter Schülern auf dem Flur, mal eben zwischen Tür und Angel. "Frau Wohl, wir können Sie nächstes Schuljahr nicht mehr brauchen." Das war’s. Das war furchtbar. Fünf Minuten später musste ich wieder vor einer Klasse stehen und Unterricht machen.

Ich habe auch schon einmal kurz vor den Ferien eine E-Mail bekommen, dass ich am nächsten Tag den Schlüssel abgeben solle. Das war vor zwei Jahren: An einem Donnerstag kam die überraschende Kündigung per Mail, am Samstag wollte ich eigentlich schon in den Urlaub fliegen. Das habe ich dann auch gemacht. Anfangs konnte ich das aber überhaupt nicht genießen. Ich war übellaunig, musste ständig weinen. Meine Freunde haben mich dann viel getröstet. Irgendwann merkte ich, am meisten beschäftigte mich diese Art, per E-Mail gekündigt zu werden. Geht man so wirklich mit Menschen um? …

Scheinbar weiß wirklich kaum jemand, was gerade Grundschullehrer alles leisten: Bis zu 27 Kinder in der Klasse, unterschiedlicher Herkunft, mit jeder Menge Reibungspunkten. Wenn man diesen Beruf ernst nimmt, ist er ein Knochenjob. Wir Lehrer dürfen ausbaden, dass die Gesellschaft offenbar von jedem Kind heute verlangt, dass es mal studiert, am besten Arzt wird. Mit den enttäuschten Eltern müssen wir dann klarkommen, wenn das Kind keine Gymnasialempfehlung erhält. Wir bekommen immer den Frust ab. Und dafür wird man dann nicht mal anständig bezahlt und kann noch nicht mal in Ruhe den Sommerurlaub genießen.

Wäre ich verbeamtet, würde ich rund 600 Euro netto mehr verdienen. Für die gleiche Arbeit. Das ist für mich eine brüllende Ungerechtigkeit. Nicht die beste Examensnote entscheidet, wer verbeamtet wird. Man muss einfach zu einem günstigen Zeitpunkt das Studium beenden, wenn gerade wieder dringend Lehrer gesucht werden. Vom Mitleid der Kollegen kann ich mir auch nichts kaufen. Ich habe das Glück, dass ich finanziell recht unabhängig bin, ich habe ein Haus geerbt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie das für meine Kollegen sein muss, die noch 800 Euro Miete zu zahlen haben oder noch ihren Studienkredit zurückzahlen müssen. Für sie ist diese Unsicherheit eine einzige Qual.“

https://www.zeit.de/arbeit/2018-08/lehrerinnen-vertretungslehrer-befristung-vertraege-belastung

Susanne Klein: „Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hat vor dramatischen Konsequenzen aus dem Lehrermangel gewarnt. "Der Beginn des Schuljahres in vielen Bundesländern hat gezeigt, dass unser Land in Gefahr ist, langsam in einen Bildungsnotstand hineinzulaufen", sagte der Politiker der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Kauder kritisierte insbesondere die Angewohnheit mancher Bundesländer, Lehrer über die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Dies geschieht vor allem in Baden-Württemberg: Mehr als ein Drittel der im Sommer 2017 bundesweit 4900 betroffenen Lehrer kam dorther. Wer sich so verhalte, dürfe sich nicht wundern, wenn die Lehrer im September dann nicht mehr bereitstünden, sagte Kauder.“

https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-deswegen-muessen-die-laender-das-jetzt-ausbaden-1.4106394

 

Lehrer-Mangel

 

„Der deutsche Lehrerverband sieht in Deutschland einen gravierenden Lehrermangel. "Alles in allem fehlen fast 40.000 Lehrer", so Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger in der "Passauer Neuen Presse". "Einen derart dramatischen Lehrermangel hatten wir in Deutschland seit drei Jahrzehnten nicht mehr."

Derzeit seien in ganz Deutschland rund 10.000 Lehrerstellen nicht besetzt, erklärte Meidinger. Hinzu kämen weitere etwa 30.000 Stellen, die "notdürftig mit Nichtlehrern, Seiteneinsteigern, Pensionisten und Studenten besetzt werden"

Besonders kritisch sei die Situation an Grund- und Förderschulen, sagte Meidinger. Da sei in fast allen Bundesländern die Entwicklung verschlafen und seit Jahren nicht auf den Geburtenanstieg reagiert worden.

In Ländern wie Berlin oder Sachsen müsse von einem Bildungsnotstand gesprochen werden. "Das ist ein Skandal. In Berlin sind 70 Prozent der neu eingestellten Lehrer im Grundschulbereich Seiteneinsteiger ohne jegliche pädagogische Vorbildung."“

https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/lehrermangel-deutschland-100.html

Paul Munzinger: „Kommt ein Kind im Jahr 2012 auf die Welt, dann wird es in der Regel sechs Jahre später eingeschult. Also jetzt. Ist ein Lehrer 2012 jenseits der 60, wird er sechs Jahre später eher nicht mehr unterrichten. Also jetzt. Kann es da so schwer sein, im Voraus zu berechnen, wie viele Lehrer die Schulen brauchen? Müsste es da nicht möglich sein, eine Lage zu vermeiden, wie sie heute vielerorts herrscht?

40.000 Lehrer, so hat der Deutsche Lehrerverband jüngst erklärt, fehlten in diesem Schuljahr. 30.000 Stellen könnten nur notdürftig mit Bewerbern besetzt werden, die keine pädagogische Ausbildung haben. 10.000 Stellen blieben unbesetzt. Die Frage, die gerade immer lauter diskutiert wird: Wie konnte es so weit kommen?

Überraschend deutlich haben nun zwei sehr unterschiedliche Politiker den für die Schulen verantwortlichen Ländern vorgeworfen, den Mangel an Lehrern durch einen Mangel an Planung verschuldet zu haben. Volker Kauder, Unionsfraktionschef im Bundestag, warnte unlängst vor einem "Bildungsnotstand". Er wundere sich, warum trotz steigender Geburtenzahlen nicht schnell genug reagiert worden sei. Zuvor hatte Helmut Holter, als Bildungsminister in Thüringen und Vorsitzender der Kultusministerkonferenz (KMK) für Bildungsfragen tatsächlich zuständig, eingeräumt, dass "keine vorausschauende Politik" gemacht worden sei. Um wenig später klarzustellen, dass es nicht am Willen der Kultusminister mangele, Lehrer einzustellen; das Problem sei vielmehr "das Mantra des Personalabbaus im öffentlichen Dienst".

Vorausschauen, heute die Zahl der Lehrer berechnen, die morgen gebraucht werden: Kann das so schwer sein? Die Frage ist Klaus Klemm zuletzt oft gestellt worden. Und der emeritierte Bildungsforscher von der Uni Duisburg-Essen antwortete: Ja, es ist schwer. Aber das bedeute nicht, dass die Länder keine Fehler gemacht hätten. 1976 hat Klemm ein Buch veröffentlicht, dessen Titel heute verrückt klingt: "Volle Klassen, Lehrerschwemme". Mitte der 60er-Jahre waren die Geburtenzahlen in Westdeutschland eingebrochen, von 1,3 Millionen auf 800.000 zehn Jahre später. Die Folge des "Pillenknicks": Ein Überangebot an Lehrern. Die Länder seien die in den Baby-Boom-Jahren verbeamteten Pädagogen nicht mehr losgeworden - für Finanzminister bis heute ein warnendes Beispiel.

Für Klemm ist es vor allem Beleg dafür, dass die schwerfällige Bedarfsplanung für Schulen einfach nicht hinterherkomme, wenn es abrupte demografische Veränderungen gibt. Nächstes Beispiel: die ehemalige DDR unmittelbar nach der Wende. Kamen dort 1989 noch 200.000 Kinder zur Welt, waren es vier Jahre später 80.000. Wieder gab es zu viele Lehrer, über Jahre wurde kaum eingestellt und kaum ausgebildet. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, der Lehrermangel trifft die ostdeutschen Bundesländer besonders hart.

Nun gebe es wieder eine solche Wende, sagt Klemm: Nach Jahren des Rückgangs kommen seit 2012 wieder mehr Kinder zur Welt. Doch dass der Zuwachs sich verstetigen würde, sei damals nicht abzusehen gewesen. Für einen Trend brauche es drei Pfeile, die in die gleiche Richtung weisen - 2012, 2013 und 2014 also. Die Zahlen für 2014 lagen aber erst 2015 vor. Dazu kam noch die Ankunft Tausender Flüchtlingskinder sowie der starke Zuzug, besonders aus Osteuropa. Aber selbst wenn die Länder sofort reagiert hätten, wäre es aus heutiger Sicht zu spät gewesen. Bis neue Lehrer vor der Klasse stehen, vergehen mindestens sechs Jahre.

Nur höhere Gewalt also? Nein, sagt Klemm. Die meisten Länder hätten viel zu träge reagiert, als der Trend bereits erkennbar war. Die offizielle KMK-Statistik etwa ging noch bis vor wenigen Monaten von sinkenden Schülerzahlen aus. Zweitens hätten viele Länder die Zeit der rückläufigen Schülerzahlen nicht genutzt, um einen Puffer an Lehrern anzulegen, um bei unerwarteten Veränderungen Entlastung zu bieten. Stattdessen sei die Versorgung "unter dem Diktat der Schuldenbremse auf Kante genäht" worden. Drittens unterscheide sich die aktuelle Trendwende von ihren Vorläufern in einem wichtigen Punkt: Sie sei eben nicht Folge höherer Gewalt, sondern von der Politik gewollt und etwa mit dem Ausbau der Ganztagsschule oder der Elternzeit gezielt gefördert worden. Diese Maßnahmen hätten gefruchtet - und jetzt gebe es für die Kinder keine Lehrer.

Bis Mitte der 20er-Jahre, prophezeit Klemm, wird der Lehrermangel zunehmen. Notmaßnahmen wie die Einstellung von Seiteneinsteigern seien unvermeidbar. Klemm hat deshalb vor allem eine Hoffnung: dass die Länder aus ihren Fehlern lernen - und vorsorgen, damit der aktuelle Lehrermangel an den Grundschulen sich nicht in einigen Jahren an den weiterführenden Schulen wiederholt.“

https://www.sueddeutsche.de/bildung/bildung-keiner-da-1.4111110

 

Unterrichten statt Kellnern: Notfall-Maßnahmen

 

Paul Munzinger: „Die Ideen gegen Lehrermangel zeugen von Verzweiflung

Pensionäre werden zurückgeholt, Quereinsteiger eingestellt und nun auch DDR-Erzieherinnen angefragt. Am Grundproblem ändert all das nichts. 

Deutschland ist Lehrermangelland. Die Warnungen vor einem Notstand in den Klassenzimmern sind zur traurigen Sommertradition geworden, seit Jahren begleiten sie den Beginn jedes neuen Schuljahres. Berlin meldete bereits im Juni 1250 unbesetzte Stellen - das gab es noch nie. Die Hauptstadt ist damit Spitze, aber keineswegs einsam. Lücken klaffen überall, die größten in den ostdeutschen Bundesländern und in Nordrhein-Westfalen. Und das Problem wird sich weiter vergrößern: Die Schülerzahlen steigen, die im europäischen Vergleich sehr alten Lehrer werden nicht jünger.

Um die Löcher zu stopfen, überbieten sich die Länder mit Ideen, die sie selbst als kreativ preisen, die aber vor allem von Verzweiflung zeugen. Pensionäre werden zurückgeholt, Gehälter angehoben, Seiteneinsteiger in großer Zahl eingestellt - Studienabgänger also, die im Schnellverfahren zu Pädagogen umgeschult werden sollen. Berlin lockt Studenten mit dem Programm "Unterrichten statt Kellnern" an die Schulen; Thüringen hat bei Erzieherinnen nachgefragt, die noch in der DDR ausgebildet wurden, ob sie nicht an Grundschulen aushelfen können.

Ebenfalls aus Thüringen kommt nun ein Vorschlag, der gegenüber den vielen Notmaßnahmen einen entscheidenden Vorteil besitzt: Statt panisch an den Symptomen herumzudoktern, sucht er nach der Wurzel des Problems. Thüringens Bildungsminister Helmut Holter, als erster Politiker der Linkspartei derzeit Vorsitzender der Kultusministerkonferenz (KMK), regt an, das Studium zu reformieren.

Statt Grund-, Real-, und Gymnasialschullehrer getrennt auszubilden, soll nach Altersstufen unterschieden werden: ein Lehrer für die Mittelstufe etwa, egal an welcher Schule. Die Idee ist nicht neu, hat aber Charme - weil Lehrer kaum an Gymnasien fehlen, an Grund- und Förderschulen dafür umso mehr. Der Lehrermangel ist ein Problem, das vor allem da auftritt, wo es an vielem mangelt, aber nicht an Problemen.

Warum Holters Vorschlag trotzdem keine Lösung ist? Weil er das Grundproblem nicht behebt: Es gibt zu wenig Lehrer. Statt das Studium umzubauen, muss es ausgebaut werden - in vielen Bundesländern geschieht das bereits. Gerade im Osten Deutschlands sind nach der Wende die Studienplätze massiv eingekürzt worden - in der festen Erwartung, die damals rückläufigen Schülerzahlen würden auf ewig weitersinken. Diesem folgenreichen Trugschluss saßen auch die anderen Bundesländer auf. Und an dieser Fehleinschätzung hielten sie in einer Mischung aus Geiz und Trägheit viel zu lange fest.

Dieser Rückblick zeigt auch, woran es in Deutschland vor allem fehlt: an seriöser und koordinierter Planung mit Weitblick. Der Lehrerbedarf hängt maßgeblich von den Schülerzahlen und den Pensionierungen ab - zwei Größen, die sich anhand der Geburtenzahlen und der Altersstruktur der Lehrer mit einigen Jahren Vorlauf prognostizieren lassen. Was sich nicht vorhersagen ließ, war die Ankunft vieler Tausend Flüchtlingskinder seit 2015. Für das Planungsversagen der Länder sind das aber nur mildernde Umstände. Wer vom Lehrermangel überrascht wird, ist selber schuld.

Deshalb lohnt ein Blick nach Baden-Württemberg, wo soeben ein kleiner, aber wichtiger Schritt beschlossen wurde. Dort soll künftig genau erhoben werden, wie viel Unterricht tatsächlich ausfällt. Eine entscheidende Frage, zu der es bislang, man ahnt es, keine Statistik gibt.“

https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-die-ideen-gegen-lehrermangel-zeugen-von-verzweiflung-1.4090066

 

Maßnahmen am Beispiel Berlin

 

Susanne Vieth-Entus: „Personalnotstand auf neuer Stufe: Erstmals hat das Land Berlin 900 Kräfte eingestellt, die kein Schulfach studiert haben. Sie gelten damit nicht einmal als Quereinsteiger.

Nur 37 Prozent der zum neuen Schuljahr eingestellten Lehrkräfte können ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen. Das geht aus Zahlen der bezirklichen Schulpersonalräte hervor, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Mittwoch präsentiert hat. Demnach sind unter den etwa 2.700 neu eingestellten Lehrkräften nur gut 1.000 reguläre Lehrer. Erstmals konnten die Lücken nicht nur durch Quereinsteiger gefüllt werden: Es gibt inzwischen nicht mehr genug Bewerber, die zumindest ein Fach studiert haben, das mit einem Schulfach verwandt ist. Das hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) schon im Juni in Aussicht gestellt und von einem "Gap" bei der Lehrerversorgung gesprochen.

Die Quereinsteiger machen sogar laut GEW nur noch 28 Prozent der Neueinstellungen aus - ihre Gesamtzahl beträgt 750. Die restlichen freien Stellen wurden mit über 900 Lehrkräften besetzt, die kein Schulfach studiert haben. Diese so genannten Lehrer ohne volle Lehrbefähigung ("LovLs") können etwa Archäologen sein, die dann Geschichte unterrichten oder Dozenten, die eine Fortbildung im Bereich "Deutsch als Fremdsprache" vorweisen können. Ihr Anteil an den Neueinstellungen beträgt somit 34 Prozent. Da sie nicht für den Quereinstieg infrage kommen, erhalten sie in der Regel nur Fristverträge.

„Wir erkennen an, dass Senatorin Sandra Scheeres es trotz des gravierenden Fachkräftemangels geschafft hat, alle offenen Stellen zu besetzen“, betonte der Vorsitzende der GEW, Tom Erdmann. „Allerdings musste sich die Senatorin dafür einiger Tricks bedienen". So rechnet die Senatorin erstmals auch Willkommenslehrkräfte, Pensionäre und Masterstudierende in das Einstellungskontingent mit ein, "um die Statistik aufzubessern“. Die Bildungsverwaltung bestritt die GEW-Zahlen nicht, betonte aber, dass diese Lehrkräfte „in hoher Zahl“ von den Schulleitungen selbst eingestellt worden seien.

Es sei „ungeheuerlich“, ihre Einstellung als „erklärten Willen der Schulleitungen darzustellen“, kommentierte Dieter Haase vom Gesamtpersonalrat den Hinweis der Bildungsverwaltung. Die Schulleiter hätten angesichts des Lehrermangels keine Alternative. Diese Lehrkräfte seien gewissermaßen die „Strohhalme“ für Schulleiter, die auf einem „sinkenden Schiff“ säßen.

„Der Einsatz von „Lovls“ ist selbstverständlich besser als unbesetzte Stellen“ meinte die bildungspolitische SPD-Sprecherin Maja Lasic. Jetzt sei es aber entscheidend, die Vorbereitung und Begleitung der Kräfte abzusichern, die es seit diesem Schuljahr für die Quereinsteiger gebe. Ohne den Auf- und Ausbau von Qualifizierungsangeboten „drohen massive Qualitätsverluste im Schulsystem“, mahnte auch Marianne Burkert-Eulitz von den Grünen. Die Bildungsverwaltung kündigte denn auch nach Bekanntwerden der Einstellungszahlen an, die nicht hinreichend ausgebildeten Lehrkräfte „zu qualifizieren, um bei entsprechender Bewährung befristete Verträge zu entfristen“.

Der GEW-Vorsitzende Erdmann wies darauf hin, dass es sich bei den Zahlen um Durchschnittswerte handele und sich der Mangel an Schulen in schwierigen sozialen Lagen vermutlich „noch weit drastischer darstellt“. Er forderte ebenso wie SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Lasic, die Verantwortung für Quereinsteiger und die anderen Lehrkräfte auf alle Schulen „gerecht zu verteilen“.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Hildegard Bentele, kritisierte, dass Scheeres Schulen mit schwieriger Schülerschaft „durch entsprechende Steuerung immer noch nicht davor schützt, dass sie komplett abgehängt werden, weil keine Fachkraft mehr vor Ort ist. „Der Bildungsnotstand ist da und in Berlin ist er hausgemacht von der SPD, die das Ressort seit über 20 Jahren verantwortet“, sagt Bentele. Schon 2017 seien an vielen Schulen über 50 Prozent Quereinsteiger „ohne jegliche pädagogische Ausbildung“ eingestellt worden. „Wir erleben einen dramatischen Niedergang der Unterrichtsqualität, weil Studien- und Referendariatsplätze viele Jahre lang nicht kontinuierlich aufgestockt wurden.“

Tatsächlich haben die Universitäten noch bis 2015 jährlich weit über 1.000 Bewerber für die Lehramtsstudiengänge abgelehnt – insbesondere im Grundschulbereich, wo inzwischen der Mangel am größten ist. Erst als sich abzeichnete, dass es 2016 nur noch 175 ausgebildete Grundschullehrer für 1.000 offene Stellen gab, wurden die Kapazitäten aufgestockt. In den neuen Hochschulverträgen ist erstmals festgeschrieben, dass die Universitäten jährlich 2.000 Lehrer ausbilden müssen. Als Konsequenz gab der Regierende Bürgermeister, Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) am Mittwoch bekannt, dass die Universitäten mindestens 28 zusätzliche Professuren und über 130 weitere wissenschaftliche Stellen für die Lehrerbildung einrichten. Zudem sollen 16 Millionen Euro in neue Seminargebäude für Pädagogik fließen.

Die CDU kritisierte erneut, dass Berlin nicht versucht, mittels Verbeamtung attraktiver für den Nachwuchs zu werden. Weder die Koalition noch die GEW sehen darin eine Lösung der Probleme, weil der Lehrermangel bundesweit auch Bundesländer betrifft, die verbeamten.“

https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-schulen-nur-ein-drittel-der-neuen-lehrer-sind-auch-richtige-lehrer/22914962.html

 

Beispiel aus der Praxis

 

Sandra Stalinski: „Zwei Wochen Crashkurs - und dann Lehrer

In ganz Deutschland fehlen ausgebildete Lehrer - vor allem an Grundschulen. In die Lücke springen vielerorts Quereinsteiger. Doch die sind zum Teil völlig unzureichend vorbereitet.

Friedolin Kramer ist studierter Informatiker. Als Softwareentwickler in der freien Wirtschaft hatte er kein Problem, eine Stelle zu finden. Dennoch entschied er sich ganz bewusst für eine andere Laufbahn: den Lehrerberuf. "Ich hatte in einer Fachzeitschrift einen Artikel über Informatikunterricht gelesen und gemerkt: Das ist es, was ich machen will - mein Fachwissen an junge Menschen weitergeben" …

In Berlin haben lediglich 30 Prozent bei den Neueinstellungen überhaupt eine Lehramtsausbildung. Und nur zwölf Prozent sind regulär für den Grundschulunterricht ausgebildet. Markus Hanisch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) findet das besorgniserregend. "Gerade dort, wo pädagogische Fähigkeiten besonders gefragt sind, ist der Anteil der Quereinsteiger am höchsten." Gleiches gilt beispielsweise für Brennpunktschulen.

Obwohl Quereinsteiger oft mit großer Motivation in den Lehrerberuf starten, sind sie oft nicht gut vorbereitet auf ihren Einsatz in der Schule. "Ich wurde komplett ins kalte Wasser geworfen", erzählt Friedolin Kramer im Gespräch mit tagesschau.de. Anfangs wusste er noch nicht mal, welchen Stoff er seinen Schülern eigentlich vermitteln soll. Die Schulbücher halfen da nicht viel. Denn an einem sogenannten Förderzentrum für Schüler mit Lernbehinderung unterrichtet er in ein und derselben Klasse nicht-deutschsprachige Analphabeten zusammen mit Schülern, die das Niveau einer 5. oder 6. Sonderschulklasse haben.

Noch dazu hat er es an einer Brennpunktschule häufig auch mit sozialen und emotionalen Problemen der Schüler zu tun. Wie er mit all diesen Herausforderungen umgehen soll, das hatte ihm niemand beigebracht. "Einmal ist ein Schüler ausgerastet und ich wusste überhaupt nicht, wie ich reagieren soll", sagt Kramer. Sollte er ihn ins Sekretariat bringen? Was passiert dann mit dem Rest der Klasse? Vor allem bei solchen praktischen Fragen fühlte er sich allein gelassen. "Anfangs hatte ich manchmal das Gefühl, verheizt zu werden.“

Es ist durchaus anerkennenswert, dass Berlin es geschafft hat, die Lücke der unbesetzten Stellen zu schließen, findet auch die GEW. In anderen Bundesländern wie Bremen oder Sachsen gibt es zum Schulstart noch Hunderte offene Stellen. Unbestritten ist allerdings, dass die Qualität des Unterrichts bei mangelnder Ausbildung der Lehrer leidet. Lediglich zwei Wochen Crashkurs bekommen Berliner Quereinsteiger vor Unterrichtsbeginn. Erst im laufenden Schuljahr nehmen sie gemeinsam mit den regulären Referendaren an Fachseminaren teil, in denen sie die praktische Lehrerarbeit lernen.“

https://www.tagesschau.de/inland/quereinsteiger-101.html

 

Fehlendes Geld?

 

Jens Berger: „Seit der Finanzkrise sind die Zinsen europaweit im Keller. Was den Gläubiger ärgert, erfreut naturgemäß den Schuldner und der größte Schuldner ist der Staat. Seit Beginn der Finanzkrise konnten die öffentlichen Haushalte durch die niedrigen Zinsen laut Bundesbank stolze 300 Milliarden Euro einsparen – alleine im letzten Jahr summierte sich die Ersparnis auf 50 Milliarden Euro. Überträgt man dies auf die aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamts, macht das Zinsumfeld demnach bereits mehr als die Hälfte des vermeldeten Überschusses in Höhe von 48,1 Milliarden Euro aus. Maßgeblich für den Überschuss ist also nicht der „Daueraufschwung“, wie es beispielsweise die Tagesschau meldet, sondern die immer noch krisenbedingte mangelnde Nachfrage nach Krediten, die sich als Niedrigzinsphase manifestiert.“

https://www.nachdenkseiten.de/?p=45703

 

Geld wäre also zur Genüge da. Und doch nicht genug, wie diejenigen meinen, die gerne Schulden zurück zahlen wollen. Wenn mensch dieser Meinung sein sollte (wofür es gute Gründe gibt), gibt es zwei Möglichkeiten: Ausgaben senken oder Einnahmen erhöhen. 

Mensch wird immer wieder darauf stoßen, dass völlig unnötig Geld zum Fenster raus geschmissen wird.

Auf Bundesseite gibt es allerdings einen großen Batzen, der zeigt, wo die Prioritäten liegen: ca. 38,5 Milliarden € werden im Jahr 2018 zur „Verteidigung“ ausgegeben https://www.bmvg.de/de/themen/verteidigungshaushalt Wer da auch immer angreifen mag. Das sind ca. 1,2% des Bruttoinlandprodukts. Dieser Satz soll in den nächsten Jahren auf 2% ansteigen – das werden dann ca. 70 Milliarden € pro Jahr sein. Das sind Gelder, die anderswo fehlen bzw. „eingespart“ werden müssen.

Für Steuer-Geschenke an Reiche und Großkonzerne ist immer Geld da – auch da lassen sich jährlich Milliarden-Beträge sparen.

Auf der Einnahmen-Seite ließen sich leicht im oberen Sektor die Steuern erhöhen. Gerne sei daran erinnert, dass der Spitzensteuersatz zu Helmut Kohls Zeiten 53% betrug – heute liegt er bei 42% bzw. 45%.

Da wäre durchaus Luft nach oben.

Auch ohne Steuer-Erhöhungen wäre es sehr leicht möglich, sehr viel mehr Geld zu bekommen. Mensch müsste es nur wollen.

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: „Und hier noch mal die Aussagen zu den Geldern, die jährlich eingespart bzw. zusätzlich eingenommen werden könnten:

„Gutachten besagen, dass allein die Einrichtung einer zentralen Steuerbundesverwaltung eine zweistellige Milliardensumme sparen würde“

"Bis zu 50 Milliarden Euro gehen dem Staat jährlich durch Steuerhinterziehung verloren“

„Nach Schätzung der Deutschen Steuer-Gewerkschaft entgehen dem Staat durch solche Tricks jedes Jahr rund 160 Milliarden Euro.“

Die „zweistellige Milliardensumme“ geht durch den Unwillen der Länder und des Bundes verloren.

Die „bis zu 50 Milliarden Euro“ Steuerhinterziehung sind wohl politisch gewollt.

Die „rund 160 Milliarden Euro“, die dem deutschen Staat durch legale Steuertricks verloren gehen, sind teilweise politisch gewollt (da Steuerschlupflöcher selbst bewusst geschaffen) oder es fehlt der politische Wille, diese zu schließen. Gerade auf internationaler Ebene wäre eine politische Lösung schwierig – aber wenn noch nicht einmal artikuliert wird, dass diese Schlupflöcher geschlossen werden sollten, fühlt sich auch keiner bemüßigt, irgend etwas zu tun.

Über 200 Milliarden Euro jährlich zusätzlich einzunehmen, scheint in der Praxis kaum möglich zu sein. Aber 50 Milliarden Euro wären mit nur ein klein wenig Willen durchaus machbar. Mensch stelle sich nur einmal vor, dass der Staat jährlich 50 Milliarden Euro mehr zur Verfügung hätte. In 10 Jahren wären das zusätzliche 500 Milliarden Euro, in 20 Jahren 1 Billion Euro. Relativ problemlos.

Dadurch, dass da sehr wenig in diese Richtung geht und die Empörung der Bevölkerung bewusst abgelenkt wird auf die vergleichsweisen Kleckerles-Beträge, die zur Unterstützung der sozial Schwachen aufgebracht werden (mensch sehe sich nur an, wie die Arbeitslosen und Sozialhilfe-Empfänger in den Medien dargestellt werden), sollte klar sein, wer in diesem Staat das Sagen hat und für wen der Staat handelt. Die wahren Sozial-Schmarotzer sind nicht ganz unten zu finden. Sie stecken ganz oben.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/117-diebstahl-ungeheuren-ausmasses.html

Mensch könnte denken, dass die aktuelle Misere an den Schulen durch Trottel hervorgerufen wurde. Teilweise mag das auch stimmen. Ein deutscher Beamter mag zwar weltfremd sein, aber dass er so bescheuert ist und nicht planen kann, was in ein paar Jahren sein wird – damit hätte der Wurm auch nicht gerechnet.

Die fehlenden Gelder für die Infrastruktur an Schulen und die Ausbildung an Lehrern sind wahrlich nicht das einzige Ausgaben-Problem: es fehlen im ganzen Land unter anderem Erzieher, Pfleger, Ärzte, Verwaltungsangestellte. In http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/335-selbstjustiz.html hatte der Wurm die dramatischen Zustände im Justiz-Apparat beschrieben und unter anderem in http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/345-der-brueckeneinsturz-zu-genua.html die Folgen mangelnder Investitionen im öffentlichen Bereich.

Diejenigen, die seit Jahren und Jahrzehnten über den hohen Wert der Bildung daher reden, sind jetzt endgültig als Lügner entlarvt.

Trottel mögen an diesem Spiel auch beteiligt sein – aber hauptsächlich handelt es sich um Kriminelle, die sich und ihren Kumpels aus der internationalen Verbrecher-Bande gegenseitig die Gelder zuschanzen und den öffentlichen Raum verkommen lassen.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm