„Können Sie mich hören?

Es war großartig, in dieser Zeit gelebt zu haben und Forschung in der theoretischen Physik zu betreiben.

Unser Bild vom Universum hat sich in den letzten 50 Jahren sehr verändert, und ich bin froh, dazu einen kleinen Beitrag geleistet zu haben.

Dass wir Menschen, eine Ansammlung kleiner Partikel der Natur, es geschafft haben, so viel von den Gesetzen zu verstehen, denen wir und unser Universum unterworfen sind, ist ein großer Erfolg.

Ich möchte meine Aufregung und Begeisterung für dieses Streben teilen.

Bitte erinnern Sie sich daran, zu den Sternen zu blicken, und nicht auf Ihre Füße. Versuchen Sie, einen Sinn in dem zu erkennen, was Sie sehen und fragen Sie sich, was das Universum existieren lässt.

Bleiben Sie neugierig!

Und auch, wenn das Leben manchmal schwierig erscheint – es gibt immer etwas zu tun, um es zum Gelingen zu bringen.

Das Wichtigste ist, dass Sie nicht aufgeben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“

 

Aus „Wikipedia“: „Stephen Hawking starb am 14. März 2018 im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Cambridge. Am 31. März fand in der Kirche St. Mary the Great im Zentrum von Cambridge eine private Trauerfeier mit etwa 500 Gästen statt, zu der in erster Linie Familienmitglieder, Freunde und Kollegen eingeladen wurden. Eine große Menschenmenge wohnte vor der Kirche dem Gottesdienst bei. Sechs Kollegen Hawkings vom Gonville and Caius College trugen den Sarg in die Kirche, die Glocke schlug für jedes Lebensjahr Hawkings einmal. Nach der Trauerfeier wurde Hawkings Leichnam zur Einäscherung gebracht.

Am 15. Juni 2018 wurde die Asche Hawkings im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes in der Westminster Abbey in London beigesetzt. Sein Grab liegt zwischen den Gräbern Sir Isaac Newtons und Charles Darwins. Mit seiner Beisetzung in der Westminster Abbey erhielt Hawking "die höchste Ehre, die einem berühmten Wissenschaftler auf der Insel zuteil werden kann". 25.000 Briten hatten sich zuvor an einer Lotterie beteiligt, mit deren Hilfe die 1.000 Besucherplätze in der Westminster Abbey vergeben wurden. Die letzten Naturwissenschaftler, die vor Hawking mit einer Beisetzung in der Westminster Abbey geehrt wurden, waren 1937 Ernest Rutherford und 1940 Joseph John Thomson gewesen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking

 

Eine kurze Geschichte über Stephen Hawking

 

Rüdiger Vaas im Jahr 2017: „"Mein Ziel ist einfach: das vollständige Verständnis des Universums – warum es ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert", sagte Stephen Hawking einmal. Der berühmteste Wissenschaftler der Gegenwart hat die ganz großen Fragen nie gescheut. Er gehört allerdings auch zu den wenigen, die dazu beitragen, Antworten näher zu kommen.

In Fachkreisen fanden Hawkings Forschungen schon Ende der 1960er-Jahre Beachtung und sorgten Mitte der 1970er für Aufregung. Seit seinem Weltbestseller Eine kurze Geschichte der Zeit von 1988 ist er auch einem Millionenpublikum bekannt; weitere populärwissenschaftliche Bücher setzen diesen Erfolg bis heute fort.

Das alles ist eine kaum zu ermessende Leistung. Denn bereits 1963, kurz nach seinem 21. Geburtstag, diagnostizierten Ärzte bei Hawking Amyotrophe Lateralsklerose und prophezeiten ihm eine Lebenserwartung von nur noch wenigen Jahren. Bei dieser schrecklichen Erkrankung sterben nach und nach die Nervenzellen zu den Muskeln, was zur vollständigen Lähmung führt.

Trotzdem konnte Hawking sein Studium sowie eine Promotion abschließen und Spitzenforschung vollbringen. 1979 wurde er, längst im Rollstuhl, sogar auf den Lucasischen Lehrstuhl der University of Cambridge berufen, den vor 300 Jahren Isaac Newton inne hatte.

Aufgrund eines Luftröhrenschnitts kann sich Hawking seit 1985 nur noch mit einem Sprachcomputer verständigen. Er bedient ihn buchstäblich mit seinem letzten Zucken, indem er mit Bewegungen der Augen oder rechten Wange mühsam Buchstabe für Buchstabe in das Programm eingibt – bestenfalls zwei bis drei Wörter pro Minute.

Mit diesem tragischen Schicksal passt Hawking perfekt zum Klischee des im regungslosen Körper gefangenen genialen Geistes, der die Grenzen der Erkenntnis zu sprengen trachtet – handeln seine Forschungen doch von den abstraktesten, entlegensten und kompliziertesten Themen: Schwarzen Löchern, Urknall, Zeitreisen, Relativitätstheorie, Quantenphysik und der Suche nach einer Weltformel, die alle Teilchen und Kräfte erklärt. Kein Zufall, dass er zum Medienstar wurde! Hawking selbst sieht es ähnlich: "Ich bin sicher, dass meine Behinderung eine Rolle spielt, warum ich so bekannt bin. Die Menschen sind fasziniert von dem Kontrast zwischen meinen sehr eingeschränkten physischen Kräften und der gewaltigen Natur des Universums, mit der ich mich beschäftige. Ich bin der Archetypus des behinderten Genies. Doch ob ich ein Genie bin, kann bezweifelt werden."

Die Kombination von kosmologischer Größe und gravierender Krankheit machte aus Hawking sogar eine Art Filmheld. 2004 erschien ein TV-Spielfilm über seine Jugend bis zur Dissertation, 2014 sogar ein Kinofilm, für den der Hawking-Darsteller Eddie Redmayne einen Oscar bekam; bereits 1991 lief im Kino eine Dokumentation über Hawkings Forschungen mit vielen Interviews seiner Weggefährten. Hinzu kommen mehrere Wissenschaftsfilme von, mit und über Hawking im Fernsehen.

Hawking ist auch ein Teil der Popkultur: Er hatte Gastauftritte in den TV-Serien Raumschiff Enterprise und The Big Bang Theory sowie als Zeichentrickfigur bei den Simpsons und in der Science-Fiction-Serie Futurama; seine Computerstimme kommt im Song Keep Talking von Pink Floyd vor; und es gibt Hawking sogar als Lego-Figur.

Nach wie vor stellt Hawking mit jedem Tag einen neuen erstaunlichen medizinischen Rekord auf – was sicherlich nicht nur seinem Überlebenswillen, seinem Humor und der guten medizinischen Versorgung zu verdanken ist. "Meine Behinderung hat meine wissenschaftliche Arbeit nicht wesentlich beeinträchtigt. Tatsächlich war sie in mancherlei Hinsicht eher von Vorteil: Ich brauchte keine Vorlesungen zu halten, und ich musste nicht an langweiligen und zeitraubenden Institutssitzungen teilnehmen. Auf diese Weise konnte ich mich uneingeschränkt meiner Forschung hingeben."

Ende Oktober 2009 wurde Hawking emeritiert, was bei seinem Antritt keiner gedacht hatte. Von Ruhestand kann freilich keine Rede sein. Hawking hat eine große Familie (drei Kinder und drei Enkel; mit seiner Tochter Lucy schrieb er bereits fünf Kinderbücher). Wenn sein Gesundheitszustand es erlaubt, hält er Vorträge, tritt im Fernsehen und Radio auf. Und er forscht mit seinen Kollegen weiter. So veröffentlichte er in den letzten Jahren mehrere umfangreiche Beiträge zu diffizilen Fragen der Kosmologie und zu den mysteriösen Schwarzen Löchern.

Hawking führt also keine vergeistigte oder weltabgewandte Existenz. Er sorgt sich sehr um die Zukunft der Menschheit und versucht sie mit seinen bescheidenen Mitteln mitzugestalten.“

https://hpd.de/artikel/wissenschaft-wird-gewinnen-weil-sie-funktioniert-13941

 

Wissenschaft

 

Markus Becker: „Der Brite galt als einer der Geistesgiganten der Gegenwart - und nicht wenige hielten ihn für das Genie, das Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie eines Tages mit der Quantenmechanik versöhnen könnte. Doch das Resultat dieser Fusion der großen Ideen, die alles erklärende Weltformel, nach der sich Physiker bis heute sehnen, wird Hawking nicht mehr entwickeln können …

In den folgenden Jahren begründete Hawking seinen wissenschaftlichen Ruhm: In den späten Sechzigerjahren konnte er mit seinem Kollegen und Mentor Roger Penrose neue mathematische Erkenntnisse über Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie gewinnen. Zusammen bewiesen sie die sogenannten Singularitäten-Theoreme. Damit zeigten sie, dass Singularitäten - die sich auch im Zentrum Schwarzer Löcher finden - keine Ausnahme, sondern eher die Regel in Einsteins Raumzeit sind.

Ein weiteres Ergebnis von Hawkings Arbeit ist die nach ihm benannte Strahlung von Schwarzen Löchern. Die Theorie besagt, dass Schwarze Löcher subatomare Partikel ausstoßen, bis sie ihre Energie verbraucht haben, und sich so selbst auslöschen. Allerdings wurde die Hawking-Strahlung bisher noch nie direkt nachgewiesen - was unter anderem Kritiker des Large Hadron Collider (LHC) am Forschungszentrum Cern bei Genf auf den Plan rief. Die Gegner des Riesen-Teilchenbeschleunigers warnten vor dem Weltuntergang, da sie befürchteten, im LHC produzierte winzige Schwarze Löcher könnten eben nicht - wie von Hawking vorhergesagt - blitzschnell wieder verschwinden.

Stattdessen könnten sie immer größer werden und nach einiger Zeit die Erde verschlucken. Inzwischen läuft der LHC seit Ende 2009 - und wir sind noch da. Nebenbei bewies der Teilchenbeschleuniger auch, dass selbst ein Hawking irren kann. Der Physiker hatte darauf gewettet, dass das sogenannte Higgs-Boson, das anderen Partikeln ihre Masse verleiht, nie gefunden werden würde. 2012 wurde er eines Besseren belehrt - und musste einem Kollegen 100 Dollar zahlen.

Hawking hat wissenschaftliche Beiträge über zahlreiche weitere Themen verfasst, insbesondere auf dem Gebiet der Kosmologie. Seine Arbeiten über die Natur von Raum und Zeit, Stringtheorie und Supergravitation ließen manche Kollegen annehmen, er könne womöglich auch die sogenannte Weltformel entwickeln. Die, so hoffen Physiker, würde die Allgemeine Relativitätstheorie und die Welt der subatomaren Partikel, die die Quantenmechanik beschreibt, vereinen. Denn jenseits gewisser Grenzen brechen beide Theorien in sich zusammen. Doch 2009 setzte sich Hawking zur Ruhe: Er gab den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der University of Cambridge auf, den zuvor unter anderem Sir Isaac Newton innegehabt hatte.“

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/stephen-hawking-ist-tot-eine-kurze-geschichte-ueber-stephen-hawking-a-1198060.html

Rüdiger Vaas in seinem Buch „Hawkings Kosmos – einfach erklärt“:

„Stephen Hawkings wichtigste Leistung in der Kosmologie ist eine doppelte: Zuerst bewies er den Urknall als Beginn unseres Universums im Rahmen der Relativitätstheorie - und zugleich, dass diese an der mysteriösen Grenze der Raumzeit zusammenbricht. Danach machte er sich daran, diese Grenze zu überwinden, um erklären zu können, wie es zum Urknall kam.

Hawkings wissenschaftliche Karriere setzte mit einem Paukenschlag ein. Denn seine Doktorarbeit von 1966 erweiterte den Horizont der Erkenntnis ungeheuerlich - und definierte zugleich eine brachiale Grenze. Im Gegensatz zu den Dissertationen in bestimmten Politiker-Kreisen, die mangels origineller Ideen hemmungslos aus anderen Arbeiten abschreiben und nicht die Forschung zum Ziel haben, sondern lediglich unverschämte Wichtigmacherei und Bereicherung, erschloss Hawkings akademische Eintrittskarte nicht nur neue Einsichten, sondern führte darüber hinaus bis an den Beginn von Raum und Zeit.

Hawking konnte beweisen, dass unser Universum einen Anfang hat. Die Zeit währt also nicht ewig, sondern die Vergangenheit ist endlich. Zumindest gilt das mit einigen gut begründeten Zusatzannahmen im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie und somit der klassischen Physik.

Verfolgt man nämlich die gegenwärtige Ausdehnung des Weltraums rechnerisch zurück - so als würde man den kosmischen Film rückwärts ablaufen lassen -, dann kommt man unweigerlich an einen Punkt in den mathematischen Gleichungen, an dem es nicht mehr weiter geht: die sogenannte Singularität“.

 

 

 

Die Frage nach „Gott“

 

Rüdiger Vaas in seinem Buch „Hawkings Kosmos – einfach erklärt“:

„„Es ist nicht nötig, Gott als den ersten Beweger zu bemühen, der das Licht entzündet und das Universum in Gang gesetzt hat", schlossen Hawking und Mlodinow aus den quantenkosmologischen Hypothesen zum Verständnis des Urknalls. Mit anderen Worten: Der schon von Anstoteles behauptete Erste Beweger als göttliche Ursache von allem, zugleich Ziel des späteren sogenannten kosmologischen Gottesbeweises ist Hawking zufolge eine unnötige und sogar unhaltbare Annahme.

Weil Hawking der berühmteste Kosmologe der Gegenwart ist, sorgte sein jüngstes Buch wie die früheren für große mediale Aufmerksamkeit - obwohl es nicht viel Neues enthält. Das betrifft auch theologische Fragen. Denn schon zuvor hatte Hawking mehrmals deutlich gemacht, dass er keine Gründe sieht, an die Existenz eines Schöpfers zu glauben. Die von manchen Journalisten konstruierte Wendung Hawkings in Der Große Entwurf zum Atheisten ist daher keine. Hawking hatte nie einen Theismus propagiert, also einen Glauben an einen persönlichen Schöpfergott …

In einem kurzen Interview in der britischen Zeitung The Guardian wurde Hawking im Mai 2011 noch deutlicher. Hier wurde er wiederum nach religiösen Sinngebungen befragt, auch angesichts der Sterblichkeit: „Ich habe die letzten 49 Jahre mit der Erwartung eines baldigen Todes gelebt. Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich habe es nicht eilig zu sterben. Ich möchte noch so vieles vorher tun. Ich halte das Gehirn für eine Art Computer, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Bestandteile versagen. Es gibt keinen Himmel oder ein Leben nach dem Tod für defekte Computer; das ist ein Märchen für Leute, die Angst vor dem Dunkeln haben."

Ebenso wenig sieht Hawking einen Grund für die Annahme eines fürsorglichen Schöpfers: „Wir sind so unbedeutende Kreaturen auf einem kleinen Planeten eines sehr durchschnittlichen Sterns in den Außenbezirken von einer Galaxie unter 100 Milliarden anderen im beobachtbaren All. Daher ist es schwer, an einen Gott zu glauben, der sich um uns kümmert oder auch nur unsere Existenz bemerkt."

Weil die leidige Urknall-Singularität mit dem Keine-Grenzen-Vorschlag von Hawking - und ebenso mit konkurrierenden Erklärungsversuchen - vermieden wird, ist die Frage, wie es zum Urknall kam, zu einem Gegenstand der physikalischen Kosmologie geworden. „Das Universum gibt es, weil die Allgemeine Relativitätstheorie und die Quantentheorie seine Existenz ermöglichen und erfordern", spitzt es Hawking zu. „Wenn ich Recht habe, ist das Universum in sich selbst gegründet und wird von den Naturgesetzen allein regiert."

Wenn die physikalische Beschreibung des Universums an einer Singularität enden würde, „könnte die Wissenschaft die Aussage machen, dass das Universum einen Anfang gehabt haben muss, sie könnte aber nicht vorhersagen, wie dieser Anfang ausgesehen hätte. Dazu müsste man den lieben Gott herbeibemühen", schreibt er. Inzwischen zeigen kosmologische Modelle allerdings, auch Hawkings eigenes, dass man durchaus physikalische Erklärungen finden kann. „In imaginärer Zeit gäbe es keine Singularität, an der die wissenschaftlichen Gesetze ihre Gültigkeit verlören, das Universum hätte keinen Rand, an dem man sich auf Gott berufen müsste. Das Universum würde weder erschaffen noch zerstört. Es wäre einfach da."

Die Frage nach dem Ursprung des Universums - oder Multiversums - will Hawking also nicht länger dem Alleinerklärungsanspruch der Religionen überlassen. Ein Rückgriff auf einen Schöpfer verschiebt zudem die Probleme nur. Doch es ist möglich, „diese Fragen ausschließlich in den Grenzen der Naturwissenschaft und ohne Rekurs auf göttliche Wesen zu beantworten". Hawkings eigenes quantenkosmologisches Modell ist ein Beispiel dafür. Es eliminiert die Erklärungslücke der Urknall-Singularität, die die Relativitätstheorie nicht zu schließen vermag, und die manche Theologen mit Gott als eine Art Lückenbüßer zu füllen versuchten - Papst Pius XII. hatte dabei 1951 sogar einen neuen Gottesbeweis erwogen.

„Die Erkenntnis, dass die Zeit sich wie Raum verhält, liefert eine neue Alternative", betont Hawking. „Sie entkräftet den uralten Einwand gegen die Auffassung, das Universum habe einen Anfang, bedeutet aber auch, dass der Anfang des Universums von den Gesetzen der Wissenschaft bestimmt wurde und nicht von irgendeinem Gott angestoßen werden musste." Ein Erster Beweger ist Hawking zufolge also eine überflüssige und sogar unhaltbare Annahme. „Spontane Erzeugung ist der Grund, warum etwas ist und nicht einfach nichts, warum es das Universum gibt, warum es uns gibt."

Und das gilt auch für das Multiversum - für die Vielzahl der Universen, die gleichsam aus dem Nichts entsprangen. „Ihre Schöpfung ist nicht auf die Intervention eines übernatürlichen Wesens oder Gottes angewiesen. Vielmehr ist diese Vielfalt von Universen eine natürliche Folge der physikalischen Gesetze", schreiben Hawking und Mlodinow in Der Große Entwurf. Das behaupten sie jedoch nicht einfach, sondern verstehen es kühn als „eine naturwissenschaftliche Vorhersage".

In einem Interview im israelischen Fernsehen hatte Hawking diese These bereits 2007 bekräftigt: „Ich denke, dass das Universum spontan aus dem Nichts entstand gemäß den Gesetzen der Physik." In gewisser Weise habe es weder Anfang noch Ende. „Die Grundannahme der Wissenschaft ist der wissenschaftliche Determinismus: Die Naturgesetze bestimmen die Entwicklung des Universums, wenn sein Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben ist. Diese Gesetze können von Gott erlassen worden sein oder nicht, aber er kann nicht eingreifen und die Gesetze brechen, sonst wären es keine Gesetze. Gott bliebe allenfalls die Freiheit, den Anfangszustand des Universums auszuwählen. Aber selbst hier könnten Gesetze herrschen. Dann hätte Gott überhaupt keine Freiheit."

Dies sind freilich etwas missverständliche metaphorische Formulierungen, denn die Naturgesetze und Theorien existieren nicht an und für sich und „bewirken" nichts - doch das meint Hawking auch nicht (im Gegensatz zu manchen Philosophen). Vielmehr sind die Naturgesetze wissenschaftliche Beschreibungen und Modelle von gemessenen Regelmäßigkeiten der Natur.“

 

Populär-Wissenschaft

 

Stephen Hawking im Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit – Die Suche nach der Urkraft des Universums“:

„1982, nach den Loeb-Vorlesungen an der Harvard University, entschloß ich mich zu dem Versuch, ein allgemeinverständliches Buch über Raum und Zeit zu schreiben. Es gab bereits Bücher über das frühe Universum und Schwarze Löcher, darunter sehr gute wie „Die ersten drei Minuten" von Steven Weinberg, aber auch sehr schlechte, die ich hier lieber nicht nenne. Doch stellte ich fest, daß keines sich wirklich mit den Fragen auseinandersetzt, die mich zu meinen Forschungsarbeiten in der Kosmologie und Quantentheorie veranlaßt haben: Woher kommt das Universum? Wie und warum hat es begonnen? Wird es enden? Und wenn, wie wird dies Ende aussehen? Das sind Fragen, die uns alle angehen. Doch die moderne Naturwissenschaft ist so komplex geworden, daß nur noch wenige Spezialisten über die mathematischen Voraussetzungen verfügen, um nach den Antworten auf diese Fragen zu suchen. Dennoch lassen sich die Grundgedanken über den Ursprung und das Schicksal des Universums ohne Mathematik in einer Form schildern, die auch ein Leser ohne naturwissenschaftliche Vorbildung verstehen kann. Dies versuche ich in meinem Buch. Der Leser mag beurteilen, ob es mir gelungen ist.“

Rüdiger Vaas: „Und was hat er alles ge- und erdacht! Wenige haben sich den grundlegendsten Fragen über die Welt so gestellt wie er – und noch weniger haben Antworten gefunden, die bleiben. Oder zumindest wesentliche Stufen sind zu noch fundamentaleren Einsichten.

Davon handeln "Eine kurze Geschichte der Zeit" und seine zahlreichen weiteren Bücher, Aufsätze und Vorträge, mit denen er ein großes Publikum erreicht hat. Neben seinen gigantischen Verdiensten als Wissenschaftler hat er daher auch einen wichtigen Beitrag zur "Wissenschaftskommunikation" geleistet, wie die populärwissenschaftliche Darstellung heute oft etwas hochtrabend genannt wird. Und was wäre auch faszinierender als der Urknall, die Bildung und Auflösung Schwarzer Löcher, Gravitationswellen als Kräuselungen der Raumzeit, der Mensch und sein Verhältnis zu den Naturgesetzen, die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Zeitreisen, Wurmlöchern und Paralleluniversen?“

https://hpd.de/artikel/stephen-hawking-war-vorbild-forscher-und-mensch-15373

Hubert Mania in „Das große Stephen-Hawking-Lesebuch – Leben und Werk“:

„Denn darum geht es in diesem Lesebuch: Die Denkwelt des Ausnahmephysikers Stephen Hawking zu ermessen und der Faszination nachzuspüren, die von seinem Werk und von seinem Lebensweg ausgeht. Hawking ist einer jener raren wissenschaftlichen Wegbereiter, die als Vermittlungskünstler hochkomplexe Fragestellungen der theoretischen Physik einem aufgeschlossenen Laienpublikum anschaulich nahe bringen können. Es ist ihm gelungen, den Funken der eigenen Begeisterung auf eine weltweite Lesergemeinde überspringen zu lassen. Mit seinem eigens für Laien geschriebenen Buch Eine kurze Geschichte der Zeit, dem größten Sachbuch-Bestseller des 20. Jahrhunderts, hat er 1988 einen beispiellosen Boom für die Forschungsbereiche Astronomie und Kosmologie ausgelöst und dadurch entscheidend zu deren Popularisierung beigetragen.

War er bereits Mitte der 70er Jahre unter Fachkollegen ein weltweit anerkannter und berühmter Kollege, dessen erstes Buch, The Large Scale Structure Of Spacetime, nach wie vor als ein Standardwerk der klassischen Relativitätstheorie gilt, so katapultierte ihn der Welterfolg von Eine kurze Geschichte der Zeit in eine Dimension der Popularität, die fast schon an den Kultstatus eines Popstars erinnert. Das gelähmte Genie im Rollstuhl kann zwar nicht mehr sprechen und nur noch zwei Finger bewegen. Mit seinem ungetrübten Verstand aber berechnet Hawking die Entwicklungsgeschichte des Weltalls und ergründet die Natur der Zeit.

In gewisser Weise hat er auch zur Demokratisierung theoretischer Grundlagenforschungen beigetragen. Seit dem Erscheinen seines Erfolgsbuchs artikuliert ein großes Publikum viel vehementer als in früheren Zeiten das Bedürfnis, am Wissen der Forscher teilzuhaben und in verständliche Sprache übersetzt zu bekommen, welche Konsequenzen ihre Entdeckungen haben. Seit dem Erscheinen von Eine kurze Geschichte der Zeit ist das öffentliche Interesse an Nachrichten aus den großen Observatorien, den Forschungsstätten der theoretischen Physik und den Funkdaten von Sonden und Teleskopen aus dem All in erstaunlichem Maße gewachsen. Es vergeht kaum ein Monat, ohne dass eine bahnbrechende Nachricht über den Stand der Erforschung Schwarzer Löcher oder die Struktur des frühen Universums veröffentlicht wird - und zwar längst nicht mehr nur in renommierten Fachzeitschriften, sondern auch in Tageszeitungen und Magazinen, deren Redakteure auf derart exotische Neuigkeiten früher nur mit einem Achselzucken reagiert hätten.“

 

 

Die Krankheit und der Umgang damit

 

ALS

 

Aus „Wikipedia“: „1963 wurde bei Hawking Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert, eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Mediziner prophezeiten ihm, nur noch wenige Jahre zu leben. Allerdings handelte es sich vermutlich um eine chronisch juvenile ALS, die durch einen extrem langen Krankheitsverlauf gekennzeichnet war. Seit 1968 war er auf einen Rollstuhl angewiesen. Im Rahmen der Grunderkrankung (konsekutive progressive Bulbärparalyse) und der Behandlung einer schweren Lungenentzündung verlor er 1985 die Fähigkeit zu sprechen. Für die verbale Kommunikation nutzte er seitdem einen Sprachcomputer.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking

Hubert Mania: „Da ALS ausschließlich das motorische Nervensystem betrifft, wird die sinnliche Wahrnehmung nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Kranke kann ohne Beeinträchtigung sehen, hören, riechen und schmecken. Schmerz- und Berührungsempfindungen bleiben normal. Die Funktionen von Blase und Darm sind ebenfalls nicht gestört. Und auch die Großhirnrinde ist nicht betroffen, sodass sämtliche kognitiven Fähigkeiten erhalten bleiben.“

 

Extended Phenotype und positives Denken

 

Nach der ersten Diagnose war Stephen Hawking so niedergeschlagen, wie es alle anderen auch wären.

Danach ließ er sich nicht entmutigen, setzte seine Arbeiten fort, versuchte das Beste daraus zu machen und erkannte die Vorteile der Krankheit, so seltsam das auch klingen mag.

Aus einem früheren Beitrag des Wurms: “Welches ist das schnellste Tier der Erde? Welches kann am besten sehen, welches am besten hören?

Wer etwas anderes als „Mensch“ sagt, ist noch im alten Denken behaftet.

Der Gepard ist schneller als der Mensch? Dann schlägt der Wurm ein Wettrennen vor. Gepard gegen Mensch. Jeder Hannebambel von Mensch kann in einem beliebigen Mittelklassewagen dem Geparden davon fahren und diesem eine lange Nase drehen.

Mit Hilfe von Werkzeugen und Maschinen macht sich der Mensch besser, als er ist und dringt in Welten vor, die ansonsten lebensfeindlich für ihn wären.

Mitunter befinden sich Maschinen selbst im Körper eines Menschen und sorgen für dessen Überleben.

Der Begriff „Extended Phenotype“ (erweiterter Phänotyp) stammt vom Biologen Richard Dawkins und bezieht sich nicht nur auf den Menschen (Vogelnester oder Termitenhügel sind Beispiele dafür).“

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Extended_Phenotype

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/178-die-mensch-maschine.html

Nachdem es mit Krücken nicht mehr ging, musste Stephen Hawking widerwillig den Rollstuhl benutzen. Um bald zu erkennen, dass er sich damit wesentlich schneller fortbewegen konnte als vorher (und sogar wieder „tanzen“ konnte).

Als er gar nicht mehr sprechen konnte, erkannte er, dass er sich mit dem Sprach-Computer wesentlich besser und wesentlich schneller ausdrücken konnte als vorher.

 

Konzentriertes Denken

 

Es gibt Menschen, die müssen unaufhörlich denken. Dabei geht es ausschließlich um sie selbst und um ihren unmittelbaren Lebensbereich. Und da sie dermaßen auf sich selbst fixiert sind, können sie sich weder in andere Menschen hineinversetzen noch Situationen korrekt erkennen und analysieren. Mit dem Ergebnis, dass sie das Denken auch gleich hätten bleiben lassen können. Sollten sie mal so etwas wie eine Lösung eines ihrer vielen Probleme durch Denken erkannt haben, sind sie meistens unfähig, die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Und es gibt Menschen, die wollen unaufhörlich denken. Weniger über sich selbst als vielmehr über die Gesamt-Zusammenhänge. Wo die auch immer liegen mögen. Solchen Menschen bereitet es großes Vergnügen, ihre Gedanken aneinanderzureihen, fortzuentwickeln und schließlich zu einem Ergebnis zu kommen. Und kein Problem damit zu haben, Fehler als Fehler zu erkennen, sie (auch öffentlich) als solche zu bezeichnen und mit den neu erworbenen Erkenntnissen weiterzumachen.

Entsprechend ist ihnen Dogmatismus fremd, sie „verrennen“ sich nie in eine Sache und halten nicht viel von Menschen, die Fehler nicht zugeben können, auch nicht vor sich selbst.

Stephen Hawking im Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit – Die Suche nach der Urkraft des Universums“: „Der Anfang und das Ende in der realen Zeit können sehr verschieden voneinander sein. Ich wurde auch irregeführt durch eine Arbeit über ein einfaches Modell des Universums, in der ich zu dem Ergebnis gekommen war, daß die Kollapsphase wie die zeitliche Umkehrung der Ausdehnungsphase aussähe. Doch mein Kollege Don Page von der Penn State University konnte zeigen, daß die Keine-Grenzen-Bedingung nicht unbedingt zu dieser Annahme zwinge. Überdies stellte Raymond Laflamme, einer meiner Studenten, fest, daß schon in einem etwas komplizierteren Modell der Zusammensturz des Universums ganz anders verläuft als die Ausdehnung. Mir wurde klar, daß ich einen Fehler gemacht hatte: Aus der Keine-Grenzen-Bedingung folgte, daß die Unordnung auch während der Kontraktionsphase zunehmen würde. Danach kommt es zu keiner Umkehrung des psychologischen und des thermodynamischen Zeitpfeils während der Kontraktion des Universums oder im Innern Schwarzer Löcher.

Was soll man tun, wenn man feststellt, daß man einen solchen Fehler begangen hat? Manche Menschen geben nie zu, daß sie unrecht haben, und finden ständig neue, oft sehr widersprüchliche Argumente, um ihren Standpunkt zu vertreten - wie Eddington, als er sich gegen die Theorie der Schwarzen Löcher wandte. Andere behaupten, sie hätten die falsche Auffassung niemals vertreten oder wenn doch, dann nur, um zu zeigen, daß sie unhaltbar sei. Mir erscheint es weit besser und klarer, wenn man schwarz auf weiß zugibt, daß man sich geirrt hat. Man denke an Einstein, der die kosmologische Konstante, die er einführte, um ein statisches Modell des Universums aufrechterhalten zu können, als größten Fehler seines Lebens bezeichnete.“

Stephen Hawking war so ein Denker, dem es große Freude machte, immer wieder neue Gedanken-Modelle zu entwickeln und zu immer wieder neuen Ergebnissen zu kommen. So paradox das klingen mag: gerade durch seine Behinderung konnte er sich auf seine Lieblings-Beschäftigung konzentrieren. Im Gegensatz zu seinem restlichen Körper funktionierte sein Gehirn einwandfrei.

Er musste sich nicht um Äußerlichkeiten kümmern, war kaum an gesellschaftliche Verpflichtungen und Konventionen gebunden und konnte sich sehr viel mehr auf sein Denken konzentrieren. Volle Fahrt voraus! Im Gegensatz zu allen anderen Lieblings-Beschäftigungen tritt beim „lustvollen Denken“ nie eine Sättigung ein.

 

Humor

 

Stephen Hawking hatte einen besonderen Humor, den er nie verloren hat. Hier ein paar Beispiele davon (aus den Büchern „Eine kurze Geschichte der Zeit – Die Suche nach der Urkraft des Universums“, „Das große Stephen-Hawking-Lesebuch – Leben und Werk“ und „Hawkings Kosmos – einfach erklärt“):

„Im August 1990 waren weltweit acht Millionen Exemplare des Buches verkauft, und der Rummel um Hawkings Person nahm teilweise groteske Züge an. Im Gegensatz zu Jane und den Kindern genoss er es, wenn er auf dem Weg durch Cambridge auf sein Buch angesprochen wurde. Und für den Fall, dass wieder einmal amerikanische Touristen mit dem Finger auf ihn zeigten und ausrufen sollten: „Schaut mal, da ist Steve Hawkins!“, hatte er einen Standardspruch für seinen Computer programmiert: Ich werde ständig mit diesem Mann verwechselt.“

„Wie wir noch sehen werden, ist ein Zeitbegriff vor Beginn des Universums sinnlos. Darauf hat schon Augustinus hingewiesen. Als er gefragt wurde: Was hat Gott getan, bevor er das Universum erschuf?, erwiderte er nicht: Er hat die Hölle gemacht, um einen Platz für Leute zu haben, die solche Fragen stellen. Seine Antwort lautete: Die Zeit sei eine Eigenschaft des von Gott geschaffenen Universums und habe vor dessen Beginn nicht existiert.“

„Hat das Universum tatsächlich einen Anfang oder ein Ende? Und wenn, wie sehen sie aus?

In den siebziger Jahren habe ich mich vor allem mit Schwarzen Löchern beschäftigt, doch 1981 begann ich mich erneut für den Ursprung und das Schicksal des Universums zu interessieren. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich auch an einer Konferenz über Kosmologie teil, die von den Jesuiten im Vatikan veranstaltet wurde. Die katholische Kirche hatte im Falle Galilei einen schlimmen Fehler begangen, als sie eine Frage der Wissenschaft zu entscheiden suchte, indem sie erklärte, die Sonne bewege sich um die Erde. Jahrhunderte später hatte sie nun beschlossen, eine Reihe von Fachleuten einzuladen und sich von ihnen in kosmologischen Fragen beraten zu lassen. Am Ende der Konferenz wurde den Teilnehmern eine Audienz beim Papst gewährt. Er sagte uns, es spreche nichts dagegen, daß wir uns mit der Entwicklung des Universums nach dem Urknall beschäftigten, wir sollten aber nicht den Versuch unternehmen, den Urknall selbst zu erforschen, denn er sei der Augenblick der Schöpfung und damit das Werk Gottes. Ich war froh, daß ihm der Gegenstand des Vortrags unbekannt war, den ich gerade auf der Konferenz gehalten hatte: die Möglichkeit, daß die Raumzeit endlich sei, aber keine Grenze habe, was bedeuten würde, daß es keinen Anfang, keinen Augenblick der Schöpfung gibt. Ich hatte keine Lust, das Schicksal Galileis zu teilen, mit dem ich mich sehr verbunden fühle, zum Teil wohl, weil ich genau dreihundert Jahre nach seinem Tod geboren wurde.“

„„Ich hatte meinen größten Fehler begangen, zumindest meinen größten Fehler in der Physik. Es stellte sich heraus, dass ich von einem zu einfachen Modell des Universums ausgegangen war", räumte Hawking im Rückblick ein. „Aus der Keine-Grenzen-Bedingung folgte, dass die Unordnung auch während der Kontraktionsphase zunehmen würde. Danach kommt es zu keiner Umkehrung des psychologischen und des thermodynamischen Zeitpfeils während der Kontraktion des Universums oder im Innern Schwarzer Löcher." Und er ergänzte mit dem ihm eigenen Humor: „Die Zeit wird sich nicht umkehren, wenn das Universum in die Kontraktionsphase eintritt. Die Menschen werden auch weiterhin älter werden, so dass es zwecklos ist, auf den Kollaps des Universums zu warten in der Hoffnung, zu seiner Jugend zurückzukehren."“

„Religion füllte nicht mehr bloß Erklärungslücken, sondern geriet nach und nach in Konkurrenz zu anderen Erklärungsformen. Insofern war der Streit mit den sich allmählich entwickelnden Naturwissenschaften wohl unausweichlich. Außerdem stellten sich Rechtfertigungs- und Machtfragen. Beispielsweise trug der Pariser Bischof Étienne Tempier 1277 auf Weisung des Papstes Johannes XXI. eine Liste von 219 Ketzereien zusammen. Dazu gehörte auch die Ansicht, dass die Natur Gesetzen folgt, denn das sei nicht mit Gottes Allmacht vereinbar. „Interessanterweise wurde Papst Johannes einige Monate später von den Auswirkungen des Gravitationsgesetzes getötet, als ihm das Dach seines Palastes auf den Kopf fiel", kommentieren Hawking und Mlodinow lakonisch.“

„Philosoph wider Willen: Hawking hat die Philosophie zwar für tot erklärt, aber seine Arbeiten hauchen ihr (zusätzliches) Leben ein. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Physikern weicht er den Großen Fragen nicht aus, sondern bringt sie auf den Punkt und unter Menschen. Ein Beispiel: „Warum muss sich das Universum all dem Ungemach der Existenz unterziehen?"“

 

Gesellschaftliches Engagement

 

Rüdiger Vaas: „Ein unermüdlicher Mahner, Warner und Kritiker

Hawking hat, und das muss man ihm in Anbetracht seiner großen Beeinträchtigungen hoch anrechnen, seinen Ruhm auch eingesetzt, um als Mahner und Aufklärer zu wirken. Er warnte bis zuletzt vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz, der Gentechnik, des Klimawandels, der menschengemachten ökologischen Katastrophen und der verheerenden Bevölkerungsexplosion. Er engagierte sich für die bemannte Raumfahrt, kühne Robotmissionen zu Nachbarsternen und die Suche nach außerirdischen Intelligenzen – riet aber zugleich vehement davon ab, leichtsinnige Botschaften ins All zu funken, die Außerirdische anlocken könnten, denn das hätte seiner Meinung nach verheerende Folgen für unsere Zivilisation. Hawking bekämpfte außerdem religiöse Ideologien und trat wie Albert Einstein für ein rationales, wissenschaftliches Verständnis der Welt ein ohne Hokuspokus und andere Dummheiten. Er kritisierte daher nicht nur die Päpste, sondern zuletzt auch den amerikanischen Präsidenten für seine unverantwortlichen Handlungen und die konservativen britischen Politiker, die das Gesundheitssystem ruinieren würden, dem er letztlich sein langes Leben mitverdankte.“

https://hpd.de/artikel/stephen-hawking-war-vorbild-forscher-und-mensch-15373

 

Was vom Tage übrig bleibt

 

Von seinen wissenschaftlichen Leistungen abgesehen, hat Stephen Hawking zwei bedeutende Dinge für die Menschheit geleistet, die so kein anderer vollbringen konnte.

Das Eine ist die Fähigkeit, komplexe Themen dem Laien verständlich darzustellen und dabei immer noch wissenschaftlich korrekt zu bleiben. In „Eine kurze Geschichte der Zeit – Die Suche nach der Urkraft des Universums“ bringt er es etwa allen Ernstes fertig, kurz zu erklären, was eine „Ellipse“ oder ein „Prisma“ ist. Die Thematik, die er erklärt, ist immer noch komplex genug, aber Stephen Hawking schafft es auf diese Weise, auch Leute dafür zu interessieren, die vorher überhaupt keine Ahnung davon hatten.

Was ihn aber unsterblich macht, sind seine Leistungen als Behinderter. Sehr viel mehr kann ein Körper nicht behindert sein wie der von Stephen Hawking.

Er hat sich jedoch nicht unterkriegen lassen, hat in seinem Denken und Tun weiter gemacht und dabei Bedeutendes für die Wissenschaft geleistet.

Vor allem hat er sich nicht vor der breiten Öffentlichkeit versteckt. In einer Welt, die nach Jugend und Schönheit strebt und die alles, was davon auch nur wenig abweicht, außen vorlässt oder wo mensch davon ausgehen kann, öffentlich beschimpft zu werden, weil er nicht dem Schönheits-Ideal entspricht (siehe dazu das Schicksal der Carrie Fisher in http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/259-zwang-zur-schoenheit.html ), ist so etwas sehr mutig und außergewöhnlich.

Sein Anblick war alles andere als schön und im Laufe der Zeit ist der nicht besser geworden. Mensch kann davon ausgehen, dass es sehr viele Menschen gibt, die sich in ihrem ästhetischen Empfinden sehr stark von Stephen Hawking gestört fühlten.

Umso bewundernswerter, dass er sich davon nicht irritieren ließ und immer wieder die Öffentlichkeit gesucht hat und gerade dadurch ein Vorbild vor allem für Behinderte wurde.

Es ist möglich, trotz größter Schicksalsschläge und größter Behinderungen sich nicht entmutigen zu lassen, sein eigenes kleines Glück zu finden und dabei Bedeutendes zu leisten. Und mensch braucht sich dabei nicht zu verstecken!

 

Stephen Hawking bei der Eröffnung der „Paralympics“ 2012 in London:

 

 

„Bitte erinnern Sie sich daran, zu den Sternen zu blicken, und nicht auf Ihre Füße. Versuchen Sie, einen Sinn in dem zu erkennen, was Sie sehen und fragen Sie sich, was das Universum existieren lässt.

Bleiben Sie neugierig!

Und auch, wenn das Leben manchmal schwierig erscheint – es gibt immer etwas zu tun, um es zum Gelingen zu bringen.

Das Wichtigste ist, dass Sie nicht aufgeben.“

 

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm