Vor 100 Jahren starb die vom Wurm überaus geschätzte Helene von Druskowitz in einer Nervenheilanstalt.

Aufmerksame Leser des Wurms werden sich daran erinnern können, dass diese mehrfach im Beitrag über Percy Shelley zitiert wurde.

Unter anderem in der folgenden Passage:

„„Welcher große Dichter der Neuzeit wäre in Deutschland so wenig gekannt wie Shelley? Wird seine Weltflüchtigkeit, sein exzentrischer Idealismus auch stets ein Hinderungsgrund sein, daß Shelley irgendwo oder irgendwann populär werde, so ist der Umstand doch betrübend, daß er, Englands größter Lyriker, der ideale Dichterphilosoph, der freigeistigste und kühnste aller Engländer, selbst den hochgebildeten deutschen Leserklassen fast ein Fremder ist. Die Hauptschuld an diesem auffallenden Mangel an Interesse für den großen Dichter trägt jedoch der Umstand, daß unsere Literaturforscher denselben dem Publikum zu wenig vermittelt haben. Shelley ist von diesen in hohem Grade vernachlässigt worden. Es existiert in Deutschland keine einzige größere Arbeit über ihn. Die wenigen Kenner und Verehrer Shelley’s werden jedoch einräumen, daß wir ihm eine Würdigung schuldig sind, und in Denjenigen, die ihn noch nicht kennen, wird eine solche vielleicht den Wunsch erwecken, ihn kennen zu lernen.

In England selbst ist Shelley’s Stellung eine ganz andere. England ist zur Einsicht gekommen, was es an ihm besessen und was es an ihm verbrochen hat, ja, es wird von dem freisinnigeren Publikum vielleicht kein anderer Dichter des Landes derartig gefeiert wie Shelley.“

Helene von Druskowitz schrieb das in ihrem Buch „Percy Bysshe Shelley“ aus dem Jahr 1884.“

http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/290-ich-bin-philanthrop-demokrat-und-atheist-percy-b-shelley.html

 

Helene von Druskowitz

 

Aus „Wikipedia“: Da in ihrer Jugend für ein Mädchen kein Universitätsstudium möglich war, durchlief Helene von Druskowitz erst den klassischen Bildungsweg einer höheren Tochter und wurde am Konservatorium in Wien zur Pianistin ausgebildet. 1874 zog sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Zürich, wo Frauen bereits seit 1867 zum regulären Studium zugelassen waren. Nach ihrem Studium der Philosophie, Archäologie, Germanistik, Orientalistik und modernen Sprachen wurde sie – 22-jährig – als erste Österreicherin und als zweite Frau nach Stefania Wolicka an der Universität Zürich mit einer Arbeit über Don Juan bei Lord Byron „zum“ Dr. phil. promoviert. Sie selbst führte aber den weiblichen Titel Doktorin und verwendete für Philosophie den deutschen Begriff Weltweisheit, mit dem der Gegensatz zur Theologie oder kirchlichen Philosophie hervorgehoben wurde. In der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts war der weibliche Titel „Doktorin“ weit verbreitet, auch wenn es keine (unter lutherischer oder katholischer kirchlicher Aufsicht stehenden) Universitäten gab, die ihn erteilten und die herrschende Lehre gegen diese Erinnerungen ankämpfte. Erst mit der Verstaatlichung der höheren Bildung durch Säkularisation und nachfolgenden Kulturkampf wurde die Doktor/Doktorin-Promotion für manche bislang ausgeschlossene Gruppen möglich (insbesondere auch Jüdinnen und Juden).

Im Anschluss an ihre Promotion arbeitete Druskowitz als Dozentin für Literaturgeschichte an verschiedenen Universitäten, unternahm Vortragstätigkeiten in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien. Sie publizierte über Kant, Schopenhauer, Herbert Spencer, Paul Rée. 1881 begegnete sie Marie von Ebner-Eschenbach, von der sie in ihren literarischen Zirkel aufgenommen wurde. Sie fand Anschluss zu Meta von Salis, lernte Friedrich Nietzsche kennen, Lou Andreas-Salomé und 1884 Rainer Maria Rilke. Sie gab Zeitschriften zur Frauenemanzipation heraus …

Als Intellektuelle und Lesbierin war Druskowitz eine gesellschaftliche Außenseiterin. Sie setzte sich in ihren Schriften für die absolute Gleichberechtigung der Geschlechter ein, vertrat jedoch einen konsequenten Differenzfeminismus. 1886 starb ihr Bruder und 1888 ihre Mutter. Druskowitz geriet mehr und mehr in Alkohol- und Drogenprobleme. Nachdem sich 1891 ihre langjährige Lebensgefährtin, die Sängerin Therese Malten, von ihr trennte, geriet sie in eine existenzielle Krise und rutschte endgültig in den Alkoholismus. Sie wurde 1891 in die Nervenklinik von Mauer-Oehling eingewiesen und kurz darauf entmündigt. Trotz allem schrieb sie weiter und veröffentlichte zum Beispiel 1905 ihre polemische Antwort auf die 1900 erschienene und viel beachtete Schrift Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes des Leipziger Neurologen Paul Julius Möbius: Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freien Geister, das 1988 unter dem Titel Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt wieder aufgelegt wurde.

Helene von Druskowitz verbrachte ihre letzten 27 Lebensjahre in der Heilanstalt von Mauer-Oehling und starb Ende Mai 1918 an der Ruhr.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Helene_von_Druskowitz

Gabriele Meinhard: „Geboren wurde Helene von Druskowitz am 2. Mai 1856 als Helena Maria Druschkovich in Hietzing, Wien. Sie war das jüngste von drei Kindern und das einzige Mädchen. Als sie zwei Jahre war, starb ihr Vater an einer Lugenentzündung. Das hinterlassene Vermögen erlaubte dem begabten Mädchen und ihren Brüdern eine höhere Bildung. Helene entschied sich zunächst für die Musik, wurde am Wiener Konservatorium zur Pianistin ausgebildet und absolvierte 1873 das Abschlußexamen im Klavierfach. Gymnasien waren zu dieser Zeit Jungen vorbehalten; da Helene jedoch die Musik nicht genügte, bekam sie Privatunterricht und konnte so 1874 als Externe am Piaristen-Gymnasium in Wien das Abitur machen. Im selben Jahr übersiedelte sie mit ihrer Mutter nach Zürich. An der dortigen Universität waren Frauen seit 1867 zum Studium zugelassen. Sie studierte Philosophie, Germanistik, Archäologie, Orientalistik und moderne Sprachen. Mit 22 promovierte sie als erste Österreicherin und war nach der Russin Stefania Wolicka die zweite Frau, die in Zürich zum Doktor der Philosopie promovierte. Helene von Druskowitz liess sich nicht in die übliche Frauen-Rolle drängen. Sie galt als weibliches Wunderkind und damit als Ausnahmeerscheinung. Doch der Weg, den sie gewählt hatte, war nicht leicht. Nach dem Studium hielt sie zunächst literar-historische Vorlesungen an verschiedenen Universitäten, lebte abwechselnd in Wien und in Zürich. 1881 machte sie die Bekanntschaft von Marie von Ebner-Eschenbach, in deren literarischem Zirkel sie u. a. Betty Paoli und Ida Fleischl-Marxow traf. Elf Jahre nach ihrem Studienabschluß griff Helene von Druskowitz in ihrer Komödie Die Emanzipationsschwärmerin das Kapitel Frauenstudium wieder auf. Sie kritisierte jedoch nicht die GegnerInnen des Frauenstudiums, sondern attackierte jene Frauen, die ohne wirkliches Interesse an die Universität gingen, dort mit konfusen Reden über die Frauenfrage Unruhe stifteten und lediglich versuchten, die Aufmerksamkeit der Männer zu erregen. Ihre ersten Dramen und Komödien (u.a. Sultan und Prinz, 1881) blieben erfolglos. Dabei sah sie es selbst als "Mordsspass", ihren eigenen Namen im Dunkeln zu lassen und unter verschiedenen, meist männlichen Pseudonymen zu arbeiten. Nach ihrem Misserfolg als Dramatikerin wandte sie sich wieder der Literaturwissenschaft zu. In zeitgenössischen Nachschlagewerken wird sie auch als Musikkritikerin erwähnt. 1884 lernte Helene von Druskowitz Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé kennen. Doch ihre Begeisterung für Nietzsches Philosophie stellte sich bald als "passion du moment" heraus. Nach eingehender Beschäftigung mit seinen Schriften zog sie zwar seine schriftstellerischen Fähigkeiten nicht in Zweifel, sprach ihm aber die philosophische Qualifikation ab. Diese kritische Einstellung verarbeitete sie aus dem Blickwinkel einer überzeugten Atheistin in ihrem 1886 veröffentlichten Buch Moderne Versuche eines Religionsansatzes. Unvergessen und unverziehen ist bis heute ihre Kritik an Friedrich Nietzsche, die auch in aktuellen Nietzsche-Biografien noch mit Empörung erwähnt wird. Ihre Rolle als Außenseiterin zeichnete sich immer deutlicher ab und wurde von ihr in dem Stück Unerwartet (1889) verarbeitet. Helene rauchte und trank Alkohol wie viele intellektuelle Frauen des 19. Jahrhunderts, für die Zigarren und Alkohol Symbole geistiger Unabhängigkeit waren. Auch machte sie nie ein Geheimnis daraus, dass sie Frauen liebte. So selbstverständlich es für sie war, dass Frauen die gleichen Rechte besitzen sollten wie Männer, so wenig wünschte sie, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu verwischen. Zuhause fühlte sie sich nirgends, weder in einem Land, noch in einer religiösen Gemeinschaft. Als 1886 ihr Bruder, und zwei Jahre später ihre Mutter starb, waren ihr auch die familiären Wurzeln abhanden gekommen. Alkoholkrank geriet sie finanziell und emotional - auch durch eine gescheiterte Beziehung zu der international berühmten Primadonna Therese Malten, die am Dresdener Hoftheater Triumphe feierte - in die Krise. 1891 wurde die von Halluzinationen heimgesuchte 35jährige in die Kaiser Franz Joseph-Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Oehling eingewiesen und am 7. Juni des selben Jahres entmündigt. Aber auch hier arbeitete sie weiter und veröffentlichte 1905 das polemisch-ironische Buch Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freisten Geister, in dem sie den "Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt" bezeichnete. 27 Jahre verbrachte Helene von Druskowitz in den Heilanstalten Mauer-Oehling. Im April 1918 wurde sie wegen ruhrverdächtiger Diarrhöe ins Infektionshaus der Anstalt gebracht. Am 31.5.1918 kurz nach ihrem 62. Geburtstag, starb sie. In einem Testament, das sie 1907 diktiert hatte, verfügte sie, dass ihr gesamter gedruckter und ungedruckter Nachlass verbrannt werden solle. Sie wünschte keine Mitteilung ihres Todes in den Zeitungen wohl aber einen Grabstein, auf dem ihr Name für die Nachwelt erhalten bleiben sollte.“

http://www.meinhard.privat.t-online.de/frauen/druskowitz.html

Es handelt sich also um eine hochintelligente, konsequent und gerade aus denkende Frau, die daran gehindert wird, ihre Fähigkeiten der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen: sie kann in ihrem Land kein Gymnasium und keine Universität besuchen und wird in ihrem Beruf nicht ernst genommen – weil sie eine Frau ist.

Wenn sie auf eigenen Füßen stehen will, bleibt ihr im Grunde nicht viel anderes übrig, als als Gouvernante oder Sekretärin zu arbeiten. Ein Schicksal, das ihrer Zeitgenossin Bertha von Suttner (siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/101-die-waffen-nieder.html ) nicht erspart blieb.

Ihr (wie auch allen anderen, auch heutzutagigen Menschen mit den gleichen Charakter-Eigenschaften) bleiben folgende Möglichkeiten:

- Aufgabe des eigenen Denkens und sich auf das Niveau der Mitmenschen begeben

- sich mehr oder weniger von der menschlichen Gesellschaft ausklinken und versuchen, in einer Art „Nische“ zu leben

- Rebellion

 

Pessimistische Cardinalsätze - Ein Vademekum für die freiesten Geister

 

Ein paar männerfeindliche Aussagen aus den „Pessimistischen Cardinalsätzen“ der Helene von Druskowitz. Diejenigen, denen das Geschriebene zu heftig ist, mögen sich damit trösten, dass es von einer offiziell Verrückten kommt. Nichtsdestotrotz ist einiges Nachdenkenswertes dabei und mensch möge sich fragen, was dieser Frau alles von Männern angetan worden ist.

 

„1. Kein Gott im gemeinen Sinne.

3. „Das Gesamtwerk von Gott ist ein erbärmliches männliches Machwerk, voll von Schädlichkeit, insbesonders für die Frauenwelt, deren Entwicklung dasselbe stets ungemein gehemmt hat …

 

4. Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt.

Abstreichung des Mannes, – Bedeutung der Frau.

 

1. In der Anschauung vom Mann liegt der Schwerpunkt des Pessimismus. In der Niederkritisierung des Mannes gipfelt die einzig wahre und richtige Weltbeleuchtung.

2. Seiner Beschaffenheit zufolge ist der Mann seiner Gefährtin unwürdig, ein Ehehindernis und nicht ein Bindeglied. Er paßt überhaupt nicht in den Rahmen der vernunftbegabten Welt. Denn er ist zu roh und lügnerisch, sein Denken zu lückenhaft und weitschweifig, seine äußere Häßlichkeit zu eklatant, als daß er das Leben taktvoll zu beherrschen vermöchte.

3. Der Mann ist der Held der vulgären Arbeit, ein geborener Proletarier und der ordinärste Plebejer. Er ist der böse und dumme Teufel, welcher den Frieden in der Natur immer wieder stört und aus dem Leben, das auf Freudigkeit, Leichtigkeit und Kürze angelegt ist, eine Satanshölle ohne Ende, aus dem menschlichen Geschlechte, das als das edelste von allen auf einige Täler sich beschränken sollte, durch Geschlechtsgier einen wimmelnden und zuchtlosen Haufen, der in der innersten Seele krank ist, gemacht hat.

4. Der Mann ist ein Zwischenglied zwischen Mensch und Tier, denn er ist eine Spottgeburt und als solche derart zynisch und lächerlich ausgestattet, so daß er weder das eine noch das andere in voller Wirklichkeit sein kann.

5. Die Natur hat den Mann durch übermäßig auffallende Entwicklung seiner Genitalien eine Schlappe, ein Brandmal ohnegleichen aufgedrückt.

6. Die in der gesamten organischen Welt von seiten des männlichen Geschlechtes behauptete Superiorität der sexuellen Form ist bei dem Mann in doppelter Beziehung: 1. in Hinsicht auf den schönen Teil der Tierwelt, 2. auf seine weibliche Gefährtin total abhanden gekommen. Eher würden Ziege und Äffin als seine natürlichen Genossinnen genannt zu werden verdienen. Denn er ist grausig beschaffen und trägt sein schlumpumpenartiges Geschlechtszeichen wie ein Verbrecher voran. Die flache Brust, die häßliche Bartung mit ihren dicken Wülsten und fliegenden Haarfetzen, die im Gegensatze zu der geckenhaften Ausstattung der meisten Tiere einen niederen Charakter verrät und endlich das durchschnittlich über alle Maßen abscheuliche und gemeine Stimmorgan, voll von uralten und anstößigen Gurgeltönen, weisen ihm in Wahrheit eine sehr tiefe Stufe im Reiche der Lebewesen zu. Er erscheint wie eine Spielart.

7. Infolge einer wahrhaft göttlichen Ironie des Schicksals ist es gelungen, ihn so zu stellen, so daß er auf dem Höhepunkte der Bildung befindlich sich selbst für einen Affensprößling hält. Was würden frühere Generationen zu dieser Erkenntnis gesagt haben? Nun ist das gesamte Leben zur Affentragödie des Mannes geworden! …

Die Ironie geht so weit, daß einzelne Forscher eines der häßlichsten Affengebilde rücklaufend »Anthropomorph« genannt haben …

8. Die Anmaßung, mit welcher sich der Nachkomme des Affen an die Spitze der Welt gestellt und der Mehrzahl der Dinge den Stempel seiner Natur aufgedrückt hat, muß mit Entrüstung erfüllen. Der Umstand könnte zu den enormsten Rachevorstellungen Anlaß geben, weil das Werk doch von seinem elenden und verbrecherischen Vermittler Zeugnis gibt.

Wir leben tatsächlich in einer Welt voll von Jammer und Torheit, voll Leichtsinn und Humbug. Der Mann wollte die Welt urbar machen, allein er hat nur den Beweis geliefert, daß er ein geborener Narr und ein eingefleischtes Ungeheuer sei. Er ist zwar, wie bemerkt, eine Spielart, als solche aber hat er sich durch fabelhaftes Glück und Schlechtigkeit schmachvoll behauptet.

9. Die Frauen sind nicht nur würdigere und holdere Wesen, sondern sind von vollkommener und adeligerer Stammung, worauf zahlreiche Beziehungen der Frauen zum Meere in den Mythologien hinweisen (man erinnere sich an Aphrodites Geburt, an die nordischen Meerfrauen, an Loreley, an das Horazische desinit in piscem mulier formosa und an die kalifornische Sage, daß die Männer vom Walde, die Frauen vom Meere kommen). – Beide Geschlechter haben sich später begegnet, d.h. die Männer haben die Frauen mit Vorliebe geraubt. Mißbrauch mit ihnen getrieben und ihre Instinkte in grauenvollster Weise verdorben. Wie groß ursprünglich der Unterschied zwischen beiden Teilen war, läßt sich gar nicht feststellen.

10. Der Mann ist durch Geschicklichkeit und Erfindungsgabe höchstens als Homini Genus zu bezeichnen. Allein mit Unrecht hat er sich mit dieser Rolle niemals begnügt, wogegen die Frauen wegen Veruntreuung des Wortes »Mensch« mit Recht nach einer höheren Ordnung streben.

11. Während die Liebesfähigkeit d.i. die Adaptionsmöglichkeit der Frauen an die Männer kein ursprüngliches Motiv bildet, sondern vielmehr ein künstliches Produkt der Hypnose ist, welche das stärkere und mehr noch das durch und durch verlogene Geschlecht auf das physisch zartere und feinere ausübt, so ist hingegen der Mann tatsächlich und naturgemäß das verliebteste und wollustvollste Lebewesen auf Erden. Die sexuelle Leidenschaft zur Frau wird durch den enormen geschlechtlichen Abstand bedingt. Der Mann zehrt von der Schönheit und der Ehre der Frauen und sucht diese um jeden Preis zur Mitträgerin seiner geschlechtlichen Schmach zu machen. Während das Tier nur in kurzen Phasen Liebe pflegt, ist der Mann stets dem Geschlechtsrausch unterworfen. Er ist in der eigentlichen Liebesphase überschwänglich bis zum äußersten Extrem. Man erinnert sich mit Staunen an all die Liebesgedichte und Romane, welche die überhitzte Phantasie begabterer Männer hervorgebracht hat. Ganze Massen von solchen Schimären häufen sich vor der stolzen Warte der schönen Welt. So exaltiert das »Zwischenglied« in der Liebesphase verfährt, ebenso unerträglich, impertinent bis zum äußersten, schlechter gelaunt als eine hungernde Bestie, ist der Mann nach erfolgter Besitzergreifung. Er ist der einzige, der sein Weib schlägt und in raffiniertester Form martert, fremde Frauen verfolgt und zu Sklavinnen seiner skandalösen und lächerlichen geschlechtlichen Ausstattung macht … Seine Wollust überträgt sich sogar auf die Tierwelt, wie das Treiben in den Hühnerhöfen und unter den Haushunden zeigt, während in der Wildnis das Geschlechtsleben viel schwächer entwickelt ist und die Tiere nur zeitweise und maßvoll einander begehren.

12. Der Mann ist mörderisch veranlagt. Er ist ein geborener Dämon und Nennteufel. Er ist das gefährlichste aller Lebewesen, er ist die Furie der Furien, die Megäre der Megären. Man bemerke sein Verfahren gegen die Tierwelt, die er zum Teil aus blindem Vernichtungstrieb, zum Teil aus blinder Besitzlust tötet oder abfängt, teils seinem völlerischem Hunger zum Opfer bringt. (Die Wirkung des Christentums ist hier gleich null, so daß der christliche Glaube in dieser Beziehung für die schlechteste und unbrauchbarste aller Weltreligionen erklärt werden muß.)

13. Die Kulturgeschichte hat einen vornehmen Römer und einen zuchtlosen Juden als Hauptpersonifizierungen der schmachvollen und schrankenlosen Eßlust des Mannes hingestellt. Allein das männliche Subjekt, welches schlimmer als das wildeste Tier jeglichen Fraß in Gang gebracht hat, hat außerdem den Genuß von Unmassen von schweren Getränken eingeschleppt.

14. Der Mann ist das habgierigste aller Lebewesen. Er hat schlimmer als eine wilde Bestie die Mutter Erde nach allen Richtungen durchwühlt und ihr alle Schätze abgewonnen.

15. Er ist das feilste Subjekt. Er ist durch und durch ein gemeiner Kaufmann und ein schamloser Krämer überall. Er ist der Erzeuger und Impresario der niedrigsten Dinge, wo es gilt tierische Gelüste zu befriedigen und den vulgärsten Antrieben zu schmeicheln.

16. Der Mann ist der neidischeste aller Geschöpfe. Sein berüchtigter Brotneid übersteigt alle Grenzen. Derselbe ist das wesentliche Hindernis der geistigen Entwicklung des gesamten Frauengeschlechts, eine Tatsache, die nicht dem allerrohesten Tier zum Bewußtsein gebracht werden könnte, da in der Tierwelt alles gleichgehalten ist.

17. So geringfügig weibliche Streitigkeiten in den meisten Fällen sind, so erniedrigend wirkt männliche Streit- und Krawallsucht auf das Leben ein. Die Frauenwelt dient hier nur als Vorwand, weil das streitsame Element bei ihr maßvoll auftritt, während es beim Manne verdichtete Formen, wie bei den Krustazeen gewinnt. Der Mann ist das rauf- und händelsüchtigste Subjekt in der gesamten Natur.

Bei ihm drängt alles nach außen. Seine täglichen Gewohnheiten genügen, um seinen proletarierhaften Charakter, sein dilettantisches Wesen und seine herausfordernde Art anzuzeigen. Seine landesüblichen Fehler zählen wie Schnupftücher nach Duzenden. Seine Neigung zum Pfeifen. Trällern, die Hände in die Brust zu werfen, sein plebeisches Achselziehen, seine gesamte häßliche Gestikulation geben einen traurigen Vorgeschmack.

… Man lese des weiteren die grauenvollen Berichte über die Kammerdebatten in vielen Ländern und man weiß, mit welchem Abhub man es bei den Vertretern des Volkes zu tun hat, die in der Regel in der Wirtsstube gewählt werden … Es folgt der Krieg, der als die brutalste Äußerung der männlichen Wut und Skandalsucht und Borniertheit sich darstellt. Man weiß oder vermag sich zu denken, daß einfache Schiedsgerichte von dem nächsten Gerichtssprengel herbeigerufen, oder kurze Kämpfe von Jünglingen und Jungfrauen die Entscheidung zu Gunsten der einen oder der anderen Partei mit Leichtigkeit herbeiführen sollten. Statt dessen führt man in Wirklichkeit breite Massen gegeneinander, ohne jede Aussicht auf geistvollen Erfolg, da sonst nach pessimistischem Prinzip alle Männer alle Männer fällen und der Welt ein schnelles Ende bereiten müßten.

… Den Gipfelpunkt, welchen die skandalöse Dummheit des Mannes hier erreicht, besteht in der Anrufung des Herrgottes von beiden Seiten, vorausgesetzt, daß der Krieg, wie in Europa, meist zwischen Bekennern derselben Religion geführt wird. Dieser Unsinn erinnert an die Anekdote von den beiden Knaben, die in der Pariser »Grand opéra« für einen stark beleibten Herrn im voraus zwei Stühle besetzen mußten. Eines Tages waren durch Versehen die gemieteten Plätze voneinander getrennt, so daß beim Erscheinen des Mäcen die Kunstknaben von verschiedenen Seiten ein Zeichen gaben …

18. Der Mann führt höchst unbescheidenerweise überall das große Wort und ist das schnatterhafteste aller Lebewesen. Was in dieser Beziehung an Frauen wahrgenommen wird, ist nichts als schwaches Zirpen und Lallen. Es fehlt sogar sehr auffallend an der Partizipierung der Frauen in den täglichen Geschäften und in den öffentlichen Dingen, weshalb die Welt- und Tagesgeschichte, weil hauptsachlich von Männern ausgefüllt, den bekannten öden Eindruck macht. Die gesamte Historie ist, mit geringen Ausnahmen, einfach »Männergeschichte« und deshalb roh bis zum äußersten und ein schlechtes Vorbild.

19. Die blasphemische und verrückte Arroganz des Mannes kommt weniger in der Wahl eines Häuptlings, die unter Umständen zur Notwendigkeit wird, zum Ausdruck, als durch die eines zahlreichen Adels in mannigfaltigen Abstufungen. Dank der abweichenden Denkweise mancher Nationen hat dieser Blödsinn nicht überall Eingang gefunden. Leider aber ist die wahre und einzig plausible Seite der Sache nirgendwo ins Auge gefaßt worden, daß nämlich streng genommen nur an Frauen der Adel verliehen werden sollte. Denn um diesen würdig und menschenmöglich darzustellen, bedarf es der Reinheit der Erscheinung und der untierischen Art, wie solche nur die Frauenwelt ziert … Man hat eben nie begriffen, daß Adel auf Theosophie hinausläuft und nicht auf Verfolgung der Frauenwelt, Martern der Tiere, Vernachlässigung des Wissens und Könnens usw.

20. Auch verhältnismäßig geringere Fehler und Eigentümlichkeiten haben ihren Sitz in der männlichen Art. Es wäre denn, daß die gemeine männliche Veranlagung von den Frauen benutzt würde, die Männer selbst in das Vordertreffen zu schicken, und sie derart zu beschämen, daß der Teufel sich darüber zu Tode lachen würde. Man bedenke nur, daß die Männer die Begründer der Tagesblätter, der Winkelklatschorgane, der Modejournale und der gemeinen Kolportageliteratur sind und man wird mich verstehen. Hierzu kommt eine wahrhaft viehische Lust des männlichen Geschlechtes an Sport, Vergnügungen und Spielen aller Art … Demnach unterliegt die Einrichtung des Mannes derart der philosophischen Kritik, so daß das blödeste Tier sein moralischer Führer sein könnte.

21. Er ist mit wenigen Ausnahmen der geborene Widersacher der Vernunft und der Menschlichkeit und verdirbt von vornherein die höhere Art. Was das Tier durch den Naturgebrauch ganz von selbst erfüllt, dies muß der Mann durch seine besten Köpfe erst wieder ausfindig machen und zur Richtschnur erheben. Deshalb kann die gesamte Kultur, oder wie wir den Unsinn, der sich vor unseren Augen abspielt, nennen wollen und vom Manne begründet und regiert wird, nicht hoch bemessen werden.

22. Überall erblickt der philosophische Geist, der nur in vereinzelten Fällen auftritt, die Devastationen, die Unverstand und Lasterhaftigkeit anrichten. Allerorts ist der schreckliche Affekt der Grundeigentümer und Herrscher, bald als Ehrsucht und Rivalität, bald als Haß, Neid, Geschlechts- und Wollust, Hab- und Streitsucht.

23. Wieviel Phantasie auch in der einzelnen Hervorbringung des Mannes enthalten liegt, so erscheint doch alles wie bei der Muschel die Perle »als Krankheit des Tieres«.

24. Der Mann hat durch seine schrankenlose Geschlechtslust, durch Mangel an echter Vernunft in jeder Beziehung und trotz aller Feilheit, mit der er zahllose Spielereien und Vergnügungen gleichsam als Gegengewicht in die Welt gesetzt hat, aus dem Leben eine Jeremiade ohnegleichen, ein furchtbares Prokrustesbett voll grausiger Streckungen, eine Agonie ohne Ende gemacht, die in zwei Schwingungen sich vollzieht, von welchem die eine die Subjekte zu Sklaven der rohesten und gewagtesten Arbeiten degradiert, die genau betrachtet, ganz willkürlich aufgegeben und erfunden worden sind, die andere zu Polypen der üppigsten und unsittlichsten Genüsse stempelt. Statt die Zahl der Heiraten und der gesamten Geschlechtsvermehrung auf das äußerste einzuschränken, tut er immer mehr Motive hinzu, um den kreißenden Ball zu einer Stätte schlimmer als die Hölle zu machen und die Kreatur mit Millionen Fallstricken an ein unseliges Dasein zu fesseln.

25. Auf was aber läuft die gesamte oft in den unsaubersten Farben schillernde Komödie unserer blödsinnigen Halbkultur hinaus? Alles dreht und wendet sich in erster Linie bekanntlich nur um Kleidung, Wohnung und Beförderungsmittel. Die Natur aber hat den Tieren freiwillig die beneidetsten Pelze und das schönste Gefieder zur Bedeckung verliehen, die keiner Mode unterworfen sind. Das Tier trägt wie der Philosoph alles Wichtige bei sich (omnia sua secum portans), setzt sein Wohnhaus oft nur aus wenigen Blumen zusammen und ist durch seine Behendigkeit oder gar durch Flugkraft das Ideal für den Mann, der bis zurzeit nichts Höheres kennt, als flugtechnische Apparate zu ersinnen, die fast insgesamt ungenügend sind und ihm zur Blamage dienen. Dadurch wird nicht nur der Vogel, sondern auch der Schmetterling, selbst der Maikäfer zum unüberragbaren Meister! Desgleichen ist das »Zwischenglied« stets unzufrieden mit seinen Gespinsten und Stoffen, ändert und wechselt stets die Mode, richtet das Leben nach den schlechtesten und leichtfertigsten Grundsätzen ein und ficht demnach trotz aller Scheinkultur in den meisten Beziehungen tief unter der Stufe der Tiere. Außerdem leben die Tiere in den allermeisten Fällen insofern unter günstigeren philosophischen Bedingungen als der Mensch, weil es nur schwer Nahrung findet und deshalb überall nur vereinzelt oder in kleinen Herden auftritt, wo nicht der Mensch, d.h. der Mann, massenhaft Nährmittel aufgespeichert hat, um sich und das Vieh endlos zu vervielfältigen.

26. Dieselbe Unzufriedenheit herrscht auf allen Gebieten der Wissenschaften. Die bekanntesten Sätze werden wieder in Frage gestellt, dadurch stürzt mit Leichtigkeit wohl einmal der ganze Aufbau zusammen. Ich persönlich nehme mir die Freiheit, die Astronomie für falsch zu erklären. Die himmlischen Wunder sind für mich nur Bilder des Elektromagnetismus, Wärme und Kälte und die Jahreszeiten rein meteorologische Vorgänge und Schwankungen. – Von einem Fortgang in den Hauptwissenschaften kann kaum die Rede sein. Es wäre denn, daß man wie die Krebse nach rückwärts ginge. Denn das Schmerzvollste ist die Tatsache, daß beispielsweise ältere Philosophen oft schon die Wahrheit entdeckt und gelehrt haben, während spätere Lehrer sie wieder verdunkelten und mit ihren trüben Wässern überspülten.

27. Dennoch ist die Wissenschaft eine Art von Wohltat, weil sie als wichtigste Waffe gegen die Religion dient. Denn leider hat der Mann auch diese, sowie jede Art von Aberglauben und Schund gestiftet und muß nun die größte Mühe aufwenden, um des Ärgernisses wieder los zu werden.

28. Viel stärkere Einwendungen als gegen die Wissenschaften lassen sich gegen die Künste erheben, welch letztere auch von dem Philosophen Schopenhauer überschätzt worden sind. Hat doch der große Plato, dieser König unter den Denkern, den Künsten ihre wahre Stelle, nämlich eine untergeordnete zuerteilt. Es ist kein wahres Wort an der Schopenhauerschen Meinung, daß die Künste ohne Beteiligung des Willens ausgeübt werden. Der Wille, der sich auf andere fremde Dinge richtet, ist ebenso ein Wille als jener, der sich auf eigene Interessen bezieht, welch letztere oftmals, insbesondere bei außerordentlicher Lebensstellung, die weitgehendste Bedeutung besitzen. Außerdem ist unsere Teilnahme für bestimmte Epochen und Darstellungen oft so ausgeprägt, so daß das Subjekt eben durch die künstlerische Anschauung in die größte Aufregung gerät. Schließlich beweisen die enormen Preise, die auf Bilder usw. vergeudet werden, daß nicht nur der reine Intellekt bei künstlerischen Angelegenheiten ins Spiel gezogen werde. Der Geschmack ist, wie überall, so auch im Bereich der Künste subjektiv; objektiv sind überhaupt nur in Dingen der Kunst der Elemente die einfachsten Formen des Wohlgefallens. Nachdem wir Schopenhauer in kurzen Sätzen widerlegt haben, genügt es, darauf hinzuweisen, daß die Künste nicht nur als Entfacherinnen des Affektes, als Dienerinnen der Götzen und Aberglaubens und als Vermittlerinnen von jeder Sorte von falschem und frivolem Schein, wie das Leben ihn erzeugt mit Ausnahme von einigen wenigen Werken, die fast nur reine Empfindungen erwecken, schädlich sind und als Fallstricke für die Steigerung der Freude am Dasein zu gelten haben. Als Ausstrahlungen einer enorm gesteigerten Kapazität dürfen die Künste nur esoterisch betrachtet und nicht der Menge preisgegeben werden.

29. Ebensowenig sollte man die mystischen Phänomene massenhaft häufen und die Toten endlich in ihrem Bereich belassen. Wer die Wahrheit der Mystik noch nicht begriffen hat, der bleibt zeitlebens ein einfältiger Tor!

30. Alle Behauptungen, die ich gezwungen gegen das männliche Geschlecht, dessen Aspiritionen und Werke zu schleudern, beruhen auf Wahrheit. Sie können der schärfsten Kritik unterworfen werden, und werden sich dennoch als stichhaltig erweisen.

31. Man vertieft sich deshalb schwer und selten in das Thema vom Manne, weil es erstens schwierig zu bemeistern, zweitens außerordentlich unsympathisch und unästhetisch ist. Die Prosa und Unlauterkeit desselben ist unergründlich, so daß der Inkriminierte, der sich andererseits selbst zur Anzeige bringen müßte, vor dem eigenen Kot zurückprallt, der Meistbietende sich ewig Zeit ist, wodurch die Lüge dadurch ungeheuer anwächst.

32. Nur scheinbar ist der Mann ein lustiges Abenteuer der Natur, in Wirklichkeit ist er das giftigste und gefährlichste Experiment im gesamten Weltbereich.

33. Das männliche Geschlecht hat selbst in Beziehung auf seine jedoch ungemein zudringlich auftretenden Vorzüge sehr limitiert zu werden, weil es durch seine Produkte dem Dasein eine allzulange Dauer verleiht. Deshalb sollte auch das männliche Genie nur zur Prüfung zugelassen, um nicht der Öffentlichkeit überantwortet zu werden. Nur der Philosoph hat sich vor aller Welt hören zu lassen, denn er ist nicht nur eine rara avis und als solche eine merkwürdige Erscheinung, sondern er wirkt auch dort, wo er lückenhaft erscheint, wie Balsam, da er sich am Wege zur Wahrheit befindet. Deshalb muß er auch Wort halten, um einst billigerweise die Erlösung herbeizuführen.

34. Die vortrefflichen Eigenschaften, die wir bei männlichen Ausnahmenaturen finden und die gewöhnlichen Bauernregeln der Moral, die ausfindig gemacht wurden, sind gering zu achten, weil das Gute beim Manne zu spät kommt, und er erst dann anfängt, sich auf sich selbst zu besinnen, nachdem er den Lastern in abgefeimtester Form, den Irrtümern mit größter Sorglosigkeit Tür und Angel geöffnet hat. Daher die Überfülle von Zwangs- und Irrenhäusern, in welchen Dummheit, Verbrechen und Verrat ihre schändlichsten Orgien feiern.

35. Der blinde Wille zur Macht, wie man den unsauberen Grundzug im Manne genannt hat, ist nach unserer Meinung das Verwerflichste und Törichtste in der gesamten Natureinrichtung. Die Vergeltung ist Abschwächung der Intelligenz bei den Nachkommen, da das Ungeheuer, welches blindlings nach Macht strebte, oft nur mehr Fischlaich hinterläßt, sowie die Geistesverfassung unseres Adels vielfach beweist. Zu den infamsten Torheiten, von welchen das Germanentum je geknechtet worden ist, zählt deshalb die Ehrung eines gewissen Nietzsche, der jenem schlechten Grundzug auf das verdammenswerteste und törichtste geschmeichelt hat. Wie die germanische Intelligenz zu dem Unglück kommen konnte, den albernen Schweizer Philologen, den der bekannte Stadtschreiber und Novellist G. Keller als Grafen Strapintzky in der Erzählung »Kleider machen Leute« so vortrefflich karikiert hat, ist und bleibt unbegreiflich. Glücklicherweise hat man gegen den dummen und im Geiste total veridioteten Schriftsteller schnell wieder Stellung genommen und hoffen wir, daß wir nie mehr in die peinvolle Lage versetzt werden, ein derart für den gemeinen Adel und ergo auch für das bloße Pfaffentum inflammiertes Subjekt und dessen Albernheiten blamieren zu müssen. Denn jener Narr war nicht nur ein Todfeind der Philosophie einerseits, sondern selbst noch ein Feind des einfachen Christentums andererseits, dessen Morallehre, wenn auch nicht geistvoll, so doch gut genannt werden kann und mit gemeiner Willkür nichts zu tun hat.

36. Die Aufgaben, die aus unseren Hauptsätzen erfließen, sind unschwer zu erraten. Ihnen zufolge fiele der Löwenanteil vom Dasein den Frauen zu. Sie sind die wahre Menschheit. Die Ehrung, die der Frauenwelt zuteil zu werden hat, besteht in der Anerkennung der weiblichen Superiorität in allen Hauptpunkten. Es genügt zu wissen, daß die Frauenwelt in körperlicher Beziehung menschlicher und schöner eingerichtet ist, von Natur keuscher, reiner und heiliger beschaffen und schließlich insofern von natürlichem philosophischen Instinkte – welch letzterer dem gemeinen Manne, wie wir erfahren, gänzlich fehlt, – erfüllt ist, als die Frau die enormen Erweiterungen in der Lebenssphäre haßt, das Dasein auf einfachen und rationellen Grundlagen basiert zu sehen wünscht und das Nichtsein dem Sein instinktvoll vorzieht. Leider sind die weiblichen Instinkte entsetzlich unterdrückt worden, allein es kostet nur eine plötzliche Aufraffung, um das ideale Niveau wieder zu behaupten. Da die Grundlagen eben ausgezeichnet gut sind und alles Unheil im Grunde nur auf die Schlechtigkeit und Intelligenzlosigkeit des anderen Geschlechtes zurückzuführen ist, so muß die Frauenwelt eben nur gereinigt, durch eine freie und kühne Erziehung, durch frühe Berufswahl ermutigt und durch Teilung der Städte nach den Geschlechtern, durch Beschränkung der Anzahl der Heiraten, die schließlich eine Eliminierung der Ehe herbeiführen wird, separiert werden. Dann werden die Frauen wieder heilig wie von Natur und eines wahren Kultus würdig sein. Der Feminismus muß mit Feuer und Glanz ausgestattet werden. Er ist das heiligste Ideal der modernen Zeit. Daß die edlen Naturrechte der Frauen so spät sind entdeckt worden, wirft ein gräßliches Schlaglicht auf die sog. menschliche Entwicklungsgeschichte. Es mag für Unkundige etwas Unheimliches in dem Feminismus enthalten liegen, allein, sobald wir diesen Punkt erreichen, reckt die Philosophie ihr hochadeliges Haupt empor und spricht zu uns: »die neue Lehre involviert nur das Priestertum der Frau, sie beweist die Wahrheit des Pessimismus und die Notwendigkeit des Weltelends bei der vorhandenen Konstellation, nicht aber die einer endlosen Fortsetzung des Dasein«. Dann werden die Frauen ihrer höheren Mission gemäß als höhere Wesen, als Priesterinnen ihres Geschlechtes, als Naturadelige sich erkennen. Bei Wahrnehmung des höheren Lebensgesetzes wird ihnen zugleich auch ihre philosophische Bestimmung vollkommen klar werden, die darin besieht, daß sie als Führerinnen in den Tod erscheinen, indem sie das Endesende vorbereiten. Dieses wird sodann das Ideal werden und an Stelle eines Ideals ohne Ziel und Ende treten!

 

5. Männertafel.

Normalsätze für das männliche Geschlecht.

 

1. Ihr habt euch ungemein auf euch selbst zu besinnen und eure Anmaßung herabzumindern. Ich kann nicht mit Blitze und Donner zu euch sprechen, wohl aber aus tiefster Überzeugung und aus schwerwiegendsten Beweggründen.

2. Ihr solltet in einem hartnäckigen Kampfe zu euch selbst und zu eurer Natur leben, nicht aber ihrem Zuge folgen. Horcht auf eure innerste Stimme und ihr wisset, daß ihr euch selbst fortwährend unrecht gebt und eure Hauptstrebungen verurteilt. Deshalb ist es ungeziemend, daß ihr an der Spitze aller Einrichtungen steht und die Welt beherrschen zu können glaubt.

3. Laßt an Stelle eurer Eigenliebe und Selbstbehauptung ein pessimistisches Urteil treten, prüfet und untersucht euch schonungslos und ihr werdet von Haß gegen euch und eure Existenz überfließen.

4. Überschaut euch äußerlich und ihr erblickt ein Subjekt, das streng genommen in genereller Hinsicht mit dem einfachen männlichen Tierkörper nicht mehr konkurrieren kann. Ihr habt nämlich das Primat der männlichen Erscheinung verloren. Eure Gefährtin vielmehr ist die Krone der Schöpfung. Ihr selbst habt von dem männlichen Tiere nur die Kraft und nicht die Superiorität der schönen und durch die natürliche Einrichtung geschlechtlich versteckten Form geerbt. Ihr tragt wie bei körperlichen Strafen das Zeichen vorne und zeigt ebensowenig ein menschenwürdiges und glattes Antlitz.

5. Prüft euch innerlich und ihr findet ein Subjekt voll von Grundirrtümern, voll von Torheiten und Narreteien, voll von schwerfälligster und mühsamster Umständlichkeit, bei jedem Schritte strauchelnd und voll von Begierde für Fundamentalfehler dadurch Ersatz zu bieten, daß die Menge fortwährend zu neuen Torheiten verleitet wird, was so lange geschieht, bis die Welt ein Narrenhaus, eine Stätte für allgemeine Blamage, ein Kaleidoskop der krassesten Lügen und Ungereimtheiten und eine Voliere für die buntesten Karikaturen geworden ist … Habt ihr unter andern vielen, vielen Hauptirrtümern nicht auch die Religionen mit ihrem Wust von Unsinn, von falscher Moral und albernen Zeremonien mit ihren unseligen Konsequenzen für Fortschritt, Ruhe und Ordnung hervorgebracht? Allerdings seid ihr nun damit befaßt, diese Irrlehren für nichtig zu erklären. Allein zunächst ist es für Millionen von Seelen viel zu spät mit dieser Entdeckung, zweitens fehlt es trotz oder wegen des ergänzungsdürftigen Materialismus und vagen Comtismus noch an einer zusammenhängenden und befriedigenden Lehre: es müßte denn der Pessimismus mit seinen Grundelementen der Entrückung einer möglichen metaphysischen Instanz und der Nichtigsprechung der Welt insbesondere aus Gründen einer unvollkommen beschaffenen Menschheit zum Siege führen.

6. Blickt ferner in euer Inneres und ihr erfahrt, oder wißt es wohl schon, ohne euch zu verraten, daß ihr vielfach die gewalttätigsten unter allen Wesenheiten seid. Wenn das wildeste Tier sogar sich nur bestimmter Verbrechen schuldig macht und nicht durch und durch lasterhaft oder beutegierig ist, wie schon seine Einteilung in Pflanzen, und fleischfressende Arten beweist, so zeigt der Mann anders sich als Meister in allen bösen und schwarzen Dingen, so daß er auch die Frauenwelt aufs schwerste schuldig macht und durch die elenden Verhältnisse, die seine Geschlechts- und Fortpflanzungsgier herbeiführt, sie sogar dem Henker überliefert.

7. Ihr sollt in allen höheren und gemeinsamen Fächern, die richtig besehen nur die Folgeerscheinung der Übervölkerung sind, nach der ihr unwillkürlich strebt und nachdem dieses Unglück nun einmal geschehen ist, nicht ohne Beiziehung der anderen Geschlechtshälfte Beschlüsse fassen und diese realisieren. Anders seid ihr die Willkür und Tyrannei selbst und dies mit doppeltem Überschuß, weil ihr den eigentlich menschlichen und sympatischen Teil eurer ruchlosen Despotie unterwerft. Wisset, daß eure Zwangsherrschaft unerträglich ist und daß kein Tier es dabei aushielte, wenn es sich dieselbe vergegenwärtigen könnte! Es ist geradezu schauderhaft, daß in einer Welt voll Frauen, der Mann, überdies mit unebenbürtigen Merkmalen versehen, den Ton bestimmt. Daher nenn ich es eure Pflicht und Schuldigkeit der skandalösen Despotie, die im ganzen Wesensreiche einzig dasteht, ein Ziel zu setzen. Eure Lügenhaftigkeit hat nicht den Höhepunkt zu erreichen, so daß ihr den Frauen die euch sittlich und geschlechtlich voranstehen, von den Geschäften ausschließt, die sie in allererster Linie selbst versehen und besorgen sollte. Sowie wenn ein Stein ins Rollen kommt, die ganze Last herabstürzt, so hat umgekehrt eine geringe Nachgiebigkeit in der Natur euch bestimmt, die grausigste Alleinherrschaft zu begründen. So stark ist die Hypnose, die ihr ausübt, so daß jetzt noch die Mehrzahl kaum bemerkt, in welcher unhaltbaren Lage sie sich befindet.

8. Gebt den Frauen all ihr Recht zurück, lebt nicht länger von ihrer Ehre, sucht nicht bei ihnen die Erlösung von euren Naturfehlern. Begehrt sie nicht zur Ehe, befreit sie von eurer unmittelbaren Gegenwart, seid ihrer Gesundheit nicht mehr schädlich, laßt sie ganz für sich sein, laßt sie in eigenen Stadthälften als Priesterinnen ihres Geschlechtes wohnen!

9. Laßt die Frauen ihre eigene Sphäre gänzlich durch sich selbst ausfüllen! Die Frauen sollen ihre eigenen Erzieher, Lehrer, Ärzte, Ökonomen und höheren Amtspersonen sein. In mancher Beziehung seid ihr das Roheste, was auch innerhalb der Staatenentwicklung je dagewesen ist. Denn wenn in den alten Mythologien die höchsten Allegorien für Recht und Wissenschaft und Naturkraft weiblicher Repräsentation waren, und die Römer außerdem ihre gesamte Weisheit auf Priesterrinnen zurückführten, seid ihr solcher Ideale gänzlich bar, und stinkt überall die Pest der parfümlosen männischen Art!

10. Allein dies muß anders werden. Nicht nur einige Felder, sondern alle Gebiete sollen von Frauenkraft durchbrochen werden. Es darf fürs erste kein Komitee sich bilden, ohne daß Frauen zugezogen werden oder ihrerseits ihren Beitritt verkünden. Alle Versammlungen und Repräsentationen von Stadt und Land haben ein entsprechendes Quantum von Frauen aufzuweisen. Eine regierende Königin, da selten erscheinend, hat doppelt und dreifach gepriesen zu werden, und schließlich sollen auch die Republiken Frauen an die Spitze stellen.

11. Ihr habt ungeheuer viel umzubauen und die wesentlich von euch begründete Weltmacht aus den Fundamenten zu transformieren. Denn ihr habt euch ideell, d.h. in allen allgemeinen Einrichtungen und materiell oder physisch durch die Verzichtleistung auf die Umgebung und Gemeinschaft mit den Frauen zu bewähren. Gebt ihnen all ihre Domänen zurück und suspendiert das Wort von der verworfenen oder verletzten Perle. Wenn nichts euch von der Berechtigung solcher Forderungen überzeugen sollte, obwohl nur ein Magen, der Eisen, Nägel und brennende Kohlenstücke verträgt, hier unempfindlich bleiben sollte, so denkt, wie unerträglich vielen von euch eine Abschwächung freier Grundsätze durch Schwankungen im Staatswesen und durch das Hervortreten von einzelnen Maulhelden, die jeder höheren Überzeugung bedrohlich werden, erscheinen. Deshalb beginnt mit euch, durchgeht das ganze Feld, auf dem ihr so schreiend schlecht gewirtschaftet habt, und ihr seid bemüßigt, zu Reformen im allergrößten Stil zu schreiten.

12. Als Lohn winke euch die Annehmlichkeiten der Pflege eigener Gewohnheit, ein reines Gewissen, ein klarer Himmel und das Bewußtsein am Ende wie Philosophen der gediegensten Rasse gedacht und gehandelt zu haben, ein Ruf, von dem ihr wohl selbst kaum geträumt habt!

 

6. Maximen für Frauen.

 

1. Ihr sollt Euch selbst getreu sein!

2. Ihr sollt nicht zu Gott streben! Denn dies ist nichts als ein männliches Hirnprodukt voll von Irrtümern und Fehlern. Es genüge euch, das Innere zu veredeln, und im Denken und Empfinden eine höhere Stufe zu behaupten. Außerdem existiert, wie das philosophische Denken beweist, eine Übersphäre, die zur Materie den reinsten Gegensatz bildet, mit derselben nur durch die Kategorie des Seins verbunden ist und ihr anspruchs- und teilnahmslos gegenübersteht. Dieselbe stellt sich wie das Vollkommene stets für die logische und die poetische Anschauung als weiblich dar und verdient insbesonders von der Frauenwelt immer wieder zur lebendigen Vorstellung gebracht zu werden.

3. Ihr sollt euch von den Männern nicht imponieren lassen, Einzelfälle ausgenommen, die jedoch die Regel bestätigen. Der Mann ist an und für sich kein annehmbares Beispiel. Durch seine geschlechtliche Erscheinung tief unter den eigenen Haustieren stehend und seiner Frau völlig unwürdig, durch seinen Mangel an Selbstbeherrschung und Willenseinheit das gefürchtetste aller Lebewesen, durch sein unbescheidenes Denken und Streben, das in einem irrationellem Verhältnis zu seiner geschlechtlichen Natureinrichtung steht, ein fraglicher und bezweifelnswerter Geist oder ein vollkommener Narr, – eignet er sich schlecht dazu, an der Spitze der Welt zu stehen und das Frauengeschlecht im allgemeinen zu tyrannisieren.

4. Fühlt euch vermöge eurer unbeanstandbaren Schönheit, eurer milden Art und eures klaren Geistes als höhere Naturwesen, als ein edleres, aristokratischeres Geschlecht von natürlichem priesterlichen Nimbus umflossen. Glaubt, daß ihr auf andere höhere Naturwesen zurückführt und mit den Männern nur äußerlich verbunden wäret!

5. Hasset die Männer und die Ehe! Fühlt euch als Kollektivmacht von hohem Kulturwert, der bis zur höchsten philosophischen Bedeutung sich steigert und als solcher über Leben und Tod entscheidet.

6. Deshalb erklärt jede neue Religion oder Angleichung an diese für nichtig. … Würde eine solche doch wieder optimistisch sein, während die Weisheit der Frau ethisch und pessimistisch in bezug auf das allgemeine Getriebe ist und tiefsinnig das eigene Geschlecht, nachdem es dasselbe von unlauterer Berührung befreit hat, dem Aussterben überliefert.

7. Führt einen heiligen Kampf gegen die männliche Welt, um die verlorene Ehre und Freiheit wiederzugewinnen und den Beweis zu liefern, daß euch das Ende eures Geschlechtes dem Fortleben desselben in Sünde und Schmach, in Geistesschwäche und totaler Abgestumpftheit der Sinne und des Geschmackes bevorzugenswert erscheint.

8. Wisset, daß die Ehelosigkeit aus bewußten und allgemein gültigen Gründen das vornehmste Zeichen für die geniale weibliche Verfassung ist, ja, daß sie das Genie der Frau selbst bedeutet.

9. Fordert stürmisch euren Anteil an der Rechtsprechung im Staate! Fordert mit Energie, daß der einseitige und ewig unbillig richtende Männerstaat zu bestehen aufhöre und alle Regierungs- und Verwaltungsgebiete auch von Frauen oder auf deren Anordnung besorgt werden.

10. Wisset, daß, wo weibliche Angelegenheiten oder Fälle zur Erörterung kommen, Frauen nicht nur mitberaten sollen, sondern die erste Stimme, das Primat bzw. die Entscheidung, besitzen.

11. Da ihr allein sein sollt, so fordert die Teilung der Städte nach den Geschlechtern und die Konzentrierung der gesamten weiblichen Tätigkeit auf die eigene Stadthälfte, die selbstredend auch besondere Todesstätten für das Geschlecht enthalten soll … Nur dann, wenn die häßliche Promiscuität von Männern und Frauen, die im Adel solch einen intensiven Charakter annimmt, so daß beide Geschlechter nur nach den Spitznamen unterschieden werden, aufhört, nur, wenn ihr gesondert lebt und wohnt, werdet ihr alle Rechte besitzen und alle schicklichen Berufszweige mit Leichtigkeit ausüben, während an Orten, wo der Kampf noch unmittelbar tobt und der gesamte Knäul in eins verstrickt ist, der männliche Neid und die herausfordernde und hypnotisch wirkende Art des Räubers und Totschlägers »Mann« der Frauenwelt den Lorbeer immer wieder zu entwinden strebt.

12. Haltet euch fern von aller schädlichen Verehrung männlicher Werke und Schöpfungen. Wählt von allen nur die besten, nützlichsten … Denn der Mann hat sich durch seine proletarische Arbeits- und Produktionslust dem Bewußtsein maßlos aufgedrängt. Es gilt deshalb, sich seiner müßigen Leistungen und Lockspeisen zu erwehren. Die scheinbar edelsten Dichtungsgattungen, wie beispielsweise die Tragödie, beruhen auf Überschätzung des Affektes. Der gereifte Sinn aber geht den schweren Erschütterungen aus dem Wege und verschmäht es, häßliche oder gar schändliche Dinge oder Ereignisse, welche die Wirklichkeit mit sich führt, in einem pseudokünstlerisch zu benennenden Spiegelbilde sich neuerdings zu Gemüte zu führen. Lebt außer in der Eroberung und Behauptung eurer Rechte in der Sympathie für euer Geschlecht, sowie in der feinsten Etikette zu demselben, denn euer Geschmack hat nur noch reiner, euer Selbstgefühl gestählter und die Vorliebe für das eigene Geschlecht, für dessen Ansprüche, und Fortschritte verdichtet zu werden, damit das Rittertum der Frauen sich begründe und sich würdig dem Priestertum derselben anschließe; lebt in maßvollen von milder Gesinnung inspirierten Gefühlen und in dem Genusse der unerschöpflichen Schönheit der Natur!“

https://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/druskowitz/vademekum/vademekum.htm

 

WahnsinnsFrauen

 

Aus „Verteidigung der Rechte der Frauen“ von Mary Wollstonecraft:

„Die Tyrannei der Männer ist Ursache fast aller Geisteskrankheiten der Frauen.“

Dies ist auch der Tenor des dreibändigen Werkes „WahnsinnsFrauen“, das im Jahr 1992 von Sibylle Duda und Luise F. Pusch herausgegeben wurde.

Letztendlich widerspricht der Wurm dieser These des Feminismus, wobei er den angegebenen Gründen zwar zustimmt, aber nur als Teil und nicht als Ganzes.

 

Bei den im Werk beschriebenen Personen handelt es sich um folgende WahnsinnsFrauen:

 

- Johanna die Wahnsinnige

- Théroigne de Méricourt

- Emilie Kempin

- Helene von Druskowitz

- Bertha Pappenheim

- Camille Claudel

- Virginia Woolf

- Ellen West

- Agnes von Krusenstjerna

- Irmgard Keun

- Sylvia Plath

 

- Charlotte Perkins Gilman

- Séraphine Louis

- Else Lasker-Schüler

- Sir Galahad (Bertha Eckstein)

- Ida Bauer

- Sabine Spielrein

- Adalgisa Conti

- Nelly Sachs

- Milena Jesenská

- Zelda Fitzgerald

- Lore Berger

- Anne Sexton

- Zustand oder Wesensart? – WahnsinnsFrauen in der Oper

 

- Margery Kempe

- Elizabeth Packard

- Adèle Hugo

- Kate Chopin

- Elfriede Lohse-Wächter

- Christine Lavant

- Unica Zürn

- Marilyn Monroe

- Adelheid Duvanel

 

Erwartungshaltung

 

Eine Frau hat feminin zu sein und sich als Frau, also zurückhaltend, zu verhalten. Wird also nicht ernst genommen.

Eine erfolgreiche Sportlerin, die sich für ihren Sport Muskeln antrainiert hat, muss sich anhören, dass sie nicht „weiblich“ sei.

Frauen können sich zum größten Teil nur über ihren Körper „verkaufen“. Ab einem gewissen Alter werden sie von der Männerwelt mehr oder weniger ignoriert, siehe auch http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/259-zwang-zur-schoenheit.html

 

Benachteiligung im Beruf

 

Auch hier gilt: Qualifikation ist zweitrangig, körperliche Schönheit wird bevorzugt. In vielen Berufen bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld. Selbst dann, wenn sie sich qualitäts-mäßig durchsetzen kann, kann sie davon ausgehen, in einer von Männern dominierten Arbeitswelt weitest gehend ignoriert zu werden.

 

Sexualität

 

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war es für eine Frau kaum möglich, nicht zu heiraten. Wenn sie es tat, war sie allein vom Gesetz her zu ihren „ehelichen Pflichten“ verpflichtet. Nun gibt es recht viele Frauen, die zumindest teilweise einen Ekel bei der Erfüllung dieser Pflichten haben – aber dennoch dazu gezwungen sind. Das ist bei harmonischen Ehen so, aber noch mehr bei nicht-harmonischen Ehen.

Gewalt in Familien bis hin zu Vergewaltigung war früher nicht selten und gibt es heute noch.

Sexuelle Gewalt außerhalb der Familien kommt da natürlich auch noch dazu.

Luise F. Pusch: „Alle an Hysterie erkrankten Frauen, die Sigmund Freud Ende des vergangenen Jahrhunderts untersuchte, waren ohne Ausnahme als Kinder von männlichen Verwandten, meist dem eigenen Vater, sexuell ausgebeutet worden.“

Sie zitiert aus dem „Emma“-Artikel „Der gerade Weg vom Inzest in den Wahnsinn“ von Ursula Ott aus dem Jahre 1990: „Drei von vier Frauen, die in der Psychiatrie landen, sind Opfer sexueller Gewalt. Die meisten von ihnen sind … als Mädchen von ihrem Vater, ihrem Onkel, ihrem Bruder mißbraucht worden. Auf dem Kongreß ‚Frauen in der Psychiatrie‘, der vom 24. bis 27. Mai (1990) in Schleswig stattfand, wurden diese Zahlen erstmals öffentlich genannt.“

Eine der Schwächen der „WahnsinnsFrauen“ ist, dass sich das Werk auf den „westlichen“ Kulturkreis beschränkt.

Für einen weiteren Teil-Aspekt sexueller Gewalt zitiert der Wurm aus dem Buch „Ich habe abgeschworen - Warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe“ von Mina Ahadi, die einen üblichen Vorfall Mitte des 20. Jahrhunderts im Iran schildert:

„Meine Mutter war 15 Jahre alt, als sie mit meinem Vater verheiratet wurde. Auch sie hatte ihren zukünftigen Ehemann nie gesehen, bevor man ihr verkündete, sie werde heiraten. Auf der Hochzeitsfeier, die die beiden Familien organisiert hatten, begegnete meine Mutter ihrem Bräutigam ebenfalls noch nicht. Sie wurde nach der Feier in ein Schlafzimmer im Haus der Schwiegereltern geführt und dort allein gelassen für die Hochzeitsnacht. Dort wartete sie auf ihren Mann. Was sie erwarten würde, wusste sie nicht, aber dass es bedeutsam war, spürte sie. Ihr war gesagt worden, dass ihr Ehemann zu ihr kommen würde und dass sie für ihn bereit sein müsse. Sie wusste, dass „es“ auf der großen Matratze in der Mitte des Raumes geschehen würde, die alle Blicke und Aufmerksamkeit magisch auf sich zog. Als sie mir das vor erst wenigen Jahren erzählte, meinte sie, jeder Mann hätte hereinkommen und alles mit ihr machen können – denn sie hätte ja geglaubt, es sei ihr Ehemann, und ihm willig zu sein erwarteten die Familie und Allah von ihr.“

Mensch versuche mal, sich in die Situation dieses 15jährigen Mädchens hineinzuversetzen!

 

Aufmüpfigkeit

 

Diskriminierung und Unterdrückung der Frau wird als normal dargestellt. Wer sich als Frau dagegen wehrt, gilt als hysterisch, als grenzverletzend gegenüber der bestehenden Ordnung, als „wahnsinnig“.

Deren Widerstand muss auf die eine oder andere Art gebrochen werden, etwa, indem die „Patientin“ in die Psychiatrie eingewiesen wird.

 

Frauen untereinander

 

Der feministische Ansatz ist gut und schön und zu einem großen Teil auch wertvoll. Allerdings nimmt er einen wesentlichen Faktor nicht zur Kenntnis: dass Frauen auch von Frauen gepiesackt werden.

Um nicht ganz unten zu stehen, suchen sich Menschen Opfer aus, denen klar gemacht wird, dass sie noch schwächer sind und in der Hackordnung unter ihnen stehen. Da sie die Machtmittel nicht „von oben“ haben, wird „von unten“ intrigiert. Opfer solcher Frauen-Intrigen sind manchmal Männer, meistens aber Frauen.

Die gesellschaftlichen Rollen-Erwartungen für Frauen werden von Frauen vorgegeben: wann Beziehung, wann Heirat, wann Kinder, ständiges Schauen nach Anzeichen. Zu dieser Thematik gehören auch solche Äußerlichkeiten wie Kleidung. Welche geistigen Werte die andere Frau vertritt, welche philosophischen Werke sie gerade liest, ist kaum von Interesse und ist meistens auch nicht erwünscht – die Frau soll sich ein- und unterordnen wie alle anderen auch.

Theoretisch wird jeder Mann von einer Frau erzogen. Die Mütter sollten ihren Söhnen eigentlich Respekt vor Frauen beibringen – doch dabei ist eher das Gegenteil der Fall.

Eine erfahrene Reiseleiterin erzählte dem Wurm, dass indische Männer (auch und gerade aus den mittleren und oberen Schichten) kaum Respekt vor Frauen hätten. Gibt es einen Mann, mit dem frau ein „normales“ Gespräch ohne Arroganz seitens des Mannes führen könne, stellt sich ausnahmslos jedes Mal heraus, dass die Mutter früh verstorben ist.

In anderen Worten: die indischen Mütter verhätscheln ihre kleinen Prinzen dermaßen, dass sie glauben, sie wären etwas Besseres. Und bringen ihnen auch noch bei, dass Frauen minderwertige Geschöpfe sind.

Mit ein Grund für dieses Benehmen von Frauen dürfte sein, dass sie selbst als Frau keinen Erfolg haben können und deshalb versuchen, über ihren Mann bzw. ihren Sohn an eine „Macht“-Position zu gelangen.

Ähnlich geht es in hiesigen Breitengraden zu. Auch, wenn eine Frau der Meinung ist „alle Männer sind Schweine“, besteht eine gewisse Möglichkeit, dass sie sich ihrem Sonn gegenüber wie eine typische indische Mutter verhält. Nicht so drastisch, aber in die Richtung gehend.

Wehe der Frau, die, etwa im vorderasiatischen Raum, in einen Familien-Verband einheiratet. Das ist dann nämlich nicht viel anderes als Sklaverei. Von früh morgens bis spät abends schuften, Männern und Frauen untertan sein und von den Frauen als sozial Schwächste gepiesackt werden.

Zum verrückt werden!

Der feministische Ansatz „böse Männer – gute Frauen“ weist auf einen wichtigen Teil-Aspekt hin, geht aber dennoch in die falsche Richtung.

Der eigentliche Konflikt hat weniger mit Geschlechtern zu tun als vielmehr mit dem Gegensatz individuelle Freigeister – kollektive Traditionalisten. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die diesen Irrsinn nicht länger mitmachen wollen. Das Spannende ist, wie die Gegenseite reagiert.

Da liegt der Konflikt.

 

Bewältigungs-Strategien

 

Wie hält frau bzw. mensch überhaupt diesen ganzen Irrsinn aus?

Die Bewohner des Erdreichs staunen sich, zu welchen unterschiedlichen Bewältigungs-Strategien die Menschen so greifen.

 

Das eigene Elend wird als „normal“ angesehen, mensch ergibt sich in sein Schicksal. Bemitleidet sich selbst, jammert, greift zu Gesprächs-Therapie.

 

Wie die soziale Beziehung auch immer beschaffen sein mag: Hauptsache, es gibt sie. Sie kann noch so schlecht sein – dann wird eben gejammert. Die Schlechtigkeit der Beziehung wird akzeptiert. Wer verprügelt wird, wird immerhin ernst genommen. Das hört sich sarkastisch an, ist aber tatsächlich so gemeint. Ein drastisches Beispiel für solch einen Fall hat ausgerechnet Donatien Alphonse Francois Marquis de Sade in seiner „Justine“ verarbeitet, siehe http://www.ansichten-eines-regenwurms.de/168-der-sadist-im-menschen.html . Nachdem Justine endlich von allem Übel befreit ist, interessiert sich keiner mehr für sie und es fehlt ihr die „Spannung“.

 

Flucht aus der Realität: sich alles schön reden, bei etwas Negativem sich das Positive suchen und finden. Mensch will reich sein, kann es nicht und deshalb wird sich selbst gegenüber so argumentiert, dass mensch Reichtum (oder was auch immer) gar nicht haben will, denn (in diesem Fall:) „Reichtum verdirbt den Charakter“, also lieber unverdorben sein.

 

Misserfolge von sozial über einem Stehenden werden auf „es gibt doch noch eine Gerechtigkeit auf der Welt“ zurückgeführt.

 

Mensch spaltet sich und schlüpft zumindest tagsüber in eine offizielle Rolle. Teilweise glaubt er auch selbst daran, der bzw. die Größte zu sein.

 

Die Flucht in höhere Welten wird durch Liebes- oder Abenteuer-Romane befriedigt.

 

Die Flucht aus dem Alltag wird vor allem gerne von Männern geübt: beliebt sind einfachere oder größere handwerkliche Tätigkeiten oder Einkaufs- oder sonstige Fahrten. Hauptsache weg bzw. allein mit sich selbst.

 

Ein einfaches Mittel ist, sich dauer-unterhalten zu lassen. Etwa durch Fernsehen. Oder Computer-Spiele. Da ist mensch ganz für sich allein und wird nicht durch die Außenwelt gestört.

 

Wer selbst nichts zuwege bringt, hat Teil am Erfolg durch andere. Das kann im Partner begründet sein, im Arbeitgeber, in der Nation oder durch nicht persönlich Bekannte wie Musik-Stars oder Sportler bzw. Sportvereine. Millionen von Menschen sind jede Woche am Erfolg „ihres“ jeweiligen Fußballvereins beteiligt.

 

Mensch hält sich selbst für den Größten, glaubt, alles zu wissen und immer im Recht zu sein.

 

Fühlt sich für einen höheren Zweck erschaffen, ist großer Anhänger von Religion und/oder Esoterik: ganz, ganz Großes ist für einen persönlich da. Ob Gott, Schutzengel oder wer auch immer.

 

Sich ein Spezialgebiet zulegen, um darin sich kompetent zu fühlen. Beliebt dafür sind Esoterik incl. Astrologie oder Äußerlichkeiten aller Art wie Schmuck oder Kleidung. Aber auch Kompetenz in der kleinen Welt. Wie "alles rund um die Familie" oder alle möglichen Hobbys.

 

Wer sonst nicht wichtig ist, macht sich dadurch wichtig, indem er weitergibt, was so alles los ist in der Nachbarschaft oder im Kollegen-Kreis: Klatsch und Tratsch.

 

Sich überlegen fühlen und andere Menschen oder Menschen-Gruppen als „dumm“ ansehen.

 

Sich selbst (also den eigenen Körper) zwanghaft kontrollieren. Dazu zählen Magersucht und Orthorexie: "Als mögliche Ursache wird - wie auch bei Anorexie-Patientinnen - das Bedürfnis nach Kontrolle gesehen. Über die Reglementierung der Nahrungsaufnahme wird diese Kontrolle, die in anderen Lebensbereichen verloren gegangen ist, wieder hergestellt. So können Ängste und eine allgemeine Verminderung des Selbstwertgefühls kompensiert werden. Betroffen sind - auch hier eine Parallele zur Anorexie - vor allem junge, meist gebildete Frauen zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahrzehnt."

https://www.gesundheit.de/ernaehrung/essstoerungen/erscheinungsformen/orthorexie-wenn-gesundes-essen-krank-macht

Wenn die eigene Macht-Position nicht möglich ist, dann versuchen, aus dem Hintergrund zu steuern.

 

Wer auch noch so dumm ist, wird sich einen suchen, der sozial unter ihm steht. Dazu zählen Kinder und Enkel, für die mensch, vor allem frau, wichtig ist. Dies ist für viele Frauen einer der Gründe für den Kinderwunsch: ansonsten tief unten stehend und für niemanden wichtig, gibt es jetzt eine oder mehrere Personen, die frau brauchen. Jene Frauen, die aus diesem Grund in ihrer Mutter- und Großmutter-Rolle aufgehen, können dafür sogar ideal sein. Allerding können sie außer „Kinder“ oft nichts anderes und fallen in ein tiefes Loch, wenn die Kinder aus dem Haus sind und nicht sofort danach die Enkel auftauchen, die frau betütteln kann.

 

Weniger erfreulich geht es bei den anderen zu, die sozial weiter unten stehen – die bekommen nämlich den ganzen Frust ab. Für viele Männer sind das die eigenen Frauen. Wem es gut geht, der erfreut sich seines Lebens. Geht es ihm nicht gut, verprügelt er den unter ihm Stehenden, piesackt ihn auf verschiedene Art und Weise oder stellt sonstwie die „Machtfrage“.

 

 

Das halten die alles für normal!

Glücklicherweise haben die Bewohner des Erdreichs mit solchen Verrücktheiten nichts zu tun, sonst würden sie auch dem Wahnsinn verfallen.

 

 

Ich bin Philanthrop, Demokrat und Atheist. Rupert Regenwurm.