„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ Das ist ein schöner Satz, an den wir uns im Erdreich halten. Wenn wir etwas wissen wollen, dann fragen wir danach (und zwar genau danach); was wir sagen, das denken wir; wenn wir etwas nicht verstehen, sagen wir das. Schwierig wird es erst, wenn wir mit den Menschen zu tun haben. Bei den meisten Menschen funktioniert das gar nicht so und ist dann tatsächlich „vom Übel“.

Die fangen ein Gespräch über ein Thema an, das sie gar nicht interessiert und wurm soll dann erraten, worüber die jetzt reden wollen. Wenn wurm den Fehler macht, über das von ihnen selbst angefangene Thema zu reden, sind sie enttäuscht oder verärgert. Weiters stellen sie Fragen, deren Antworten sie nicht im Geringsten interessieren. Hauptsache, es wird überhaupt geredet. Da macht es nichts, wenn zwei sich anlügen (und beide wissen, dass sie das tun), aber mensch hat gute Gefühle dabei und freut sich.

Als Wurm entsteht da schon der Eindruck, dass der Inhalt der menschlichen Gespräche völlig uninteressant ist und hauptsächlich Emotionen ausgetauscht werden. Manchmal sind diese Gespräche ja wirklich interessant, aber wenn einer von uns danach die Menschen fragt, geben diese den Inhalt zum überwiegenden Teil völlig falsch wider. Was für ein extremer Unfug dabei raus kommt, kann jeder einfach feststellen: Einfach einen Menschen vor den Fernseher setzen und eine Nachrichtensendung ansehen lassen. Und hinterher erzählen lassen, was es da zu sehen gab. Das geht schon mit einer einzigen Nachrichtenmeldung unmittelbar danach gefragt. Für einen Wurm ist das Ergebnis grauenhaft. Wir da unten haben früher die Menschen wg. ihres großen Gehirns bewundert und uns gefragt, was die damit alles machen können. Und dann das!

Erstaunlich ist auch, dass es da oben anscheinend nur oberflächlich einen Gemeinsinn gibt und nur sehr wenige „an der Sache“ (also dem Gesprächsthema) interessiert sind. Meistens geht es nur um sich selbst und die eigenen Kumpels. Und diejenigen, die tatsächlich „an der Sache“ interessiert sind, werden misstrauisch beäugt („der engagiert sich ja nur aus Eigeninteresse für das Thema, wie alle anderen auch“). Wer als Wurm unter die Menschen gerät, kann davon ein Lied singen. Da nicht wichtig für Karriere oder Privatleben, werden wir gerne völlig ignoriert. Auch dann, wenn die uns täglich sehen. Auch dann, wenn wir irgend welche größere Taten begangen haben, die sie mitbekommen haben und die auf irgend eine Art und Weise Einfluss auf ihr Leben haben. Total auf sich selbst und ihre Kumpels fixiert, setzen sie sich einfach nicht mit uns auseinander. Manchmal auch nicht mit ihren Mitmenschen. Und jammern dann darüber, dass sich für sie auch keiner interessiert. Auch wenn sie öffentlich vor Hunderten oder Tausenden von „Freunden“ ihren Freitod ankündigen würden, dürfte die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sein, dass das kaum einen interessiert.

Ich bin ein Wurm – holt mich hier raus!

Doch es gibt einen, der sich für alle Menschen und alle Würmer dieser Erde interessiert: der Geheimdienst. Da werden so ziemlich alle Daten gesammelt und ausgewertet, die von Interesse sein könnten. Natürlich tun die das. Seit Kurzem ist das auch offiziell und die Menschen wundern sich allen Ernstes darüber, sind vielleicht sogar empört.

Überraschung! Geheimdienste sammeln Daten, Regenwürmer wühlen im Erdreich und in Bayern wird viel Bier getrunken! Eigentlich sollten die da oben ja wissen, dass bei Bedarf ihre Zahlungen mit Kreditkarte, Bankkarte, Kundenkarte oder mit online-banking und sonstige Daten abgerufen werden können und ein sehr schönes Profil erstellt werden kann (was liest ein Mensch, welche Musik hört er, welche Lebensmittel kauft er, welche Krankheiten hat er …). Über sein Mobiltelefon ist nachvollziehbar, an welchem Ort weltweit er zu welcher Minute gerade war (wann er mit wem was telefoniert hat, sowieso). Jedes Bildbearbeitungsprogramm hat in seiner Basis-Version ein Gesichtserkennungs-Programm. Selbstverständlich hat die Polizei bessere Programme und kann ausnahmslos jeden (beim Erstellen eines Ausweises bekommt die Polizei automatisch das Passbild) auf öffentlichen Plätzen wieder erkennen. Vielleicht nicht automatisch, aber sehr leicht zu erkennen ist die Stimme eines Menschen. Elektronisch dargestellt und individuell einzigartig, dürfte jede Stimme der Welt (wenn sie mal aufgezeichnet ist) wieder zu erkennen sein.

Die Polizei, die sich neben dem Geheimdienst für diese Daten interessiert, hat natürlich ihr Personal erheblich aufgestockt - und anderweitig abgezogen: kleine Verkehrsunfälle oder kleine Einbrüche etwa werden schon gar nicht mehr von der Polizei aufgenommen, weil deren Personal anderweitig beschäftigt ist.

Das alles ist ja nun wirklich nicht neu und bei Vermeidung bzw. Aufklärung von Verbrechen äußerst nützlich. Dass Polizei und Geheimdienste mehr tun als wünschenswert wäre, ist so überraschend auch nicht: Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Ob bzw. was mensch dagegen tun sollte, ist wieder eine andere Frage.

Auf zwei Randthemen möchte der Wurm aber dennoch eingehen. Das eine Thema ist China. Weltweit nutzen die westlichen Medien jede Gelegenheit, um China als böse Diktatur darzustellen (Ein-Kind-Politik, Minderheitenpolitik (z.B. Tibet), restriktive Maßnahmen bei Seuchen-Bekämpfung wie der Vogelgrippe, Umwelt-Verschmutzung, Unterstützung von Diktaturen weltweit …) und alle naslang spioniert der chinesische Geheimdienst andere Länder aus. Natürlich tut der das und natürlich geht die gespielte Empörung der westlichen Welt der chinesischen Führung auf die Nerven. Jetzt, nach Bekanntwerden des Ausmaßes, was die westlichen Geheimdienste bei sich und im Ausland so treiben, ist für die Chinesen die Zeit gekommen, den Spieß umzudrehen und die USA als den „größten Schurken unserer Zeit“ zu bezeichnen.

Das zweite Randthema hat selbst den Wurm überrascht: die Privatisierung der Geheimdienste. Alleine in den USA haben mehr als 1.900 Privatfirmen mit Spionage zu tun. Ca. 500.000 Beschäftigte dieser Privatfirmen haben Zugang zu Informationen, die von der Regierung als „streng geheim“ eingestuft werden. Eigentlich sollten solche Daten ausschließlich von staatlichen Angestellten eingesehen werden können. Nicht zufällig war es ein Beschäftigter dieser Privatfirmen, der der internationalen Presse mitgeteilt hat, was da los ist.

Nichtsdestotrotz: Der Wurm freut sich, dass es Menschen gibt, die ihn ernst nehmen.

Rupert Regenwurm grüßt seine weltweiten Freunde von Polizei und Geheimdienst!

http://de.wikipedia.org/wiki/Globale_%C3%9Cberwachungs-_und_Spionageaff%C3%A4re